Unternehmen

Benjamin Budde zum 75. von Budde Music: »Da kann noch einiges kommen«

Seit 2018 leitet Benjamin Budde die Geschicke von Budde Music allein. Zum 75. des Musikverlags erläutert der CEO im Gespräch mit MusikWoche unter anderem, wie er das Familienunternehmen über das Publishing hinaus neu aufgestellt hat und welche Rolle sein verstorbener Vater dabei spielte.

03.11.2022 12:05 • von
Leitet Budde Music in dritter Generation: Benjamin Budde (Bild: Julian Mathieu)

Seit 2018 leitet Benjamin Budde die Geschicke von Budde Music allein. Zum 75. des Musikverlags erläutert der CEO im Gespräch mit MusikWoche unter anderem, wie er das Familienunternehmen über das Publishing hinaus neu aufgestellt hat und welche Rolle sein verstorbener Vater dabei spielte.

 

MusikWoche: 75 Jahre Firmengeschichte, ein Familienunternehmen in dritter Generation: Wie erklären Sie neuen Autor:innen oder potenziellen Mitarbeitenden, was Budde Music ausmacht?

Benjamin Budde: Familie, genau darum geht es: Die enge Verbindung zwischen Autor:innen und Verlag macht Budde Music aus. Das habe auch ich hier im Haus von Anfang an so gelernt. Das gilt für das ganze Unternehmen, sei es im A&R-Bereich oder in der Administration: Wir pflegen eine extreme Nähe zu unseren Kreativen.

MusikWoche: Bringt das für Sie auch eine Verpflichtung mit sich?

Benjamin Budde: Für mich ist diese Geschichte mit ihren Werten, gepaart mit einem stetigen Neuerfinden und Anpassen an die Entwicklungen im Musikgeschäft, eine fortlaufende Herausforderung. Meiner Ansicht nach gelingt uns das bei Budde Music gut, auch auf einer quasi organischen Basis: Wir bringen das zum Beispiel unseren Auszubildenden, aber auch neuen Mitarbeitenden von Tag eins an so bei, weil wir nun einmal alle so sind, wie wir sind, und das entsprechend vorleben. Das erkennen unsere Autor:innen an: Sie wissen einfach und schätzen es, dass es bei uns ein wenig anders ist als bei vielen anderen Verlagen.

MusikWoche: Sind Sie gleich an der Spitze ins Familienunternehmen eingestiegen?

Benjamin Budde: Nein. Ich habe zunächst eine Ausbildung beim Schacht Musikverlag in Hamburg absolviert und bin 2008 zu Budde Music gekommen - als ganz normaler Mitarbeiter und Junior A&R mit einem entsprechenden Einstiegsgehalt. Ich durfte mich selbst hochkämpfen, bis es zu ersten Erfolgen kam.

MusikWoche: Wie sahen die aus?

Benjamin Budde: Für mich war klar, dass meine Stärken im Bereich A&R und Song Plugging liegen - das ist auch meine Leidenschaft. Dieses Geschäftsfeld habe ich hier quasi aufgebaut, schließlich arbeitete Budde Music bis dahin vor allem im administrativen Segment. Wir hatten uns damals bereits als bedeutender Service-Partner positioniert, waren aber mit nur zwei Autoren, für die ich gleich zuständig war, kaum aktiv in diesem Geschäftsfeld. Deshalb habe ich angefangen, mit diesen Autoren Co-writes zu organisieren und versucht, ihnen Türen auch in andere Märkte hinein zu öffnen, zum Beispiel durch die Teilnahme an Camps, vor allem in den USA. Mit etwas Glück und vielleicht auch mit dem richtigen Riecher hat es mit ersten Erfolgen im Radio geklappt. So haben wir bis 2012 gesehen, dass die Richtung richtig ist, und wir dieses Feld weiter ausbauen sollten. 2013 bin ich dann Co-Geschäftsführer geworden. Damals fingen mein Vater und ich an, uns zu überlegen, wohin die Reise geht.

__________ » Obwohl wir in unseren Auffassungen sehr unterschiedlich waren, hat mich mein Vater doch so sehr wie es nur eben ging darin unterstützt, das Geschäftsmodell unseres Musikverlags zu meinem Geschäftsmodell zu machen . « Benjamin Budde.

 

MusikWoche: Als Doppelspitze mit Ihrem Vater Rolf haben Sie Budde Music bis zu dessen Tod 2018 geleitet, seitdem fungieren Sie als alleiniger CEO. War die weitere Strategie zu diesem Zeitpunkt schon klar, oder mussten Sie noch nachjus­tieren?

Benjamin Budde: Obwohl wir in unseren Auffassungen sehr unterschiedlich waren, hat mich mein Vater doch so sehr wie es nur eben ging darin unterstützt, das Geschäftsmodell unseres Musikverlags zu meinem Geschäftsmodell zu machen. Das war eine riesige Chance, mich auszuprobieren, die er mir gegeben hat, verbunden mit einem finanziellen Risiko und Investitionen über mehrere Jahre in neue Autor:innen. Mein Vater war für mich als Mentor von großer Bedeutung, aber auch als Unterstützer dieses Fahrplans.

MusikWoche: Angesichts von Corona und den aktuellen makroökonomischen Schocks: Kommt man da eigentlich als Unternehmer noch dazu, sich auf seine eigentlichen strategischen und kreativen Ziele zu konzentrieren?

Benjamin Budde: Ich habe vor dem Tod meines Vaters begonnen, das Unternehmen neu aufzustellen und eine Struktur einzuführen, die es mir ermöglicht, im Tagesgeschäft den Job machen zu können, der mir Spaß macht und in dem ich gut bin: Das ist der kreative Bereich. Hier geht es vor allem darum, neue Ideen mit Autor:innen umzusetzen, also zum Beispiel um Ideen für neue Editionen, neue Labels oder neue Projekte. Diese Struktur hat mein Vater voll unterstützt, obwohl sich dadurch bei uns einiges geändert hat. Nach seinem Tod war es dann auch notwendig, das durchzuziehen. Dadurch konnte ich - dank der großen Unterstützung unseres COOs Ender Atis, unseres CFO Kai Drabe, sowie unseres Führungsteams das Unternehmen so umzubauen, dass wir - zusätzlich zu den verlegerischen Problemen, die auf uns zukamen - zum Beispiel auch mit dem erst 2018 gegründeten Live-Unternehmen Budde Talent Agency (BTA) durch die Krise kommen konnten.

MusikWoche: Wie definieren Sie aktuell Ihre strategischen und kreativen Ziele?

Benjamin Budde: Wir haben derzeit drei Standbeine: Das ist einmal als Kerngeschäft der Verlag, der jetzt 75 Jahre alt geworden ist. Hinzu kommt seit gut sieben Jahren die Künstlermanagementfirma und seit 2018 die BTA. Für alle drei haben wir einen Leitfaden definiert: We Empower Talent To Live Their Dream. Diesen Leitfaden verfolgen wir in allen Unternehmensbereichen, denn schließlich ist es unsere Aufgabe, alle die kreativen Talente, all die Autor:innen und Künstler:innen um uns herum so gut und so umfassend wie nur eben möglich zu unterstützen.

MusikWoche: Was bedeutet das für ein Unternehmen wie Budde Music?

Benjamin Budde: Das bedeutet, dass wir uns immer wieder Gedanken machen müssen, uns so aufzustellen, dass die Autor:innen und Künstler:innen davon einen Mehrwert haben.

MusikWoche: Gibt es dafür konkrete Beispiele?

Benjamin Budde: Ja. Das heißt für uns zum Beispiel, dass wir das Team im A&R-Bereich in den vergangenen Jahren trotz der COVID-Pandemie auf neun Personen erweitert haben, um unseren Autor:innen hier die bestmöglichen Services bieten zu können. Auch in der Managementfirma haben wir für jede:n Künstler:in eine persönliche Ansprechperson, die sie bei Fragen betreuen kann. Und bei der BTA haben wir inzwischen 27 Mitarbeitende, die sich um die verschiedenen Projekte kümmern. Angesichts der Corona-Lage bedeutet das eine ganz besondere Auszeichnung für all die Leute, die hier mitgekämpft und dabei eine wirklich schwierige Zeit erlebt haben, dennoch mit beiden Beinen fest im Leben stehen und nun wieder angreifen wollen - immer mit dem Gedanken, wie wir für unsere Künstler:innen und Talente das Beste erreichen können.

MusikWoche: Auf der Budde Music Homepage findet sich außerdem ein Leitspruch, der ins Deutsche übertragen sinngemäß lautet: »Du schreibst den Song, wir kümmern uns um den Rest«. Ist das Ihr Mission Statement fürs Verlagsgeschäft?

Benjamin Budde: Ja, durchaus. Schließlich haben wir uns als Verlag, aber immer auch als Serviceagentur gesehen. Schließlich benötigen Autor:innen in all den verschiedenen Stufen ihrer Karrieren einen echten Partner In Crime. Zunächst vielleicht, um Co-writes zu organisieren und an Sessions oder Songwriting Camps teilzunehmen. Später einmal, wenn sie ihre eigenen Netzwerke geknüpft haben, läuft das oft ganz autonom. Sie benötigen aber meist weiterhin diesen Partner In Crime, bei verlegerischen und unternehmerischen Fragen ebenso wie vielleicht auch bei eher privaten Entscheidungen.

MusikWoche: Wie meinen Sie das?

Benjamin Budde: Wir beraten unsere Autor:innen zum Beispiel längst in Fragen der Finanz- und Karriereplanung über die reine Autorenlaufbahn hinaus, der Gründung von eigenen Verlagen und anderen Unternehmen, bis hin zu Investments in Start-ups.

__________ »Budde Music ist in allen Unternehmensbereichen, in denen es um Service geht, breit aufgestellt. « Benjamin Budde.

MusikWoche: Verlagsaktivitäten wie Synch oder Administration gehören aber auch weiterhin zum Portfolio, oder?

Benjamin Budde: Absolut. Wir zählen inzwischen im Administrations-Team 15 Leute, die sich in den Teams Data Operations und Client Services um Royalties, Copyright und Controlling kümmern. Hinzu kommen Synch-Teams mit sieben Personen und einem A&R-Team von 15 Kreativen auf dem internationalem Parkett. Budde Music ist also in allen Unternehmensbereichen, in denen es um Service geht, breit aufgestellt - und das immer mit dem Gedanken, dass wir für unsere Autor:innen da sind, Zeit für sie haben und uns mit ihrer Musik auch wirklich beschäftigen können.

MusikWoche: Haben sich die Herausforderungen in diesen klassischen Bereichen des Verlagsgeschäfts in den vergangenen Jahren verändert?

Benjamin Budde: Ja, absolut: Wir müssen sehr viel schneller sehr viel größere Mengen an Daten verarbeiten können. Wir müssen darüber hinaus aber auch in der Lage sein, an Tech-Unternehmen oder Start-ups schnell lizenzieren zu können. Gleiches gilt auch für den Einsatz von Werken in der Werbung oder im Film. Unterm Strich müssen wir es schaffen, mit Tech-Unternehmen und anderen Lizenznehmern in einer Art Symbiose zusammenzuarbeiten. Bis dahin aber gilt es noch viele Schritte zu unternehmen.

MusikWoche: Nun haben Sie die internationalen Aktivitäten von Budde Music bereits erwähnt. Gibt es da neben der Niederlassung in Frankreich oder dem Zusammenschluss mit Phrased Differently in Großbritannien weitere Bestrebungen, Budde international breiter aufzustellen?

Benjamin Budde: Auf jeden Fall gibt es das Bestreben, die Aktivitäten und Büros in den bisherigen Märkten auszubauen und dort idealerweise so erfolgreich zu sein, wie wir es hierzulande sind. So haben wir uns zum Beispiel noch im ersten Lockdown bei Phrased Differently in London eingekauft. Damit haben wir einen großen Schritt in Hinblick auf eine UK-Expansion getan und dort bereits enorme Erfolge erzielen können - auch in Zusammenarbeit der Teams in UK und Deutschland, darauf bin ich besonders stolz. Unsere Teams haben inzwischen auch in den USA große Platzierungen bei Künstler:innen wie Drake, Doja Cat, Ava Max und sogar bei K-Pop Bands wie NCT 127 erreicht, die aktuell auf #1 der Amerikanischen Billboard Charts sind.

MusikWoche: Geht es bei der Frage nach internationaler Expansion einzig um Musikverlagsaktivitäten, oder verfolgen Sie auch das Ziel, zum Beispiel die Managementtätigkeiten oder das BTA-Modell zu exportieren?

Benjamin Budde: Zunächst richten wir unseren Fokus für diese Territorien auf die Musikverlagstätigkeiten. Ich möchte aber nicht ausschließen, dass wir den Schritt in andere Regionen in ein paar Jahren nicht auch mit unseren anderen Geschäftsbereichen wagen.

__________ » Wir sind angetreten, Budde Music weiterhin als ein Familienunternehmen zu führen . « Benjamin Budde.

 

MusikWoche: Zuletzt herrschte Goldgräberstimmung im Geschäft mit Musikka­talogen. Juckt es Sie da nicht manchmal auch selbst in den Fingern, oder andere beim Thema Budde Music?

Benjamin Budde: Natürlich ist es interessant, was da alles passiert. Und es ehrt uns sehr, wenn wir bei solchen Zahlen vom Interesse hören, uns Angebote zu machen. Aber wir sind angetreten, Budde Music weiterhin als ein Familienunternehmen zu führen. Jetzt sind wir bei 75 Jahren angekommen, und ich wäre sehr sehr froh, wenn wir die 100 knacken können - und gern mehr. Das ist mein nächstes Ziel, da geht es jetzt steil darauf zu.

MusikWoche: Ein paar Zahlen wie bei BTA hatten Sie bereits genannt, aber wie sieht es mit der Teamstärke bei Budde Music insgesamt aus?

Benjamin Budde: Über alle Unternehmen der Budde Group hinweg haben wir inzwischen die Marke von 100 Mitarbeitenden überschritten. Vor dieser Zahl hatten wir zunächst durchaus ein wenig Angst. Aber dennoch fühlt es sich für mich immer noch an wie ein kleines Familienunternehmen. Hinzu kommt, dass jede Teilfirma von tollen Team Leads beziehungsweise Managing Directors geleitet wird. Insgesamt sind wir bei Budde Music 62 Personen.

MusikWoche: Gibt es weitere Kennzahlen, zum Beispiel von der Katalogstärke bis zum Jahresumsatz?

Benjamin Budde: Eine Kennzahl, auf die ich besonders stolz bin, haben wir jetzt bei den Recherchen zum 75. Firmenjubiläum herausgefunden: Demnach wurde das Unternehmen genau am 2. September 1947 gegründet. Interessanterweise bin ich selbst genau 39 Jahre später zur Welt gekommen, und in diesem Jahr haben wir in dieser Geburtstagswoche sechs Top-10-Platzierungen in den deutschen Airplay-Charts verzeichnen können, darunter die Plätze eins bis vier. Das ist uns meines Wissens nach so zuvor noch nie gelungen - und zugleich ein tolles Geburtstagsgeschenk für meinen Großvater, meinen Vater, meinen Onkel und mich.

MusikWoche: Und beim Katalog?

Benjamin Budde: Da liegt Budde Music ohne Subverlagsrechte bei rund 130.000 Werken.

MusikWoche: Wie sieht es denn firmenintern aus, machen die Musikverlagsaktivitäten weiterhin das Gros der Umsätze aus, oder sind die Managementfirma und BTA auf Kurs, Boden gutzumachen?

Benjamin Budde: Der Musikverlag steht auf jeden Fall für den Großteil unserer Einnahmen. BTA hat dank der großartigen Künstler:innen, die uns bei unserer Mission unterstützen, jedoch schnell einen Riesensprung machen können. Wir investieren hier aber weiterhin alles in die Strukturen und den Aufbau einer vollumfänglichen Entertainment-Agentur, die mit Bereichen wie Brands oder Motion Pictures noch in unterschiedliche Geschäftsfelder vorstößt.

MusikWoche: So etwas wie die Budde-Music-Inside-App - ist das ein »nice to have« oder »must have« in Sachen Kundenbindung?

Benjamin Budde: Ich glaube fest an Transparenz. Und ich bin mir sicher, dass Fragen der Transparenz ein Kernfaktor für die Zukunft im Musikverlagswesen sind. Deshalb haben wir schon vor einigen Jahren entschieden, uns auch als Tech-Unternehmen zu verstehen, im Mai 2018 mit Buddemusic Inside unsere erste App vorgestellt und diese seitdem stets weiter entwickelt. Dabei geht es für uns um ein Tool, das wir unseren Autor:innen - neben all den menschlichen Serviceleistungen - an die Hand geben können.

__________ » Das Familienunternehmen kann in einigen Fällen schneller agieren als zum Beispiel mit Investorengeldern finanzierte Unternehmen das können . « Benjamin Budde.

MusikWoche: Das Thema Transparenz spielt auch in der Eigenwerbung mancher Mitbewerber im Verlagsgeschäft eine bedeutende Rolle. Empfinden Sie das als störend, wenn manche sich als so viel transparenter als andere darstellen?

Benjamin Budde: Nun, die Bedeutung des Themas haben ganz offenbar auch andere verstanden. Dabei handelt es sich aber zumeist um größere Schiffe, als wir es sind. Unser Vorteil ist es, dass wir eigene Ideen mit Entwickler:innen relativ schnell und auf kurzen Wegen umsetzen können. Solche Prozesse durchlaufen hier keine großen Gremien: wir machen das einfach. Das gilt auch, wenn Autor:innen sich mit Ideen an uns wenden, die wir zeitnah umsetzen können. Das Familienunternehmen kann nun einmal in einigen Fällen schneller agieren als zum Beispiel Major-Verlage oder mit Investorengeldern finanzierte Unternehmen das können. Aber dass Transparenz großgeschrieben wird, sollte heutzutage längst Standard sein. Als Verlagsbranche hängen wir dem allerdings noch ein wenig hinterher und haben noch einiges aufzuholen. Teils fehlen zum Beispiel Daten oder die nötigen Analyse-Tools. Für Budde Music verfolge ich das Ziel, dass wir irgendwann einmal sogar in Echtzeit abrechnen können, das aber ist heute noch Zukunftsmusik.

MusikWoche: Kommen wir noch einmal zur Geschichte der Budde-Musikverlage: »Pack die Badehose ein« oder »Big In Japan«, welche Rolle spielen diese für Ihr Unternehmen doch so prägenden Hits heute noch im Tagesgeschäft?

Benjamin Budde: Wir sind sehr stolz darauf, diese großen Werke weiterhin betreuen zu dürfen. Natürlich spielen sie noch immer eine riesige Rolle, die sogar noch weiter wächst, weil wir die Vermarktung zum Beispiel der Werke von Alphaville ebenso wie bei anderen prägenden Songs wie »Din daa daa« von George Kranz auch in internationalen Märkten wie den USA, UK oder Frankreich vorantreiben - eben überall wo Synch-Platzierungen stattfinden können. Dazu stehen wir in einem engen und gut funktionierenden Austausch mit den Autor:innen oder auch der Familie von Hans Bradtke, dem Komponisten von »Pack die Badehose ein«, der 2020 genau 100 Jahre alt geworden wäre. Dieser Song spielt noch immer eine ganz große Rolle für uns. Schließlich war das unser erster Hit, den Hans Bradtke einst als Verlagsmitarbeiter - heute würde man wohl sagen als A&R - im Jahr 1953 für die damals achtjährige Cornelia Froboess geschrieben hat. Das hat für uns im Verlagsgeschäft wirklich alles verändert.

MusikWoche: Sind dann zum Beispiel die Künstler:innen Aurora, die nun auch schon seit 2013 mit Ihnen arbeitet, und Alvaro Soler die nächsten Budde-Heritage-Artists, die Sie zum 100-Jährigen der Firma feiern können?

Benjamin Budde: Das könnte schon passieren. Natürlich aber werden in den kommenden 25 Jahren auch noch weitere tolle Künstler:innen mit Budde Music zusammenarbeiten. Darüber hinaus versuchen wir, auch Werke aus der Vergangenheit neu aufzunehmen oder neu interpretieren zu lassen. Schließlich können sich auch so legendäre Songs wie »Summer Wind« von Frank Sinatra weiter entwickeln und noch einmal ein zweites Leben bekommen.

MusikWoche: Ich habe hier noch andere Zahlen, nämlich von 2020, 2021 und 2022, als Budde Music im Rankin von GfK Entertainment nach Chartsanteilen der Verlage die Plätze fünf, fünf und im bisherigen Jahresverlauf Position sechs mit jeweils um die fünf Prozent belegte. Welche Bedeutung haben diese Zahlen für Sie?

Benjamin Budde: Als privates Unternehmen unterliegen wir keinerlei Reportings und müssen keinen Investoren etwas beweisen. Insofern sind solche Werte für uns eine tolle Bestätigung unserer Arbeit, sie helfen uns aber nicht in irgendeiner Form. Für uns zählen eher die Airplay-Charts, aber auch relevante Platzierungen in den Hitlisten von Spotify, Amazon Music, Apple Music oder anderen DSPs. Die Offiziellen Deutschen Charts sind zwar ebenfalls relevant, stehen aber für uns als Musikverlagsunternehmen eher nicht so ganz im ­Vordergrund. In diesem Jahr haben wir es sogar kurz mal auf den vierten Platz mit knapp zehn Prozent Marktanteil geschafft gehabt, aber wie gesagt - das wird dann nicht so groß gefeiert.

MusikWoche: Den 70. von Budde Music haben Sie noch mit mehreren Hundert Gästen an der Spree in Berlin gefeiert. Wie sieht das zum 75. aus?

Benjamin Budde: Wir haben uns in diesem Jahr überlegt, dass wir anstelle nur einer großen Feier viele kleine Partys etwas größer begehen wollen. Begonnen haben wir damit beim Reeperbahn Festival, wo wir schon seit vielen Jahren den Berliner Empfang mit veranstalten und nun statt wie bislang mit rund 300 Leuten erstmals rund 800 Leute in die Räumlichkeiten der Astra Brauerei am Nobistor laden konnten. Darüber hinaus werden wir im Laufe der Zeit auch in unseren Berliner Büros noch Veranstaltungen mit unseren Autor:innen haben, wollen gegebenenfalls auch zur Berlinale etwas Größeres machen als sonst und hoffentlich führt das alles dann im kommenden Sommer - und damit immer noch innerhalb des 75. Jubiläumsjahres - zu einer größeren Veranstaltung.

MusikWoche: Der Blick in die Glaskugel, wo steht denn Ihrer Meinung nach Budde Music in fünf bis zehn Jahren, wohin kann es in den nächsten 75 Jahren gehen?

Benjamin Budde: Ich wünsche mir, dass wir gemeinsam mit unseren Autor:innen die nächsten selbst gesteckten Ziele erreichen, globale Hits kreieren und in zahlreichen Genres aktiv sind. Ich sehe die Budde Group dabei mittelfristig international aufgestellt mit Büros in verschiedenen Märkten, mit zahlreichen Firmen, die sich untereinander unterstützen und es schaffen, Stars aus Europa heraus aufzubauen und in die ganze Welt zu entsenden, und dabei etablierte Autor:innen in den USA, in Großbritannien und Schweden unter Vertrag zu haben.

MusikWoche: Warum gerade in diesen drei Nationen?

Benjamin Budde: Nun, das sind die Märkte mit dem weltweit größten Einfluss.

__________ » Wir kennen  keine Grenzen in unserer Signing-Politik und können aus allen Genres Autor:innen unter Vertrag nehmen, die wir toll finden . « Benjamin Budde.

MusikWoche:  Vertritt Budde Music denn zum Beispiel bereits Autor:innen aus Schweden?

Benjamin Budde: Ja, vereinzelt. Zum Beispiel haben wir Björn Dixgard von Mando Diao unter Vertrag nehmen können, der auch schon beim Empfang zu unserem 75. auf dem Reeperbahn Festival aufgetreten ist. Wir kennen zudem keine Grenzen in unserer Signing-Politik und können aus allen Genres Autor:innen unter Vertrag nehmen, die wir toll finden und mit denen man eine Basis für eine Zusammenarbeit finden kann. Insofern spricht nichts dagegen, das Engagement auch dort weiter auszubauen.

MusikWoche: Abseits des Budde-Familienunternehmens hat sich Ihr Vater über lange Jahre im DMV und in der GEMA engagiert. Wie sieht das bei Ihnen aus?

Benjamin Budde: Ich habe mit meinem Vater damals eine ganz tolle Aufteilung der Geschäftsbereiche beschließen können. Dabei habe ich mich, zumindest für diese erste Phase meiner Karriere, dagegen entschieden, diese Bereiche des Musikverlagsgeschäfts zu sehr in mein Tagesgeschäft einzubauen. Wir sind aber durch die aktive Arbeit unseres Teams stark beim DMV in Ausschüssen vertreten und schultern diese Arbeit nun noch intensiver gemeinsam. Zudem ist Ender im Board des Independent Music Publishing Forum (IMPF) und auch die Geschäftsführererin von Budde Music Frankreich ist im Aufsichtsrat der SACEM. Ich engagiere mich auch in unterschiedlichen Gremien, aber längst nicht so sehr, wie mein Vater das getan hat. Das schreibe ich aber vielleicht noch für die Zukunft mit auf meinen Plan. Ich bin schließlich erst Mitte 30 - da kann noch einiges kommen.

__________zur Person

Als Inhaber und CEO führt Benjamin Budde das 1947 gegründete und stetig wachsende Familienunternehmen Budde Music Publishing nunmehr in dritter Generation. Er leitet außerdem die Kreativabteilung der Unternehmensgruppe. Der Verlag hat Tochterfirmen in Städten im europäischen und außereuropäischen Ausland wie London, Paris und Los Angeles und verfügt über ein weltweites Netzwerk von Subverlagen und Partnern. Zudem gründete Benjamin Budde im Jahr 2015 Budde Music Management und ist seit 2018 Gesellschafter bei BTA, der Budde Talent Agency. Sowohl im April 2021 als auch im April 2022 wurde er vom US-amerikanischen Branchenmagazin »Billboard« als International Power Player ausgezeichnet.

Interview: Knut Schlinger