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Amazon Music will mehr als Musik machen

Das Team von Amazon Music zeigte auf dem Reeperbahn Festival deutlich Präsenz. Und das lag nicht nur an einem Wandbild, das nahe der Spielstätte Bahnhof Pauli mit den Gesichtern der Künstlerinnen Luna und Nina Chuba großflächig für die "Breakthrough"-Kampagne des Unternehmens warb.  

07.10.2022 10:39 • von
Warfen beim Reeperbahn Festival einen Blick in den Maschinenraum von Amazon Music: Ulrich Järkel (links) und Roger Menz. (Bild: MusikWoche)

Das Team von Amazon Music zeigte auf dem Reeperbahn Festival deutlich Präsenz. Und das lag nicht nur an einem Wandbild, das nahe der Spielstätte Bahnhof Pauli mit den Gesichtern der Künstlerinnen Luna und Nina Chuba großflächig für die »Breakthrough«-Kampagne des Unternehmens warb.

Vielmehr nutzten Ulrich Järkel, der im Frühjahr als Head of Music Industry für Deutschland und Österreich zu Amazon Music kam, und Roger Menz in seiner Rolle als Head of Artist Marketing & Partnerships Europe & ANZ den Branchentreff, um einen Überblick zu jüngeren Aktionen und einen Einblick in strategische Ziele zu geben. Kein Wunder, dass die Präsentation unter dem Motto »Amazon Music - More Than Just Music« gut besucht war.

_____________Ein immersiver Streamingdienst

»Wir wollen zeigen, dass wir auf dem Weg sind, ein immersiver Musik­streamingdienst zu werden, der mehr bietet als Musik«, machte Ulrich Järkel zu Beginn klar - und bstätigte damit auch auf der Reeperbahn-Bühne Ziele, die er bereits zuvor im Gespräch mit MusikWoche geäußert hatte. Amazon Music sei schließlich konzernintern eingebettet in die neuen Strukturen der Global Media & Entertainment Organization unter der Leitung von Jeff Blackburn. Konzernschwestern wie Audible, Twitch und Prime Video, aber auch der Ende 2020 zugekaufte Podcast Anbieter Wondery gehörten ebenfalls zu dieser Sparte. »Ziel ist eine holistische Plattform«, sagte Järkel. Musik stehe dabei an erster Stelle. Die Präsentation »More Than Just Music« sollte zeigen, was alles in Amazon Music 2.0 steckt - vom An­gebot in HD-Formaten über Originals und andere Bestandteile verschiedener Kampagnen bis zur App Amazon Music For Artists.

Als Beispiel für breit angelegte Kampagnen nannte Roger Menz die Aktivitäten rund um das Album »= (Equals)« von Ed Sheeran. Dessen Veröffentlichung begleitete Amazon Music nicht bloß mit Außenwerbung unter anderem in Form von Murals, sondern auch mit einem eigens erstellten Instagram-Filter, der Schmetterlinge aus dem Cover-Artwork in die Social-Media-Welten fliegen ließ. Hinzu kam ein Launch Event für Fans als ein »Once In A Lifetime«-Moment, der aufgrund eines positiven Corona-Tests beim Künstler selbst »anders als ursprünglich geplant« ablief, wie Menz einräumte.

Amazon Music engagiere sich aber auch für lokale Acts, berichtete Ulrich Järkel mit Verweis auf Alice Merton und deren »Orangery Session«: »Dieses Beispiel zeigt, wie wichtig uns und unserm Team das Thema Storytelling ist.« Schließlich sei die Künstlerin zu ihren Wurzeln nach Irland zurückgekehrt, was das Unternehmen mit einer rund zwölfminütigen Mini-Doku auf dem Künstlerkanal begleitete. Järkel lobte die Zusammenarbeit mit Alice Merton als ein »Perfect Match«, da hier gleich »drei Säulen« der Amazon-Ziele abgedeckt seien, nämlich »Female Representation« und internationale Strahlkraft; drittens wolle man aber auch Pop als Genre bedienen, um hohe Reichweiten zu generieren. »Alle waren happy«, resümierte Järkel. »Und wenn Künstler und Management happy sind, sind wir es auch.«

Über Beispiele aus dem Breakthrough-Programm ging es zu einem Ausblick auf anstehende Produkt-Updates: Hier versprach Roger Menz unter anderem eine weitere Stärkung des 3D-Audio-Angebots oder die Einführung eines Shops für Artist Merch: »Viele Artists hätten das super gern«, wusste Menz. Und wenn Amazon eines könne, dann sei es doch die Auslieferung von Waren.

Der Ausblick hatte aber auch ein bisschen Umsturz in sich: »Das Produkt, das man heute sieht, wird morgen so nicht mehr relevant sein«, meinte Menz. So habe es früher den Buy-Button gegeben, später dann den Play-Button, »und wenn man heute überlegt, was im Amazon-Ökosystem alles vorhanden ist, dann öffnen sich beinahe unzählige Möglichkeiten und Innovationen«.

Text: Knut Schlinger