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Erste Reaktionen zur neu benannten Ansprechperson

Schon im Koalitionsvertrag hatte die Ampelregierung versprochen, den Posten einer Ansprechperson für die Kultur- und Kreativwirtschaft zu schaffen. Nun, rund zehn Monate und ein paar Probleme später, steht fest, wer diese Aufgabe übernimmt. MusikWoche sammelt in einer Blitzumfrage die ersten Reaktionen aus Pop und Politik ein.

06.10.2022 15:28 • von
Lieferte das erste Statement zum frisch benannten Anpsrechpartner für die Kultur- und Kreativwirtschaft: der Grünen-Kulturpolitiker Erhard Grundl (Bild: Erhard Grundl)

Schon im Koalitionsvertrag hatte die Ampelregierung versprochen, den neu geschaffenen Posten einer Ansprechperson für die Kultur- und Kreativwirtschaft zu schaffen. Nun, rund zehn Monate und ein paar Probleme später, steht fest, wer diese Aufgabe übernimmt: Und zwar handelt es sich dabei um Michael Kellner, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz. Als stellvertretender Ansprechpartner für die Branche soll Andreas Görgen fungieren, Amtschef bei der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

MusikWoche sammelt in einer Blitzumfrage die ersten Reaktionen aus Pop und Politik ein. Die erste Stimme aus der Politik kam dabei noch vorab und binnen weniger Minuten nach der offizielle Bestätigung aus Berlin.

"Jetzt hat die Kultur- und Kreativwirtschaft eine direkte Ansprechperson bei der Bundesregierung, wie es von SPD, Grünen und FDP im Koalitionsvertrag vereinbart wurde. Damit setzt die Ampel-Koalition eine zentrale Forderung um", kommentierte Erhard Grundl, Sprecher für Kultur- und Medienpolitik der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen: "Mit Staatssekretär Michael Kellner, MdB hat die Kultur- und Kreativwirtschaft einen erfahrenen Politiker als Ansprechperson, der sich für die Belange, Sorgen und Zukunftsvisionen der Branche einsetzen und sie an den richtigen Stellen in seinem Ministerium platzieren wird. Mit dem leitenden Beamten des BKM, Andreas Görgen, als Stellvertretung, werden Wirtschafts- und Kulturpolitik richtigerweise eng verbunden, so dass die Themen der Branche dort ankommen, wo es nötig ist. Zudem ist Michael Kellner als Mitglied des Bundestags auch in der Legislative verankert."

Allerdings macht Grundl klar: "Der Branche, Michael Kellner und uns Kulturpolitiker*innen ist klar, dass allein durch die Benennung einer Ansprechperson die multiplen Probleme nicht gelöst sind. Nun aber können wir gemeinsam auf der Grundlage eines institutionalisierten Kommunikationskanals nach Lösungen suchen. Wichtig wird sein, dass auch die Kultur- und Veranstaltungsbranche, die unter Corona mehr gelitten hat, als viele andere, mit in den Fokus genommen wird." Nun sei ein "wichtiger Schritt getan, um der Kultur und Kreativwirtschaft wie auch der Kultur-Veranstaltungsbranche Gehör zu verschaffen".

Kurz darauf meldete sich Florian Drücke zu Wort, als Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands Musikindustrie (BVMI), wo man den Schritt als ein wichtiges Signal für den gesamten Wirtschaftszweig wertet: "Die Benennung von Michael Kellner zum Ansprechpartner für die Kultur- und Kreativwirtschaft bei der Bundesregierung ist gerade jetzt wichtig. Es ist gut, dass die Koalition diesen lang angekündigten Schritt nun vollzogen hat, und wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit Staatssekretär Kellner bei einer Vielzahl von Themen der Kreativwirtschaft, die eben auch mit der wirtschaftlichen Brille betrachtet werden müssen. Ziel sollte nun sein, in die Arbeit einzusteigen und der Kreativwirtschaft in Deutschland und Europa dabei eine bessere Sichtbarkeit zu verleihen - auch, um damit zum besseren Verständnis der Rolle von Unternehmen und den diversen kreativen Partnerschaften mit Künstler:innen beizutragen. Wir freuen uns auf einen konstruktiven und intensiven Austausch, selbstverständlich in Kooperation mit der Beauftragten für Kultur und Medien, denn die kulturelle Bindung der Branche wird durch dieses Nachschärfen der Zuständigkeit nicht verringert, was durch die Ernennung von Dr. Andreas Görgen als Stellvertreter gut hervorgehoben wird."

"Mit Vorschusslorbeeren sind wir gerne sparsam - zunächst einmal freuen wir als DMV uns, dass der Ansprechpartner und sein Stellvertreter endlich benannt wurden", lässt Birgit Böcher wissen, Geschäftsführerin des Deutschen Musikverleger-Verbands. "Und wir hoffen, dass der Austausch nun auch zügig startet, die Herausforderungen in der Branche werden ja nicht weniger. Was die Berufung für uns bedeutet und wie die Zusammenarbeit sich gestaltet, werden die kommenden Wochen zeigen. Wir sind jedenfalls offen für (fast) alles und gesprächsbereit."

Beim Interessenverband Musikmanager & Consultants ( IMUC) begrüßt der kürzlich zum Vorstandsvorsitzenden gewählte Patrick Oginski  die - "endlich" - getroffene Entscheidung für die Benennung eines Ansprechpartners: "Es gilt jetzt, nach vorn zu schauen. Dabei wird es aus unserer Sicht vor allem darum gehen, möglichst schnell den drohenden Substanzverlust vor allem in der freien Kulturszene zu verhindern beziehungsweise zumindest zu begrenzen. Wir freuen uns auf den Ausstausch und sehen der Entwicklung grundsätzlich erstmal positiv entgegen."

Auch bei der Koalition Kultur- und Kreativwirtschaft in Deutschland (k3d) wertet man den Schritt als gutes und wichtiges Signal: "Wir freuen uns sehr, dass unser Wirtschaftszweig mit Michael Kellner nun endlich einen direkten Ansprechpartner auf der Leitungsebene des Bundeswirtschaftsministeriums hat", erklärte Helmut Verdenhalven vom Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger für k3d. Vor dem Hintergrund der hohen Bedeutung der Kultur- und Kreativwirtschaft für den Wirtschaftsstandort Deutschland sei diese Entscheidung überfällig. "Unsere Branche steht für Kreativität, Innovation und Produktivität und ist dabei Impulsgeber und Gestalter für viele andere Wirtschaftszweige. Wir freuen uns darauf, unsere Kompetenzen und Bedürfnisse jetzt noch besser in die Arbeit der Bundesregierung einbringen zu können", ergänzte zudem Birgit Reuß vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels für k3d.

Auch beim Bundesverband der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft (BDKV) begrüßt man den Vorstoß der Bundesregierung: "Für die deutschen Kulturveranstaltungsunternehmen, die nach wie vor erheblich unter den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie leiden und nun zusätzlich vor den großen Herausforderungen der Energiekrise stehen, ist ein ständiger Ansprechpartner auf Ministerebene sowohl im Wirtschafts- als auch im Kulturbereich von elementarer Bedeutung", kommentiert BDKV-Präsident Jens Michow. "Die von der Kulturveranstaltungswirtschaft finanzierten und organisierten Live-Auftritte sind heute die wesentliche Einkommensquelle nicht nur aller ausübenden Künstler:innen und Autor:innen sondern auch zahlreicher nachgelagerter Wirtschaftsbereiche sowie der großen Zahl selbständiger Dienstleister und Soloselbständiger. Die Veranstalterverbände haben beiden Ministerien in den letzten Monaten immer wieder die besondere Problemlage des Wirtschaftszweigs dargestellt und hoffen, nunmehr in regelmäßigen persönlichen Gesprächen Wege erarbeiten zu können, die der Branche ein wirtschaftliches Überleben ermöglichen."

Mike P Heisel lässt ein Statement vom Rat der Vertreter:innen er Bundeskonferenz Veranstaltungswirtschaft folgen: "Wir freuen uns und gratulieren dem parlamentarischen Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Klima, Michael Kellner, MdB, zu seiner neuen, zusätzlichen Funktion als Beauftragter für Kultur- und Kreativwirtschaft. Gemeinsam mit dem Amtschef im Bundesministerium für Kultur und Medien, Dr. Andreas Görgen als Stellvertreter sehen wir die Interessen und Probleme der Veranstaltungswirtschaft künftig gut verortet. Zu Michael Kellner als Beauftragter für den Mittelstand hat die Bundeskonferenz Veranstaltungswirtschaft über den fwd: Bundesvereinigung Veranstaltungswirtschaft e.V. bereits einen konstruktiven Austausch und vertrauensvollen Dialog. Dr. Andreas Görgen ist als leitender Beamter des BKM und als ehemaliger Leiter der Abteilung Kultur und Gesellschaft im Auswärtigen Amt sehr versiert. Er hat detaillierte Kenntnis über die aktuellen Sorgen der Konzertbranche. Beste Voraussetzungen für das notwendige schnelle Onboarding in unseren von der nächsten Krise betroffenen Wirtschaftszweig."

Kurz darauf steuert auch der Verband unabhängiger Musikunternehmer*innen (VUT) eine erste Reaktion bei: "Von k3d und Forum Musikwirtschaft schon lange gefordert, wurde auf der vom Forum Musikwirtschaft organisierten Musikwirtschaftskonferenz Anfang September in Berlin der dringende Wunsch der beteiligten Verbände nach einem*r weisungsbefugten politschen Ansprechpartner*in noch einmal deutlichst formuliert", erinnert die VUT-Vorstandsvorsitzende Birte Wiemann. Dieser Wunsch habe nun "mit der Benennung von Michael Kellner final Gehör" gefunden. Wiemann ergänzt: "Hier fällt der längst überfällige Startschuss für offene und informierte Gespräche mit einer Kultur- und Kreativbranche, deren eng verzahnte Gewerke nicht nur täglich die Herausforderungen des modernen Kulturbetriebs annehmen, sondern deren Fachverbände auch als Sprachrohr vieler kleinerer Einzelunternehmer*innen fungieren. Wir hoffen, gemeinsam mit Michael Kellner auch den Kommunikationskanal unserer Verbände zur Bundesbeauftragten für Kultur und Medien im Sinne einer weitsichtigen Kulturpolitik nachhaltig zu etablieren."

Auch die Initiative Urheberrecht gratuliert Michael Kellner zur Ernennung zum Beauftragten der Bundesregierung für Kultur- und Kreativwirtschaft: "Die Kulturwirtschaft hat einen neuen Ansprechpartner bei der Bundesregierung, das begrüßen wir", sagt der Komponist Matthias Hornschuh als Sprecher der Kreativen in der IU: "Das zentrale Ordnungsmarktrecht der Kultur- und Kreativwirtschaft ist das Urheberrecht, es umfasst vielfältige Aspekte von Vergütung bis Digitalisierung in Kultur und Medien. Unsere Kolleginnen und Kollegen leben und arbeiten darin und davon. Es versteht sich, dass wir Michael Kellner beratend, aber auch fordernd zur Verfügung stehen."

Als Geschäftsführerin der IU ergänzt Katharina Uppenbrink : "Wir freuen uns auf eine gute Zusammenarbeit mit Michael Kellner. Als Plattform für Urheberrecht bieten wir einen Kompass zur Orientierung, wie die einzelnen kreativen Branchen funktionieren und wo die spezifischen Herausforderungen liegen."

Kurz vor der Benennung zur Ansprechperson hatte der parlamentarische Staatssekretär Michael Kellner im Umfeld der gamescom bereits mit der MusikWoche-Schwesterzeitschrift GamesMarkt gesprochen.

Zusammenstellung: Knut Schlinger