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Reeperbahn-Zahlen übertreffen 2021, bleiben aber hinter 2019 zurück

Mit 4300 Delegierten und 41.000 verkauften Tickets beim öffentlichen Liveprogramm lag die 17. Ausgabe des Reeperbahn Festivals zwar deutlich über der Hybrid-Ausgabe von 2021, aber unter den 2019-Zahlen vor der Zeitenwende. Dennoch zieht das Organisationsteam ein positives Fazit.

26.09.2022 13:02 • von Frank Medwedeff
Politik und Branche beim Reeperbahn Festival 2022 (von links): Carsten Brosda, Alexander Schulz und Stephan Thanscheidt (FKP Scorpio) beim Get-together vorm Anchor Award (Bild: MusikWoche)

Mit 4300 Delegierten und 41.000 verkauften Tickets beim öffentlichen Liveprogramm lag die 17. Ausgabe des Reeperbahn Festivals zwar deutlich über der Hybrid-Ausgabe von 2021, aber unter den 2019-Zahlen vor der Zeitenwende. Dennoch zieht das Organisationsteam um RBX-Chef Alexander Schulz und den Konferenzverantwortlichen Detlef Schwarte ein positives Fazit. Man freut sich über "endlich wieder volle Clubs", in denen vom 21. bis 24. September 2022 rund 400 Acts aus rund 40 Ländern auftraten.

Zum Vergleich: Nach 5500 Fachbesuchern im Jahr 2018 kamen 2019 etwa 5900 Delegierte zum Reeperbahn Festival. Damit hatte sich der Anstieg von 20 und 17 Prozent in den Vorjahren auf einen Zuwachs von sieben Prozent reduziert. Die Besucherzahlen des öffentlichen Bereichs waren damals von 45.000 auf 50.000 gestiegen - ein Plus von 11,1 Prozent. Bei der unter strikten Corona-Auflagen stattgefundenen Hybrid-Ausgabe 2021 hatte das Reeperbahn Festival rund 2000 Fachbesucher*innen und 25.000 Besucher*innen des öffentlichen Programms gezählt.

Neben den 400 Live-Acts bot das Reeperbahn Festival 2022 zudem 80 Programmpunkte aus den Bereichen Arts, Film und Word - viele davon wieder auf dem Heiligengeistfeld, wo erneut das Festival Village seinen Platz gefunden hatte. Für die rund 4300 Fachbesucher*innen standen bei der Konferenz mehr als 200 Programmpunkte mit Sessions, Networking-Events, Showcases und Award-Verleihungen bereit. Dazu gehörten der Festival-Award Helga und der Preis für Musikjournalismus sowie der Anchor Award am Samstagabend, den wie bereits das Opening Neuland Concerts als Produktionsfirma betreut hatte.

Der Anteil an Acts mit weiblicher Beteiligung habe im Musikprogramm rund 55 Prozent betragen, im Konferenzprogramm seien 50 Prozent Frauen im Einsatz gewesen, teilt das Festival mit, das zu den Gründungsvätern der Keychange-Initiative für mehr Sichtbarkeit von Frauen gehört..

Als "taktgebende Themen" des Festivals und seiner Business-Konferenz nennen die Veranstalter die aktuellen Herausforderungen der Musikindustrie wie Fachkräfte- und Nachwuchsmangel, die Auswirkungen des Ukraine-Krieges auf den internationalen Musikmarkt, angemessene Vergütungsmodelle der Streaming-Plattformen sowie eine insgesamt nachhaltigere Gestaltung der Musikindustrie inklusive eines ausgeglicheneren Geschlechter-Verhältnisses im Konferenz-Programms. Dazu habe man zahlreiche Angebote wie den Sustainability-Hub und "zielgenaue Plattformen" für Diskussionen und Vernetzung offeriert.

Zu den Höhepunkten des Konferenzprogramms gehörten zudem das Keynote Interview von Dieter Semmelmann, das von MusikWoche-Autor Manfred Tari zusammengestellte "Parliament Of Pop", eine informative Fragerunde zwischen Daniel Lanois und seinem BMG-Chef Fred Casimir, President Continental Europe, sowie ein unterhaltsames Gespräch mit Karsten Jahnke und Ben Mitha zum 60-jährigen Jubiläum ihrer Konzertagentur.

Weitere Highlights bildete die Politrunde "Musik in der aktuellen Legislatur" und die witzige, von Jörg Heidemann (VUT) moderierte Session "VUT Schlüsselloch Klönschnack - Wahrheit oder Pflicht" mit Carsten Brosda (Senator Behörde für Kultur und Medien Hamburg), Anne Haffmans (Head of Domino Records Deutschland), Mona Rübsamen (Geschäftsführung/ Mitgründerin, FluxFM/Flux Music) und Alexander Schulz (Geschäftsführer RBX), dem am Reeperbahn-Samstag das Anchor-Publikum ein spontanes Ständchen zum Geburtstag darbrachte.

Spürbar unter allen Fachbesuchern war die Freude, sich wieder persönlich zu treffen - viele hatten sich in den vergangenen zwei Jahren nicht gesehen und feierten nun Wiedersehen auf der Reeperbahn. Deswegen sei immer wieder die herausragende Bedeutung persönlichen Austauschs und direkter Kommunikation besonders deutlich geworden, "wie die Menge teilnehmender internationaler Musikunternehmen und Exportbüros unterstrich, die sich in diesem Jahr wieder in vorpandemischer Anzahl auf dem Reeperbahn Festival präsentierten".

Auch die Zahl der Receptions war wieder hoch, auch wenn einige Firmen wie Universal Music, Sony Music oder die DEAG nicht mehr mit eigenen Empfängen dabei waren. Zudem trafen sich einige Verbände im Kontext des Reeperbahn Festivals wieder zu Mitgliederversammlungen.

Im öffentlich zugänglichen Programm habe die "kollektive Begeisterung des gemeinsamen Erlebens von Livemusik" über allem gestanden, wie bereits am ersten Abend beim Überraschungskonzert von Kraftklub auf der eigens dafür gesperrten Reeperbahn zu spüren gewesen sei. Trotz kurzfristigster Ankündigung erst am Tag der Show fanden sich dabei demnach am Ende über 10.000 Zuschauer:innen vor der rollbaren Bühne auf der abgesperrten Reeperbahn wieder und erlebten mit Spontanauftritten von Casper und Anchor-Jurymitglied Bill Kaulitz "einen frühen Festival-Höhepunkt". Erneut bespielt wurde auch die Elbphilarmonie - unter anderem mit einem Auftritt des PIAS-Acts Warhaus am späten Samstagabend. Ein denkwürdiges Konzert spielten Daniel Lanois und zwei Begleitmusiker am Freitagabend in der Kirche St. Pauli.

An den ersten Tagen spielte auch das Wetter mit: Es blieb bei etwa 20 Grad trocken, erst am Samstag trübten Dauerregen und ein Temperaturrückgang das Festivalfeeling etwas. Zu dem Zeitpunkt hatten allerdings viele Delegierte nach drei Tagen Reeperbahn bereits wieder den Heimweg angetreten.

Das 18. Reeperbahn Festival findet vom 20. bis 23. September 2023 statt. Tickets sind jetzt bereits unter www.reeperbahnfestival.de erhältlich.

Text: Frank Medwedeff und Dietmar Schwenger