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Sony Music lanciert Initiative zur Förderung von Produzentinnen

Gemeinsam mit seinem hauseigenen Label Columbia ging Sony Music der Frage nach, wie die aktuelle Situation von Frauen* in der Musikproduktion aussieht, und wie sie strukturell verbessert werden kann. Die Handlungsfelder und Ziele sind nun zusammengefasst in einem internen White Paper mit dem Titel "Let's Move Things Forward" erschienen.

22.09.2022 10:02 • von Jonas Kiß
Kommt zu dem Schluss, dass nur zwei Prozent Produzent:innen in den Singles-Charts Frauen sind: Das White Paper "Let's Move Things Forward" (Bild: Sony Music)

Gemeinsam mit seinem hauseigenen Label Columbia ging Sony Music der Frage nach, wie die aktuelle Situation von Frauen* in der Musikproduktion aussieht, und wie sie strukturell verbessert werden kann. So fanden unter dem Schwerpunkt "Produzentinnen* fördern" im vergangenen Jahr mehrere Workshops und Werkstattgespräche statt.

Die Handlungsfelder und Ziele sind nun zusammengefasst in einem internen White Paper mit dem Titel "Let's Move Things Forward" erschienen.

Eine interne Auswertung der von GfK Entertainment ermittelten Single-Jahrescharts von 2021 zeige etwa "eine klare Unterrepräsentation von Frauen in diesem Teilbereich": 96 von 100 Songs wurden von Männern produziert. Ein weiteres Ergebnis: 50 männliche Produzenten kommen auf eine weibliche Produzentin. Bei 208 beteiligten Produzent:innen insgesamt entspreche das laut Sony Music einem Anteil von zwei Prozent Frauen - beziehungsweise einem Verhältnis von 50 Männern zu einer Frau.

In Gesprächen mit erfolgreichen Produzentinnen wie Suena, MelBeatz oder LIA sei deutlich geworden, dass eine Ursache "in veralteten Rollenmodellen und Stereotypen" liegen könnte. Das "Bild des Mannes am Mischpult" habe sich eingebrannt und es bedarf "sichtbaren, weiblichen Vorbildern, um jungen Mädchen Berufsbilder und Entwicklungsmöglichkeiten in der Musikindustrie aufzuzeigen", wie es bei Sony Music heißt.

"Uns fehlen die Vorbilder", erklärt Producerin Suena: "Ich selbst habe ja auch lange gebraucht, um mich selbst Produzentin zu nennen. Da tun sich Frauen offensichtlich viel schwerer als Männer."

Als Lösungsansatz versucht Sony Music die Strukturen im Label pro-aktiv und nachhaltig zu verändern. Hierzu gehört neben der Sensibilisierung aller A&Rs und Labels, ein GSA-weites dynamisches Register für Produzentinnen*. Alle Mitarbeitende können darauf zugreifen, um Produzentinnen* mit SME Künstler:innen zu vernetzen. Das Register soll zudem perspektivisch auf weitere Berufsbilder in der Musikbranche, wie zum Beispiel Songwriting erweitert werden.

"Musik lebt durch Vielfalt. Wir möchten als Plattenlabel branchenweit für dieses Ungleichgewicht sensibilisieren und aktiv voran gehen, um eine Änderung des Status Quos zu erwirken. Ein Mehr an Produzentinnen* bedeutet ein Mehr an Perspektiven", sagt Alexandra Falken, Vice President Columbia.

Ein weiteres Ziel sei, Frauen, in ihrem Berufswunsch als Produzentin zu fördern und zu stärken. Sie sollen die Möglichkeit der Aus- und Weiterbildung sowie einfachen Zugang zur Musikbranche erhalten. Der Female* Producer Prize, welcher gemeinsam mit Women* Music Germany, ins Leben gerufen wurde, knüpft hier an. Die fünf Gewinnerinnen, ausgewählt von einer Fachjury, erhalten neben finanzieller Förderung, auch die Möglichkeit für professionelle Weiterbildungsmaßnahmen in den Circle Studios Berlin.

Langfristig soll ein Ausbau der Zusammenarbeit, zwischen Sony Music und dem Female Producer Collective erfolgen. Gemeinsame Maßnahmen, um dem Ungleichgewicht innerhalb der Musikproduktion entgegenzuwirken, sind aktuell in Planung.

Einen nächsten Schritt für mehr Awareness weiblich gelesener Produzentinnen* soll es auf der Reeperbahn Konferenz in Hamburg geben. Dort findet am 22. September um 13:15 Uhr im East Hotel ein Panel mit Henrike Blome (Senior A&R Managerin Gold League), Lena Leick (Projektleitung Female Producer Collective), Novaa (Künstlerin, Sogwriterin, Produzentin) und Jovanka von Wilsdorf (Vorstand Music Women Deutschland) statt. Die von Miriam Davoudvandi (Journalistin, Moderatorin & DJ) moderierte Runde steht unter dem Motto "Produzent*innen sichtbarer machen".