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Die Quarterback Immobilien Arena "stellt sich den gesellschaftlichen Fragen"

2022 feiert die von der Betreibergesellschaft ZSLbetriebene Quarterback Immobilien Arena ihr 20-jähriges Jubiläum. Im Gespräch mit MusikWoche lassen die ZSL-Manager Matthias Kölmel, Iris Rackwitz und Philipp Franke die Entwicklung der Halle Revue passieren, betonen aber auch die Aufgaben von Spielstätten bei Nachhaltigkeit und Energiefragen.

23.09.2022 10:27 • von Dietmar Schwenger
Blicken auf 20 Jahre der Arena in Leipzig zurück (von links): Matthias Kölmel, Iris Rackwitz und Philipp Franke (alle ZSL) (Bild: ZSL)

In diesem Jahr feiert die von der Betreibergesellschaft ZSL betriebene Quarterback Immobilien Arena ihr 20-jähriges Jubiläum. Im Gespräch mit MusikWoche lassen die ZSL-Manager Matthias Kölmel, Iris Rackwitz und Philipp Franke die Entwicklung der Halle Revue passieren, betonen aber auch die Aufgaben von Spielstätten bei Nachhaltigkeit und Energiefragen.

Welches Fazit ziehen Sie nach diesen zwanzig Jahren?

Philipp Franke: Wir blicken auf sehr erfolgreiche 20 Jahre Arena zurück. Seit der Eröffnung der Multifunktionshalle am 11. Mai 2012 begrüßten wir 7,5 Millionen Gäste bei über 2000 Veranstaltungen in der Halle. In den letzten zehn Jahren hat sich sowohl die Besucherzahl als auch die Anzahl der Veranstaltungen mehr als verdoppelt. Mit bis zu 130 Konzerten, Shows und Sportveranstaltungen pro Jahr und zuletzt über 600.000 Zuschauern zählt die Quarterback Immobilien Arena laut "Stadionwelt" 2020 zu den Top 10 der Veranstaltungsstätten in Deutschland (Stand 2019). Zu unserem Erfolgsrezept gehören zum einen unsere treuen Besucherinnen und Besucher, zum anderen die kontinuierliche und partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Veranstaltern und Agenturen sowie der Teamgeist unter den Mitarbeitenden. Die Pandemie hat auch uns stark erwischt. Während der corona¬bedingten Zwangspause gab es viele Verlegungen und einige Absagen von Veranstaltungen. Dennoch haben wir immer auf einen innovativen Umgang mit der Corona-Pandemie gesetzt: Neben der international beachteten Studie Restart-19, die in Zusammenarbeit mit dem SC DHfK und der Universitätsmedizin Halle durchgeführt wurde und der Unterstützung des Modellprojekts Sport, stellten wir das Foyer der Quarterback Immobilien Arena als Test- und auch Impfstelle zur Verfügung. Des Weiteren engagiert sich die Betreibergesellschaft gemeinsam mit vielen kulturellen Veranstaltungsstätten in Leipzig beim Runden Tisch Leipziger Spielstätten.

Welche Rolle spielte die Musik in diesem Zeitraum in der Arena?

Matthias Kölmel: In der Halle finden zu circa 65 Prozent Konzerte und Shows und zu circa 35 Prozent Sportveranstaltungen statt. Nach dem fulminanten Auftakt mit Gitarrenlegende Carlos Santana am 31. Mai 2002 haben in der Arena zahlreiche internationale und nationale Künstler das Publikum begeistert: ob Pink, Rihanna, Herbert Grönemeyer, Rammstein, Sunrise Avenue, Ludovico Einaudi, Michael Bublé, Helene Fischer oder Metallica. Selbstverständlich spielt auch Sport in der Halle eine wichtige Rolle. Der SC DHfK Handball trägt seit zehn Jahren seine Handballspiele in der ARENA aus. Sie feiern somit mit uns in diesem Jahr Geburtstag. Weitere sportliche Highlights waren die mehrfach veranstalteten Deutschen Leichtathletik-Hallenmeisterschaften, das Handball All Star Game, die Hallenhockey-Europameisterschaft und die Hallenhockey-Weltmeisterschaft, die Fechtweltmeisterschaft sowie die 23. Handball-Weltmeisterschaft der Frauen im Jahr 2017.

Ist die Quarterback Immobilien Arena beziehungsweise ZSL in diesen 20 Jahren verstärkt auch mit eigenen Veranstaltungen in Erscheinung getreten?

Iris Rackwitz: Die ZSL Betreibergesellschaft etablierte mit Leipziger Partnern die Sparte Filmmusik in der Veranstaltungsbranche. So wurden unter anderem die Eigenveranstaltungen "Herr der Ringe Symphonie", "Matrix" oder "Fluch der Karibik" durchgeführt. Mit der Cross-Over-Show "Wagner Reloaded" feierte 2013 ein einzigartiges Musikprojekt Weltpremiere in der damaligen Arena Leipzig. Über 10.000 Besucherinnen und Besucher bejubelten das Live-Konzert des MDR-Sinfonieorchesters und Rundfunkchores mit den finnischen Cello-Rockern von Apocalyptica, Solisten und Tänzern sowie spektakulären Objekten des Theaters Titanic. Seitdem arbeiten wir mit dem MDR Sinfonieorchester und weiteren Partnern der Leipziger Kulturszene an Ideen für neue Musikprojekte. Unter anderem haben wir das Leipziger Festival OUTS:DE auf der Festwiese Leipzig in Pandemiezeiten unterstützt.

Heute stehen städtische Arenen im Wettbewerb mit privatwirtschaftlich geführten Hallen: Wie sehen Sie die ZSL in diesem Spannungsfeld?

Kölmel: Für privatwirtschaftliche Betreiberfirmen wird es immer dann schwierig, wenn man mit finanziell geförderten (Miet-) Konditionen durch städtische Gesellschaften in Konkurrenz steht. Als privatwirtschaftlich geführte Halle können wir sehr schnell, frei und flexibel agieren. Diese Flexibilität ist sicherlich in dieser schnelllebigen Branche ein Vorteil.

Auch der Wettbewerb unter den Hallen wird härter - etwa mit Arenen, die zu Konzernen gehören, die zugleich im Veranstaltungs- und Ticketinggeschäft aktiv sind. Ist die Quarterback Immobilien Arena für die Zukunft gut aufgestellt?

Franke: Wir arbeiten jeden Tag daran die Halle weiterzuentwickeln und für die Zukunft optimal aufzustellen. Wir sehen, dass Konzerne teilweise nur die hauseigenen Venues bespielen, sehen jedoch auch, dass dies nur eine kleine Zahl an Bands betrifft. Wir gehen somit optimistisch und guter Dinge in die Zukunft.

Die Bienen im Ladehof der Quarterback Immobilien Arena sorgten für Aufsehen, gleichzeitig werden die Forderungen nach Nachhaltigkeit immer schärfer, während die Verteuerung etwa von Energie Spielstätten vor weitere Herausforderungen stellt. Wie sehen Sie diese Entwicklung?

Franke: Wir stellen uns als größte Veranstaltungsstätte der Region den drängenden gesellschaftlichen Fragen, so setzen auch wir auf einen nachhaltigen Veranstaltungsbetrieb und arbeiten kontinuierlich an Verbesserungen. Die Ansiedlung von Bienen auf dem Ladehof der Quarterback Immobilien Arena ist neben der Nutzung von 100 Prozent Ökostrom und von Solarthermie für die Warmwasseraufbereitung in der Halle, dem regionalen Speisenangebot sowie dem Waste-Management-Konzept der Gastronomie ein wichtiger Baustein unserer Bemühungen.

Kölmel: Uns alle beschäftigen die Entwicklungen in der Energie-Branche. So befassen wir uns intern mit den kurz- und mittelfristigen Auswirkungen diesbezüglich. Ferner stehen wir in Kontakt mit unserem Energieversorger. Die größten Herausforderungen sehen wir aktuell in der verlässlichen Planung und Kalkulation künftiger Veranstaltungen. Es ist bekannt, dass wir mindestens zwölf bis 24 Monate voraus Live-Events für unsere Venues einbuchen.

Es gibt wieder Sold Out Awards, zugleich kann man eine gewisse Zurückhaltung bei den Kartenkäufern verspüren. Wie ist die Lage aktuell bei den jüngsten oder kommenden Shows in der Quarterback Immobilien Arena?

Rackwitz: Auch in unserem Haus bemerken wir die Zurückhaltung der Kunden und Gäste leider deutlich. An die Zeit vor Corona konnten wir bisher nicht komplett anknüpfen. Bands mit großer Fanbasis verzeichnen hier doch bessere Verkäufe als zum Beispiel Sportveranstaltungen, die bei uns in der Quarterback Immobilien Arena stattfinden. Wir sehen es als unsere große Aufgabe an, die Kunden wieder zurückzugewinnen. Die Kampagne "Leipziger Live Codex" des Runden Tisches Leipziger Spielstätten, die wir mit initiierten, ist ein Ansatz, um Gästen mitzuteilen, dass zum einen alle Veranstaltungen stattfinden, die angekündigt werden, und dass zum anderen der Besuch von Veranstaltungen sicher ist.