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MaLisa sieht Musikbiz in Sachen Chancengleichheit in Schieflage

Unter dem Motto "Gender In Music" legt die MaLisa Stiftung in Kooperation mit der GEMA und den Music Women* Germany eine Untersuchung zur Chancengleichheit im Musikbiz vor. Unterm Strich bleibe das Geschäft in hohem Maße männlich dominiert, lautet das Ergebnis: "Die Musikbranche ist weiterhin ein Boys Club", bilanziert Initiatorin Elisabeth Furtwängler.  

19.09.2022 15:02 • von
In Schieflage: bis zu einer Geschlechtergerechtigkeit ist es nach Untersuchungen der MaLisa Stiftung in den Charts, bei den GEMA-Meldungen und auf den Festivalbühnen noch ein weiter Weg (Bild: MaLisa Stiftung)

Unter dem Motto "Gender in Music - Charts, Werke und Festivalbühnen" legt die MaLisa Stiftung von Maria und Elisabeth Furtwängler in Kooperation mit der GEMA und den Music Women* Germany eine aktuelle Untersuchung zur Chancengleichheit in der Musikwirtschaft vor, für die man die Charts, die bei der GEMA gemeldeten Werke und die Festivalbühnen unter die Lupe nahm. Unterm Strich bleibe das Geschäft in hohem Maße männlich dominiert, lautet das Ergebnis. Frauen hingegen seien im Verhältnis zu ihrem Anteil in der Gesellschaft deutlich unterrepräsentiert, "nichtbinäre Menschen und andere Geschlechtsidentitäten sind noch weniger sichtbar und konnten so gut wie nicht identifiziert werden".

"Die Musikbranche ist weiterhin ein Boys Club", bilanziert Elisabeth Furtwängler als Initiatorin der Recherche: "Aber zu wissen, dass Ungerechtigkeiten existieren, ist eine gute Voraussetzung, um Dinge zu verändern. Wir alle können zur Chancengleichheit in der Branche beitragen. Lasst uns darüber reden, Barrieren abbauen und ein stärkendes Umfeld schaffen - damit alle Geschlechter die Möglichkeit haben, ihre Kreativität auszuleben und anerkannt zu werden.

Für "Gender In Music" werteten die Initiatoren für drei ausgewählte Jahren aus dem Zeitraum von 2010 bis 2019 Details zu den beteiligten Kreativschaffenden an Titeln aus den Top 100 der Singlescharts, an den neu bei der GEMA angemeldeten Werken und bei den Acts auf 15 verschiedene Festivalbühnen aus. Der Frauenanteil blieb dabei "in allen Bereichen weit unter einem Fünftel - ob es um Songwriting, Charts, GEMA-Mitgliedschaft, die dort angemeldeten Songs oder die Festivalbühnen geht". Auch lasse sich im untersuchten Zeitraum kein deutlicher Aufwärtstrend feststellen. Einzig bei den Festivals sei beim Frauenanteil ein minimaler Trend nach oben zu sehen, teilt die MaLisa Stiftung hier mit. Hier wuchs der Anteil von rund sieben Prozent im Jahr 2010 bis 2019 auf gut zwölf Prozent. Eine zusätzliche Auswertung des Jahres 2022 im Festivalbereich habe zudem mit einem Frauenanteil von 16 Prozent "einen positiven Aufwärtstrend" gezeigt.

Im Livebereich lagen Rock am Ring, Hurricane, Lollapalooza, Deichbrand Festival, Nova Rock (Österreich), Full Force, Highfield Festival, SonneMondSterne, Melt Festival, Open Flair, Haldern Pop, Rocken am Brocken, Appletree Garden, Immergut, und Maifeld Derby unter dem Mikroskop.

Weitere Details zur Erhebung hält die MaLisa Stiftung auf ihren Onlineseiten bereit.

Am 22. September wollen die Initiatoren der Untersuchung die neue Recherche auch im Rahmen einer Diskussionsrunde im Kongressprogramm des Reeperbahn Festivals vorstellen. Bei der Runde "Das Ende vom Buddy Business? Wer gestaltet den Sound der Zukunft?" ab 11.15 Uhr im Raum C1 des East Hotels mit dabei sind unter anderem Merle Bremer (Keychange), Francis Gay (WDR Cosmo), Matthias Dengg (GEMA) und MaLisa-Referentin Anna Groß.

Text: Knut Schlinger