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Die Gewinnerinnen des Female* Producer Prize 2022 im Porträt

Die Gewinnerinnen des von Music Women* Germany (MW*G), dem bundesweiten Dachverband aller Musikfrauen* in Deutschland, in diesem Jahr erstmals ausgelobten Female* Producer Prize sind Novaa, Nora Medín, Maxi Menot, Jenny Gerdts und GOTOPO. MusikWoche stellt die fünf Produzentinnen vor und spricht mit ihnen über ihre Erfahrungen.

18.08.2022 10:12 • von Norbert Schiegl
Die fünf Gewinnerinnen des Female* Producer Prize( von links): GOTOPO, Jenny Gerdts, Novaa, Nora Medin und Maxi Menot (Bild: Sony Music/Music Women* Germany)

Die Gewinnerinnen des von Music Women* Germany (MW*G), dem bundesweiten Dachverband aller Musikfrauen* in Deutschland, in diesem Jahr erstmals ausgelobten Female* Producer Prize sind Novaa, Nora Medín, Maxi Menot, Jenny Gerdts und GOTOPO. MusikWoche stellt die fünf Produzentinnen vor und spricht mit ihnen über ihre Erfahrungen.

_____Novaa

Name: Antonia Rug / Novaa

Web: www.areyounovaa.com

Referenzen: LEA, Mogli, Moglii, Alma, Amanda Tenfjord, Fløre, Aisha Vibes, Phela, Jazzy Gudd, I Used To Be Sam, Keke, Ableton

Novaa ist eine Produzentin und Songwriterin aus Berlin. Minimalistischer Sound, intensive Emotionen und elektronische Beats beschreiben ihre unverwechselbare musikalische Handschrift. Novaa hat im Juli 2021 ihr drittes Album "She's A Rose" veröffentlicht. Ende Mai 2022 folgte dann mit "She's A Star" bereits ihr nächster Longplayer. Novaa produziert und schreibt auch für andere Künstler wie Keke, Fløre, Amanda Tenfjord, LEA und mehr und ist Mentorin beim Female Producer Collective.

___Warum sind Sie Produzentin geworden?

Ich bin Produzentin geworden, weil es mir Spaß macht und ich die Freiheit, die ich in meiner Arbeit habe liebe.

___Warum gibt es so wenig Frauen in diesem Beruf?

Es gibt aus meiner Sicht nicht wenige FLINTA in diesem Beruf, es sind nur sehr wenige sichtbar oder ihnen wird der Titel Musikproduzent*in nichtzugeschrieben.

___Mit welchen Herausforderungen beziehungsweise Benachteiligungen werden Sie in Ihrem Job konfrontiert?

Genau wie in unserer Gesellschaft gibt es auch in diesem Berufsfeld viele sexistische Vorurteile und Ungerechtigkeiten. Dass man als weiblich gelesene Person keine Technik kann, dass man auf das Äußere reduziert wird, dass man nicht genannt wird in den Credits, sind ein paar Beispiele davon.

___Welche Maßnahmen braucht es, um mehr Frauen für diesen Beruf zu gewinnen?

Mehr Sichtbarkeit, mehr Netzwerke, weg von dem binary Mann Frau kommen, Bildung und Aufklärung. Bei jeder Person einzeln muss Veränderung stattfinden, aber vor allem sehe ich auch große Institute und Companies in der Verantwortung, wie Labels oder Verlage.

___Was kann man tun, um dieses Ungleichgewicht im Produktions­bereich aufzuheben?

Hier gibt es viele kleine und große Dinge, die man tun kann. Im Großen sehe ich wie schon gesagt die großen Akteure in der Musikbranche in der Verantwortung. Das ist jedoch oft frustrierend, da hier viel zu wenig passiert und alles sehr lange dauert. Im Kleinen kann man vor allem sich selbst immer wieder in Verantwortung ziehen und sehen wie viel man als einzelne Person ändern kann. Teil eines Netzwerkes werden, den eigenen safe space teilen, support groups gründen, sprechen über diese Thematik und andere Ungerechtigkeit in der eigenen Arbeit.

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_____Nora Medín

Name: Nora Walchshofer / Nora Medín

Web: www.instagram.com/nora_medin

Referenzen:

Artists: Jugglerz, Anthony Wills, Ria, Roger Rekless, Tommy Saint, Lo & Leduc, Nina Chuba, Wiz The Mc, PNut, Eric Alcock, RGB 1, Lisa Subotic, Paula, Douglas, Ruuth

Commercial & Film: Dior, 032c x Snipes, Veuve Clicquot, O2, Parship, eHarmony, Maison Dariel, Give (awarded Valencia Film Festival 2016)

Nora Medín, in Berlin lebende Produzentin, Komponistin, Multiinstrumentalistin, DJ und Songwriterin mit österreichisch-marokkanischen Wurzeln. Mit ihrer neuesten Veröffentlichung "BoombassYalla" hat Nora ihr ganz eigenes Genre geschaffen, indem sie ihre musikalischen Wurzeln in der marokkanischen Volksmusik mit dunklen Techno-Vibes und Afro-Fusion-Elementen zu einem neuen starken Sound kombiniert.

___Warum sind Sie Produzentin geworden?

Ich wurde in einer Familie von Musikern und Sängern geboren. Musik ist meine älteste Leidenschaft, also kommt das Musizieren irgendwie aus meinem tiefsten Inneren. Ich fühle mich am reinsten, wenn ich im Studio bin und Musik mache.

___Warum gibt es so wenig Frauen in diesem Beruf?

Ich denke, weil es früher ein Job war, bei dem die Person Tontechniker war oder ein gewisses Interesse an Tontechnik hatte und über die spezielle Ausrüstung für eine Produktion verfügte, und dies waren Bereiche, in denen hauptsächlich Männer beschäftigt waren oder sich auch dafür interessierten. Im Laufe der Zeit hat sich der Beruf und die Rolle des Produzenten verändert, so wie sich auch die Musik mit der Zeit verändert hat - sie wurde in der Gesellschaft immer bekannter und anerkannter. Es ist also nur eine Frage der Zeit, dass sich die Zahl der Frauen der Zahl der Männer in Produktionsberufen annähert (vergleichbar mit dem Beruf des Arztes, des Anwalts, des Professors und so weiter).

___Mit welchen Herausforderungen beziehungsweise Benachteiligungen werden Sie in Ihrem Job konfrontiert?

Im Bereich der Musikproduktion werden Frauen oft unterschätzt, da es weniger Frauen als Männer gibt, die produzieren, und leider bekommen Frauen aus sexistischen Gründen immer noch nicht die gleichen Chancen, sich zu beweisen, wie Männer es tun. In jedem Beruf wurden Frauen früher meist unterschätzt, aber glücklicherweise ist mit der wachsenden Zahl von Frauen in bestimmten Bereichen auch die Akzeptanz gewachsen - und heute ist es nicht mehr überwältigend, wenn Frauen Anwältinnen, Ärztinnen, Professorinnen oder Vorstandsvorsitzende sind. Ich habe diese Antwort allgemein formuliert, da ich persönlich bisher das Glück hatte, dass ich nie wissentlich wegen meines Geschlechts benachteiligt wurde.

___Welche Maßnahmen braucht es, um mehr Frauen für diesen Beruf zu gewinnen?

Junge Erwachsene haben oft Menschen, zu denen sie aufschauen, wenn es um Berufe und persönliche Ziele geht. Je mehr weibliche Produzenten es jetzt in der Öffentlichkeit gibt, desto mehr werden es in Zukunft sein.

___Was kann man tun, um dieses Ungleichgewicht im Produktions­bereich aufzuheben?

In diesen Berufen ist es sehr wichtig, mit anderen zusammenzuarbeiten, Ausdauer zu haben und manchmal muss man auch mutig sein. Diese Art und Weise, auf bestimmte Menschen zuzugehen und hin und wieder Risiken einzugehen, kann man lernen, zeigen und lehren - und ich glaube, bisher wurden vor allem Männer so erzogen und gelehrt, dass sie in ihren Berufen eher so sind. Es freut mich zu sehen, dass Frauen mehr und mehr Selbstvertrauen gewinnen, um ihr Spiel zu verstärken. Es ist ein großartiger Anfang, dass es jetzt Schreibcamps für Frauen und Produktionsworkshops und -sitzungen für Frauen gibt. Das ist großartig! Es ist wichtig, ein Gefühl der Zusammengehörigkeit zu schaffen und Verbindungen zu knüpfen. Für die Zukunft hoffe ich, dass wir auch die geschlechtergetrennte Mentalität bei der Zusammenarbeit überwinden. Das Geschlecht sollte in keinem Beruf ein Thema sein.

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_____Maxi Menot

Name: Maxi Fröhlich / Maxi Menot

Web: www.maximenot.de

Referenzen:

Filmmusik: "We Might As Well Be Dead" feature film, 2022, "Die Wellenbrecherinnen" cinema feature film, 2020, "Die Wolfsbande", Isabel`s Schatz short, TV KiKa 2021/20

TV: "Around the World" Universal, 2021, "Nordic Spring" Warner, 2020, "Clarinet Focus" UBM Records, 2021

Artists: The Remaining Part feat. Deutsches Filmorchester Babelsberg 2021, Linebug, DK, 2022 Alexandra Janzen, D, 2019

Maxi Menot studierte klassische Musik, Komposition und Musikproduktion in Frankfurt, Barcelona und Mannheim und ist seither als freischaffende Produzentin und Komponistin mit verschiedensten Projekten im Bereich Filmmusik, Production Music, Künstler:innenproduktionen und Albumaufnahmen am Start. Sie ist Mitbegründerin des Female Composers Collective TRACK 15 und Gründerin des Ver­lages Edition B+. Mit ihrer Band arbeitet Maxi Menot gerade am nächsten Album, das Ende des Jahres veröffentlicht werden soll.

___Warum sind Sie Produzentin geworden?

Schon in meiner Jugend habe ich Musik für meine Band geschrieben. Ich hatte immer einen großen Output beim Schreiben und wollte die Ideen irgendwann direkt festhalten. So kam ich in Berührung mit meiner ersten DAW (Digital Audio Workstation). In dieser Zeit begriff ich, dass sich mir durch die Technik ein ganzes Universum eröffnet und seitdem möchte ich alles darüber wissen. Die Verbindung aus den technisch-handwerklichen Tätigkeiten und der Kreativität ist mein Traumberuf.

___Warum gibt es so wenig Frauen in diesem Beruf?

Eine einfache Antwort darauf gibt es nicht. Ich denke, um irgendwann im Beruf »Produzentin« erfolgreich zu sein, müssen vorher sehr viele Weichen richtig gestellt werden - und das scheint bei einem Anteil von 2,6 Prozent für Frauen in dem Beruf nicht zu funktionieren. Die Ursachen beginnen in der Kindheit und Jugend, setzen sich dann aber über Ausbildung und Job fort. Es beginnt damit, dass man Mädchen seltener mit Technik attribuiert, dass sie aus gesellschaftlichen Gründen seltener kreative Berufe ergreifen und bereits im Amateurbereich auf ein männlich-dominiertes Umfeld stoßen, bis dahin, dass Produzentinnen im Job weniger zugetraut wird, dass sie seltener von MentorInnen unterstützt werden und weniger gut vernetzt sind.

___Mit welchen Herausforderungen beziehungsweise Benachteiligungen werden Sie in Ihrem Job konfrontiert?

Ich hatte sehr damit zu kämpfen, mich fehl am Platze zu fühlen, wenig Vertrauenspersonen oder AnsprechpartnerInnen zu haben. Mir wurde im Vergleich zu männlichen Kollegen weniger zugetraut.

___Welche Maßnahmen braucht es, um mehr Frauen für diesen Beruf zu gewinnen?

Sichtbare Vorbilder, mehr Frauen in allen Positionen innerhalb der Branche (im Amateurbereich, im Booking, Management, Verlag, Label etc.), mehr konkrete Förderungen für Mädchen im Bereich Producing, Bandarbeit und Komposition.

___Was kann man tun, um dieses Ungleichgewicht im Produktions­bereich aufzuheben?

Eine langfristige Verbesserung der Quote unter den ProduzentInnen kann wohl nur in der Nachwuchsförderung und in einer aufgeklärteren, gerechteren Gesellschaft liegen, ohne die starren Rollenbilder von Mann und Frau. Kurzfristig wäre es trotzdem hilfreich, in Songwriting Camps, Veranstaltungen, Konzerten vor und hinter der Bühne, einen Blick auf eine möglichst große Beteiligung von Frauen zu haben. Ich habe es immer als sehr beschwerlich empfunden, die einzige Frau zu sein.

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_____Jenny Gerdts

Name: Jenny Gerdts

Web: www.instagram.com/jennygerdts

Referenzen: Kathi "Stranger" & "Full-Time Faker", Maria Nicolaides "Games", "True Love" & "Bye Bye", One Swallow Doesn't Make A Summer "Bury Your Flag", Liser feat. Taby Pilgrem "Panik", Peak and Valley "The Dark of Night - the Light of Day" LP, 2xLEBEN "Neulich mit Orchester - live aus Köln" LP + alle Singles, Tonbandgerät "Wenn das Feuerwerk landet", Sösterhätz "Kumm bliev hee", Phätte Zeiten "Leggo", Wilhelmine "Bleib stehen", FINDING JENNY, Milestones LP, Nico Grund "Half of a tattoo", On another planet "Remember me", Hanna Meyerholz "How to swim" LP.

Jenny Gerdts ist Musikproduzentin und Songwriterin aus Köln. Die Multi-Instrumentalistin (Gitarre, Bass, Drums & Keys), studierte Media Music am Art EZ Conservatorium Enschede und machte ihren Master in Production an der HfMT Köln. Seit April 2021 ist sie dort selbst als Dozentin im Fach Musikproduktion tätig. Ihre Zusammenarbeit als Autorin und Musikproduzentin mit Tinseltown Music Production und Sony Music Publishing begann 2020. Sie ist außerdem mit eigenen Musikprojekten von Eierstock-Pop bei 2xLEBEN bis Punk-Pop bei OSDMAS am Start.

___Warum sind Sie Produzentin geworden?

Als ich mit 11 Jahren anfing Songs zu schreiben, habe ich direkt alles - so gut es damals ging - in Audacity aufgenommen. Ich wollte die Songs meiner damaligen Band so zeigen können, wie sie in meinem Kopf klangen. Skills, Techniken und Klangvorstellungen bauten sich über die Jahre schnell aus und mir war nach dem Abitur klar, dass das mein Beruf werden wird. Bis heute sehe ich DAW's (Digital Audio Workstations) und Technik eher als Instrument, um die Musik auf ihr bestes zu erweitern. Mir ist es vor allem wichtig, dass die Vision und Emotion eines Songs im Fokus stehen und diese in der Produktion einzufangen und zu transportieren. Je mehr Hörer*Innen sich darin wiederfinden, desto schöner. Denn was gibt es besseres als einen Song, der dich toucht.

___Warum gibt es so wenig Frauen in diesem Beruf?

Viele Frauen haben anfangs ein wenig Scheu vor der Technik. Das merke ich auch immer in meinen Hochschulkursen für Musikproduktion. Zudem habe ich das Gefühl, dass trotz Wandels die meist heteronormative Wahrnehmung der Gesellschaft leider nur sehr langsam zu ändern ist. Technik = Mann. Natürlich sollte jeder*m klar sein, dass das Quatsch ist, aber beispielsweise gibt es in meinem Umfeld meist nur männliche Produzenten. Welches junge Mädchen soll sich denn mit den ganzen Männern identifizieren? Zudem ist das Thema Familiengründung plus Karriere an einem bestimmten Punkt immer noch Thema, wenn man noch kein festes Standing in der Industrie gefunden hat.

___Mit welchen Herausforderungen beziehungsweise Benachteiligungen werden Sie in Ihrem Job konfrontiert?

Ich bekomme immer wieder professionelle Ausschreibungen für beispielsweise Workshops zu Gesicht, in denen nicht gegendert wird. Wie kann das 2022 noch passieren? Im Hochschulkontext wird sehr viel Wert auf den sensiblen Umgang mit Geschlecht und Identität gelegt. In der Musikbranche dann doch eher weniger. Beziehungsweise denke ich, dass es einfach keine oder zu wenig Berührungspunkte gibt. In den meisten Chef-Etagen sitzen Männer und da stört es die meisten nicht. Oft habe ich das Gefühl mich besonders beweisen zu müssen oder dass meine Produktionen mindestens 10 Prozent krasser als andere sein müssen, weil ich ja »die eine Musikproduzentin« in meinem Umfeld bin. Ich habe selbst schon einen sehr hohen Anspruch an mich und meine Arbeit. Das reicht mir völlig.

___Welche Maßnahmen braucht es, um mehr Frauen für diesen Beruf zu gewinnen?

Vor allem ist Sichtbarkeit das Wichtigste. Kampagnen. Es gibt so tolle Musikproduzentinnen da draußen (wie zum Beispiel Ann Mincieli), aber die wenigsten kennen sie. Workshops für junge Musikerinnen, um die Hemmung vor Technik zu nehmen. Mentorships für junge Musikproduzentinnen von Majors finanziert.

___Was kann man tun, um dieses Ungleichgewicht im Produktions­bereich aufzuheben?

Einfacheren Zugang zu großen Netzwerken und Infrastruktur ermöglichen. Einbindung von Firmen, die mit Workshops und Gear supporten könnten. Zudem fände ich eine Positionierung aller Labels, Verlage, die sich AKTIV für Chancengleichheit einsetzen, sehr wünschenswert. Einfach um zu zeigen, dass das Problem gesehen und ernst genommen wird. Ich weiß, dass es immer scharf diskutiert wird, aber vielleicht wäre sogar eine Frauenquote für ein paar Jahre bei Signings und/oder Albumproduktionen eine Alternative. Gegebenenfalls erst einmal nur bei Major-Produktionen, wo die finanzielle Möglichkeit bestünde. Dadurch würden sich die Jobchancen deutlich attraktiver gestalten. Natürlich sollte es dabei immer um Know-How und die Qualität der Musik gehen. Dennoch bin ich mir zu 100 Prozent sicher, dass es genug versierte Musikproduzentinnen, Mischerinnen und weibliche Mastering Engineers gibt, die allein durch ihr Können überzeugen. Man muss ihnen nur die Chance geben.

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_____GOTOPO

Name: gotopo@gotopomusic.com

Web: www.gotopomusic.com/news

Upcoming Co-Productions:

Robot Koch (USA/DE), Ulises Lozano (LA, Latin Grammy), Joaquin Cornejo (EC/EU), El Buho.

GOTOPO, kolumbianisch-venezulanische Produzentin und Künstlerin mit Sitz in Berlin, sorgte schon vor Release ihres Debütalbums mit ihren Produktionen für Furore. Ihr "indigenous-futurist Sound" ist einzigartig. Ihre erste Single-Produktion wurde auf internationalen Sendern wie BBC6 gefeatured, die Festival Saison startete sie mit einem Konzert auf dem Melt 2022. GOTOPO legt Ihren Fokus auf die Produktion ihrer eigenen Musik - ist aber für interessante Projekte und Co-Produktionen offen.

___Warum sind Sie Produzentin geworden?

Ich war zuerst Komponistin, und als ich anfing Popsongs zu schreiben, brauchten sie immer einen Charakter, der eine Welt erschafft: Mir wurde klar, dass niemand das musikalische Universum, das ich in meinem Kopf hatte, zum Leben erwecken konnte. An diesem Punkt musste ich mich mit der technischen Barriere auseinandersetzen; ich musste lernen, mit DAWs (Digital Audio Workstation) umzugehen. Ich war kurz davor, es nicht zu tun, weil es so viel Zeit und Hingabe kosten würde... eine Zeit, die meine Ideen töten, zerstreuen oder ihren Zauber nehmen könnte. Ich entschied mich schließlich dafür, es zu lernen, und ich bin so froh, dass ich es getan habe.

___Warum gibt es so wenig Frauen in diesem Beruf?

Meine erste Vermutung ist, dass es vielleicht immer noch das Stigma gibt, dass es »Wissen für Jungen und Wissen für Mädchen« gibt: Technisches Wissen scheint bei Jungen mehr gefördert zu werden. Ich habe viele andere Künstlerinnen kennengelernt, die wie ich mit den kreativen Einschränkungen konfrontiert waren, die die technischen Barrieren mit sich bringen, und die dadurch oft in ein Abhängigkeitsverhältnis zu (männlichen) Produzenten geraten sind, die den größten Teil der Entscheidungsbefugnis bei Projekten übernehmen. Und folglich mehr Macht im Allgemeinen.

___Mit welchen Herausforderungen beziehungsweise Benachteiligungen werden Sie in Ihrem Job konfrontiert?

Mansplaining

___Welche Maßnahmen braucht es, um mehr Frauen für diesen Beruf zu gewinnen?

Abschaffung der geschlechtsspezifischen Kategorisierung von Wissen: Jedem den Zugang zu technischem Wissen ermöglichen, unabhängig vom Geschlecht. Lassen Sie SIE entscheiden.

___Was kann man tun, um dieses Ungleichgewicht im Produktions­bereich aufzuheben?

Der Produzentinnenpreis ist ein guter Anfang, denn er zeigt Vorbilder auf, die andere motivieren. Dann ist es wichtig, den Zugang zu DAW-Wissen zu erleichtern: Eine Community, die mir in dieser Hinsicht viel gegeben hat und immer noch gibt, ist das "GSBTB Open Music Lab", das ständig kostenlose Produktionsworkshops anbietet, in denen ich viele Frauen wie mich kennengelernt habe, die sich so befähigt fühlten, Produktion, DJing, Mixing und vieles mehr zu lernen!