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Interview zum Female* Producer Prize: "Wichtig ist einfach, am Thema dranzubleiben"

Kürzlich gab Music Women* Germany die Gewinnerinnen des 2022 erstmals vergebenen Female* Producer Prize bekannt: GOTOPO, Maxi Menot, Nora Medín, Novaa und Jenny Gerdts. Jovanka v. Wilsdorf, stellvertretend für Music Women* Germany, und Sarah Schneider, Head of A&R bei Columbia Sony Music, erklären das Auswahlverfahren, sprechen über die Resonanz und die Zukunft des Female* Producer Prize.

17.08.2022 10:05 • von Norbert Schiegl
Erklären das Auswahlverfahren des Female* Producer Prize (von links): Jovanka v. Wilsdorf und Sarah Schneider (Bild: Music Women* Germany/Sony Music)

Kürzlich gab Music Women* Germany die Gewinnerinnen des 2022 erstmals vergebenen Female* Producer Prize bekannt: GOTOPO,  Maxi Menot, Nora Medín, Novaa und Jenny Gerdts. Jovanka v. Wilsdorf, stellvertretend für Music Women* Germany, und Sarah Schneider, Head of A&R bei Columbia Sony Music, erklären das Auswahlverfahren, sprechen über die Resonanz und die Zukunft des Female* Producer Prize.

__144 Bewerbungen gingen für die erste Verleihung des Female* Producer Prize ein. Waren Sie mit der Resonanz zufrieden?

Jovanka v. Wilsdorf: Ja die Resonanz war Top. Wir sind damit aber eher glücklich als zufrieden. Zufrieden klingt, als könnte es so bleiben - und es geht ja erst los. Die Gewinnerinnen wurden ermittelt. Der Preis selbst wird am 9.?September, im Anschluss an den Workshop Tag, mit geladenen Gästen in den Circle Studios verliehen. Die hohe Anzahl der Bewerbungen hat uns aber tatsächlich überrascht. Der Producer Price richtete sich ja ausdrücklich an professionelle Musikproduzentinnen, und solche die auf dem Sprung dahin sind, also eine sehr genau definierte Zielgruppe. Uns zeigt das, wie überfällig dieser Prize war, und wie wichtig es ist, hier für Sichtbarkeit zu sorgen. Mal im Ernst: Ich selbst kannte gerade mal 12 der Produzentinnen. Wie kann das sein? Der erste Griff ging also direkt an die eigene Nase.

Sarah Schneider: Ich bin sehr überwältigt von der Resonanz. Dass es da draußen so viele talentierte Producerinnen gibt, hat mich hoffnungsvoll gestimmt.

__Erläutern Sie das Auswahlverfahren für den Preis. Nach welchen Kriterien wurde da verfahren?

Jovanka v. Wilsdorf: Wir haben für den Female* Producer Prize bewusst ein Bewerbungstool geschaffen, dass sich voll auf die Musik konzentriert, und auf lange Projektbeschreibungen und Lebensläufe verzichtet. Es ging um Qualität und eine eigene musikalische Handschrift. Als Artist Coach und Initiatorin des DIANA AI Song Contest habe ich gelernt, wie wichtig niedrigschwellige Bewerbungsverfahren sind. Es mussten also einfach drei eigene Produktionen eingesendet und mit Hashtags versehen werden, die klären was die Produzentinnen an dem Song gemacht haben. Zum Beispiel #Programing #Arrangement #Mix. Das war wichtig für uns, weil Producer sehr unterschiedlich arbeiten. Die Jury musste wissen, worauf sie besonders zu achten hat. Bei unserer Auswahl haben wir außerdem versucht verschiedene Styles und Genres abzubilden und Diversität mitzudenken - wobei Qualität das oberste Kriterium war. Dazu kamen eine kurze Artist Bio und ein paar Worte, warum die Produzentinnen* sich bewerben.

Sarah Schneider: Wir haben uns intensiv mit den Produktionen beschäftigt. Im Vordergrund stand dabei ausschließlich die Qualität und die Kreativität der Produktionen. Ich habe mich beim Hören darauf konzentriert, ob ich und unsere Künstler:innen mit dem Sound?/?der Produktion?/?den Ideen tatsächlich arbeiten würden.

__Welche Erfahrungen, positiv wie negativ, konnten Sie in den letzten Wochen und Monaten in Bezug auf diese Initiative und ihre Außenwirkung machen?

Sarah Schneider: Es ist erstaunlich, wie hoch der Bedarf nach Flächen für Producerinnen zu sein scheint. Denn zum einen haben wir diesen unglaublichen Producerinnen-Mangel, zum anderen gibt es ohne ein eigenes starkes Netzwerk kaum eine Möglichkeit, sichtbar zu werden. Positiv fällt mir auf, dass es sich um ein Thema handelt, für das viele Leute in der Branche schon ein Bewusstsein haben.

Jovanka v. Wilsdorf: Tatsächlich war die Erfahrung bisher komplett positiv, außer, dass die Auswahl der Gewinnerinnen eine Qual war. Mit einer derartigen Ladung an Talent und Qualität hatten wir eben nicht gerechnet. Da zahlt sich eine gut kuratierte, starke Jury aus. Neben Sarah Schneider, Head of AR bei Sony Columbia, konnten wir Charlie McClean, selbst internationale Produzentin und Co-Founder von SheWrites , sowie den fünfachen Grammy-Preisträger Herbie Crichlow gewinnen. Nun hatten aber allein schon 20 Produzentinnen die volle Punktzahl von allen Jurymitgliedern. Dass es bei der Abschlusssitzung hoch her ging, kann man sich denken. Fantastisch! Das einzig richtige war also, eine Liste mit den fünf Gewinnerinnen und weiteren zehn Top Produzentinnen zusammen zu stellen, die nach der Sommerpause an die einschlägigen Firmen und Labels rausgeht. Wir können nur wärmstens empfehlen damit dann auch aktiv zu arbeiten.

__Was für Stellschrauben gilt es zu drehen, um dem Projekt mehr Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit zuteilwerden zu lassen?

Jovanka v. Wilsdorf: Wichtig ist einfach am Thema dranzubleiben, es also nicht als kurzen Hype verpuffen zu lassen. Öffentliche Aufmerksamkeit für das Projekt ist dafür super und wir sind dankbar für die gute Medienresonanz. Allerdings kann der Prize selbst nur ein Vehikel sein. Der Fokus muss auf den Produzentinnen* und der Qualität ihrer Arbeit liegen. Der Female* Producer Prize ist schließlich keine Casting Show die sich vor allem selbst befriedigt. Es geht uns darum Exzellenz zu fördern.

Sarah Schneider: Toll wäre, wenn wir die Musik sprechen lassen können und sich aus dem Projekt heraus ein kommerzieller Erfolg vermelden lässt.

__Ganz konkret, müssen da nicht RBF, c/o pop, MW:M, Musikautor:innenpreis oder so mit ins Boot, um das Thema publik zu machen?

Sarah Schneider: Doch, ehrlichgesagt schon. Am Ende brauchen wir jede und jeden.

Jovanka v. Wilsdorf: Eine Vergrößerung des Preises zum Beispiel durch Partnerschaften mit tollen Festivals wäre natürlich ein Gewinn. Uns ist es dabei wichtig, dass der Preis organisch wächst und die Produzentinnen ins Zentrum hält. Vielleicht kurz zur jetzigen Aufstellung: Für Music Women* Germany, durfte ich 2021 den Female*Producer Prize initiieren, und durch die Förderung durch das RBF beziehungsweise des BKM, gab es eine Grundfinanzierung auf der wir aufbauen konnten. Direkt im nächsten Schritt sind wir die Partnerschaft mit Sony Music eingegangen. Was für ein Glücksfall! Neben ihrem finanziellen Engagement richten Sony Music auch den Workshop Tag in ihren Circle Studios und die anschließende Preisverleihung aus. Da sind wir gerade in der Endplanung. Es ist schön zu sehen, wie sehr sich ein Major Label, mal ganz unabhängig vom Female* Producer Prize, in diesem Bereich engagiert. Auch NEUBAU Management und unseren Sponsoren Thomann, und Ableton, ist es zu verdanken, dass wir das Ding auf die Füße kriegen konnten. Ableton bemühen sich übrigens auch selbst darum weibliche Producer aktiv zu fördern.

__Können Sie nun neben den ausgelobten Preisen konkret etwas tun, was den fünf Siegerinnen helfen kann, Türen zu Aufträgen oder gar Verträgen zu öffnen?

Jovanka v. Wilsdorf: Unser Augenmerk liegt jetzt darauf die Gewinnerinnen in gute Produktions-Jobs zu kriegen. Erfolgreiche Produktionen sind eine Türklinke zu guten und fairen Verträgen. Natürlich ist es ohnehin sinnvoll Musikproduzentinnen sichtbar zu machen. Aber erfolgreiche Produzentinnen entwickeln als Role Model eine Strahlkraft und können etwas bewegen. Und darum geht es uns.

Auch die Preise für die Gewinnerinnen sind bewusst so konzipiert dass sie nachhaltig wirken. Statt einmaligem Geldsegen erhalten sie zum Beispiel Einzelsessions mit zertifizierten Ableton TrainerInnen, Produktions-Zuschüsse und Equipment Gutscheine. Dazu kommen producing und business Workshops. Eins der wichtigsten Module ist die Aufnahme der Gewinnerinnen in den Producer Roster bei Sony Music. Auch deshalb war es großartig Sarah Schneider in unserer Jury zu haben. Sie weiß genau, welche der Produzentinnen sie mit den von Ihr betreuten KünstlerInnen zusammen bringen kann. Katharina Horn, Head of Producer Management & Sync bei NEUBAU wird am Workshop Tag den How-To-Business Slot übernehmen. Die Gewinnerinnen kommen außerdem in den NEUBAU Roster, worüber wir uns ganz besonders freuen.

Sarah Schneider: Ja, absolut. Wir haben ein Producerinnen-Register erstellt, mit dem wir in Zukunft arbeiten werden. Ziel ist es, dass wir die weiblichen Producer genauso mit in unseren Arbeitsalltag integrieren möchten wie die männlichen. Das führt dann dazu, dass es Aufträge von etablierten Acts geben wird.

__Wird es auch 2023 eine Verleihung geben?

Jovanka v. Wilsdorf: Unbedingt. Die Reise fängt ja grad erst an! Es gibt auch schon Ideen dazu, wie wir den Female* Producer Prize durch unterschiedliche Kategorien noch diverser in jeder Hinsicht gestalten können. Natürlich immer mit der Exzellenz im Fokus. Aber mehr dazu dann.

Sarah Schneider: Ja, das ist zumindest geplant. Wir möchten langfristig und nachhaltig arbeiten und wissen, dass es mit einer einmaligen Aktion nicht getan ist.

____Shortlist Female* Producer Prize 2022

144 Bewerbungen gingen für die erste Verleihung des Female* Producer Prize ein. Die Auswahl der Preisträgerinnen oblag einer Fach-Jury mit Charlie McClean (internationale Produzentin und Songwriterin), Sarah Schneider (Head of A&R Columbia Sony Music), Jovanka v. Wilsdorf (Co-Gründerin DIANA AI Song Contest und Vorstand MW*G) und Herbie Crichlow (Produzent und fünffacher Grammy-Preisträger). Music Women* Germany veröffentlich zudem eine Shortlist der 15 herausragendsten Musikproduzentinnen* 2022.

Die Liste enthält die Top 15 des Female* Producer Prize 2022, inklusive der fünf Ge­winnerinnen.

Die Top 10?-?15 sind in zufälliger Reihenfolge aufgeführt.

1. Nora Medín (Gewinnerin)

2. Maxi Menot (Gewinnerin)

3. Jenny Gerdts (Gewinnerin)

4. GOTOPO (Gewinnerin)

5. Novaa (Gewinnerin)

6. B O K E H

7. Leona Berlin

8. Liza Dries9. Lucinee

10. Mariybu

11. Mona Yim

12. Ophelia Sullivan

13. Monibi

14. Sarah Farina

15. Juliane Wolf