Handel

Kraus sucht fürs Dussmann-Label nach "Sachen, die mich begeistern"

Exklusive Veröffentlichungen gab es in den Regalen von Dussmann - das KulturKaufhaus immer mal wieder, darunter zum Beispiel Vinyl-Auflagen in Sonderfarbe. Inzwischen aber hat der Fachhändler sein Angebot um ein eigenes Label erweitert - mit ebenfalls exklusiven LPs.

18.08.2022 13:53 • von
Stellt mit der Edition Dur zahlreiche Bestseller in den hauseigenen Charts bei Dussmann das Kultur-Kaufhaus: Hannes Kraus. (Bild: MusikWoche)

Exklusive Veröffentlichungen gab es in den Regalen von Dussmann - das KulturKaufhaus immer mal wieder, darunter zum Beispiel Vinyl-Auflagen in Sonderfarbe. Inzwischen aber hat der Fachhändler sein Angebot um ein eigenes Label erweitert - mit ebenfalls exklusiven LPs.

"Wir sind hier noch in der Entwicklungsphase", sagt Hannes Kraus, der bei Dussmann - das KulturKaufhaus lange Zeit als Hauptabteilungsleiter Musik und Film aktiv war, inzwischen aber als Category Lead Musik auch die Leitung der Labelarbeit übernommen hat. So kam es denn zur Gründung der sogenannten KulturManufaktur, die inzwischen - "in Zusammenarbeit mit Sven Hasenjäger vom 380grad-Management und Daniel Meteo von Random Noize Musick", wie Kraus erläutert - um das Sublabel Edition Dur erweitert wurde.

Als erste Veröffentlichung entstand 2021 ein im Hause Dussmann bei einem Instore-Gig aufgezeichnetes Akustik-Set von Max Prosa; produziert und finanziert in Zusammenarbeit mit der Dussmann-KulturManufaktur erschien "Hinter der Zeit" allerdings noch auf dem künstlereigenen Label Prosa Records. "Wir haben viel Handarbeit in das Projekt gesteckt und 300 Exemplare verkauft, davon allein rund 200 am ersten Wochenende", erinnert sich Kraus. So habe er selbst einen Teil der vom Künstler signierten und nummerierten Auflage konfektioniert, die Cover beklebt und in Klarsichthüllen verpackt - freitags, nach Feierabend im Büro: "Am Anfang habe ich fünf in einer Stunde geschafft, am Ende dann 20."

Das Projekt mit Max Prosa sei ein "guter Einstieg" gewesen, bilanziert Kraus. Auch für den parallel aufgebauten Onlineshop. Damit sei für das Dussmann-Team klar gewesen, dass man seine Aktivitäten in diesem Bereich ausbauen und als Teil der Markenstrategie stärken wolle: "Wir wollen nicht bloß das ins Haus holen, was schon fertig ist, sondern vielmehr auf dem nun eingeschlagenen Weg auch eine Art Künstlerförderung betreiben. Das war der Startschuss für das Label KulturManufaktur."

Im Sommer 2021 startete schließlich auch die Edition Dur, deren erste Veröffentlichung allerdings erst im Frühjahr des laufenden Jahres folgte. "Wir haben zunächst viele Dinge vorbereitet und auch geschaut, was für dieses Sublabel passen würde und auch verfügbar wäre."

____________Dussmann fertigt Vinyl in 500er-Auflagen

So erschien zunächst Mitte März das Album "zephyr" der Experimental-Band toechter um die drei ­Musikerinnen Marie-Claire Schlameus, Lisa Marie Vogel und Katrine Grarup Elbo. Es folgte ein Album von Paul Frick mit dem Ensemble Modern, ein von Norman Nitzsche im Berliner Calyx Studio neu gemasterter Mittschnitt eines "Brecht/Weill"-Liederabends von Lotte Lenya aus dem Jahr 1955 und "Towards East" von dem unter dem Namen Shed aktiven Berliner Produzenten René Pawlowitz. Zuletzt waren Werke von Moritz Fasbender und Katja Eichinger an der Reihe und im September folgt ein Album von dem unter dem Namen Oval aktiven Markus Popp. "Wir werden am Ende des Jahres zudem ein Hörspiel-Album haben", verspricht Hannes Kraus. Dann erscheint bei Edition Dur ein von Masha Qrella für den Deutschlandfunk produzierte Stück über den Schriftsteller Thomas Brasch. "Erste Projekte für 2023 befinden sich in der Planung", berichtet Kraus schließlich.

Dass die hauseigenen LPs auch bei den Kund:innen ankommen, zeigt ein Blick auf die an einer Wand präsentierten Dussmann-Bestseller, wo die Edition-Dur-Veröffentlichungen breite Präsenz zeigen. Ein Artikel im "Mint"-Magazin habe kürzlich zudem noch einmal für zusätzliche Nachfrage im Versandbereich gesorgt.

Die Abstimmung zwischen ihm, Hasenjäger und Meteo sei bei diesen Projekten recht einfach gewesen: "Ich würde das alles auch selbst kaufen wollen." Der gemeinsame A&R-Ansatz decke dabei ein weites Spektrum an Genres von Downbeat über Neue Musik bis hin zum Jazz ab. "Ich suche nach Sachen, die mich begeistern", ergänzt Kraus, der bis zu seinem Einstieg bei Dussmann nach ersten Schritten als DJ und im Handel rund 17 Jahre lang in verschiedenen A&R-Rollen aktiv war, unter anderem bei Hansa Musikproduktion, Columbia und EMI Music sowie zunächst bei Zyx: "Dort habe ich zum Beispiel 1994 daran mitgewirkt, die Rednex einzukaufen, die in dem Jahr allein für 20 Millionen an Umsätzen standen."

Neben der A&R-Arbeit steht aber auch das Produkt- und Projektmanagement samt der Schallplattenpressung: "Wir lassen das Vinyl in 500er-Auflagen und in Zusammenarbeit mit Handle With Care fertigen", erläutert Kraus. Fürs kommende Jahr plane man für das KulturManufaktur-Label zudem bei einem Projekt mit einer ergänzenden CD-Auflage, gemeinsam mit dem GRIPS Theater und der Band Die Fabelhaften Millibillies, deren Album gerade in den Hansa Studios in Berlin aufgenommen wurde.

Die Zusammenarbeit mit den Rechteinhaber:innen bleibe dabei abseits der physischen Produkte eine nicht-exklusive Partnerschaft: "Die Masterrechte liegen also weiter bei den Künstler:innen." So hätte zum Beispiel die Formation toechter ihr Album auch digital verfügbar gemacht, bei anderen wie Paul Frick und dem Ensemble Modern sei das hingegen nicht der Fall.

Auch gestalterisch sind die LPs der Edition Dur eine ganz eigene Hausnummer mit hohem Erkennungswert: "Hier haben wir mit Bianca Strauch vom Hamburger Designbüro Mjam Mjam zusammengearbeitet, die für uns eine eigene Schrift entwickelt und die Identität der Marke geprägt hat."

_____________Musik als Teil des Erlebniskaufhauses

Aber lohnt sich der Aufwand für das KulturKaufhaus? "Fürs erste Jahr gehen wir nicht von großen Umsatzerfolgen aus", räumt Kraus ein. "Wir wollen aber zeigen, dass wir solche Projekte stemmen können. Unser Ziel ist es zudem, mit jeder Veröffentlichung den Break-Even zu erreichen." Seien die Kosten eingespielt, teile man die darüber hinausgehenden Erlöse mit den Künstler:innen im Verhältnis 50 zu 50.

In seiner neu geschaffenen Rolle als Category Lead Musik betreut Hannes Kraus nicht mehr wie einst den Ein- und Verkauf. Vielmehr ging es unter der neuen Geschäftsleitung des Kulturkaufhauses darum, alle angrenzenden Bereiche des Musikgeschäfts unter dem Dussmann-Dach zu bündeln. So gibt es inzwischen mit dem Audio-Forum einen Partner für hochwertige HiFi-Geräte vom Plattenspieler bis zum Kopfhörer, die bei Dussmann in einem eigenen Studio in der Klassikabteilung Platz gefunden haben. "Das ist Teil der Markenstrategie zum 25. Jubiläum und ist gut angelaufenen", fasst Kraus zusammen. Schon vor der Pandemie und auch weiterhin im Einsatz ist eine eigene Schneidemaschine für 10-Inch-Unikate mit bis zu acht Minuten Spielzeit pro Seite, die Monat für Monat bis zu 30 mal zum Einsatz komme: "Das alles passt zur Idee des Erlebniskaufhauses, das Sachen hat, die eben nicht jeder hat."

Text: Knut Schlinger