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Jens Michow hält vorsorgliche Eingrenzung für "den falschen Weg"

In Reaktion auf die weitere Verschärfung des Infektionsschutzgesetzes klagt BDKV-Präsident Jens Michow, dass "alle getroffenen Regelungen wieder sehr undifferenziert" seien. Auch warnt er vor vorsorglicher Eingrenzung und Maskenpflicht bei Konzerten.

11.08.2022 13:28 • von Dietmar Schwenger
Wünscht sich mehr Differenzierung: BDKV-Präsident Jens Michow (Bild: Klaus Westermann)

In Reaktion auf die weitere Verschärfung des Infektionsschutzgesetzes klagt BDKV-Präsident Jens Michow im Gespräch mit der "Welt", dass "alle getroffenen Regelungen wieder sehr undifferenziert" seien. "Es sollen Faktoren festgelegt werden, unter denen gewisse Maßnahmen ergriffen werden sollen, diese stehen aber bisher noch nicht fest, sodass man sich darauf nicht einstellen kann."

Michow weist zudem auf die Präventionsmaßnahmen hin, die die Branche unterbreitet hat: "Wir haben seit Anfang 2021 Vorschläge gemacht und unter anderem eine Matrix vorgelegt, die sich offenbar keiner richtig angeschaut hat. Wir haben dargelegt, wie man Maßnahmen, die ein Stilllegen des Veranstaltungsbetriebs verhindern, etwas differenzierter ergreifen kann."

Die Veranstaltungswirtschaft sehe das Problem darin, dass wie in den vergangenen Jahren in jedem Bundesland, ja in jedem Landkreis verschiedene Regelungen greifen könnten, so Michow gegenüber der "Welt". "Dann werden bundesweite Tourneen nicht durchgeführt werden können. Wir sind der Meinung, dass aus den Erfahrungen der Vergangenheit nicht gelernt wurde. Das betrifft auch die Frage der Systemrelevanz und die Frage ob das, was Kultur darstellt, nicht eine wirklich wichtige Lebensgrundlage für die Menschen in den letzten beiden Jahren gewesen ist, und daher anders behandelt werden sollte."

Auch warnt er vor einer Maskenpflicht: "Bei Veranstaltungen in Musikclubs würde eine Maskenpflicht erhebliche Probleme bedeuten. Dort sind Masken ein absolutes No-Go. Bei größeren Veranstaltungen würde das dazu führen, dass in dieser für die Branche ohnehin problematischen Zeit viele Menschen Veranstaltungen nicht besuchen wollen, wenn sie nicht zweieinhalb Stunden mit Maske bei einem Konzert sitzen wollen."

Dagegen habe die Veranstaltungswirtschaft immer wieder darauf hingewiesen, dass sie durchaus imstande sei, Veranstaltungsräume zu einem sicheren Ort zu machen. Die Branche und er würden "überhaupt nicht verstehen", dass eine Einsicht fehlt in die Erkenntnis und die daraus abzuleitenden Konsequenzen, dass sich die Lage in gewisser Hinsicht nicht ändern wird. "Es wird immer Geimpfte und ungeimpfte Personen geben. Und es wird nie so sein, dass jemand, der geimpft ist, nicht auch weitere Menschen anstecken kann."

Er befürchtet, wenn die Politik dies nicht sehe, stehe zu befürchten, dass sich die Regelungen für alle Zeit manifestieren werden - "und das wäre doch grausam". Die Gesellschaft müsse leider etwas gelassener mit den Infektionszahlen umgehen, fordert Michow. Alles müsse vielmehr daraufhin auf die Frage abgestellt werden, ob die Krankenhäuser tatsächlich überlastet seien.

"Rein vorsorglich immer wieder alles einzugrenzen, halte ich für den falschen Weg. Und da sind auch viele Bürger und Bürgerinnen der gleichen Meinung. Wir werden lernen müssen, mit dem Virus zu leben und wir werden auch lernen müssen, dass es keine totale Sicherheit gibt."

Michow hätte sich von der Politik mehr Sorgfalt und Diskussionen unter der Berücksichtigung der Live-Branche gewünscht, anstelle "jetzt schon wieder darüber zu sprechen, dass man an den Türen Zugangsberechtigungen kontrolliert - was für uns einen erheblichen Personalaufwand bedeutet und noch mehr Menschen abschreckt, eine Veranstaltung zu besuchen."