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Deutscher Musikmarkt legt zum Halbjahr weiter zu

Trotz schwieriger Rahmenbedingungen liegt der deutsche Musikmarkt im Geschäft mit Recorded Music auch im vierten Jahr in Folge auf Wachstumskurs: Nach BVMI-Angaben fiel im ersten Halbjahr 2022 ein Umsatzplus im einstelligen Prozentbereich an. Damit wuchs der Markt allerdings weniger dynamisch als noch zuletzt.

11.08.2022 10:31 • von
Klare Angelegenheit: der digitale Umsatzanteil im deutschen Musikmarkt hat die Marke von 80 Prozent erreicht, rund jeden fünften Euro nehmen die Plattenfirmen hierzulande aber noch mit dem Verkauf von CDs und LPs ein (Bild: Bundesverband Musikindustrie, GfK Entertainment)

Pandemie, Krieg, Inflation und explodierende Energiepreise sorgen in einem gesamtwirtschaftlichen Zusammenhang für unsichere Zeiten. Doch trotz schwieriger Rahmenbedingungen liegt der deutsche Musikmarkt im Geschäft mit Recorded Music auch im vierten Jahr in Folge auf Wachstumskurs: Nach Angaben des Bundesverbands Musikindustrie (BVMI) fiel im ersten Halbjahr 2022 ein Plus im einstelligen Prozentbereich an.

Von Anfang Januar bis Ende Juni 2022 setzte die Musikindustrie in Deutschland insgesamt 967 Millionen Euro um; über alle digitalen oder physischen Formate hinweg nach Endverbraucherpreisen und inklusive Mehrwertsteuer. Das gab der BVMI am 11. August bekannt. Im Vergleich zu den im Vorjahreszeitraum erzielten Einnahmen in Höhe von 903,8 Millionen Euro bedeutet das ein Umsatzplus in Höhe von 5,5 Prozent.

Damit wuchs der Markt allerdings weniger dynamisch als noch zuletzt. So meldete der Branchenverband fürs erste Halbjahr 2021 noch ein Plus von 12,4 Prozent, im Gesamtjahr 2021  fielen Zuwächse in Höhe von zehn Prozent an - nach Zuwächsen von erst acht und dann neun Prozent in den Vorjahren.

"Weiteres Wachstum im ersten Halbjahr 2022 ist in der aktuellen Situation eine sehr gute Nachricht", strich Florian Drücke als Vorstandsvorsitzender des BVMI bei der Präsentation der Zwischenbilanz heraus. "Mit 5,5 Prozent zeigt die Kurve zwar nicht ganz so steil nach oben wie Ende 2021 mit einem allerdings wirklich überragenden Branchenplus von zehn Prozent. Doch die Wachstumssegmente Audiostreaming und Vinyl entwickeln sich weiterhin positiv und der generelle Trend hin zur digitalen Musiknutzung bei gleichzeitig anhaltender Bedeutung des physischen Segments ist ungebrochen."

So stellte die Vermarktung von Musik über abobasierte und werbefinanzierte Streamingdienste im ersten Halbjahr 2022 das erwartbar dominante Format im Markt. Die Umsätze im Segment Audiostreaming wuchsen um weitere 9,1 Prozent; die verschiedenen Angebote steuern inzwischen einen Anteil von 73,3 Prozent zum Gesamtumsatz bei.

Ebenfalls weiter im Plus rangiert das Vinyl: Die Umsatzkurve der Schallplatten kletterte um 12,3 Prozent, was dem oft hochpreisigen Nischenprodukt nunmehr zu einem Marktanteil von 6,2 Prozent und Platz drei im bundesweiten Umsatzranking verhilft - hinter Streaming und der CD, die aber mit einem Marktvolumen von 12, 8 Prozent immer noch gut das Doppelte der LPs einspielt. Zwar gingen die Einnahmen aus dem CD-Verkauf auch im ersten Halbjahr 2022 um weitere 6,5 Prozent zurück, damit aber fiel das Minus in diesem Bereich doch deutlich weniger dramatisch aus als im Vorjahreszeitraum, als die CD-Umsätze noch um 16,4 Prozent einbrachen.

Das Vinyl wuchs damit zwar weiter prozentual zweistellig, kommt aber nicht ganz an den Höhenflug aus dem Jahr 2021 heran, als es mit dem Format zum Halbjahr noch um steile 49,5 Prozent und zum Gesamtjahr um immer noch gut 20 Prozent bergauf ging.

Rechnet man die digitalen Formate zusammen, erwirtschaftete die Musikindustrie in Deutschland im ersten Halbjahr 2022 nun bereits 80,2 Prozent ihrer Erlöse im Bereich Recorded Music digital; Downloads trugen dazu mit einem erneuten Umsatzminus einen Anteil von gerade einmal noch 2,4 Prozent bei. Zur Erinnerung: Für 2021 hatte der BVMI den Digitalmarktanteil noch auf 76,4 Prozent taxiert, das Audiostreaming lag da bei 68,3 Prozent.

Der gut 80-prozentige Digitalmarktanteil bedeutet im Umkehrschluss, dass die Plattenfirmen hierzulande mit 19,8 Prozent immerhin noch fast jeden fünften Euro mit dem Verkauf physischer Tonträger einnehmen.

"Das konsequente Vorantreiben des gesamten Formatspektrums, digital wie analog, ebenso wie die immer wieder neuen zusätzlichen Erlösquellen, die unsere Mitgliedsfirmen für und mit ihren Künstler:innen erschließen, sorgen auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten für eine stabile Dynamik", fasste Florian Drücke die Entwicklung zusammen.

Text: Knut Schlinger