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Zweite Runde im Münchner Silvesterstreit um Rammstein

Ein geplantes Konzert in der Silvesternacht auf der Theresienwiese schlägt in München weiterhin Wellen. Angeblich will hier die Leutgeb Entertainment Group ein Rammstein-Konzert für 145.000 Menschen ausrichten. Nun schaltet sich der Verband der Münchner Veranstalter:innen in die Diskussion ein.

09.08.2022 17:23 • von
Ein für die Silvesternacht geplantes Rammstein-Konzert stößt Münchner Veranstalter:innen sauer auf (Bild: Andreas Waldschütz)

Ein geplantes Konzert in der Silvesternacht auf der Theresienwiese schlägt in München weiterhin Wellen. Angeblich will hier die Leutgeb Entertainment Group ein Rammstein-Konzert für 145.000 Menschen ausrichten - und droht damit ins Revier des Tollwood-Winterfestivals einzudringen, das seit 22 Jahren zu dem Zeitpunkt auf dem Gelände stattfindet. Dessen Veranstalter:innen hatten sich bereits am 8. August 2022 kritisch zu Wort gemeldet.

Nur einen Tag später schaltet sich nun zudem der Verband der Münchner Veranstalter:innen in die Diskussion ein - und fordert die Stadt München "dringlich" zu einem Dialog über die Vergabe von Orten und Plätzen für Open-Air- Veranstaltungen auf.

In einem unter anderem auf den eigenen Onlineseiten veröffentlichten offenen Brief wendet sich der VDMK an Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter, die Bürgermeisterinnen Katrin Habenschaden und Verena Dietl sowie den Stadtrat. Seit vielen Jahren befinde man sich in einem konstruktiven Austausch zu Fragen und Sachthemen der Veranstaltungsbranche: "Ein Thema war wiederkehrend das knappe Platz- und Raumangebot in der Stadt."

Für Open-Air-Veranstaltungen zum Beispiel habe der Verband wiederholt Anfragen gestellt. "Vordringlich wurden Ersatzflächen für die Zeit der Sanierung des Olympiastadions gesucht, im Blick der Mitglieder war dabei die Theresienwiese und Flächen der Messe." Dem Verband und seinen Mitgliedern sei dabei indes "von Seiten des Wirtschaftsreferenten eindringlich vermittelt" worden, dass Großkonzerte "auch weiterhin nur im Olympiastadion stattfinden" sollten. Von Anfragen zur Nutzung der Theresienwiese "wurde wegen zu erwartenden Beschwerden durch anwohnende Bürger*innen und die ablehnende Haltung der zuständigen Bezirksausschüsse abgeraten".

Als bekannt wurde, dass die Leutgeb Entertainment Group im Sommer 2022 drei Konzerte an der Messe austragen wolle - gerade schon mit Andreas Gabalier, es folgen Helene Fischer und Robbie Williams - habe man das Wirtschaftsreferat um einen Gesprächstermin gebeten und nach den Kriterien zur Vergabe von Veranstaltungsflächen für Großkonzerte ab 50.000 Gästen gefragt. "Auf diese Anfrage hat der Verband bis heute keine Antwort", stellen die VDMK-Vorstände David Boppert, Louis Grünwald, Anna Kleeblatt und Patrick Oginski fest. "Stattdessen entnehmen wir erneut der Presse, dass das Wirtschaftsreferat der Leutgeb Entertainment Group für Silvester 2022 die Theresienwiese für ein Konzert von Rammstein mit bis zu 140.000 Gästen vermieten möchte."

Die Münchner Veranstalter kritisieren unterm Strich "einen ungleichen Wettbewerb": "Während die Vorbereitungen für bis zu vier Konzerten von Rammstein im Olympiapark im Juni 2023 fast abgeschlossen sind, wird über das Wirtschaftsreferat ein Großkonzert mit Rammstein, das vor diesen Konzerten stattfinden soll, öffentlich angekündigt, bevor diese Konzerte in den Vorverkauf gehen und bevor diese Konzerte beworben werden können, was zum Schaden dieser Konzerte ist." Begründet werde das "mit einer herausragenden Bedeutung für die Münchner Wirtschaft".

Auch die Münchener Kulturveranstalter:innen würde seit Jahrzehnten "unzählige Konzerte von herausragender wirtschaftlicher Bedeutung für die Landeshauptstadt München" und "für einen Nutzen durch die touristische Vermarktung" ausrichten und seien "ihrerseits in der Lage, Konzerte mit mehr als 100.00 Besucher*innen anzubieten und umzusetzen", heißt es in dem offenen Brief.

Angesichts der auf das Tollwood zukommenden Probleme - hier werde nach Ansicht des VDMK "eine Münchner Institution ohne zu "Zögern einer Großveranstaltung geopfert" - sorge beim verband der Münchener Kulturveranstalter zu "großer Sorge, wie mit den Belangen von Münchner Veranstalter*innen umgegangen wird".

Text: Knut Schlinger