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Fusion Festival rechnet mit Fehlsumme von bis zu zwei Millionen Euro

Das Fusion Festival erwartet, wenn alle Bilanzen abgeschlossen sind, einen Fehlbetrag in der Größenordnung zwischen 1,5 und zwei Millionen Euro. Die veranstaltende Agentur Kulturkosmos Müritz erklärt das vor allem mit den "enormen Preissteigerungen".

09.08.2022 12:54 • von Dietmar Schwenger
Braucht Geld: das Fusion Festival, hier eine Impression von 2016 (Bild: Frank Brexel, Imago)

Das Fusion Festival, das vom 29. Juni bis zum 3. Juli rund 75.000 Menschen nach Lärz im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte lockte, erwartet, wenn alle Bilanzen abgeschlossen sind, einen Fehlbetrag in der Größenordnung zwischen 1,5 und zwei Millionen Euro. Man habe aktuell "ein sehr großes finanzielles Defizit". Und wenn man jetzt nicht schnell handele, könnte das gesamte Projekt Kulturkosmos "in eine existenzielle Krise" rutschen.

Zur Begründung des Fehlbetrags heißt es auf der Website des Festivals: "Wir konnten Ende 2020, als wir die Preise um 70 Euro erhöhten, die enormen Preissteigerungen der vergangenen Monate nicht einkalkulieren. Bei fast allen Materialien, aber auch bei Dienstleistungen, Technik und Infrastruktur, lagen die Preise oft bei 20 Prozent über dem Vorjahr, manchmal noch weit darüber. Was wir auch unterschätzt hatten, war der Mehraufwand und die damit verbundenen Kosten für den Aufbau des Festivals und der Infrastruktur nach zwei festivalfreien Jahren."

Ein Teil der laufenden Kosten des Kulturkosmos über 36 Monate sei zwar durch Fördergelder von Bund und Land kompensiert worden, aber die Förderungen hätten bei Weitem nicht die Ausgaben gedeckt. "Vieles musste aus Ticketeinnahmen finanziert werden. Dazu gehörte unter anderem die neue Turmbühne, deren Baukosten wir stark unterschätzt hatten."

Insgesamt habe das Unternehmen in den vergangenen drei Jahren circa drei Millionen Euro aus den Ticketeinnahmen benötigt, um die eigenen Kosten zu decken und neue Projekte zu realisieren. Problematisch sei auch, dass die Behörden die Kapazität des Festivals im Jahr 2019 auf 80.000 Menschen festgesetzt habe - "und dies unabhängig, ob es sich um Crew oder Gäste handelt. Wir haben diese Obergrenze akzeptiert, wohl wissend, dass wir in der Vergangenheit mindestens 70.000 Tickets verkauft hatten und diese Obergrenze angesichts von 15.000 Mitwirkenden und allen zusätzlichen Ticketkontingenten früher oder später ein Problem werden würde."

"Wir wollten nach zwei Fusion-freien Jahren aber nicht an diesem Limit kratzen, und haben 2022 bewusst nur 65.000 Tickets verlost, weil wir wussten, dass sich vieles nach zwei Jahren erst mal wieder zurecht ruckeln musste", heißt es auf der Website weiter. "Am Ende hatten wir 64.000 bezahlte Tickets aus der Verlosung und von den erwarteten 6000 Sonntagsgästen sind nur 3000 gekommen."

Das Festival zählt nun mehrere Möglichkeiten auf, um an Geld zu kommen. Nachdem die Banken das Festival mit einem Dispo-Kredit zu hohen Zinssätzen und auch nicht in der erforderlichen Höhe vertröstet hätten, hofft man zum einen auf "private Geldgeber:innen" und startet am 26. September 2022 einen vorgezogenen Vorverkauf mit 10.000 Tickets.

"Mit diesen Optionen werden wir eine Zahlungsunfähigkeit sicherlich verhindern können, aber das entstandene Defizit können wir damit nicht ausgleichen." Und weil eine erneute Erhöhung des Eintrittspreises angesichts der rasant steigenden Lebenshaltungskosten und der begrenzten finanziellen Mittel vieler Gäste nicht in Frage komme, wolle man sich nun vom "Tafelsilber" trennen. Darunter versteht der Kulturkosmos etwa ein dreistöckiges Haus bei Lärz, das die Agentur 2015 gekauft, saniert und Flüchtlingen zur Verfügung gestellt hat. Das soll nun genauso wie einige Baugrundstücke am Ortsrand von Lärz verkauft werden.