Unternehmen

Long COVID im Publishing?

Im Frühjahr warnten der DMV und das Forum Musikwirtschaft vor anhaltenden Umsatzeinbußen von bis zu 80 Prozent im Musikverlagsgeschäft. MusikWoche fragte bei ausgewählten Musikverleger:innen nach, wie sich die Lage im bisherigen Jahresverlauf entwickelt hat und was sie für die zweite Jahreshälfte erwarten?

08.08.2022 10:52 • von
Einfach mal kurz durchschnaufen: Schauspieler Marcus Carl Franklin als Bob Dylan im Spiefilm "I'm Not There" aus dem Jahr 2007. (Bild: Imago, Weinstein Company, Courtesy Everett Collection)

Im Frühjahr warnten der DMV und das Forum Musikwirtschaft vor anhaltenden Umsatzeinbußen von bis zu 80 Prozent im Musikverlagsgeschäft. MusikWoche fragte bei ausgewählten Musikverleger:innen nach, wie sich die Lage im bisherigen Jahresverlauf entwickelt hat und was sie für die zweite Jahreshälfte erwarten?  

»Klar ist, die Pandemie ist für die Musikbranche noch lange nicht vorbei«, sagt Birgit Böcher, die als Geschäftsführerin des Deutschen Musikverleger-Verbands (DMV) auch im Forum Musikwirtschaft mitwirkt. »Wie bereits in den Meldungen des Forum Musikwirtschaft mitgeteilt, sind die einzelnen Sektoren der Branche eng verzahnt - geht es einem Bereich schlecht, wirkt sich das früher oder später auch auf die anderen aus.« Böcher erinnert daran, dass bei den Musikverlagen »die Einnahmen aus den Verwertungsgesellschaften, die bekannterweise zeitverzögert bei Autor:innen und Verlagen ankommen«, einen großen Anteil hätten: »Und auch in diesem Jahr gilt: Was nicht aufgeführt oder wiedergegeben wird, kann auch nicht vergütet werden. Fielen in den letzten Jahren Konzerte wegen der Pandemie aus, so erwarten wir für den Herbst 2022 Ausfälle als Folge der Pandemie, nämlich vornehmlich aufgrund Personalmangels. Zudem hat die Branche über zwei Jahre verloren, in denen sie neue Acts hätte platzieren und aufbauen können.«

__________»Die Pandemie ist für die Musikbranche noch lange nicht vorbei.« BIRGIT BÖCHER, DEUTSCHER MUSIKVERLEGER-VERBAND.

Auch im sogenannten »Papiergeschäft« würden die Zeichen nicht auf Entwarnung stehen, ergänzt Böcher. »Gerade die kleineren Verlage, die auf Absätze über den Notenfachhandel angewiesen sind, leiden unter der Kundenflaute.« Dennoch wolle sie »das Bild nicht zu schwarz malen«, betont die DMV-Geschäftsführerin: »Es gibt auch erfreuliche Entwicklungen, denn natürlich profitieren Urheber:innen und ihre wirtschaftlichen Partner, die Musikverlage, zum gewissen Grad vom Streamingboom und allen 'on demand'-Formaten - wenn auch nicht im gewünschten Maß, aber das ist eine andere Diskussion.«

»Wir sind sehr zufrieden mit dem bisherigen Jahresverlauf«, berichtet Christian Baierle als Managing Director von Roba Music. »Roba konnte sich im Singles-Segment auf der Nummer vier aller Musikverlage behaupten. Dies verdanken wir der hervorragenden Arbeit unserer AutorInnen und MitarbeiterInnen.« Besonders freue er sich, »dass wir eine große Anzahl von neuen Konzertmeldungen überwachen dürfen. Es zeigt sich dadurch, wie nachhaltig der Wunsch der Menschen nach Livemusik ist.« Ähnliches erfahre man zudem im Synch-Bereich: »Auch hier konnten wir noch einmal die hohe Anzahl an Lizenzen zum letzten Jahr steigern. Darunter Highlights für Mercedes und viele andere Top-Werbekunden sowie erfolgreiche TV- und Filmproduktionen.«

Neben der kreativen Arbeit habe sich das Roba-Team in der COVID-Zeit »noch intensiver« mit dem Income Tracking befass: »Das zahlt sich ebenfalls jetzt in erhöhten Royalty-Rückflüssen aus.« Entsprechend zuversichtlich zeigt sich Baierle: »Durch die Gesamtheit unserer Tätigkeiten aus Musikverlag, Label Services und GVL sowie Production Music sehen wir uns auch weiterhin gut in der Breite aufgestellt und erwarten eine positive zweite Jahreshälfte 2022.«

_________»Eine erfreuliche Entwicklung in diesen herausfordernden Zeiten ist, dass sich immer mehr nationale Autoren und Autorinnen ein weltweites Publikum erschließen und international erfolgreich sind.« KARINA POCHE, SONY MUSIC PUBLISHING.

»Das erste Quartal ist, was die Aufführung anbelangt, leider noch schwach gestartet«, räumt Karina Poche ein, Vice President Business & Legal Affairs Sony Music Publishing. »Das werden wir vermutlich aufgrund der zeitversetzten GEMA-Abrechnungen auch noch bis ins nächste Jahr spüren.« Umso erfreulicher aber sei es, »dass inzwischen wieder so viele fantastische und gut besuchte Livekonzerte stattfinden und vor allem auch junge Künstler und Künstlerinnen den Festivalsommer nutzen können, um sich auf großen Bühnen zu präsentieren.« Aus Sicht von Sony Music Publishing denke sie zum Beispiel an 01099 oder Leony. »Und natürlich freuen wir uns auch darüber, dass wir unsere internationalen Acts wie Ed Sheeran, Queen und die Rolling Stones wieder auf deutschen Bühnen erleben können.«

Ungewiss bleibe allerdings laut Poche, wie sich die Einnahmen im Synch-Bereich entwickeln: »Vielleicht nicht unbedingt im Bereich Film und Games, aber in der Werbung. Letztes Jahr waren wir in diesem Bereich sehr erfolgreich - trotz der Pandemie. Die aktuelle angespannte politische und wirtschaftliche Situation belastet den Werbemarkt jedoch spürbar, wie so viele andere Bereiche.«

Für die Zukunft zeigt sich Poche zuversichtlich: »Vielversprechend und eine erfreuliche Entwicklung in diesen herausfordernden Zeiten ist jedoch, dass sich immer mehr nationale Autoren und Autorinnen ein weltweites Publikum erschließen und international erfolgreich sind. Hervorzuheben sind zum Beispiel Topic, der Anfang dieses Jahres sehr erfolgreich in den USA und Australien getourt ist, sowie Zoe Wees oder René Miller.«

»Wider Erwarten bin ich mit dem Ergebnis des ersten Halbjahres zufrieden«, sagt Hille Hillekamp, Geschäftsführer Grand H Music. Die gleiche Entwicklung erwarte er nun auch für das zweite Halbjahr, »wenn nicht sogar noch etwas mehr, nun, da einige meiner Gruppen wieder auf Tournee gingen oder gehen!«

»Wir leiden nach wie vor unter den nicht stattgefundenen Konzerten in 2020 und 2021«, räumt derweil Carol von Rautenkranz ein, Geschäftsführer Napa Songs. Schließlich sei 2022 das Jahr, in dem »die Performance-Tantiemen für 2021 und zum Teil für 2020 ausgeschüttet werden - und 2021 waren wir bekanntermaßen noch voll in der Pandemie mit allen Beschränkungen«. Auch in diesem Jahr seien Absagen von Touren sowie Club- oder Arenen-Shows weiter an der Tagesordnung, weiß von Rautenkranz: »Hinzu kommt noch das zögerliche Publikum.« Deshalb rechne er auch für 2023 noch bei weitem nicht mit Erlösen wie aus den Zeiten vor der Pandemie. »Trotz allem: Wir haben uns nicht den geschrumpften Umsätzen angepasst, sondern mit Pascal Cassama einen A&R zusätzlich eingestellt, um Napa Songs mit eigenem Label, Artist Management und verstärkt kreativer Musikverlagsarbeit für die Zukunft aufzustellen.«

»Mit den Einbußen aus dem Livegeschäft kam gleichzeitig eine sich noch verstärkende Welle an vielschichtigen Onlinenutzungen«, hat Benjamin Bailer beobachtet. Mit Folgen, wie der Geschäftsführer von Bailer Music Publishing berichtet: »Zum Teil stellt das deutlich mehr Arbeit in einem sich immer weiter diversifizierenden Onlinemarkt dar.« Bei Bailer Music konzentriere man sich derzeit wieder mehr auf Künstler:innen, die ihren Hauptumsatz auf Tour machen: »Die ersten Monate dieses Tourjahres zeigen, dass das Wachstum bei kleineren Konzerten etwas größer sein könnte, aber prinzipiell sehen wir, dass Menschen wieder gerne raus wollen und wir freuen uns, ihnen dann die richtige Musik liefern zu können.«

Das schlägt sich auch in Bailers Prognose nieder: »Wir sehen an den Zahlen aktuell, dass die Krise noch nicht überwunden ist - und im Lichte der wirtschaftlichen Gesamtentwicklung könnte der Markt einen weiteren Dämpfer erfahren. Wir sind aber positiv eingestellt und haben langfristig Zuversicht in einen gesunden Markt, mit allem was dazu gehört.«

»Long COVID hat sich bisher kaum auf unseren diesjährigen Geschäftsverlauf ausgewirkt«, sagt Jens-Markus Wegener, Director Publishing Guesstimate Publishing. Da sich das Unternehmen »rechtzeitig auf die prognostizierten Auswirkungen von COVID auf das Livegeschäft eingestellt hat, fallen die Mindereinnahmen aus dem Konzertbereich kaum ins Gewicht«. Wegener ergänzt: »Durch unsere Konzentration auf die Verwertung über digitale Kanäle und die Internationalisierung unserer Copyrights sowie unsere Erfolge in den europäischen Airplay Charts konnten wir sogar deutliche Umsatzsteigerungen erzielen.« Mehr sei kaum zu schaffen, wofür Wegener auf »die katastrophale Arbeit der GEMA bei der rechtzeitigen Abrechnung unserer Titel vor allem im Streamingbereich« verweist. »Auch das rechtzeitige Anmelden unserer Titel und exzessives Tracking haben diesen Zustand nicht wesentlich verbessert.« Seine Schlussfolgerung: »Hier muss die GEMA unbedingt nachlegen!«

»Die Schwere der COVID-Auswirkungen ist direkt proportional zur Relevanz des Livegeschäfts für die einzelnen Unternehmen«, analysiert Mark Chung, Managing Director beim Freibank Musikverlag, wo die Erträge aus Konzerten laut Chung »um die 25 Prozent der Umsätze« ausmachen: »In diesem Bereich waren die Rückgänge natürlich katastrophal - und niemand weiß, auf was wir im Herbst zusteuern.« Ausgeglichen worden seien diese Einbußen indes teils durch die »weiterhin insgesamt positive Entwicklung im Onlinegeschäft«, durch »die Nachverrechnung von sogenannten gesetzlichen Vergütungsansprüchen aus Vorjahren durch die GEMA« sowie »auch durch ein wenig freundliche Unterstützung von der Bundesregierung, für die wir natürlich sehr dankbar sind.«

Insgesamt seien die Zahlen in seinem Unternehmen »deshalb mittlerweile stabil - kein überbordendes Wachstum, aber auch keine katastrophalen Einbrüche«, berichtet Chung. »Weil unsere Einflussmöglichkeiten auf die epidemische Gesamtlage überschaubar sind - wir tun natürlich was wir können - freuen wir uns wie viele jetzt erst einmal, dass es in diesem Sommer wieder Konzerte gibt - und beschäftigen uns im Herbst mit der dann vorliegenden Situation.«

__________»Aktuell gibt es sehr viele Shows und somit hoffen wir auf bessere Zahlen in 2023.« ANIKA JANKOWSKI, OH, MY MUSIC!

»Oh, my music! ist ein Musikverlag, der sich auf performende Urheber:innen spezialisiert hat«, erläutert Anika Jankowski als Geschäftsführerin des Dresdener Unternehmens. »Deshalb sind die Tantiemen nach wie vor - wie zu erwarten - schlecht und liegen bei rund 30 Prozent der Vor-Pandemiewerte.« Auch in der zweiten Jahreshälfte erwartet Jankowski hier keine wesentliche Besserung, zeigt sich aber dennoch zuversichtlich: »Aktuell gibt es sehr viele Shows und somit hoffen wir auf bessere Zahlen in 2023 - vorausgesetzt, es kommt nicht wieder zu einem Lockdown im Herbst oder Winter.«

»Für unser Verlagshaus hat sich der düstere Ausblick des DMV gerade in Bezug auf die Sparten im Live-Aufführungsbereich der Unterhaltungsmusik zum Teil bewahrheitet«, sagt Kirsten Meisel, Geschäftsführerin Meisel Musikverlage. »Der Wegfall fast sämtlicher Tourneen, Konzerte und Stadtfeste in den letzten beiden Jahren spiegelte sich zeitverzögert in unseren Abrechnungen der Verwertungsgesellschaften wider.« Aber Meisel macht deutlich: »Dank unseres großen Kataloges haben wir aber ein relativ stabiles musikalisches 'Immunsystem' und konnten die Rückgänge im Livebereich in anderen Sparten wie Streaming, Radio, Fernsehen und auch durch physische Verkäufe teils ausgleichen. Wir haben die Zeit der Pandemie aber auch als Chance gesehen, neue AutorInnen unter Vertrag genommen und digitale Songwriting-Sessions gemeinsam mit unserem Label-Partner Telamo ständig ausgebaut«, berichtet Meisel: »In diesem Jahr konnten wir dann auch endlich wieder Präsenzveranstaltungen mit unseren AutorInnen und verschiedenen KünstlerInnen durchführen und planen.« So organisierte man im Mai ein erfolgreiches Camp in einer Villa nahe Barcelona, »und in der letzten Augustwoche steht unsere nächste große Songwriting Session in den Hansa Studios an, zu der wir erstmals auch ganz offiziell mit der GEMA kooperieren und einen zusätzlichen Platz für Mitglieder ausschreiben«.

Als Verlagsleiter des Lucile-Meisel Musikverlags ergänzt Marcus Zander: »Wir beobachten gerade, dass sich Releases und Tourneen von großen KünstlerInnen und Bands aufgestaut haben und nun entweder bereits laufen oder in den Startlöchern stehen. Die große Geburtstags-Tournee von Roland Kaiser zum 70. Geburtstag zum Beispiel ist eines von vielen Events, die uns bezüglich der Aufführungen zuversichtlich in die Zukunft blicken lassen.« Zudem hoffe man, »dass es in diesem Herbst und Winter keine einschneidenden Corona-Maßnahmen geben muss und der Livebetrieb auch in den Hallen wieder halbwegs normal stattfinden kann, denn so schön Live-Streaming-Konzerte auch sind, sie können ein echtes Live-Erlebnis nicht ersetzen.«

»Die Umsatzeinbußen bei den Aufführungsrechten aus der öffentlichen Wiedergabe von über 50 Prozent sind wie erwartet eingetroffen und schlagen in den Bilanzen entsprechend durch«, berichtet Rudi Schedler, CEO Schedler Music. Die Verwertungsgesellschaften aber hätten sich unter anderem »sehr bemüht«, im Bereich Online schneller abzurechnen, was »das Ganze etwas abgefedert hat«, sagt Schedler: »Leider« aber seien diese Online-Einnahmen im Vergleich zu dem, was die Labels für ihre Masterrechte erhalten würden, »nur ein Bruchteil« und »einfach nicht fair den Urhebern und Verlagen gegenüber«, klagt Schedler.

Zudem sei dem Team von Schedler Music beim Live Income Controlling aufgefallen, »dass wiederum viele Konzerte aus 2021 nicht abgerechnet sowie fehlende Konzerte aus 2020 und 2019 auch noch nicht nachverrechnet wurden«, berichtet der CEO: »Einige Konzerte wären laut Verwertungsgesellschaften deshalb nicht abgerechnet worden, weil die Veranstalter aufgrund Corona nicht bezahlt hätten. Wir hoffen sehr, dass sie bis Jahresende nachverrechnet werden.« Die Urheber:innen und Verlage würden diese Gelder »recht dringend« benötigen. »Da im ersten und teils im zweiten Quartal 2022 nur wenige Veranstaltungen stattfinden konnten und mögliche Einschränkungen auch im kommenden Herbst und Winter zu befürchten sind, wird sich Long COVID im Musikverlagsgeschäft auch in 2023 und 2024 auswirken.«

_________»Als Verlage werden wir weiter dafür arbeiten, dass Urheberinnen und Urheber an den Erlösen fair und angemessen beteiligt werden, insbesondere im Streamingbereich.« GÖTZ VON EINEM, PEERMUSIC.

»Das Jahr 2022 entwickelt sich auf der Einkommensseite bisher wie geplant«, erklärt Götz von Einem, Managing Director GSA Peer­music. »Aufgrund der nachlaufenden Abrechnungen der GEMA, die im ersten Halbjahr 2022 Nutzungen aus dem Jahr 2021 abdecken, konnten die Autorinnen und Autoren sowie ihre Verlage insbesondere im Aufführungsrecht - Konzerte, Bars, Restaurants, Diskotheken - noch nicht mit Ausschüttungen auf einem Niveau wie vor der Pandemie rechnen.« Die Rückgänge bewegen sich laut von Einem »im Rahmen dessen, was aufgrund des GEMA-Inkassos im vergangenen Jahr zu erwarten war« und könnten »von den stabilen Ausschüttungen im Fernsehbereich beziehungsweise den steigenden Ausschüttungen im Onlinebereich nicht vollständig kompensiert werden«, berichtet der Peermusic-Chef.

»Der Bereich der Direktlizenzierung, insbesondere für Film- und Werbeproduktionen, hat sich bereits wieder erholt und trägt weiterhin signifikant zum Umsatz bei«, ergänzt von Einem. »Erfreulich ist zu beobachten, dass nach einem verhaltenen ersten Quartal nunmehr die Live-Aktivitäten wieder erheblich angestiegen sind. Das sollte sich insbesondere bei kleinen und mittelgroßen Künstlerinnen und Künstlern beziehungsweise deren Autorinnen und Autoren auf den Abrechnungen des nächsten Jahres bemerkbar machen - auch sie konnten sich ja zwei Jahre lang nicht vor Publikum zeigen.« Beeindruckend sei »auch weiterhin die Kreativität und Produktivität von Autorinnen und Autoren, die sich an einem enormen Output von neuen Veröffentlichungen absehen lässt«, weiß von Einem zu berichten. »Dabei ist allen Beteiligten klar, dass nicht jede Veröffentlichung ein Hit werden kann. Als Verlage werden wir aber weiterhin dafür arbeiten, dass, wenn eine Aufnahme erfolgreich ist, die Urheberinnen und Urheber des zugrundeliegenden Songs an den Erlösen fair und angemessen beteiligt werden, insbesondere auch im Streamingbereich.«

»Wir haben die Hälfte des Jahres hinter uns, und als sich die Regeln zu lockern begannen, bemerkte ich ein stärkeres Gemeinschaftsgefühl innerhalb des Teams im Büro«, bilanziert Alex Black, CEO Sonoton Music, die Entwicklung abseits der Zahlen. »Meiner Meinung nach hat sich das positiv auf die Arbeitsmoral ausgewirkt, was sich wiederum in der Produktivität niederschlägt.« Das mache sich gerade bei einem Unternehmen wie Sonoton bemerkbar, dass angesichts des Wechsels an der Spitze gerade in einer Übergangsphase stecke.

Und die Zahlen? »Das bisherige Jahr verlief gut, die Lizenzeinnahmen sind gestiegen, die Einnahmen der Gesellschaft sind stabil, und wir beobachten diesen Trend auch in unserem internationalen Subverlagsnetz«, fasst Black zusammen. »Auch die musikalische Kreativität boomt«, ergänzt der Sonoton-Boss mit Verweis auf die Zusammenarbeit »mit vielen neuen Talenten«, die begierig seien, die soziale Isolation zu überwinden und miteinander im Studio zu arbeiten.

_________»Wir haben unseren Autoren durch die Pandemie geholfen und wir werden sie auch bei allem, was danach kommt, mit vollerKraft unterstützen.« NATASCHA AUGUSTIN, WARNER CHAPPELL MUSIC.

»Auch das Verlagswesen war nicht immun gegen die Auswirkungen, die COVID und die daraus resultierenden Lockdowns auf das gesamte Musikgeschäft hatten«, fasst Natascha Augustin, Vice President Warner Chappell Music Germany, die Lage zusammen: »Der Wertschöpfungsprozess war virtuell deutlich schwieriger durchzuführen und die Einnahmen aus dem Live-Sektor wurden stark beeinträchtigt. Allerdings konnten wir uns zum Glück auch schnell erholen.«

Aber auch abseits der Zahlen beobachtet Augustin Auswirkungen: »In der gesamten Musikbranche gibt es momentan ein starkes Bedürfnis, sich wieder persönlich zu treffen - und das lässt die Kreativität nur so sprudeln. Warner Chappell Music Germany und Atlantic Records Germany haben kürzlich das SHE-Songwriting-Camp in Berlin veranstaltet, bei dem weibliche Top-Talente aus der ganzen Welt zusammenkamen.« Immer wieder würden alle Teilnehmerinnen betonen, wie wunderbar es gewesen sei, endlich wieder persönlich zusammen Musik machen zu können: »Es ist wundervoll, wieder zu Konzerten und Festivals zu gehen, und natürlich steigen die Einnahmen aus öffentlichen Auftritten sprunghaft an, da es wieder Livemusik gibt und die Menschen wieder Geschäfte, Restaurants, Bars und Clubs besuchen können.«

Augustins Ausblick? »Wir haben zu viele unterwartete Wendungen während der Pandemie erlebt, um genau zu wissen, was als Nächstes passieren wird, aber unser Team ist äußerst widerstands- und anpassungsfähig.« Die Warner-Chappell-Managerin verspricht: »Wir haben unseren Autoren durch die Pandemie geholfen und wir werden sie auch bei allem, was danach kommt, weiterhin mit voller Kraft unterstützen.«

Bei den Schacht Musikverlagen beobachtet CEO Benjamin Schacht, »dass sich die Zahlen langsam wieder in den gewohnten Bahnen einpendeln. Insbesondere die Tatsache, dass Künstler wieder live auftreten können, hat für unseren Verlag die stärksten Einbußen abgefedert, auch wenn die coronabedingten Maßnahmen bei den Konsumenten zu nachhaltig spürbaren Unsicherheiten geführt haben.« In den vergangenen Monaten entwickele sich auch das Synch-Lizenzgeschäft wieder »back to normal«, berichtet Schacht.

Dazu allerdings streicht er »einen wesentlichen Punkt« heraus, denn: »Wenn ich davon spreche, dass sich 'die Zahlen wieder in den gewohnten Bahnen einpendeln', oder das Lizenzgeschäfte wieder 'back to normal' tendiere, dann ist das immer vor dem Hintergrund zu sehen, dass sich die Honorierung der Nutzung geistigen Eigentums nach wie vor in einem bedenklichen Zustand befindet. Das ist nichts Neues, aber es kann nicht häufig genug erwähnt werden und bei aller Konvergenz unserer Gesellschaft zu digitalisiertem Konsumverhalten ist eine gerechtere Verteilung zu Gunsten der Urheber in der digitalen Welt mehr als überfällig!«

Thomas Vidovic, Managing Director Universal Music Publishing Germany und Senior Vice President Austria & Switzerland: »Aufgrund des Marktwachstums, insbesondere in den Bereichen Audio- und Videostreaming, erfolgreicher Umsätze aus Direktlizenzen, sowie der anhaltenden Rückkehr des Livegeschäfts, blicken wir der Zukunft optimistisch entgegen. Unser Kernziel bleibt es, uns weltweit für den Erfolg und die Interessen unserer Autor:innen und Künstler:innen einzusetzen - vom frühen Signing und der Entwicklung aufstrebender Talente wie badmómzjay, Nina Chuba, Schmyt oder Lucio101, bis hin zur Unterstützung von etablierten Stars wie Rammstein, Cro, Broilers, Seeed oder Clueso.«

___________»Wir sehen wieder Licht am Ende des Tunnels«

Benjamin Budde, CEO Budde Music: COVID hat den Globus seit dem Frühjahr 2020 im Griff. Auch dieses Jahr startete entsprechend, die Inzidenzen waren so hoch wie nie, viele Menschen haben sich trotz Lockdown mit Corona angesteckt, und die Welt stand mal wieder Kopf. Das erste Quartal war noch mal eine große Herausforderung für uns alle - aber dann haben wir wieder Licht am Ende des Tunnels gesehen.

Mit der Ankündigung der Lockerungen und Öffnungen konnten wir alle schließlich wieder Pläne schmieden und persönliche Treffen möglich machen, unter den Mitarbeitenden, aber auch mit unseren geschätzten Partner:innen. Nachdem die Corona-Regeln aufgehoben wurden, haben wir im April nach zwei Jahren unsere International Budde Days in Berlin durchgeführt, natürlich mit einem strikten Testkonzept. Dadurch konnten wir eine Tagung veranstalten, bei der sich alle Personen sicher fühlten, sich endlich kennen lernen und wiedersehen konnten und Zeit miteinander verbracht haben. Wir haben gemerkt, wie gut es allen getan hat eine gute Zeit miteinander zu verbringen - und das spiegelt sich auch in der gesamten Motivation wider.

So haben wir es dann auch mit unseren Autor:innen gehandhabt: Gleich im April haben wir ein Songwriting Camp zusammen mit unserer britischen Firma Phrased Differently in Berlin veranstaltet, bei dem unsere nationalen und internationalen Kreativen wieder in Studios zusammenarbeiten konnten und zusammen herausragende Songs geschaffen haben. Ende April haben wir dann gleich das nächste Camp in Ibiza veranstaltet, welches ebenso erfolgreich war. Auf wirtschaftlicher Ebene hoffen wir, wie jede:r andere Verleger:in, dass dieses Jahr insgesamt besser ausfallen wird als die letzten zwei Jahre. Da bekannterweise die Ausschüttungen im Verlagsgeschäft im Folgejahr erfolgen, werden wir erst in 2023 feststellen, ob die Entwicklungen positiv zu bewerten sind.

Wir befinden uns noch immer Mitten in der Pandemie, daher ist es noch zu früh, von »Long COVID« zu sprechen. Insgesamt sind wir aber weiterhin sehr positiv gestimmt und ich bin stolz auf mein Team, die Mitarbeiter:innen, Autor:innen und Partner:innen, die seit Beginn der Pandemie alles geben, kreative Lösungen für die heutigen Herausforderungen finden und dazu beitragen, dass sich Budde Music trotz einer weltweiten Pandemie weiterentwickelt.

Dieses Jahr feiern wir unser 75-jähriges Bestehen und wir freuen uns, im kommenden Jahr

bei den entsprechenden Gelegenheiten die nächsten 75 Jahre gemeinsam mit unseren Freunden und Partnern einzuläuten.

Zusammenstellung: Knut Schlinger