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Michow beklagt fehlende Dialogbereitschaft der Politik

Eigentlich sollte es um die Lage der Livebranche im Sommer 2022 gehen. Hier befinde man sich in einer "wirklich dramatischen Situation", sagte Jens Michow in der "Tagesschau". Doch der bdkv-Präsident nutzte das Gespräch auch, um ein Problem herauszustreichen, das die gesamte Musikwirtschaft betrifft.

29.07.2022 11:43 • von
Per Bildschirm zugeschaltet ins Börsenstudio: Jens Michow im Gespräch mit Anne-Catherine Beck von der ARD-Finanzredaktion (Bild: ardmediathek.de, Screenshot)

Eigentlich sollte es um die Lage der Livebranche im Sommer 2022 gehen. Hier befinde man sich abseits gut besuchter Großevents in einer "wirklich dramatischen Situation, vor allem, weil die Hallen bei den meisten Konzerten derzeit halb leer sind", sagte der der bdkv-Präsident Jens Michow in der "Tagesschau".

Das liege einerseits an den Ängsten der Menschen, sich womöglich zu infizieren, aber auch an den Sorgen vor finanziellen Folgen von Krieg und Inflation: "Das erste, woran gespart wird, sind die Ausgaben im Freizeitbereich", weiß Jens Michow. Sollte es im Herbst angesichts der Corona-Lage erneut Einschränkungen geben, sehe er für die meisten Veranstalter keine Chance mehr, überhaupt noch einmal auf die Beine zu kommen.

Hinzu komme, dass die Eintrittskarten für viele der aktuell laufenden Konzerte bereits 2019 zu den damals kalkulierten Preisen verkauft worden seien - "und jeder weiß, was wir in den vergangenen beiden Jahren für Kostensteigerungen gehabt haben".

Doch Jens Michow nutzte das Gespräch auch, um ein Problem herauszustreichen, das die gesamte Branche betrifft, und mahnte die mangelnde Dialogbereitschaft der Politik mit den Akteur:innen der Musikwirtschaft an: "Die Regierung ist derzeit überhaupt nicht bereit darüber zu verhandeln", betonte Michow auf die Frage nach eventuell erneut nötigen Fördermaßnahmen. "Alle Bereiche der Kultur- und Kreativwirtschaft stellen derzeit fest, dass die Politik ganz offenbar mit Verbänden nicht mehr reden will."

Das betreffe die Foren der Kultur- und Kreativwirtschaft ebenso wie die der Veranstalterwirtschaft oder der Musikwirtschaft: "Die Politik macht noch nicht einmal ihr Versprechen aus dem Koalitionsvertrag wahr, für die Kultur- und Kreativwirtschaft einen Ansprechpartner zu installieren", klagte der bdkv-Präsident.

Michows Fazit: "Wir sind außerordentlich entsetzt darüber, dass sich hier nicht irgendwann einmal jemand mit uns an einen Tisch setzt und redet."

Text: Knut Schlinger