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Britische Wettbewerbshüter sehen Streaming kaum kritisch

In der Diskussion um eine faire Verteilung der Streamingerlöse fühlen die britischen Wettbewerbshüter der CMA dem Musikmarkt schon länger auf den Zahn. Aber während ein zuständiger Ausschuss vor Jahresfrist noch einen kompletten Neuanfang in Sachen Streaming empfahl, fällt die aktuelle Zwischenbilanz der Wettbewerbshüter eher zahm aus.

26.07.2022 12:49 • von
Unter die Lupe genommen: die Wettbewerbshüter der Competition & Markets Authority (CMA) legten am 26. Juli eine Zwischenbilanz ihrer Untersuchungen zum Musikmarkt vor (Bild: gov.uk, Screenshot)

In der Diskussion um eine faire Verteilung der Streamingerlöse fühlen die britischen Wettbewerbshüter der Competition & Markets Authority (CMA) dem Musikmarkt schon länger auf den Zahn. So hatte der damalige Leiter der CMA, Andrea Cocelli, noch im Herbst 2021 durchblicken lassen, dass in diesem Bereich Handlungsbedarf zu erkennen sei, und man die von der britischen Regierung zuvor in Auftrag gegebene Studie bei der CMA an die Spitze der Priorisierungsliste setzen wolle. Vor Jahresfrist hatte der Ausschuss für Digitales, Kultur, Medien und Sport (DCMS) bereits einen kompletten Neuanfang in Sachen Streaming empfohlen.

Eine aktuelle Zwischenbilanz, die die Wettbewerbshüter am 26. Juli 2022 präsentierten, fällt nun aber vergleichsweise zahm aus, wobei die erste Bewertung vor allem vom Blickwinkel der Konsument:innen geprägt ist: "Streaming hat die Musik verändert", stellt denn auch Sarah Cardell fest, die quasi gerade erst und zunächst bloß interimsweise die Leitung der CMA vom scheidenden CEO Andrea Coscelli übernommen hat.

So öffne die Technologie "vielen neuen Künstlern eine Tür, ihr Publikum zu finden", meint Cardell, und Musikfans hätten hier "Zugang zu einem riesigen Angebot an alter und neuer Musik zu Preisen, die real gesunken sind".

Cardell hat aber auch die Probleme mancher Kreativschaffender auf dem Schirm, denn für viele Künstler:innen sei "die Lage genauso schwierig wie eh und je". Viele hätten zudem das Gefühl, "dass sie keine faire Behandlung erfahren" würden. Aber dennoch: "Unsere erste Analyse zeigt, dass die Ergebnisse für die Künstler nicht durch wettbewerbsbedingte Probleme, zum Beispiel anhaltende und übermäßige Gewinne, bedingt sind", analysiert die CMA-Chefin auf den Onlineseiten der Wettbewerbshüter.

Nun sei man sehr daran interessiert, Meinungen zu diesen ersten Ergebnissen zu hören, "die uns bei unseren Überlegungen helfen und in unseren Abschlussbericht einfließen werden", verspricht sie.

Bei der CMA hat man unter anderem festgestellt, dass sich die Zahl der Künstler:innen mit Veröffentlichungen zwischen 2014 und 2020 verdoppelt habe, nämlich von rund 200.000 auf 400.000. Während also mehr Acts mehr Musik auf den Markt brächten, seien die branchenweiten Einnahmen indes eher stabil geblieben. So sei es, wie es eben schon immer war, heißt es bei der CMA, einige wenige bekannte Künstler würden große finanzielle Erfolg erzielen, während eine große Mehrheit jedoch kaum auf nennenswerte Einkünfte käme.

Text: Knut Schlinger