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BPI will Piraterie in mobilen Netzwerken lahmlegen

Der BPI-Branchenverband verkündet einen Erfolg in Sachen Pirateriebekämpfung: Demnach weitet Großbritannien die Sperrung bestimmter Dienste über Breitbandanschlüsse ab sofort auch auf das Mobilfunkgeschäft aus. Als erstes Unternehmen mischt hier die BT-Tochter EE mit, das zweitgrößte Mobilfunkunternehmen in UK.

12.07.2022 11:19 • von
Wichtige Anlaufstation im Festivalleben: beim Glastonbury Festival zählten die Mobilfunker von EE fast 12.000 Besucher:innen in ihrem sogenannten Recharge-Zelt (Bild: EE)

Zu Beginn des Jahres 2022 ließ das britische Intellectual Property Office (IPO) aufhorchen, als es basierend auf einer Befragung berichtete, dass trotz unterm Strich weiter rückläufiger Zahlen immer noch jede siebte Nutzer:in Musik aus nicht lizenzierten Quellen zapft. Passend dazu verkündet nun der britische Branchenverband BPI einen Erfolg in Sachen Pirateriebekämpfung: Demnach weitet Großbritannien die bisherige Sperrung bestimmter Dienste über die Breitbandanschlüsse verschiedener Onlinezugangsanbieter:innen ab sofort auch auf das Mobilfunkgeschäft aus.

Als erstes Unternehmen mischt hier die heute zur BT gehörende Marke EE mit, einst als Everything Everywhere gegründet und immerhin das nach Kund:innenzahl zweitgrößte Mobilfunkunternehmen in UK nach O2/Telefonica und vor Vodafone und Three. Als Mobilfunksponsor des Glastonbury Festivals hatte EE erst kürzlich verkündet, dass Besucher:innen des Events am entsprechenden Wochenende vor Ort zusammen mehr als 182 Terabyte an mobilen Daten genutzt hätten, was einem Zuwachs um 76 Prozent im Vergleich zur Glastonbury-Ausgabe von 2019 entsprechen würde.

Die Sperrung bestimmter Webseiten sei für alle, die in urheberrechtlich geschützte Inhalte wie Musik, Film oder Games investieren würden ein mächtiges rechtliches Mittel, teilt die BPI mit. Der Verband habe dank zahlreicher Gerichtsbeschlüsse bei vier der größten Breitbandanbieter:innen in UK - der BT Group, Sky, TalkTalk und Virgin Media - Zugriffsbeschränkungen auf mehr als 70 Dienste und Apps durchsetzen können. Dass nun erstmals auch ein Mobilfunker Seiten sperre, sei eine bedeutende Entwicklung, heißt es bei der BPI.

Nach Schätzungen des Verbands verliere die Musikindustrie noch immer Umsätze in Höhe von rund 200 Millionen Pfund pro Jahr - umgerechnet rund 236 Millionen Euro - durch Musikpiraterie.

"Mobile Datenverbindungen sind heute schneller und zuverlässiger als je zuvor", kommentiert Kiaron Whitehead als General Counsel der BPI, die Entwicklung. "Und ein Viertel der Menschen nutzt das Internet längst über 3G, 4G und 5G anstatt über Breitband und Wi-Fi." Dieses Wachstum bringe das Risiko einer erhöhten Musikpiraterie mit sich, fürchtet der BPI-Chefanwalt. "Die Betreiber dieser Piratenseiten verdienen Millionen von Pfund pro Jahr, ohne dass ein Cent an die Schöpfer der Musik geht, die sie ausbeuten. Wir freuen uns daher, dass EE nun als erstes Mobilfunknetz Piratenseiten blockiert."

Text: Knut Schlinger