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Österreich wertet YouTube und werbefinanzierte Streams für die Charts

In die aktuelle Wochenwertung der Ö3 Austria Top 40 fließen erstmals auch Abrufe von Musik über YouTube und werbefinanzierte Angebote wie Spotify Free ein. Bei der IFPI Austria sieht Franz Medwenitsch die Charts nun "am Puls der Zeit".

08.07.2022 11:03 • von
Begrüßt YouTube als neuen Partner der österreichischen Charts: Franz Medwenitsch (Bild: IFPI Austria)

Österreich feiert eine Premiere: In der aktuellen Wochenwertung der offiziellen Singlescharts, den Ö3 Austria Top 40, fließen erstmals auch Abrufe von Musik über YouTube und werbefinanzierte Angebote wie Spotify oder Deezer in den jeweiligen Free-Versionen in die Erhebung ein. Bislang basierte die wöchentliche Ermittlung der erfolgreichsten Songs in Österreich durch GfK Entertainment auf physischen Verkäufen und Downloads sowie vor allem auf Streams aus kostenpflichtigen Premium-Abos. Laut IFPI Austria sei Österreich damit nach Deutschland und Spanien das dritte Land in Europa, das YouTube Streams in die Charts integriert.

Ziel der Charts es immer gewesen, "die vielfältigen Formen der Musiknutzung und die aktuelle Realität des Musikkonsums bestmöglich abzubilden", heißt es zur Begründung für die Reform bei der IFPI Austria in Wien. Angesichts der Erfolgsgeschichte des Musikstreaming sei die Integration werbefinanzierter Free-Streams in die Singlescharts "ein logischer Schritt".

Die ersten Singlescharts nach den neuen Regeln wurden bereits im Zeitraum von Freitagfrüh bis Donnerstagnacht ermittelt, also vom 1. bis zum 7. Juli 2022. Am Dienstag, den 12. Juli, ist die Hitparade ab 22:00 Uhr bei Hitradio Ö3 zu hören.

"Mit der Integration der Free-Streams von YouTube und anderer Musik-Services sind die Austria Top 40- Charts am Puls der Zeit", sagt Franz Medwenitsch, Geschäftsführer des Verbands der österreichischen Musikwirtschaft: "Wir heißen YouTube als neuen Partner der österreichischen Charts herzlich willkommen."

Bei den Charts-Ermittlern von GfK Entertainment erinnert Andy Zahradnik daran, dass die österreichischen Charts mittlerweile "seit Jahrzehnten ein verlässlicher musikalisch-inhaltlicher Spiegel der Zeit und des kommerziellen Musikmarkts" seien, und freut sich nun, "ein nächstes spannendes Kapitel - ergänzt durch YouTube - aufschlagen zu können". Als stellvertretender Ö3-Senderchef verspricht Albert Malli zudem, "ein noch besseres Gesamtbild darüber, welche Songs aktuell in Österreich am beliebtesten sind".

Und auch Gudrun Schweppe, Head of YouTube Music in Germany, Austria & Switzerland, steuert ein Statement bei: "Die Aufnahme von YouTube in die Austria Top 40 Charts ist eine wichtige Erweiterung, um die Charts-Erhebung zu einer genaueren Darstellung dessen zu machen, was von den Musik-Fans gehört wird. Für uns ist das ein weiterer wichtiger Schritt, um YouTube und die Musik-Industrie inhaltlich näher zusammenzubringen."

In Deutschland fließen werbefinanzierte Streams bereits seit Jahresbeginn 2022 in die Wertung der Singlescharts ein, die internationale IFPI-Dachorganisation in London hatte in dem Zusammenhang zudem auf vergleichbare Regelungen in einigen weiteren Ländern wie Australien, Spanien und Mexiko verwiesen.

Text: Knut Schlinger