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Jochen Distelmeyer kennt keinerlei Berührungsängste

Das zweite reguläre Studioalbum von Jochen Distelmeyer bietet musikalisch eine Erweiterung der Klangpalette, während die bedeutungsschweren Texte auf eine zusehends dem Abgrund zusteuernde Gesellschaft reagieren.

01.07.2022 09:33 • von Dietmar Schwenger
Auch als Solist erfolgreich: Jochen Distelmeyer (Bild: Sven Sindt)

Das zweite reguläre Studioalbum von Jochen Distelmeyer bietet musikalisch eine Erweiterung der Klangpalette, während die bedeutungsschweren Texte auf eine zusehends dem Abgrund zusteuernde Gesellschaft reagieren.

Die lyrisch versponnenen und anspielungsreichen Texte des 54-jährigen Blumfeld-Gründers beanspruchen oft die meiste Aufmerksamkeit im akademischen und Feuilleton-Diskurs. Aber auch musikalisch gehört Jochen Distelmeyer zu den wenigen deutschen Künstlern, die für sich eine sofort wiedererkennbare, melodisch-harmonischee Formensprache gefunden haben, die dennoch nicht stillsteht. Das gilt auch für "Gefühlte Wahrheiten", nach "Heavy" (2009 ein Platz 29), einem Live-, einem Coveralbum und einer von Distelmeyer kuratierten Compilation erst das zweite Album mit neuen, eigenen Songs.

So bauen Distelmeyer und sein Hamburger Produzent Swen Meyer verstärkt R&B- und Pop-Elemente ein, haben aber auch keinerlei Berührungsängste mit Soul, Blues und vor allem mit Country, dem sich die drei englischsprachigen Titel verschrieben haben, die urspünglich für ein reines Country-Album gedacht waren. Und auch die poetischen Texte werden den hohen Erwartungshaltungen mehr als gerecht - etwa wenn Distelmeyer in Reaktion auf eine "als böser Traum" empfundene Welt voller "verirrter Seelen", die einen "Krieg gegen die Schöpfung" führt, auf die ewige Kraft der Liebe, aber auch auf die Selbstbesinnung, echte Solidarität und eine Utopie aus "Anmut und Geborgenheit" setzt.

"Gefühlte Wahrheiten" erscheint am 1. Juli beim Sony-Music-Label Four Music.