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BVMI macht bei der Kulturkonferenz einen Abstecher nach Frankreich

Am 23. Juni lud der Bundesverband Musikindustrie zur Kulturkonferenz in die Französische Botschaft. Der BVMI-Vorstandsvorsitzende Florian Drücke kritisierte hier unter anderem, dass der Posten einer Ansprechpartner:in für die Kultur- und Kreativwirtschaft noch nicht besetzt sei, und kündigte in der Diskussion ums Urheberrecht eine Verfassungsbeschwerde an.

23.06.2022 15:17 • von
Eröffneten die neunte Kulturkonferenz des Bundesverbands Musikindustrie: Anne-Marie Descôtes als französische Botschafterin in Deutschland, und Florian Drücke, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands Musikindustrie (Bild: MusikWoche)

Am 23. Juni lud der Bundesverband Musikindustrie zur Kulturkonferenz - und machte mit der neunten Ausgabe des Branchentreffs zum zweiten Mal in der Französischen Botschaft Station. Das Treffen stand passend dazu unter dem Motto "Fokus Musik: Wo steht die Branche und was ist die europäische Perspektive nach den Wahlen in Deutschland und Frankreich?"

In ihrem Grußwort als Gastgebein betonte Anne-Marie Descôtes, die französische Botschafterin in Deutschland, die besondere Beziehung der beiden Nationen. So gehöre Deutschland zu den bevorzugten Partnern Frankreichs, und stelle im Musikgeschäft das genreübergreifend bedeutendste Land für den Export französischer Musik.

Als Vorstandsvorsitzender des BVMI wagte Florian Drücke zunächst einen beinahe schon historischen Exkurs: "Wir waren schon einmal hier", erinnerte Drücke. "Vor vier Jahren. Seitdem aber hat sich die Welt so verändert, wie wir es und nicht hätten vorstellen können." Drücke verwies dabei auf die Corona-Pandemie, aber auch auf den Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine - "nicht vorstellbar". Aber auch im Bereich Unterhaltung und Kommunikation habe sich seitdem viel verändert: "TikTok? War 2018 gerade einmal aus einer Fusion entstanden und ist heute der für viele wichtigste Abspielort von Musik."

Der politische Situation für die Kultur- und Kreativwirtschaft in Deutschland bezeichnete Drücke anschließend als "schwierig". So sei die im Koalitionsvertrag fixierte Schaffung des Postens einer Ansprechpartner:in für die Kultur- und Kreativwirtschaft noch nicht besetzt, kritisierte Drücke. Ganz anders sehe das zum Beispiel mit dem entsprechenden Posten für die Start-up-Szene aus.

Als schwierig dürfte Drücke wohl auch die Kommunikation mit der neuen Regierung bewerten. So erneuerte der BVMI-Vorsitzende das Gesprächsangebot an die politischen Entscheider:innen unter anderem in den Bereichen Wirtschaft, Justiz und Kultur zu rechtlichen Fragen rund ums Urheberrecht, zur Umsetzung der europäischen DSA- und DMA-Gesetzesinitiativen oder zur Verteilung der Streamingerlöse. Es gehe nicht darum, dass diese Diskussion nicht geführt werden sollen, betonte der BVMI-Vorsitzende, "aber bitte nicht ohne uns".

Vor diesem Hintergrund rief Florian Drücke das Motto aus: "Erst kapieren, dann regulieren." Er erinnerte dabei an die letzte Legislatur, die unter anderem die Bagatellschranke von 15 Sekunden brachte - "und das in Zeiten von TikTok".

Angesichts dieser Ausgangslage strich Drücke heraus: "Wir, beziehungsweise unsere Mitgliedsunternehmen, werden jetzt sehr zeitnah die Verfassungsbeschwerde einreichen, die wir damals angekündigt haben."

Die Fragen zur Entwicklung im Streaming hatte auch der eigentlich angekündigte Fireside Chat zwischen dem Grünen-Politiker Erhard Grundl als Sprecher für Kultur und Medien, und Konrad von Löhneysen, Geschäftsführer Embassy of Music und Sprecher der außerordentlichen Mitglieder im BVMI-Vorstand, erörtern sollen. Dise Runde musste aber kurzfristig ausfallen.

Unter dem Motto "Nach der DSM Richtlinie ist vor DSA und DMA - (was) haben wir aus dem Prozess gelernt?" brachte René Houareau, Geschäftsführer Recht beim BVMI, anschließend eine Diskussionsrunde zusammen, die Content- und Plattformwirtschaft ebenso zusammenführte wie Politik und Verwaltung. Mit dabei waren der Bundestagsabgeordnete Macit Karaahmetoglu, der für die SPD unter anderem im Rechtsausschuss sitzt, die Vivendi-Cheflobbyistin Marie Sellier, Sabine Frank als Head of Government Affairs and Public Policy bei YouTube und Ministerialrat Armin Jungbluth vom Bundesministerium für Digitales und Verkehr.

Ums Thema Förderung und die Strukturen in diesem Bereich in Frankreich und Deutschland ging es abschließend beim Gespräch zwischen - Jean-Philippe Thiellay, dem Präsidenten des Centre National de la Musique (CNM), Ina Keßler, Geschäftsführerin der Initiative Musik, Udo Dahmen (Popakademie Baden-Württemberg und Vize-Präsident Deutscher Musikrat) sowie Olaf "Gemse" Kretschmar als Vorstand des Bundesverbands Popularmusik, durch das die Journalistin Jaële Vanuls führte.

Text: Knut Schlinger