Events

Jens Michow: "Für einen Abend das Gefühl haben, wieder zur Normalität zurückzukehren"

Am 22. Juni kehrt der LEA in die Festhalle Frankfurt zurück. Im Gespräch mit MusikWoche berichtet Jens Michow als Executive Producer des LEA von den Schwierigkeiten, die bei der 15.?Ausgabe zu meistern waren, und warum er sich dennoch auf den Abend freut.

20.06.2022 09:38 • von Dietmar Schwenger
Musste die bislang schwierigste Finanzierung des LEA meistern: Jens Michow. (Bild: Klaus Westermann)

Am 22. Juni 2022 kehrt der LEA in die Festhalle Frankfurt zurück. Im Gespräch mit MusikWoche berichtet Jens Michow als Executive Producer des LEA von den Schwierigkeiten, die bei der 15.?Ausgabe zu meistern waren, und warum er sich dennoch auf den Abend freut.

MusikWoche: Wie sieht bislang der Zuspruch der Gäste aus, sind alle Tickets vergriffen?

Es haben sich über dreihundert Vertreter:innen von Veranstaltungsunternehmen sowie viele Künstlermanager:innen und Agenten:innen angemeldet. Das ist ja für dieses Get- Together unserer Branche zunächst einmal das Wichtigste und entspricht den Zahlen der vergangenen Jahre. Es zeigt die Bedeutung, die der LEA für unseren Wirtschaftszweig hat. Ansonsten haben wir allerdings mit der Publikumsnachfrage - zum Beispiel aus benachbarten Branchen, von Hallen oder Arena-Betreibern oder von Unternehmen, die den Kontakt zu unserer Branche suchen, im Vergleich zu den Vorjahren "Federn lassen" müssen. Da haben wir die gleichen Erfahrungen gemacht wie unsere Mitglieder bei Konzerten und sonstigen Veranstaltungen - von dem, was 2019 üblich war, sind wir noch weitentfernt.

MusikWoche: Welche Folgen hat die Tatsache, dass der LEA in diesem Jahr nicht als Eröffnungsveranstaltung der Prolight + Sound fungiert?

Zwischen dem LEA und der Prolight gibt es Synergie-Effekte, die für uns - und vice versa sicher auch für die Prolight & Sound und die Messe - sehr vorteilhaft sind. Daher war ja auch in diesem Jahr der LEA als Eröffnungsveranstaltung der Prolight geplant. Aber dann kam uns die International Live Music Conference in die Quere, die just auf den geplanten LEA-Termin verlegt wurde. Da es keinen Sinn gemacht hätte, den LEA zu veranstalten, wenn die Protagonisten der Veranstaltung nicht in Deutschland sind, habe ich die Reißleine gezogen. Aber nun schauen wir mal, wie sich Fashion und Live miteinander vertragen - vielleicht ergeben sich da ja ganz neue Aspekte.

MusikWoche: Es gab etwas Hin und Her um den Austragungsort Frankfurt. Sind Sie mit der jetzigen Einigung zufrieden?

Man muss da ganz ehrlich sein: Wenn man den LEA auf dem Niveau halten will, welches wir in der Festhalle aufgebaut haben, wird das nur gehen, wenn wir sowohl von der Messe als auch der Stadt Frankfurt und der Wirtschaftsförderung der Stadt sowie natürlich von unseren vielen Sponsoren, die uns zum Teil von der ersten Veranstaltung an treu geblieben sind, weiterhin wie bisher wirtschaftlich unterstützt werden. Die Gesamtkosten des LEA belaufen sich mittlerweile auf weit mehr als 1,4 Millionen Euro. Über Eintrittsgelder kann man einen solchen Betrag nie und nimmer erwirtschaften. Nur weil die Messe und die Wirtschaftsförderung Frankfurt uns trotz dieser ja wirtschaftlich äußerst schwierigen Zeit erneut erheblich "unter die Arme gegriffen" haben, konnten wir in Frankfurt bleiben. Wir haben die Festhalle natürlich sehr lieb gewonnen, aber man kann dort nicht "mit kleinem Besteck" arbeiten, sodass uns das Problem der Finanzierbarkeit immer begleiten wird.

MusikWoche: Wie schwer war denn die Organisation des Events in diesem Jahr?

Schwierigkeiten bei der Finanzierung wie in diesem Jahr habe ich weder in meiner Zeit als Veranstalter noch beim LEA je erlebt. Das war ein sehr eindrucksvoller Anschauungsunterricht zu der Situation, wie sie unsere Mitglieder derzeit tagtäglich erleben. Es begann damit, dass unser langjähriger Namenssponsor, das Unternehmen PRG, uns bereits im April mitteilte, dass sie im Juni keine Schraube mehr in ihren Lagern haben würden, da sie ihr gesamtes Equipment bereits vermietet hätten. Selbst sie würden bereits dazu mieten. Und damit begann eine verzweifelte Suche nach einem Unternehmen, welches uns Licht und Ton im benötigten Umfang vermieten konnte. Nach gefühlten 100 Anrufen bei den unterschiedlichsten Companies haben wir uns das Material dann von vier Unternehmen zusammengenmietet. Da haben wir das erste Mal überlegt, ob wir nicht auch diesen LEA ausfallen lassen sollten. Leider blieb es nicht bei diesem einen Mal. Dann hatten wir dieses schier unlösbare Problem, hin­reichend Hotelzimmer in Frankfurt zu bekommen - vor allem zu bezahlbaren Preisen. Aber nicht nur die Hotelzimmer zu Messezeiten - auch alle anderen Leistungen waren nicht selten doppelt so teuer wie vor der Pandemie, wenn sie denn überhaupt noch angeboten wurden. An allererster Stelle das Personal. Bis vor wenigen Wochen war es nicht sicher, ob uns jemand die von uns benötigten 140 Helferschichten überhaupt zur Verfügung stellen kann. Nur dank der Hilfe unseres langjährigen Partners ist es überhaupt gelungen, das Personal in mühevoller Recherche von vier verschiedenen Firmen zu organisieren. Leider rechnen wir auch hier mit einer Verdoppelung der Kosten, die wir gestützt durch Sachsponsoring in den letzten Jahren zu stemmen hatten. Dass sich das Personalproblem bei den Fachkräften fortsetzt, hat sich rumgesprochen. Und um diejenigen, die noch in der Branche geblieben sind, reißen sich alle Unternehmen. So hatten unser bisheriger Bild-Regisseur ebenso wie unser Licht-Designer bereits vor Monaten für den Juni andere Jobs abgeschlossen. Also mussten wir auch dafür andere Partner finden. Diese Fülle von Problemen ließ sich nur lösen, da der LEA mit Kim Sommer und ihrem Team sowie Lasse von Thien zwei sensationelle Planer und Organisatoren hat, die meinen vollen Respekt haben und bei denen ich mich sehr herzlich für ihren Einsatz bedanken möchte. Der diesjährige LEA wäre ohne Euch nicht durchführbar gewesen.

MusikWoche: Welche Stimmung erwarten Sie in der Festhalle, nachdem es in den vergangenen zwei Jahren ja kaum etwas zu feiern gab und auch aktuell die Livebranche noch vor vielen Herausforderungen steht?

Ich weiß von ganz vielen Veranstaltern, dass sie sich riesig auf den LEA freuen. Sie freuen sich, ihre Kollegen:innen wieder zu treffen und einfach mal für einen Abend das Gefühl zu haben, dass wir wieder zur Normalität zurückkehren. Die Realität wird uns dann alle ohnehin schnell genug wieder einholen - die Personalknappheit, die überhöhten Preise, nicht ausverkaufte Häuser und nun auch noch der Krieg in der Ukraine.

_______zum LEA:

Die LEA-Verleihung geht in diesem Jahr erstmals im Rahmen der Frankfurt Fashion Week steigt, soll für den Neuanfang der Livebranche ein Zeichen setzen. Der Deutsche Live Entertainment-Preis wird diesmal in insgesamt 13 Kategorien vergeben, für die es keine Nominierten gibt. Für die Ehrung des Veranstalters des Jahres hat die LEA-Fachjury dabei den Schwerpunkt auf herausragende Kreativität gesetzt. Der Bewertungszeitraum sind die beiden Corona-Jahre 2020 und 2021.

Neben besonderen Veranstalterleistungen werden auch Hallen-/?Arena-Tournee, Festival, Konzert und Show des Jahres, ebenso wie Nachwuchsförderung, Künstlermanager/-agent und Kooperation des Jahres ausgezeichnet. Mit Blick auf die außergewöhnlichen Umstände in dem für die Preisvergabe berücksichtigten Zeitraum sind einige neu zugeschnittene Kategorien eingeführt worden. Dazu zählen die Branchen- sowie die Künstlerallianz des Jahres und zudem die kreativste En-Suite-Veranstaltung. Der Preis der LEA-Jury und die Auszeichnung für das Lebenswerk runden den LEA 2022 ab.

Das Geschehen bei der großen LEA-Show spielt sich erstmals auf zwei Bühnen ab. Auch im Zuschauerraum gebe es eine Neuerung: Neben den Plätzen im Innenraum der Festhalle sind diesmal auch Publikums-Tickets für den Oberrang erhältlich. Das Liveprogramm bestreiten Yvonne Catterfeld, Leony, Leslie Clio sowie die Newcomerinnen Sobi und Pia Baris. Als einziger männlicher Act tritt Milow auf. Die Moderation übernimmt diesmal ein Duo.

Dem TV-Journalisten Ingo Nommsen, der schon seit zehn Jahren regelmäßig durch die große Award-Show führt, steht Mareile Höppner zur Seite, bekannt vor allem als Moderatorin des ARD-Magazins "Brisant". Die Preise werden wieder prominente Laudator:innen aus Kultur, Wirtschaft und Politik überreichen. Zugesagt haben demnach bereits die Sängerinnen Mary Roos und Jessica Wahls, Musiker Angelo Kelly, der DJ und Produzent Topic, die "Let's Dance"-Jurorin Motsi Mabuse sowie der Journalist und Bestseller-Autor Tim Pröse.