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Livebranche will bei Messen neues Personal gewinnen

Der Veranstaltungsbranche fehlen laut BDKV-Präsident Jens Michow 1,1 Millionen Fachkräfte. Diesen Mangel will die Branche unter anderem dadurch beheben, dass sie bei Messen gezielt den Nachwuchs ansprechen will.

15.06.2022 11:08 • von Dietmar Schwenger
Will den Nachwuchs für die Livebranche begeistern: Jens Michow (BDKV) (Bild: Klaus Westermann)

Der Veranstaltungsbranche fehlen laut BDKV-Präsident Jens Michow 1,1 Millionen Fachkräfte, wie Michow im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk (BR) ausführte. Das Personalproblem sei unfassbar schwer und groß, da es die Kräfte derzeit so gut wie gar nicht auf dem Markt gebe, "jedenfalls nicht in der hohen Anzahl, wie man es jetzt in der Festivalsaison dringend bräuchte", so Michow weiter, der sich gegen die Kritik verwehrte, dass das Problem wegen zu schlechter Bezahlung hausgemacht sei. So habe die Branche die Löhne bereits vor Corona erhöht.

"Es fehlt auf der ganzen Ebene wirklich Personal", sagte der BDKV-Präsident dem BR. Er stellt klar: "Das sind keine Personen, die man mal so einfach ersetzen kann. Das sind wirklich Fachkräfte, die ihren Job gelernt haben. Und wie wir das kompensieren können - auch mittelfristig - ist noch ein großes Rätsel."

Allerdings bot Michow auch eine konkrete Lösung an: "Wir werden kleinere Messen veranstalten, auf denen wir Nachwuchs in die Branche holen wollen, denn es ist nicht zu erwarten, dass die Gegangenen zu 100 Prozent zurückkehren werden. Wir wollen dort Kontakte herstellen zwischen den Auszubildenden, den Ausgebildeten und den Unternehmen, um die Auszubildenden in die Unternehmen zu führen." Das werde das Problem zwar nicht von heute auf morgen lösen, aber es müsse jetzt geschehen. "Wir müssen die Menschen für diese Branche begeistern."

Auch bleiben nach Corona noch weitere Herausforderungen bestehen, wie Michow klarmachte: "Den Unternehmen wurde zwar über die Fixkostenerstattung geholfen, dass sie über die Runden gekommen sind, aber die entgangenen Gewinne wurden ja nicht erstattet", betonte der BDKV-Präsident. "Dass Soloselbständige, und dazu gehören ja auch die Künstler und Künstlerinnen zu wenig Unterstützung bekommen haben, das passt nicht ganz zusammen mit dem wirklich sehr beachtlichen Hilfspaket."

Und auch fehlendes Equipment etwa für Ton, Licht und Bühnenbau sei ein Problem. Derzeit müsse man dieses zu völlig überteuerten Preisen aus anderen Ländern anmieten,, wenn es denn überhaupt noch welches gebe. "Das ist eine Situation, wie wir sie uns nie haben vorstellen können, und bei der einige Veranstalter sicherlich in wirtschaftliche Probleme kommen werden, wenn sie diese nicht schon vorher gehabt haben", führte Michow aus.

Sorgen bereitet ihm, dass nach Ende des Sommers Restriktionen zurückkehren könnten. "Denn eines ist klar, wenn im Herbst die Viruswelle wieder aufschwappt, dann Gute Nacht. Denn das wäre ein Schlag in das gerade wieder wachsende Vertrauen unseres Publikums darauf, dass Konzerte stattfinden."