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Forum Veranstaltungswirtschaft kritisiert WHO für "Panikmache"

Aussagen des WHO-Regionaldirektors für Europa, Hans Henri Kluge, bezüglich eines erhöhten Ansteckungsrisikos für junge und "sexuell aktive" Menschen auf Festivals und Großveranstaltungen beurteilt das Forum Veranstaltungswirtschaft als "unverantwortliche Angstmacherei", für die kein Anlass bestehe.

02.06.2022 12:05 • von Frank Medwedeff
Bezeichnet Warnung vor erhöhtem Infektionsrisiko auf Festivals als "unangemessen": EVVC-Geschäftsführer Timo Feuerbach (Bild: EVVC)

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sehe laut einer Erklärung ihres Regionaldirektors für Europa, Hans Henri Kluge, ein gewisses Risiko für Ansteckungen bei Festivals und großen Veranstaltungen, weil daran vor allem junge und sexuell aktive Menschen teilnehmen würden.

Das Forum Veranstaltungswirtschaft zeigt sich "entsetzt über diese unverantwortliche Angstmacherei, für die keinerlei Anlasse besteht". Die Livebranche sei derzeit "unter schweren Rahmenbedingungen" bemüht, nach zweijähriger Zwangspause wieder einigermaßen wirtschaftlich Veranstaltungen durchführen zu können. Dabei leide sie erheblich darunter, dass viele Menschen immer noch Angst davor haben, sich bei Veranstaltungen mit dem Coronavirus zu infizieren. Die Erklärung der WHO schüre diese Angst, und dies dazu "noch ohne jegliche fundierte Grundlage".

Es seien laut dem Forum 33 Fälle von Affenpocken in Deutschland bekannt. Laut RKI, Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach und vielen weiteren Experten übertrage sich diese Krankheit nur schwer von Mensch zu Mensch. Das Virus sei daher in keiner Weise mit der Ansteckungsgefahr des Coronavirus vergleichbar.

Timo Feuerbach, Geschäftsführer des EVVC, erklärt: "Menschen kommen doch nicht nur bei Großveranstaltungen und Festivals eng zusammen, sondern auch im Freibad, im Fitnesscenter, in öffentlichen Verkehrsmitteln, im Flugzeug und an vielen weiteren Orten. Vor einer erhöhten Ansteckungsgefahr bei Festivals durch 'sexuell aktive Menschen' zu warnen, ist völlig unangemessen."

Deshalb erwarte das Forum Veranstaltungswirtschaft, dass die WHO eine derartige "Panikmache zukünftig unterlässt".

Marcus Pohl, Vorsitzender der isdv, bekräftigt: "Die Aussagen von Herrn Dr. Kluge sind nicht nur falsch und schüren unnötige Angst unter Besuchern von Veranstaltungen, sondern sie erschweren erheblich die wirtschaftliche Situation des sechstgrößten Wirtschaftszweigs, dem es aufgrund der Corona-Pandemie immer noch nicht möglich ist, wirtschaftlich wieder auf die Füße zu kommen. So verantwortungslos darf man Hilfe- oder Warnruf nicht einsetzen."

Das Forum Veranstaltungswirtschaft ist die Allianz von sechs maßgeblichen Verbände des Wirtschaftsbereichs: dem Bundesverband der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft (BDKV), dem Europäischen Verband der Veranstaltungs-Centren (EVVC), dem Fachverband Messen und Ausstellungen (FAMA), der Interessengemeinschaft der selbständigen Dienstleisterinnen und Dienstleister in der Veranstaltungswirtschaft (isdv), der LiveKomm als Verband der Musikspielstätten in Deutschland und dem VPLT, dem Verband für Medien- und Veranstaltungstechnik.