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Veranstaltungsbranche setzt Dialog mit Bundesregierung fort

Am 24. Mai trafen sich das Forum Veranstaltungswirtschaft und Mitglieder des FAMA mit Katja Hessel, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Finanzen. Bei dem Treffen stand die Erörterung langfristiger Ansätze für die Lösung der nach wie vor andauernden Krise der Veranstaltungswirtschaft im Mittelpunkt.

30.05.2022 18:05 • von Dietmar Schwenger
Hörte sich die Klagen und Sorgen der Livebranche an: die Parlamentarische Staatssekretärin Katja Hessel (Bild: Photothek, Bundesministerium der Finanzen)

Am 24. Mai 2022 trafen sich das Forum Veranstaltungswirtschaft und Mitglieder des FAMA, dem Fachverband Messen und Ausstellungen, mit Katja Hessel, der Parlamentarischen Staatssekretärin im Bundesministerium für Finanzen. Bei dem Treffen stand die Erörterung langfristiger Ansätze für die Lösung der nach wie vor andauernden Krise der Veranstaltungswirtschaft im Mittelpunkt.

In der vom FAMA organisierten Veranstaltung im Hotel Estrel in Berlin stellten die Verbandsvertreter die Voraussetzungen für Wege aus der Krise hin zu erfolgreichen Branchenaussichten dar. Gerade im Teilmarkt Messen zeige die von der Corona-Pandemie ausgelöste Krise enorme Ausmaße: 85 Prozent weniger Besucher ebenso wie Aussteller, meldet der Messeverband AUMA allein für 2021. Damit konnten 2021 weniger als ein Drittel der geplanten Messen durchgeführt werden. Auf 70 Prozent beziffert der Verband die Umsatzeinbußen der Messeveranstalter. "Für die Politik ist das trotz umfassender Überbrückungshilfen kein gutes Zeugnis. Umso wichtiger ist es dem Wirtschaftszweig, dass jetzt ein verlässlicher Rechtsrahmen ohne implizite oder explizite Einschränkungen für Messen und Veranstaltungen - insbesondere für den Winter 2022/2023 - geschaffen wird", betont das Forum Veranstaltungswirtschaft in einer Mitteilung.

Die erfolgreichen Corona-Hilfsprogramme der vergangenen zwei Jahre seien in intensiver Zusammenarbeit mit den Verbänden der Veranstaltungswirtschaft entstanden und hätten den Fortbestand zahlreicher Unternehmen ermöglicht. "Damit der Wirtschaftszweig an die prosperierende Situation des Jahres 2019 anknüpfen kann, bedarf es aber der Verlängerung bestehender Hilfsprogramme, die passgenau auf die Branche zugeschnitten werden müssen", betont das Forum, das sich neben dem FAMA noch aus den Verbänden BDKV, dem EVVC, der ISDV, der LiveKomm und dem VPLT zusammensetzt.

Das Forum Veranstaltungswirtschaft habe der Bundesregierung "unmissverständlich" mitgeteilt, dass die gesamte Branche weiterhin darunter leide, dass es derzeit weder eine klare Strategie für den Umgang mit einer erneuten Verschärfung der epidemischen Lage im Winter 2022/2023 noch Hilfsprogramme oder ordnungspolitische Maßnahmen dafür gäbe. Das sorge für große Unsicherheit bei Veranstaltern und bei Besuchern. Die Branche benötige eine Perspektive, die nur durch eine klare Positionierung der Bundesregierung zu diesem Thema möglich sei. Ein öffentlicher Hinweis aus dem Bundesgesundheitsministerium auf eine kommende "Killervariante" des Virus, die nicht wissenschaftlich belegbar ist, sei absolut kontraproduktiv, teilt der Verband mit.

"Es geht ja nicht nur darum, dass wir zwei Jahren lang keine wirtschaftlich tragfähigen Veranstaltungen durchführen konnten", führt Timo Feuerbach aus, Geschäftsführer des Europäischen Verbandes der Veranstaltungs-Centren (EVVC). "Viele Kunden verlieren immer mehr das Vertrauen, dass angekündigte Veranstaltungen im Herbst auch tatsächlich stattfinden. Wir benötigen ein klares Signal der Bundesregierung: Veranstaltungen sind sicher - Schließungen oder Kapazitätseinschränkungen stehen für den Herbst und Winter nicht zur Debatte. Mittelfristig benötigen wir darüber hinaus eine Ausfallversicherung, um Veranstaltungen auch zukünftig abzusichern,"

Auch weiß das Forum: "Die Risiken einer Pandemie sind privatwirtschaftlich nicht mehr versicherbar." Erfreut waren die Branchenvertreter, dass Staatssekretärin Hessel ankündigte, dass sie innerhalb ihrer Fraktion und der Koalition das Thema einer staatlich unterstützten Ausfallversicherung ansprechen werde.

Weil der von der EU gewährte Beihilferahmen bis Ende Juni 2022 befristet ist, müsse die Bundesregierung bei der EU für das von der Branche geforderte Sonderprogramm erneut rechtskonforme Hilfszahlungen beantragen, fordet der Verband. "Die Vertreter des Wirtschaftszweiges haben dazu bereits im Januar 2022 mit der EU-Kommission Kontakt aufgenommen und dem Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) ihre Unterstützung bei der Gestaltung des geforderten Programmes angeboten", berichtet Randell Greenlee, Bereichsleiter Wirtschaft und Internationales beim Verband für Medien- und Veranstaltungstechnik (VPLT).

Weitere Themen beim Austausch mit der Parlamentarischen Staatssekretärin Hessel waren:

a) Neubetrachtung und Einordnung der Veranstaltungswirtschaft: Zahlen, Daten, Fakten

b) Förderung der wirtschaftlichen Resilienz:

i. Förderprogramme für neue Veranstaltungsformate

ii. Innovationsfonds

iii. Public Private Partnership

iv. Erleichterter Zugang zu Fremdkapital

c) Unterstützung der Maßnahmen zur Nachhaltigkeit und Digitalisierung von Veranstaltungsstätten

d) Schaffung einer Ausfallabsicherung gegebenenfalls in Kombination mit b)

e) Förderung der Nachfrage von Veranstaltungen und Messen - etwa durch eine Erhöhung des Höchstbetrags für steuerfreie Zuwendungen auf 150 Euro, die aktuell (seit 2015) bei bis zu 110 Euro Brutto je Mitarbeiter für betriebliche Veranstaltungen liegen, oder die befristete Einführung eines verringerten Mehrwertsteuersatzes von sieben Prozent für die Erbringung von Dienstleistungen in der Veranstaltungswirtschaft.

Auch müsse die Regierung verstehen, dass die Veranstaltungs- und Messewirtschaft trotz beachtlicher Hilfen leider immer noch nicht das wirtschaftliche Vorkrisenniveau erreicht habe. "Neben den Kulturveranstaltern mussten auch die Messe-, Kongress-, Tagungsveranstalter und Betreiber von Veranstaltungshallen ihren Geschäftsbetrieb in den letzten zwei Jahren nahezu vollständig einstellen. Die Verluste der Gesamtbranche liegen längst im zweistelligen Milliardenbereich", klagt Michael Kynast, Vorstandsmitglied des Fachverband Messen und Ausstellungen (FAMA). "Wenn die bisherigen Hilfen nicht vergeblich gewesen sein sollen, müsste die Regierung mit dem Wirtschaftszweig vor allem schnell über einen Rettungsschirm für das zweite Halbjahr 2022 sprechen, vor allem für den Fall, dass es ab Herbst wieder pandemiebedingte Einschränkungen gibt."