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Dialog.Pop blickte in die Zukunft

Am 16. und 17. Mai veranstaltete der Verband für Popkultur in Bayern (VPBy) in der Bayerischen Musikakademie Schloss Alteglofsheim die Konferenz Dialog.Pop 2022 unter dem Motto "Zurück in die Zukunft" - im zehnten Jahr in Kooperation mit der Initiative Musik und erstmals unter Schirmfrauschaft von Claudia Roth.

20.05.2022 13:09 • von Frank Medwedeff
Gastgeber von Dialog.Pop (von links): Bernd Schweinar, Dominik Roider, Amélie Freund, Johanna Feger, Andreas Olschar, Alisa Weixelbaum, Marion Schmid, Cosima Sokol, Maximiliane Vilser, Luzia Schreiner, Lukas Schätzl und Bernd Strieder (alle VPBy) (Bild: Dominik Hupf)

Am 16. und 17. Mai 2022 veranstaltete der Verband für Popkultur in Bayern (VPBy) in der Bayerischen Musikakademie Schloss Alteglofsheim bei Regensburg die Fachkonferenz Dialog.Pop 2022. Dabei galt es auch ein Jubiläum zu feiern: zehn Jahre Popkonferenz-Kooperation zwischen der Initiative Musik und dem VPBy. Erstmals stand der maßgeblich von der Initiative Musik aus BKM-Bundesmitteln finanzierte Think-Tank unter der Schirmfrauschaft von Kulturstaatsministerin Claudia Roth.

Als Co-Förderer eröffnete der bayerische Kunstminister Markus Blume die Konferenz virtuell. Unter dem Motto "Zurück in die Zukunft" spielte bei Dialog.Pop diesmal die Kooperation mit anwesenden Vertreter:innen mehrerer osteuropäischer Länder ebenso eine wichtige Rolle wie ökologische und soziale Nachhaltigkeit in der Musikbranche sowie deren Personal(rück-)gewinnungsproblematik nach Corona. Gesellschaftspolitisch wurde ausgiebig das Zukunftsthema von Popkultur im ländlichen Kulturraum diskutiert.

Staatsministerin Claudia Roth hob in ihrem Eröffnungsstatement die "Popmusik als wesentlichen Teil unserer Kultur" hervor und bekräftigte: "Ich möchte, dass Sie wissen, dass Sie die BKM und auch mich persönlich dabei als verlässliche Partnerin an Ihrer Seite haben."

Auch Bayerns Staatsminister für Wissenschaft und Kunst, Markus Blume, betonte die Bedeutung des Netzwerkgipfels auf Schloss Alteglofsheim: "Endlich geht es 'Zurück in die Zukunft'! Das Motto der diesjährigen Popkonferenz Dialog.Pop macht deutlich: Hier will man Zukunft gestalten. Ich freue mich sehr, dass diese impulsgebende Veranstaltung traditionell in Bayern stattfindet. Denn: Die bayerische Rock- und Popmusikszene ist extrem vielfältig, kreativ und innovativ. Herzlichen Dank insbesondere an den Verband für Popkultur in Bayern e.V. für die engagierte Arbeit und mutige Themensetzung. Ich bin mir sicher, dass die Dialog.Pop wieder weit über die Grenzen des Freistaats hinausstrahlen wird!"

Tina Sikorski, Geschäftsführerin der Initiative Musik, betonte: "Wir freuen uns, dass wir die Dialog.Pop auch dieses Jahr im Rahmen unserer Infrastrukturförderung finanziell unterstützen können. In den vergangen zehn Jahren unserer Kooperation wurden viele entscheidende Weichenstellungen für die Popförderung in Bayern und anderen Bundesländern gelegt. Glückwunsch an den Verband für Popkultur e.V. für die hervorragende Arbeit! Dennoch muss weiterhin viel passieren. Dabei geht es mittlerweile nicht mehr nur um die Weiterentwicklung der Popförderung an sich, sondern auch darum, wie wir die Meta-Themen der ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit in unsere Arbeit einbeziehen und die Musik als treibende Kraft nutzen können."

Bernd Schweinar, Geschäftsführer des VPBy, resümierte: "Von Schloss Alteglofsheim gingen über all die Jahre bei den Popkonferenzen wichtige Impulse aus. Die Wurzeln der LiveKomm und des Bundesverbandes Popularmusik wurden hier gesetzt. Und unter dem Motto, dass eine gute Popförderidee auch auf einen Bierdeckel passen kann, wurden hier schon viele kreative Bierdeckel beschrieben."

Beim inhaltlichen Themenstrang "Ländlicher (Pop-)Kulturraum" habe man "mehr Gemeinsames als Trennendes" analysiert. "Es gilt jetzt anzupacken", so Bernd Schweinar beim Panel unter anderem mit Olaf Heinrich, dem mit Kulturthemen Impulse gebenden Bürgermeister von Freyung und Bezirkstagspräsidenten von Niederbayern. Keynotes von Stefan Reichmann (Haldern Pop) oder Dimitri Hegemann (Happy Locals, vormals Tresor/Berlin) dokumentierten, dass es dieses Anpacken bereits gebe und Menschen die Brücke von Beruf und Freizeit zwischen Urbanität und ländlichem Raum zukünftig noch häufiger überqueren müssen, wie der VPBy zusammenfasst. Kultur und kulturelle Infrastruktur müssten demnach hier auf eine Verstetigung und Verstärkung als Antworten finden. "Urbane Kultur speist sich ohnehin seit jeher von Kreativköpfen, die ihre Wurzeln nicht selten im ländlichen Raum und Kleinstädten haben", so Bernd Schweinar.

Wie der VPBy bereits im April 2020 gegenüber Politik und Medien prognostiziert habe, sei der Fachkräftemangel in den Produktionsgewerken "leider sogar noch viel schlimmer eingetroffen", weil die Politik sich vielfach nicht zeitnah und fachkompetent um die existenziellen Nöte der Soloselbstständigen gekümmert habe. Die Dialog.Pop begab sich deshalb mit Expert:innen auf die Suche, wie man effizient und nachhaltig den Personalmangel in der Veranstaltungsbranche mildern und mittelfristig "anpacken kann - im Bewusstsein, dass der Weg lang und steinig sein wird".

Schon für die später wegen Corona ausgefallene Popkonferenz 2020 geplant, habe der Vernetzungsansatz der Dialog.Pop mit den Musikszenen Osteuropas eine noch aktuellere Bedeutung. In Zusammenarbeit mit dem Exportteam der Initiative Musik waren Vertreter:innen der Musikbranche aus Rumänien, Nordmazedonien, Litauen und Tschechien eingeladen, um Einblicke in ihre jeweiligen Musikmärkte zu bieten. Anschließend fand ein Austausch mit dem Publikum statt. Der osteuropäische Raum bildet, wie der VPBy anmerkt, einen Markt von über 140 Millionen Menschen, die großes Interesse an internationaler Musik zeigen. Showcasefestivals und Musikkonferenzen wie Mastering the Music Business in Rumänien, PIN in Nordmazedonien oder What's Next in Music in Litauen oder Musikexportbüros wie SoundCzech in Tschechien dienen demnach "als ideale Eintrittstore, um Netzwerke in den osteuropäischen Raum zu etablieren und Kooperationen für eine zukünftige Zusammenarbeit auszubauen".

Im Zeichen des Vernetzens steht auch die Infrastrukturförderung der Initiative Musik, die Projekte für den Aufbau nachhaltiger professioneller Strukturen und Rahmenbedingungen im Bereich Populäre Musik und Jazz unterstützt. Im Rahmen einer Q&A-Runde wurden in Alteglofsheim einige Neuerungen des Förderprogramms vorgestellt, die ab der nächsten Förderrunde (Antragsfrist: 30. Mai bis 20. Juni) gelten sollen - wie zum Beispiel die zukünftige Einteilung in regionale und bundesweite Projekte, mit unterschiedlichen Förderhöhen und -anteilen.

Dass ökologische und soziale Problemlösungen "elementar in den Fokus rücken müssen, verdeutlichten unisono alle Speaker:innen", wie der VPBy abschließend anmerkt. CO2-Bilanz, Barrierefreiheit, Diversität, Arbeitsbedingungen und faire Entlohnung haben, so ein Fazit der Konferenz, "ganz oben auf der ToDo-Liste der Veranstaltungs- und Musikbranche zu stehen - bei Agierenden und Politiker:innen gleichermaßen". "Sensibilisierungsgrad und Wille" dazu seien beim Nachhaltigkeits-Panel deutlich geworden, aber auch die ökonomischen Hürden und "der Bedarf, mit Bundesmitteln hier durchaus entbürokratisierte Wege zu gehen".