Unternehmen

Bund fördert Newcomer:innen mit fünf Millionen Euro

Der BV Pop (Bundesverband Popularmusik e. V.) schreibt im Rahmen des Förderprogramms Neustart Kultur ein fünf Millionen Euro schweres Stipendienprogramm für Popmusiker:innen aus. Entscheidend beteiligt an der Entwicklung des Programms war Dieter Gorny.

06.05.2022 13:09 • von Dietmar Schwenger
Entscheidend beteiligt an der Entwicklung des Programms: Dieter Gorny (Bild: Stefan Wieland, Initiative Musik)

Der BV Pop (Bundesverband Popularmusik e. V.) schreibt im Rahmen des Förderprogramms Neustart Kultur ein fünf Millionen Euro schweres Stipendienprogramm für Popmusiker:innen aus. Entscheidend beteiligt an der Entwicklung des Programms war Dieter Gorny, wie MusikWoche auf Nachfrage erfuhr. "Dabei ging es auch um die Abgrenzung zur Künstler:innenförderung der Initiative Musik, um Trennschärfe zwischen Förderung von Newcomer:innen und musikwirtschaftlicher Förderung zu erzielen. Partner der BKM für das Stipendienprogramm ist aber nur der BV Pop", teilt eine Sprecherin von BV Pop mit.

Das Programm richte sich gezielt an freiberufliche Newcomer:innen aus dem Bereich der Popularmusik und sei das erste bundesweite Stipendienprogramm dieser Art. Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM), Claudia Roth, stellt dafür eine Summe in Höhe von bis zu fünf Millionen Euro bereit.

"Die neue Bundesregierung hat es sich zum Ziel gesetzt, Kultur in ihrer ganzen Breite und Vielfalt zu fördern. Popmusik leistet einen wichtigen Beitrag zur Kultur in unserem Land", sagt Kulturstaatsministerin Claudia Roth. "Sie wird in Zukunft eine größere Rolle in der Kulturpolitik des Bundes spielen. Ein erster Schritt ist dabei unser Förderprogramm für Newcomerinnen und Newcomer. Gerade junge Musikerinnen und Musiker hatten in der Corona-Zeit kaum eine Möglichkeit, ihr künstlerisches Potenzial zu entfalten. Mit unserem Stipendienprogramm bieten wir ihnen jetzt eine Starthilfe, um die negativen Folgen der Pandemie auszugleichen. Zugleich füllen wir mit dem Programm eine Lücke bei den staatlichen Corona-Hilfen."

Wie MusikWoche erfuhr, wickelt der BV Pop die Vergabe der Stipendien samt Antragsverfahren und Auszahlung der Gelder ab. "Der BV Pop verfügt über Strukturen und ein Projektbüro, mit dem er bereits seit 2012 das Programm Pop2Go (im Rahmen von Kultur.macht.stark) abwickelt. Dabei wurden in zwei Förderphasen bereits 18 Millionen Euro im Bereich Nachwuchs und Kulturelle Bildung ausgereicht. Für die Vergabe der Stipendien wird diese Struktur zeitweise ausgebaut. Analog zu allen Stipendienprogrammen im Rahmen von Neustart Kultur sind die Kosten für die Programmabwicklung Bestandteil der Förderung durch die BKM."

Essenziell bei der Vergabe sei aber auch die Beteiligung der Regionalpartner des BV Pop. "Die Popförderinstitiutionen in den Ländern und Regionen gewährleisten die Ansprache der Zielgruppe vor Ort und die Begleitung der Stipendiat:innen. Über die Stipendien entscheiden neun Regionaljurys", führt die BV-Pop-Sprecherin aus.

"Während etablierte Künstler:innen lediglich zeitweise ausgebremst wurden und teilweise von staatlichen Hilfen profitieren konnten, gestaltete sich die Lage beim Nachwuchs sehr viel dramatischer - und vor allem weit über die Zeit des Ausnahmezustandes hinausgehend", teilt der BV Pop mit. Diese Situation biete andererseits aber auch die Chance, kreativ zu werden und das eigene Schaffen zu reflektieren.

"Denn in einer Zeit, in der das Live-Geschäft wieder Fahrt aufnimmt, entsteht Raum für neue Ideen - die perfekte Gelegenheit für Künstler:innen, sich genau jetzt zu positionieren. An dieser Stelle greift das Stipendium: Es dient dazu, freiberufliche Nachwuchsmusiker:innen aus dem Bereich der Popularmusik dabei zu unterstützen, ihre Arbeit trotz Einschränkungen durch die Folgen der COVID-19-Pandemie fortzusetzen und sich weiter zu professionalisieren", heißt es aus Rostock.

"Nicht nur die gesamte Branche, sondern vor allem die Künstler:innen waren schon vor Corona vom rapiden Wandel im Musikbusiness betroffen", sagt Dieter Gorny, Aufsichtsratsvorsitzender Initiative Musik. "Die Krise hat die Situation noch einmal zugespitzt und die meisten Nachwuchsmusiker:innen komplett ausgebremst. Wenn jedoch der Nachwuchs fehlt, macht sich diese Lücke in ein paar Jahren in der deutschen Kulturlandschaft bemerkbar. Deshalb freue ich mich sehr über das Programm und die Zusammenarbeit mit dem BV Pop. Ich bin gespannt auf die Ergebnisse, die das Programm hervorruft."

Ziel des Programms sei die Möglichkeit zur Professionalisierung und der Wiedereinstieg in den Musik- und Livemarkt. Antragsberechtigt sind freiberufliche Musiker:innen aller Gewerke - von Komponist:innen über Performer:innen bis hin zu Instrumentalist:innen - und aller Genres der populären Musik ab 18 Jahren. Als Newcomer:innen gelten Musiker:innen, die nicht mehr als zwei Alben veröffentlicht haben und sich längstens seit 2017 auf dem Weg der Professionalisierung befinden.

Durch das Stipendienprogramm ist eine Förderung von bis zu 5000 Euro pro Person möglich. Die Summe wird für die Dauer von vier Monaten ausgezahlt. Weiterhin erhalten die Stipendiat:innen das Angebot, das bundesweite Netzwerk der regionalen Popförderinstitutionen zu nutzen. Ansprechpartner:innen sind hier die regionalen Popförderinstitutionen: Sie helfen bei der Realisierung der Stipendien und geben Tipps bei der Professionalisierung, damit Newcomer:innen die Chance bekommen, sich am Markt zu etablieren und besser zu vernetzen.

"Die Corona-Pandemie hat uns vor Augen geführt, dass junge Menschen in Deutschland keine angemessene Lobby haben - spezielle Hilfsprogramme für sie gab es kaum. Die Pandemie hat ihnen den sozialen Raum entzogen, den sie für ihre Entwicklung brauchen. Die fehlende Verbindung untereinander und nicht aufgebaute Zugänge zu Netzwerken konnten sie weniger kompensieren als andere Altersgruppen. Besonders drastisch wirkt sich dies auf den musikalischen Nachwuchs aus", betont Olaf Kretschmar, Vorsitzender BV Pop. "Damit aus einer vergessenen Generation keine verstummte oder gar verlorene wird, haben wir gemeinsam mit der BKM ein Programm entwickelt, welches für den kreativen Nachwuchs Produktionsstipendien bereitstellt und überdies die Verbindung der jungen Talente zu den regionalen Popförderstrukturen unterstützt."

Das Programm startet Anfang Juni 2022. Mit Beginn der Bewerbungsphase bieten der BV Pop und die regionalen Popförderinstitutionen zudem umfassende Beratungen an. Weitere Informationen zum "Pop-Stipendium" stehen unter pop-stipendium.de bereit.