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Peter Maffay sieht in Kekz die "Chance, etwas zu transportieren"

2020 gründeten Carl Taylor und Adin Mumma in München die Firma Kekz, mit der sie ein kabelloses Kopfhörersystem für Kinder entwickelt haben. Peter Maffay ist als prominenter Investor mit an Bord. Im Interview mit MusikWoche spricht er über die Hintergründe der Zusammenarbeit, seine Rolle bei Kekz, und was gute Kinderunterhaltung ausmacht.

04.05.2022 09:35 • von Jonas Kiß
Ist als Gesellschafter bei Kekz eingestiegen: Peter Maffay (links) mit den Gründern Carl Taylor und Adin Mumma (Bild: Kekz)

2020 gründeten Carl Taylor und Adin Mumma in München die Firma Kekz, mit der sie ein kabelloses Kopfhörersystem für Kinder entwickelt haben. Peter Maffay ist als prominenter Investor mit an Bord. Im Interview mit MusikWoche spricht er über die Hintergründe der Zusammenarbeit, seine Rolle bei Kekz, und was gute Kinderunterhaltung ausmacht.

MusikWoche: Wie kam es zur Kooperation mit Kekz?

Peter Maffay: Ich kenne den Gründer Carl Taylor seit langer Zeit. Mit seinem Vater Ken Taylor spiele ich in einer Band, und so habe ich Carl Taylor schon von Kindesbeinen an mitbekommen. Carl Taylor war dann in seiner Laufbahn bei Sony Music tätig, und dort sind wir uns auch etliche Male über den Weg gelaufen. Damals haben wir nicht geahnt, dass wir irgendwann wieder zusammenfinden würden zu einer Kooperation wie jetzt mit Kekz. Daniel Maurer, ein Mitarbeiter und Freund von mir, machte mich auf das Kekz-Thema aufmerksam. Er hat mir die Hintergründe der Gründung erklärt und empfohlen, dass man sich austauscht, um zu ergründen, ob es zu einer Kooperation kommen kann. Carl Taylor, der sehr eloquent ist und schnell auf den Punkt kommt, hat mir das Thema rund um die Firma Kekz so gut erklärt, dass ich daran auch Spaß gefunden habe. Vor dem Hintergrund der Existenz einer kleinen Tochter von drei Jahren war das Thema auch für mich hochinteressant. Mit meiner Lebensgefährtin Hendrikje habe ich nämlich immer sämtliche Kinderlieder rauf und runter gehört. Als Carl Taylor sagte, dass es mit Kekz eine Möglichkeit gebe, den Kindern Unterhaltung zu bieten, ohne dass die Eltern immer mitsingen müssen, wollte ich mehr darüber wissen. Also habe ich mir das Produkt mal zur Gemüte geführt, und ich fand es richtig toll - zumal es mit Musik zu tun hat, und da gibt es natürlich einige Überschneidungen.

MusikWoche: Sie produzieren neben ihrer Musik mit Tabaluga schon lange ebenfalls Kinderunterhaltung. Gibt es also auch inhaltliche Überschneidungen was die Kekz-Kopfhörer angeht?

Peter Maffay: Abgesehen davon, dass wir es bei Kekz mit einem System zu tun haben, das kabellos funktioniert, und nicht vom Internet oder Bluetooth abhängig ist, und man damit also sehr gut Kinder versorgen kann, geht es bei den Geschichten parallel auch darum, Werte zu vermitteln. Das empfinde ich persönlich als sehr wichtig, denn Unterhaltung hat auch etwas mit Haltung zu tun. Und das muss man den Kindern möglichst früh vermitteln, ohne dabei ständig mit dem erhobenen Zeigefinger daher zu kommen. Sondern es geht darum, den Kindern Geschichten zu erzählen, mit denen sie wachsen können. Das ist auch bei Tabaluga im Grunde genommen die Triebfeder gewesen.

MusikWoche: Zielt das Kekz-System auf eine bestimmte Zielgruppe ab? Ist es, was das Alter angeht, eingegrenzt, oder nach oben hin offen?

Peter Maffay: Ich denke, wenn man auf AC/DC umsteigt, dann muss man von den 85 Dezibel weg, die ich übrigens für Kinder toll finde. Denn Kinderohren zu schützen ist ein wichtiges Anliegen. Und das wurde bei Kekz berücksichtigt. Auch auf das Material wurde sehr viel Sorgfalt gelegt. Es ist also besonders für kleinere Kinder geeignet. Irgendwann wird das Interesse, Musik so zu konsumieren, wahrscheinlich nachlassen, oder man greift zu anderen Systemen, die weiter reichen als die von Kekz. Kekz ist wirklich auf Kinder ausgelegt.

MusikWoche: Wie ist das Feedback der Kinder auf das Produkt, auch von ihrer eigenen Tochter?

Peter Maffay: Man kann es auf einen Nenner bringen: Es funktioniert. Und zwar richtig gut. Anouk, meine Tochter, und ich streiten darüber, wie oft sie über diesen Kopfhörer verfügen kann. Sie läuft sehr oft mit diesem Utensil herum und erfreut sich daran. Meine Lebensgefährtin und ich freuen uns wiederum auch. Denn wir reisen recht häufig, und können uns dann unterwegs mit unseren Themen beschäftigen.

MusikWoche: Früher hat man bei Reisen im Auto noch eine Kassette abgespielt, später dann CDs. Heute gibt es aber diese Abspielgeräte in vielen Autos gar nicht mehr. Ist das eine Nische, die Kekz versucht, mit den Kopfhörern zu bedienen?

Peter Maffay: Ich glaube, dass dieser Versuch bereits stattgefunden hat. Jetzt geht es eigentlich darum, das Produkt zu etablieren. Das erfordert einen längeren Anlauf. Ich bin kein ausgesprochener Fachmann, was den Verkauf und die Vermarktung von Produkten angeht. Aber ich würde eine Parallele ziehen zu anderen Themen die mir näher liegen: Ein Käufer interessiert sich für ein Produkt, wenn er ein entsprechendes Vertrauen dazu aufgebaut hat. Und dieses Vertrauen muss man bei den Endkunden erzeugen, indem man die richtige Qualität und die richtigen Inhalte anbietet. Es dauert eine gewisse Zeit, bis sich das umsetzt. Man darf nicht allzu schnell fantastische Ergebnisse erwarten. Bisher ist der Verlauf jedenfalls mehr als zufriedenstellend und übertrifft sogar unsere Erwartungen. Aber man muss natürlich - wie bei allen guten Sachen - dranbleiben, wenn sie etwas werden sollen. Ein Baum, den man pflanzt und nicht gießt, wird irgendwann eingehen. Und so verhält es sich im Grunde genommen mit jedem Produkt, nicht nur mit Kekz.

MusikWoche: Es gibt bereits viele verschiedene Kekze mit Hörspielen aber auch mit Musikinhalten. Wird diese Palette kontinuierlich erweitert?

Peter Maffay: Es gab ja erfreuliche Kritik. Man fand das Produkt gut, es ist positiv besprochen worden. Es wurde aber moniert, dass es zu wenig Kekze gibt. Diesen Fingerzeig müssen wir beachten. In der Zwischenzeit sind zusätzliche Kekze entstanden, und wir werden mit Tempo an der Gestaltung von neuen Geschichten arbeiten. Im Grunde sind die Kekze auch ein haptisches Spielutensil. Man kann sie tauschen, man kann sie sammeln, so wie man früher vielleicht Briefmarken oder ähnliches gesammelt hat. Ich denke, es war für Carl Taylor und Adin Mumma ein wichtiger Aspekt, dass man diesen Austausch hat. Ich kann mir gut vorstellen, wenn zwei Kekz-affine Kinder miteinander zu tun haben, und das eine zum anderen sagt: 'Du hast das, ich habe es nicht. Sollen wir mal tauschen?' Das ist für die Ausrichtung dieses Produktes wichtig.

MusikWoche: Welche Rolle spielen Sie bei Kekz?

Peter Maffay: Ich bin eigentlich Trittbrettfahrer. Durch die Empfehlung eines Freundes bin ich wie gesagt zu Kekz gestoßen. Ich finde es toll, weil es mit Musik und Kreativität zu tun hat. Ich bin davon überzeugt, dass die Inhalte Kinder dazu anregen können, selber kreativ zu werden oder in ihrer Entwicklung etwas mitzubekommen, was gut für sie ist. Geschichten sind nicht nur dazu da, sie selber zu hören, sondern sie auch miteinander zu besprechen. Aus Geschichten resultieren Fragen. Diese Fragen sind ein guter Anlass, um einen Austausch zwischen den Eltern und Kindern zu erzeugen. Bei uns zuhause ist es genauso. Anouk fragt mich, ob ich ihr vor dem Schlafen eine Geschichte vorlese. Dabei geht es nicht nur darum, dass sie meine Stimme hört, sich beruhigt und weiß, dass ich da bin, um dann einzuschlafen. Sondern schon während ich lese, entstehen permanent irgendwelche Fragen. Das miteinander zu erörtern, ist fast noch wichtiger als die Geschichte selber. Und ich wünsche mir, und glaube auch daran, dass die Geschichten bei Kekz einen ähnlichen Impuls erzeugen. Ich bin, um auf die Frage zurückzukommen, nicht der Mann im Driving Seat. Carl Taylor und Adin Mumma sind die Motoren. Ich mache mit, weil ich es interessant und gut finde. Dabei versuche ich, so gut es geht, meinen Beitrag einzubringen. Ich wünsche mir natürlich, dass dieses Ding aufgeht, und dass das Produkt den Erfolg hat, den wir uns vorstellen. Ich weiß, dass das mit viel Arbeit verbunden ist. Aber wir machen es gerne. Es ist eine schöne und sinnvolle Arbeit.

MusikWoche: Am 9. April hat der erste Kekz-Shop in München aufgemacht. Waren sie bei der Eröffnung dabei?

Peter Maffay: Da konnte ich nicht dabei sein, weil ich neben Kekz auch noch andere Baustellen habe, die ich auch nicht vernachlässigen kann. Wir sind im Augenblick gerade dabei, ein neues Tabaluga-Album zu produzieren, weil unser kleiner Grüner faltenlos vierzig Jahre alt wird - oder jung. Und dieses Jubiläum bereiten wir gerade vor. Auch Tabaluga entstand 1982 durch eine spontane Idee. Damals hätten wir nicht geahnt, dass dann daraus später eine Stiftung entstehen würde. Inzwischen entdecken drei bis vier Generationen die Geschichten von Tabaluga. Das ist auch ein wichtiger Aspekt, was Kekz betrifft. Werte haben kein Verfallsdatum, und sie an die kommenden Generationen zu kommunizieren, wird ganz wichtig sein, um die Augen zu öffnen für die richtige Sichtweise und Kinder darauf vorzubereiten, konfliktfrei zu leben. Wir erleben ja im Augenblick, wie sich Erwachsene trotz ihrer Erfahrung mit Macht dahin entwickeln, dass Konflikte stattfinden. Kinder sollte man darauf eintunen, gar nicht in die Gefahr ­einer solchen Entwicklung zu geraten.

MusikWoche: Sie achten also darauf, dass die Inhalte bei Kekz auch eine positive Botschaft vermitteln?

Peter Maffay: Unbedingt, es bietet sich hier eine Chance, etwas zu transportieren, und das muss nicht immer mit erhobenem Zeigefinger sein. Wir versuchen etwas Sinnvolles in die Geschichten reinzupacken, womit Kinder wachsen können.

MusikWoche: Bei dem Kopfhörersystem von Kekz stellt sich auch die Frage, wie sich das technisch drumherum in den nächsten Jahren entwickeln wird.

Peter Maffay: Wenn es um Technik geht, bin ich die falsche Adresse. Mich hat aber von Anfang an fasziniert, dass man ein Medium erzeugt hat, das nicht internetabhängig ist und auch keine Abhängigkeiten anderer Art hat. Man ist mit Kekz also immer komplett frei, egal wo man sich befindet. Das fand ich enorm. So gibt man Kindern die Möglichkeit, weitgehend unabhängig ihre eigenen Unterhaltungsprogramme zusammenzustellen.

MusikWoche: Kekz wurde 2020 ins Leben gerufen. Wie ist ihre Bilanz seit der Gründung?

Peter Maffay: Ich bin mit dem Verlauf sehr zufrieden. Vor allem mit den Rezensionen, die man bekommt. Und auch aus Käufersicht kam es zu vielen positiven Statements. Es ist also doppelt gut: Wenn erstens ein fachkundiger Beobachter das Produkt als positiv einordnet, und sich letztlich auch der Käufer dann für das Produkt entscheidet. Ich denke, damit sind wir auf einem guten Weg.

Interview: Jonas Kiss

___Die Idee hinter Kekz

Beim kabellosen Kopfhörersystem Kekz werden Chips über eine sogenannte »Click'n'Play«-Mechanik über Magnete an der Außenseite der Ohrmuschel angebracht, um die Wiedergabe von Audioinhalten zu starten. Partner von Kekz sind Peter Maffay, als Gesellschafter seit 2020 mit an Bord, BMG als Verlagspartner seit 2021 sowie Lizenzgeber wie Edel Kids, Universal Music, Kiddinx und Jumbo. Die Kopfhörer sind seit dem 5. November 2021 im Handel und wurden vier Tage später im Telekom-Shop am Münchner Marienplatz vorgestellt. Nachdem das Münchner Start-Up Kekz rund um die Gründer Carl Taylor und Adin Mumma das Kopfhörersystem im November auf den Markt brachte, stand die erste Filial-Eröffnung am 9. April in München an.