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jazzahead! macht Deutschland zum Partnerland

Projektleiterin Sybille Kornitschky wertet die am 1. Mai beendete jazzahead! 2022 als "vollen Erfolg". Über 2700 Teilnehmer:innen aus 55 Nationen waren dabei. 2023 fungiert Deutschland nicht nur als Gastgeber-, sondern zugleich auch als Partnerland. Und der Deutsche Jazzpreis bleibt in Bremen.

03.05.2022 09:22 • von Frank Medwedeff
Impression von der jazzahead! 2022: das Konzert der ukrainischen Sängerin Viktoria Leléka mit ihrer Band im Zirkuszelt (Bild: M3B_Jan Rathke)

Die unter dem Motto "Together again" stehende jazzahead! 2022 ist am 1. Mai in Bremen zu Ende gegangen. Die Projektleiterin Sybille Kornitschky wertet die Fachmesse, die pandemiebedingt erstmals seit drei Jahren wieder "live" stattfinden konnte, als "vollen Erfolg". Insgesamt waren demnach mehr als 2700 Teilnehmer:innen aus 55 Nationen am Start - Aussteller:innen, Musiker:innen, und Fachbesucher:innen. Die konkreten Besucher:innen-Zahlen des Festivals will das Organisationsteam nachliefern, sobald die Auswertung erfolgt sei.

Gelobt worden sei "allseits einmal mehr die hohe musikalische Qualität" der knapp 100 Konzerte am Messe-Wochenende, auch das in diesem Jahr erstmals aufgestellte Zirkuszelt auf der Bürgerweide habe für zwei sehr gut besuchte Konzertabende und "prächtige Festivalstimmung" gesorgt. "Mir ist aufgefallen, dass das Durchschnittsalter der Teilnehmer:innen an der diesjährigen jazzahead! deutlich gesunken ist - und das lässt wirklich für die Zukunft hoffen", sagte der Londoner Journalist Sebastian Scotney.

Nach Kanada in diesem Jahr steht bereits das Partnerland für die nächste Ausgabe fest: Es wird Deutschland sein, "womit dem gastgebendem Land gleich zwei Rollen zufallen", wie es aus Bremen heißt. "Das Prinzip des Partnerlandes besteht darin, ein Land stärker in den internationalen Fokus zu rücken, von dem wir denken, dass es das verdient hat - und das ist im Falle von Deutschland überfällig", betont Sybille Kornitschky. Die jazzahead! 2023 ist für 27. bis 30. April kommenden Jahres terminiert.

Den Entscheidungsträger:innen um Kornitschky und die künstlerischen Leiter Ulrich Beckerhoff und Peter Schulze sei bewusst, dass die Wahl von Deutschland als Partnerland "einiges auf den Kopf stellen und Veränderungen im Ablauf nach sich ziehen" werde, so die Projektleiterin weiter. Das Prinzip der Showcases mit ihren vier Programmlinien bleibe bestehen, allerdings soll es im nächsten Jahr Ko-Produktionen mit vier anderen Ländern geben, um die Internationalität weiterhin zu betonen. Dabei handelt es sich um die drei Nachbarländer Frankreich, Österreich und die Niederlande (von denen Frankreich schon einmal Haupt-Partnerland war) sowie um die USA. "Vier musikalische Persönlichkeiten" aus Deutschland, die in den genannten Ländern gut vernetzt seien, sollen dafür um sich herum eigene Ensembles aufbauen: "Die Bands sollten zwischen vier und acht Personen groß sein, sonst gibt es keine weiteren Vorgaben", erläutert Kornitschky hierzu. "Nicht die bekannten Formationen sind dann im Vordergrund, sondern es entsteht etwas Neues!"

Zu den Neuerungen der nächsten jazzahead! zähle außerdem, dass die in diesem Jahr erstmals in Bremen ausgetragene Verleihung des Deutschen Jazzpreises nicht wie diesmal vor der Eröffnung stattfinde, sondern am Freitag, dem zweiten Messetag. Sie werde also noch stärker in die jazzahead! integriert, was diesem Preis noch mehr internationales Gewicht gebe, so Kornitschky. Auch für das Konferenzprogramm 2023 gebe es schon Pläne - hier soll der in diesem Jahr eingeschlagene Weg, verstärkt auch technische Innovationen aufzugreifen, "konsequent weiter beschritten" werden. "Unter anderem haben wir ja ein Fenster zur KI aufgemacht", sagt Kornitschky, "diesen Weg werden wir weitergehen".

Ina Keßler, die Geschäftsführerin der für den Deutschen Jazzpreis zuständigen Initiative Musik, erklärte am 1. Mai im großen Zirkuszelt auf der Bürgerweide: "Wie uns die Pandemie gezeigt hat, können Veränderungen jederzeit eintreten - auch der russische Krieg gegen die Ukraine macht alle besorgt und sprachlos. Wir sind jedoch der festen Überzeugung, dass Musik Brücken zwischen verschiedenen Welten schlägt, zwischen Menschen und Ländern, politischen Meinungen und Mentalitäten, Kulturen und unserem historischen Erbe. Letztendlich sind wir alle Menschen und sollten uns gegenseitig respektieren. Aus diesem Grund blicken wir mit einer positiven Stimmung nach vorne. Wir sind neugierig darauf, die aufstrebenden neuen Künstler:innen sowie die erfahrenen Großmeister:innen aus Deutschland der ganzen Welt zu präsentieren."