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IHM zieht Bilanz

Vergleichsweise früh haben Hamburger Musikunternehmen die Vorteile eines ­Zusammenschlusses erkannt: 2004 wurde die Interessengemeinschaft Hamburger Musikwirtschaft (IHM) gegründet, um der Branche der Stadt eine Stimme zu verleihen.

05.05.2022 09:18 • von Jonas Kiß
Hat ein gut aufgestelltes Team, nachdem die Pandemie die Arbeit durcheinanderwirbete: IHM-Geschäftsführer Timo Wiesmann (Bild: IHM)

Vergleichsweise früh haben Hamburger Musikunternehmen die Vorteile eines ­Zusammenschlusses erkannt: 2004 wurde die Interessengemeinschaft Hamburger Musikwirtschaft (IHM) gegründet, um der Branche der Stadt eine Stimme zu verleihen.

Der Verband ist somit der erste regionale Musikwirtschaftsverband in Deutschland und, fast zwei Jahrzehnte später, mit rund 120 Mitgliedsunternehmen einer der größten Europas. Die Bandbreite der Mitglieder deckt das ganze Spektrum der Branche ab und reicht von Labels und Verlagen über Künstlermanagement-Agenturen bis hin zu Konzert-, Festival- und Musicalveranstalter*innen.

Schnittstelle zwischen Politik und Wirtschaft

Das wichtigste Ziel des Verbandes bleibt seit der Gründung unverändert: »Ganz allgemein formuliert: Wir setzen uns für die Schaffung und Verbesserung struktureller Rahmenbedingungen ein, die es den Hamburger Musikbetrieben ermöglichen, erfolgreich zu arbeiten«, sagt IHM-Geschäftsführer Timo Wiesmann, der den Verband seit 2010 leitet. Der Verein agiert als Schnittstelle zwischen seinen Mitgliedern und Vertreter*innen von Wirtschaft, Politik und Verwaltung. Im Mittelpunkt steht die Vernetzung der Akteur*innen der Hamburger Musikwirtschaft untereinander und mit anderen inhaltlich und strukturell verbundenen Branchen. So entwickelt der Verein gemeinsame Themen und Projekte auf regionaler, nationaler sowie internationaler Ebene.

Nicht nur die letztgenannte Funktion hat während der Coronapandemie an Bedeutung gewonnen. »Die Pandemie hat unsere Arbeit verändert und erweitert«, so Wiesmann. Stand am Anfang der Corona-Zeit noch die Beschaffung und Weitergabe von Informationen zu Hilfen und Förderprogrammen im Mittelpunkt, stellte sich bald die Frage, wie die Branche sich auf nachhaltige Weise auf die Zeit nach und mit Corona vorbereiten kann. Neben eigenen Förderprogrammen wie dem zusammen mit der Hamburger Kulturbehörde ins Leben gerufenen »Hamburg Music Business Support« rückte ein Tätigkeitsfeld des Vereins dabei noch weiter in den Fokus als bisher: Weiterbildung.

Expertise in dem Bereich gibt es bei der IHM bereits seit vielen Jahren: 2013 hat der Verband die MBSS ins Leben gerufen, damals noch als »Music Publishing Summer School« mit Fokus auf das Musikverlagswesen. »Es hat sich dann schnell gezeigt, dass auch in den anderen Teilbereichen der Musikbranche ein großer Bedarf nach Weiterbildungsmöglichkeiten herrschte«, erklärt Wiesmann. Der Ausbau der MBSS in den Bereichen Live und Label sowie internationale Seminare folgte ab 2017.

Das neueste Weiterbildungsprojekt entstand im vergangenen Jahr als direkte Reaktion auf die Corona-Krise und richtet sich konkret an die Hamburger Musikbranche: Die Seminar- und Workshopreihe »Hamburg Music Boost« (siehe Infokasten) schafft seit dem Sommer 2021 Strukturen zur nachhaltigen wirtschaftlichen Krisenbewältigung, zur Stärkung der mentalen Widerstandsfähigkeit und zur Förderung von Innovation für die Hamburger Musikwirtschaft - mit Seminaren zu Themen wie »Personalführung und (Konflikt-)kommunikation«, »Marketingstrategien«, »Business English Training« oder auch »Anti-Stress-Training für Mitarbeitende und Führungskräfte«.

Werkzeuge für krisenfähiges Wirtschaften

Zur Zeit besteht dort etwa noch die Möglichkeit zur Anmeldung für den Workshop »Sexismus und sexualisierte Gewalt in der Musikbranche« im Juni sowie für Seminare in der zweiten Jahreshälfte. Weitere Termine kommen kontinuierlich hinzu. Timo Wiesmann freut sich über den Erfolg des Programms: »'Hamburg Music Boost' gibt der Hamburger Musikwirtschaft, ihren Mitarbeiter*innen und auch Selbstständigen ein gutes Werkzeugsortiment für krisenfähiges Wirtschaften an die Hand. Die Teilnehmer*innenzahlen und das sehr gute Feedback auf die Workshops zeigen: Unser Programm ist ein wichtiger Beitrag zur Bewältigung der Pandemie und ihrer vielfältigen Folgen.«

Nachdem die Pandemie die Arbeit des Musikwirtschaftsverbandes zunächst durcheinanderwirbelte, hat sich mittlerweile eine gewisse Normalität bei der IHM-Arbeit eingestellt. »Glücklicherweise konnte sich die IHM personell und strukturell zügig wieder so aufstellen, dass wir uns auch unseren anderen Tätigkeitsfeldern schnell wieder mit der nötigen Aufmerksamkeit und Sorgfalt widmen konnten«, so Timo Wiesmann.

Dazu gehört die Internationalisierung der Hamburger Musikbranche mithilfe verschiedener Programme und Initiativen unter dem Dachprogramm »Hamburg Music International«, der Einsatz für innenstadtnahe Räume und Flächen für Musik und Musikwirtschaft, die Organisation von Networking-Events, auch für den Kontakt mit angrenzenden Branchen wie der Games-Industrie, und das Musikstadtmarketing, das neben den Hamburger »Leuchttürmen« die Vielfalt der kleineren, mittleren und großen Aktivitäten der Hamburger Musikszene und -wirtschaft in den Fokus rückt.

Text: Jonas Kiss

___»Inspiration Information«

Die Online-Workshop-Reihe »Inspiration Information» - frei nach Shuggie Otis - ist auf Alumni der IHM-Weiterbildungsangebote zugeschnitten. Die Teilnahme steht aber Akteur*innen der gesamten deutschsprachigen Musikwirtschaft offen, die sich zu aktuellen Branchenthemen wie »Vertragsbeziehungen in der Musikwirtschaft«, »Psychohygiene im Home Office« oder »Sinn und Zweck von NFTs« kostenfrei weiterbilden und mit Expert*innen und Kolleg*innen vertiefende, inspirierende Gespräche zu diesen Themen führen möchten. Das Programm wird im Herbst fortgesetzt. Aktuelle Infos erhalten MBSS-Alumnis per Newsletter, alle Infos zu «Inspiration Information«-Seminaren gibt es auch über den Instagram-Kanal instagram.com/hamburgmusic.

___»Hamburg Music Boost«

»Hamburg Music Boost« ist eine für Akteur*innen der Hamburger Musikwirtschaft vollständig bezuschusste, umfangreiche Seminar- und Workshopreihe. Es soll die Mitarbeiter*innen, Solo-Selbstständigen und Musikunternehmen der Hansestadt bei ihrer Weiterentwicklung, Innovationsfähigkeit und Krisenbewältigung unterstützen - nicht zuletzt im Hinblick auf die für die Branche besonders einschneidende Corona-Krise. Das Projekt wird als Teil der Reaktion der Europäischen Union auf die COVID-19-Pandemie aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) und von der Freien und Hansestadt Hamburg finanziert sowie im Rahmen des Hamburger Weiterbildungsbonus PLUS umgesetzt. Weitere Infos und das aktuelle Seminarprogramm finden sich unter www.hamburgmusicboost.de.