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Reeperbahn Focus Session brachte Politik und Branche zusammen

Gut 90 Minuten diskutierten Politiker:innen und Repräsent:innen der Livebranche jüngst bei einer Reeperbahn Focus Session im Festsaal in Berlin-Kreuzberg über die aktuelle politische Lage - vor allem in Hinblick auf Corona-Förderprogramme. Erstmals war Livepublikum zugelassen.

30.03.2022 16:19 • von Dietmar Schwenger
Fand als erste Focus Session des Reeperbahn Festivals physisch statt: das Townhall Meeting "Ein politikscher Kraftakt" (Bild: Reeperbahn Festival)

Gut 90 Minuten diskutierten Politiker:innen und Repräsent:innen der Veranstaltungswirtschaft am 22. März 2022 bei einer Reeperbahn Focus Session im Festsaal in Berlin-Kreuzberg unter dem Motto "Livebranche - Ein politischer Kraftakt" über die aktuelle politische Lage - vor allem in Hinblick auf Corona-Förderprogramme. Erstmals war bei einer Veranstaltung aus der Reihe der Reeperbahn Focus Sessions Livepublikum zugelassen: Rund 50 Zuschauer:innen konnten die von Jan Becker moderierte Runde vor Ort verfolgen.

Auf Politikerseite saßen Erhard Grundl (MdB, Kulturpolitischer Sprecher der Grünen), Helge Lindh (MdB SPD), Daniel Schneider (MdB SPD und zuvor Veranstalter des Deichbrand Festivals) und Anikó Merten (MdB, Kulturpolitische Sprecherin der FDP) auf dem Podium, denen gegenüber im Publikumsbereich Ben Mitha (Geschäftsführer Karsten Jahnke Konzertdirektion), Sandra Beckmann (Bundesvereinigung Veranstaltungswirtschaft), Fetsum Sebhat (Peace x Peace) und Pamela Schobeß (Vorsitzende Clubcommission) aus der Livebranche platziert waren.

"Seit dem 22. März 2020 befindet sich nicht nur die Politik in einem Ausnahmezustand, denn spätestens mit Inkrafttreten des ersten Lockdowns ist eigentlich nichts mehr so, wie es einmal war", hieß es einleitend. "Wer nun aber in der Livebranche darauf hoffte, dass ein wie auch immer gearteter Neustart von Konzerten, Festivals oder Veranstaltungen möglich sei, wird anlässlich der Ereignisse in der Ukraine erneut Fragen haben, was diese für diesen Teil der Musikwirtschaft bedeuten. Fest steht lediglich, nicht wenige dieser Fragen werden erneut durch politische Entscheidungen beantwortet,"

Darüber sprachen dann die sechs Teilnehmer der Runde, die erstmals in Form eines sogenannten Town Hall Meeting über die Bühne ging. Teil der Veranstaltung war auch die Präsentation der Ergebnisse einer Onlineumfrage zu den Corona-Förderprogrammen, die Interessierte unter anderem auf der Homepage des Medienpartners MusikWoche im Vorfeld des Events zahlreich ausgefüllt hatten. Mehr als 40 Prozent der Umfrageteilnehmer:innen finden etwa die Arbeit von Claudia Roths als Staatsministerin für Kultur und Medien "unzureichend", die Leistung der Bundesregierung kommt hier auf Werte zwischen "befriedigend" und "ausreichend".

Moderator Jan Hendrik Becker ließ bei der Veranstaltung die Panelisten zunächst raten, welche Inzidenz zu Beginn des Lockdowns im März 2020 herrschte, bevor die Diskussion schnell darauf kam, wie Politik und Veranstaltungswirtschaft ihre Zusammenarbeit noch verbessern können. Denn noch immer gebe es Unkenntnisse seitens der Politik, wie das Livegeschäft eigentlich funktioniere, monierten die Praktiker.

Die Politik antwortete hingegen, dass auch die Musikwirtschaft mehr tun könne. So müsste sie etwa ihre Verbandsarbeit verbessern. Die Schützenvereine würden effektivere Lobbyarbeit in dem Bereich leisten, fand etwa Helge Lindh. Auch Anikó Merten trug vor, dass die Branche mit ihren Anliegen "lauter" werden müsse. Zugleich sollte die Veranstaltungswirtschaft bedenken, dass auch andere Branchen von der Pandemie betroffen seien, die finanzielle Hilfe bräuchten.

Die Branche hingegen kritisierte, dass die Förderprogramme noch immer nicht zielgerichtet und passgenau seien. Fetsum Sebhat etwa erzählte, dass man ihm monatlich nur knapp 1000 Euro angeboten hätte. Erhard Grundl warf dagegen ein, dass das Reeperbahn Festival pro Jahr Fördermittel von acht Millionen Euro erhalte. Kritisch wurde von den Branchenabgesandten auch das neue Infektionsschutzgesetz gesehen, das wegen des Flickenteppichs der Länder bundesweite Planung von Tourneen nach wie vor erschwere. Auch mache sich die Personalknappheit bemerkbar, während bestimmte Dienstleister hohe Preise verlangen würden.