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Ken Otremba hat mit Telamo "ein neues, modernes, effizientes Label aufgebaut"

Zum zehnjährigen Jubiläum des Unternehmens blickt Ken Otremba an seinem 50. Geburtstag am 15. März auf die Telamo-Geschichte zurück. Der Labelgründer erklärt, wie das Label digital und physisch wächst, und verkündet einen prominenten neuen Act.

15.03.2022 10:22 • von Dietmar Schwenger
Gründete Telamo 2012: Ken Otremba, der zuvor bei Sony Music zum stellvertretenden Ariola-Geschäftsführer aufgestiegen war. (Bild: Telamo)

Zum zehnjährigen Jubiläum des Unternehmens blickt Ken Otremba an seinem 50. Geburtstag am 15. März 2022 auf die Telamo-Geschichte zurück. Der Labelgründer erklärt, wie das Label digital und physisch wächst, und verkündet einen prominenten neuen Act.

Sie feiern einen runden Geburtstag: Wie blicken Sie auf Ihre Zeit in der Musikbranche zurück?

Die letzten 25 Jahre waren von tiefgreifenden Veränderungen geprägt. Als ich bei der BMG Ariola anfing, waren CD, Radio und TV die klassischen Wege für Musik. Die Digitalisierung brachte den radikalen Wandel und Bruch mit den bisherigen Strukturen. Spannende Herausforderungen! Die Freude an der Musik, der gemeinsamen Arbeit mit den Musiker*innen, Kreativen und Partner*innen waren stets im Vordergrund. Mein spannendstes berufliches Kapitel schlug ich vor zehn Jahren auf, als ich entschied, Telamo zu gründen. Ich bereue diesen Schritt keine einzelne Sekunde.

Welches Fazit ziehen Sie nach zehn Jahren, inwiefern würden Sie Telamo als Erfolgsgeschichte beschreiben?

Es gab und gibt den inzwischen sogar wachsenden Markt an Konsumenten, die deutschsprachige Musik lieben. Das zeigen die vielen Chartserfolge sowie kontinuierlich starke Verkaufszahlen, die wir mit klassischen Schlageracts wie den Amigos, Daniela Alfinito oder den Calimeros erreichen. Mit Signings und Entwicklungen wie Marianne Rosenberg, Thomas Anders, Giovanni Zarrella, Eloy de Jong oder auch Maggie Reilly oder Chris de Burgh zeigen wir, dass Telamo als fester Teil des Marktes etabliert ist. Ich liebe unser vergleichsweise kleines, aber sehr engagiertes und junges Team mit flachen Hierarchien und den direkten Kontakt zu unseren Künstler*innen. Wir konnten nur das erfolgreichste Indie- und Schlagerlabel dank unserer Partner Warner Music, Starwatch und Shop24Direct werden.

Wie ist Telamo durch die Corona-Zeit gekommen - wirtschaftlich und als Team?

Das waren große Herausforderungen, aber seit Gründung haben wir breit aufgestellte Vertriebswege. Wir haben nur wenige VÖs geschoben, und unsere Partner aus Handel und Medien haben es uns gedankt. Mit unserer Marke "Schlager für Alle" erreichen wir wie kein anderes Schlager-Label monatlich mehr als 25 Millionen Aufrufe. Inzwischen folgen den Social-Media-Angeboten von Telamo so viele Menschen wie keinem anderen Schlager-Label. Wir waren die ersten, die wegfallende PR-Flächen durch digitale Konzerte und Talkformate ersetzten. Unser Team ist trotz Home Office enger zusammengerückt, denn "remote" war für uns kein Fremdwort, sondern seit Gründung gelebte Praxis. Wir sind mit Umsatz- und deutlicher Marktanteilssteigerung durch die Pandemie gekommen.

Mit Energie hat Telamo 2021 ein Rock/Pop-Label gegründet. Wie läuft es bislang?

Mit Energie stellen wir uns musikalisch breiter auf. Wir sind sehr zufrieden mit den Entwicklungen. So haben wir beispielsweise mit dem irischen Singer/Songwriter Moncrieff ein neues Talent unter Vertrag genommen, dessen erste Single "Warm" gerade in die Top 100 der Offiziellen Deutschen Airplay-Charts eingestiegen ist. Er wird in den kommenden Monaten zahlreiche Konzerte unter anderem in London, Dublin und auch in Deutschland geben.

Gibt es weitere Expansionspläne - etwa im Ausland und mit weiteren Genres? Oder im Verlags- und Rechtegeschäft, wo derzeit ja eine gewisse Goldgräberstimmung herrscht?

Wir wollen weniger nach Gold graben, sondern signen und arbeiten lieber an Gold- und Platin-Acts. Ich freue mich, dass wir einen weiteren Platin-Act gewinnen konnten: Das Schlager-Duo Fantasy ist ab 1. Mai exklusiv bei Telamo. Und ich bin mir sicher, dass noch viele andere tolle Acts dieses Jahr dazukommen.

Nicht nur die Zahl der Sub- und übernommenen Labels ist im Laufe der zehn Jahre gewachsen, auch das Team wurde größer. Besteht da nicht die Gefahr, an Wendigkeit und Schlagfähigkeit zu verlieren?

Ja, wir sind personell gewachsen, aber wir sind immer noch eine vergleichsweise kleine und nach wie vor schlag- und wendefähige Mannschaft. Die Strukturen sind flach und dank moderner Arbeitsabläufe in den Bereichen Vertrieb, Lizenz, Software und Datenmanagement effizient. Dank des zehn Jahre jungen Unternehmens haben wir eben keine 40 Jahre alten MS-DOS-Systeme mit schwarzen Hintergründen, sondern arbeiten mit modernen webbasierter Systemen. Wir machen digital und digitalisieren nicht alte Strukturen und Technik.

Wie sehen Sie als ehemaliger Ariola-Manager die Entwicklung in der Major-Liga, und wie beurteilen Sie die Entwicklung bei den Indies? Und, Hand aufs Herz, wünschen Sie sich manchmal ein bisschen von den Möglichkeiten eines Musikmajors zurück?

Zum Start von Telamo habe ich keine alte Plattenfirma nachgebaut, sondern ein neues, modernes, effizientes Label aufgebaut. Mit der klaren Fokussierung auf Künstler und Zielgruppe - und keiner überbordender Verwaltung oder beispielsweise der Matritzenpass-Stelle etc. Ich weiß, dass wir jeden Service eines Majors anbieten können - sogar mehr, weil wir eben nicht ständig auf Jahrzehnte alte Strukturen Rücksicht nehmen müssen. Wir verbinden bei Telamo das Beste aus beiden Welten - die Wendigkeit und Flexibilität eines Indies und die Kraft und Vertriebspower eines Majors - das schätzen unsere Künstler und Partner sehr. Wir können kleine Themen gut arbeiten und können Themen aber auch ganz groß machen - wie man zum Beispiel an Giovanni Zarrella sehen kann.

Nach Sony Music ist seit 2015 Warner Music Ihr Vertriebspartner. Inwiefern sind Sie zufrieden mit der Zusammenarbeit?

Warner Music ist ein hervorragender Partner der Musikindustrie. Wir arbeiten eng und vertrauensvoll zusammen. Bernd Dopp und Marcus Friedheim haben uns 2015 mit viel Kraft ein überzeugendes Angebot geliefert. Die erfolgreichen Entwicklungen haben wir den beiden und ihrem starken Team zu verdanken. Das neue Führungsteam Doreen Schimk und Fabian Drebes setzt auf die richtigen Trends, denkt Themen anders und öffnet uns viele Türen international für die Entwicklung unserer Acts. Wir würden deshalb mit Warner Music immer wieder diesen Weg gehen.

Wie würden Sie die Rolle von Shop24Direct in der Geschichte von Telamo beschreiben?

Shop24Direct ist ein starker und wachsender Vertriebsweg für die Branche. Je weniger und kleiner Handelsflächen werden, desto stärker ist der Distanzabsatz. Nur so versiegt nicht die Bindung zwischen Künstler und Fan, von der wir alle in der Branche leben. Durch die inzwischen drei Fernsehsender Deutsches Musik Fernsehen, Lilo TV und Volksmusik TV erreichen wir viel mehr Zuschauer als zum Start von Telamo.

2019 haben Sie den Anteil des physischen Geschäfts am Umsatz mit 80 Prozent beziffert. Ist das immer noch so? Und glauben Sie weiterhin an das Albumkonzept?

Ja, ich glaube unbeirrt an das Album. Nur mit dem Album gelingt es Künstler, emotionale tiefe Bindungen zum Konsumenten aufzubauen. Wir freuen uns über wachsende ¬digitale wie physische Umsätze. Ja, wir legen in beiden Segmenten zu. Wobei der digitale Anteil heute ¬stärker im Plus ist, weshalb unser physischer Anteil im abgelaufenen Jahr auch "nur" bei 75 Prozent liegt. Wir setzen einen starken Fokus auf die digitale Welt, ohne aber das physische Geschäft zu vernachlässigen. Wir bedienen jeden Musikkonsumenten!!

Der Schlagermarkt hat sich seit 2012 stetig weiterentwickelt, ist jünger und digitaler geworden. Greift da noch das ursprüngliche Telamo-Konzept?

Telamo erreicht mehr Konsumenten als andere Labels und hat so auch die Chance, mehr zu verkaufen und zu wachsen. Egal ob physisch oder digital - oder per Internet, Telefon oder Handel. Telamo bespielt jedes Format in bester Qualität und in allen Outlets. Nur so können wir unsere breite Zielgruppe erreichen.

Telamo ist nun seit Jahren das erfolgreichste Indie-Label, was sich aber bei den diversen Indie-Preisen der Branche nicht widerspiegelt. Ärgert Sie das?

Nein. Wir sind weder in einem noch in dem anderen Branchenverband besonders engagiert. Wir wollen nicht Felle verteilen, sondern unseren Künstlern einen guten Dienst erweisen. Daher freuen wir uns über aktuell viermal Platin, 14-mal Gold sowie 14 Nummer-eins-Platzierungen-in den Offiziellen Deutschen Albumcharts und allein 2021 über 15 Wochen Platz eins der Airplaycharts Deutschland konservativ Pop.

Telamo hat unter anderem mit den Amigos, Marianne Rosenberg, Eloy de Jong oder Giovanni Zarrella Platz eins erreicht. Hätten Sie sich gewünscht, auch mit Newcomern noch mehr Erfolge zu feiern?

Natürlich freut man sich, wenn man mit einer Ausnahme-Künstlerin wie Marianne Rosenberg zum ersten Mal in ihrer 50-jährigen Karriere eine Nummer-eins-Platzierung feiern kann. Aber eine Bestätigung unserer Arbeit ist es ebenfalls, wenn zum Beispiel Anna-Carina Woitschack mit ihrem sechsten Album zum ersten Mal auf Platz sechs in die Top 10 steigt. Oder Daniela Alfinito, die wir auf Platz eins der Charts bugsiert haben. Das zeigt, dass wir in den vergangenen Jahren mit ihr den richtigen Weg gegangen sind. Oder Vincent Gross, der in Deutschland Platz sieben erreichte und in der Schweiz sogar die Nummer eins. Auch mit Eric Philippi haben wir einen talentierten jungen Künstler bei uns, von dem wir glauben, dass er sich in den kommenden Jahren im Markt beweisen wird.

Sie haben nach ihrem BWL-Studium 1998 als Junior Marketing Manager bei der damaligen BMG Ariola München angefangen und waren dann als Product Manager bei BMG Ariola für Acts wie Udo Jürgens, Roger Whittaker, die Flippers, Brunner & Brunner, Mireille Mathieu oder Milva verantwortlich. Seit wann spielte Musik in ihrem Leben eine zentrale Rolle?

Ich komme aus keiner Musikerfamilie, aber Musik war trotzdem bei uns - egal ob im Radio oder Fernsehen - allgegenwärtig. Als Teenager der 80er war The Cure allerdings die Band, die mich in meiner Jugendzeit musikalisch am meisten fasziniert hat. Einen Musiker, den ich sowohl als Künstler als auch als Mensch ganz besonders geschätzt habe, war Udo Jürgens. Ich durfte mit ihm viele Jahre bei Sony BMG zusammenarbeiten. Als ich mich selbstständig machte, war er einer der Ersten, der mir viel Erfolg und Glück wünschte.

Wie behält man nach über 20 Jahren im Musikbusiness noch seine Leidenschaft für Musik?

Wenn es uns gelingt, ein neues Talent zu entdecken oder den Erfolg eines etablierten Künstlers fortzuführen, das sind das für mich immer noch die schönsten Momente meiner Arbeit.