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Deutscher Musikmarkt steuert die Marke von zwei Milliarden Euro an

Erst acht, dann neun und jetzt zehn Prozent: Der deutsche Musikmarkt verbucht im dritten Jahr in Folge ein deutliches Umsatzplus. Das zeigt die Bilanz für 2021, die der Bundesverband Musikindustrie am 3. März in Berlin präsentierte.

03.03.2022 11:01 • von
Streaming macht weiterhin den Wachstumsmotor: der Umsatzanteil des Digitalgeschäfts am deutschen Musikmarkt überspracht 2021 die Marke von drei Vierteln, und steuert nun die vier Fünftel an. (Bild: Grafik: Bundesverband Musikindustrie; Zahlen: GfK Entertainment)

Erst acht, dann neun und jetzt zehn Prozent: Der deutsche Musikmarkt verbucht im dritten Jahr in Folge ein deutliches Umsatzplus. Das zeigt die Bilanz für 2021, die der Bundesverband Musikindustrie am 3. März 2022 in Berlin präsentierte. Während vor allem im Livebereich weite Teile der gesamten Musikwirtschaft noch immer von den Auswirkungen der Pandemie betroffen waren, ging es also zumindest im Geschäft mit Recorded Music weiter aufwärts.

So setzten die Plattenfirmen hierzulande von Anfang Januar bis Ende Dezember 2021 mit der Vermarktung von Musik 1,96 Milliarden Euro um, berechnet nach Endverbraucherpreisen und inklusive Mehrwertsteuer. Im Vergleich mit dem Vorjahr lagen die Umsatzzuwächse bei glatt zehn Prozent, kamen damit allerdings nicht ganz an die noch besseren Vorgaben zum Halbjahr heran, als die Zwischenbilanz das Musikbiz noch mit 12,4 Prozent über dem Vergleichszeitraum sah.

__________"Ein erstmals seit Jahrzehnten wieder zweistelliges Wachstum des Gesamtmarktes am Jahresende ist ein wahrhaft freudiges Ergebnis in einer emotional äußerst schwierigen Zeit." BVMI-Vorstandsmitglied Konrad von Löhneysen.

Das Gesamtjahr 2020 hatte die Musikindustrie mit einem auch schon stattlichen Plus von neun Prozent abgeschlossen, für 2019 hatte der BVMI Zuwächse von 8,2 Prozent ausgewiesen - nach knappen Umsatzeinbußen von 0,4 Prozent für 2018 und von 0,3 Prozent für 2017 hat sich der jüngste Aufwärtstrend also trotz Corona-Krise verstetigt. Ob sich das angesichts von Putins Angriffskrieg auf die Ukraine so fortschreiben lässt, steht indes in den Sternen.

"Ein erstmals seit Jahrzehnten wieder zweistelliges Wachstum des Gesamtmarktes am Jahresende ist ein wahrhaft freudiges Ergebnis in einer emotional äußerst schwierigen Zeit", fasst denn auch Konrad von Löhneysen, Geschäftsführer Embassy of Music und Sprecher der außerordentlichen Mitglieder im BVMI-Vorstand, die Stimmung rund um die Präsentation des aktuellen Zahlenwerks zusammen.

Die Zahlen selbst machen derweil deutlich, dass Musikstreaming die Umsätze im Musikgeschäft auch weiterhin massiv anschiebt:

So stammten im Jahr 2021 formatübergreifend 76,4 Prozent der Einnahmen aus dem Onlinebereich, 68,3 Prozent entfiellen allein aufs Audiostreaming. Zum Vergleich: 2020 lag der digitale Gesamtmarktanteil noch bei 71,5 Prozent, Audiostreaming sorgte für insgesamt 63,4 Prozent der Umsätze der Platenfirmen. Beide Werte liegen somit für 2021 um rund fünf Prozentpunkte über den Vorjahreszahlen. Laut BVMI steuere die Branche nun "auch in Deutschland auf einen Digitalanteil von bald vier Fünfteln zu", was in den skandinavischen Ländern "schon längst Realität" sei.

"Zehn Prozent Wachstum bescheinigen der Branche als dem Digitalpionier, der über so viele Jahre und in zum Teil halsbrecherischem Tempo Richtung Tal fuhr, dass er die digitale Disruption als Chance erkannt und die richtigen strategischen Schlüsse gezogen hat", analysiert vor diesem Hintergrund des BVMI-Vorstandsvorsitzende Florian Drücke: "Das zeigt insbesondere die erfolgreiche Integration des Musikstreamings in das Formatportfolio."

___________"Diese sehr positive Nachricht sollte nicht davon ablenken, dass die Not im Livesektor weiterhin immens ist." BVMI-Vorstandschef Florian Drücke.

Laut Drücke wachse der Markt nun "im dritten Jahr in Folge deutlich" und nähere sich mit einem Gesamtumsatz von 1,96 Milliarden Euro für 2021 "wieder dem Niveau von 2002". Aber der BVMI-Vorstandschef blickt auch über den Recorded-Tellerrand hinaus: "Gleichwohl sollte diese sehr positive Nachricht nicht davon ablenken, dass die Not im Livesektor weiterhin immens ist. Vor diesem Hintergrund hoffen wir für die Künstler:innen und unserer Branchenkolleg:innen dort dringend auf eine bessere Planbarkeit, die sich nun ja langsam andeutet."

Bei einem Blick auf die einzelnen Vermarktungsfelder zeigt sich, dass das laut BVMI "seit Jahren dynamisch wachsende Audiostreaming" auch im Gesamtjahr 2021 mit einem Plus von 18,6 Prozent erneut deutlich zulegen konnte. Allerdings kam dieser Bereich im Vergleich nicht ganz an die Dynamik des Vorjahres heran. Schließlich lag das Umsatzplus im Streaming für 2020 noch bei 24,6 Prozent.

Auf dem zweiten Platz im Umsatzranking der Formate folgt auch 2021 die CD mit einem Umsatzanteil von 16,3 Prozent und einem Umsatzminus von 16,7 Prozent zum Vorjahr. Dahinter baut das Vinyl mit einem Umsatzzuwachs um 20,1 Prozent seine Position weiter aus; analoge Schallplatten kamen 2021 nun auf einen Gesamtmarktanteil von sechs Prozent und lagen damit um einen halben Prozentpunkt über den 5,5 Prozent vom Vorjahr.

Auf Nachfrage von MusikWoche, ob beim Vinyl ohne Engpässe bei Materialien und Fertigungskapazitäten nicht vielleicht sogar noch mehr Potenzial vorhanden gewesen sei, sagt Florian Drücke: "Ich finde solche Spekulationen schwierig, aber klar, von Produktionsengpässen hört man, und insofern halte ich es für durchaus möglich, dass hier noch etwas mehr gegangen wäre. Soweit ich weiß, werden deshalb die Kapazitäten ja auch aufgestockt."

Der digitale Umsatzanteil am Gesamtmarkt wuchs 2021 um 17,7 Prozent. Den physischen Anteil von nunmehr 23,6 Prozent wertet man beim BVMI trotz formatübergreifenden Umsatzrückgängen um 9,1 Prozent als "nach wie vor recht stabil". Beide Bereiche entwickelten sich etwa wie im Vorjahr, als das Digitalgeschäft ein Plus von 20,3 Prozent vorlegte, während die Umsätze mit physischen Ton- und Bildtonträgern um 11,7 Prozent nachgaben.

Die GVL-Einnahmen der Plattenfirmen aus Leistungsschutzrechten wuchsen 2021 um rund 9,4 Prozent von 216 Millionen Euro aus dem Vorjahr auf nunmehr 236 Millionen Euro. Ein deutliches Plus gab es auch bei den Einnahmen aus der Lizenzierung von Musik für Film, Fernsehen und Werbung: Die Synch-Umsätze wuchsen im Vorjahresvergleich um 21,6 Prozent auf rund neun Millionen Euro.

Text: Knut Schlinger