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Österreichischer Musikmarkt verbucht zweistelliges Plus

Die österreichischen Musikunternehmen erzielten 2021 mit Recorded Music Einnahmen in Höhe von 190,4 Millionen Euro und ein Umsatzplus von elf Prozent. Das zeigt die Jahresbilanz der IFPI Austria. Deren Präsident Dietmar Lienbacher sieht die österreichische Musikwirtschaft weiter auf Wachstumskurs.

23.02.2022 16:59 • von
Weiter bergauf: die Umsatzentwicklung im Musikmarkt Österreichs (Bild: IFPI Austria)

Die österreichischen Musikunternehmen erzielten 2021 im Geschäft mit Recorded Music Einnahmen in Höhe von 190,4 Millionen Euro. Das zeigt die Jahresbilanz, die die IFPI Austria am 23. Februar 2022 bei einer Onlinerunde präsentierte. Im Vorjahresvergleich bedeutet das ein Umsatzplus von elf Prozent.

Damit legte der österreichische Musikmarkt im fünften Jahr in Folge zu und übertraf zudem - nach einem Zuwachs von 3,4 Prozent für 2020 - an Dynamik auch die Entwicklung des Vorkrisenjahres 2019, als das Umsatzplus von 8,3 Prozent von der IFPI Austria noch als der größten Umsatzsprung seit damals 26 Jahren gefeiert wurde. Mit rund 190 Millionen Euro erreichte 2021 etwa das Umsatzniveau von 2008.

"Die Streaming-Erfolgsstory setzt sich fort", sagte Dietmar Lienbacher, Managing Director Sony Music Austria und Präsident des Verbands der österreichischen Musikwirtschaft, bei der Vorlage der Zahlen. Angesichts dieser Krisenresistenz sei 2021 sei denn auch "vom größten Wachstum der letzten Jahre geprägt" gewesen.

Tatsächlich verbuchte das Streaming übergreifend bei Einnahmen in Höhe von 117,4 Millionen Euro ein Umsatzplus von 26,5 Prozent. 89 Prozent der Streamingumsätze entfielen dabei auf Musikabos.

Auch die 12,7 Milliarden Songs, die österreichische Musikfans von Anfang Januar bis Ende Dezember 2021 per Stream abriefen, markierte bei einem Plus von 21 Prozent gegenüber dem Vorjahr einen neuen Rekordwert.

Aufwärts ging es zudem beim Vinyl, das bei Zuwächsen um zwölf Prozent die Umsatzmarke von zehn Millionen Euro durchbrach und in Österreich nunmehr auf einen Marktanteil von 6,4 Prozent kommt, und sich damit zu einem verlässlichen Marktsegment entwickelt habe.

Erneute Einbußen gab es hingegen bei CDs, die bei einem Umsatzminus von 19,5 Prozent noch 24,5 Millionen Euro zu den Gesamteinnahmen beisteuerte, oder bei Downloads, die bei noch 4,9 Millionen Euro und einem Minus von 24,7 Prozent nicht einmal mehr die Hälfte der LP-Umsätze erreichten.

"Während der Absatz von CDs durch die harten Pandemiemaßnahmen zusätzlich getroffen wurde, hat sich das Musikstreaming weiter positiv entwickelt und ist mittlerweile für 75 Prozent der Recorded-Music-Umsätze verantwortlich", bilanzierte Cornelius Balli, General Manager Universal Music Austria und Vize-Präsident des Verbands der österreichischen Musikwirtschaft. Der Download, zu Beginn des neuen Jahrtausends noch als Rettung der Musikbranche gefeiert, erweise sich hingegen längst "als Scharnier- oder Brückentechnologie".

Bei der LP könnten die Zuwachsraten derweil sogar noch höher liegen, wenn denn die offenbar vorhandene Nachfrage durch das Angebot gedeckt würde, ergänzte Ballin mit Verweis auf Engpässe in der Fertigung. Österreich spiele zudem beim Trend zum Vinyl ganz vorn mit in der Entwicklung, betonte Ballin. Als Beispiel nannte er dazu das derzeit in Kooperation von Austrovinyl und Napalm Records entstehende neue Presswerk, aber auch die österreichische Firma Pro-Ject Audio Systems, laut Ballin Weltmarktführer in der Herstellung von Plattenspielern.

Mit einem Marktanteil von 15,4 Prozent sei die CD bei aller Vinyl-Euphorie aber nach wie vor das zweitbeliebteste Musikformat in Österreich, betonte Lienbacher mit Verweis auf jeden sechsten Euro, der mit diesem Tonträger umgesetzt werde. Gerade auch für viele nationale Acts sei das Format von großer Bedeutung.

Das hängt auch mit der Entwicklung hin zum Streaming zusammen, wie Franz Pleterski erläuterte, General Manager Warner Music Austria und Vorstandsmitglied des Verbands der österreichischen Musikwirtschaft. So hätten heimische Produktionen 2021 erneut stärker unter den Folgen der Corona-Pandemie gelitten als das internationale Repertoire. Bei rückläufigen Umsätzen mit Alben, aber steigenden bei Singles lag der Anteil österreichischer Album-Produktionen an den Top 100 im vergangenen Jahr bei noch 18 Prozent und somit deutlich unter den im Vorjahr verbuchten 23 Prozent. Pleterski berichtete zudem in Hinblick auf die Jahrescharts von "bemerkenswerten Verschiebungen" innerhalb der Genres. So wuchs der Anteil von Produktionen aus dem Bereich Pop und Rock in den Listen bei Alben und Singles im Vorjahresvergleich deutlich, während HipHop/Rap sich rückläufig entwickelte.

Die Lizenzeinnahmen der Verwertungsgesellschaft LSG erwiesen sich bei 27,4 Millionen Euro und einem Plus von 1,1 Prozent zumindest im Vorjahresvergleich als stabil.

Die besonderen Herausforderungen für Acts aus Österreich in einem zunehmend globalen Wettbewerb um die Aufmerksamkeit der Musikfans erläuterte schließlich Hannes Tschürtz, Geschäftsführer Ink Music und ebenfalls Vorstandsmitglied des Verbands der österreichischen Musikwirtschaft. Schließlich habe man es mit nationalen Produktionen in einem durchdigitalisierten Umfeld noch schwerer, weil man es "mit buchstäblich der ganzen Welt" aufnehmen müsse.

Auch die Betreiber der verschiedenen Streamingdienste bekamen hier einen Seitenhieb ab: Die großen Anbieter hätten schließlich keine eigenen Büros in Österreich - "wir werden von Deutschland aus mitbespielt". Zwar sei durchaus ein bescheidenes Interesse zu spüren, ein größeres Augenmerk auf Österreich zu legen, aber "da gibt es durchaus Luft nach oben".

Vor diesem Hintergrund müsse es für Acts aus Österreich darum gehen, "von vornherein international zu denken". Das schlage sich allerdings in den Kosten und wirtschaftlichen Risiken nieder, weshalb es hier "eine entschlossene und gezielte Förderungspolitik" brauche. "Wenn wir den klassischen Begriff der Kulturnation Österreich ernst nehmen wollen, dann brauchen wir mehr Förderung", sagte Tschürtz, und schloss die Bitte an, dass der Staat die Branche mit der längst initiierten Selbsthilfe "nicht ganz allein lässt".

IFPI-Geschäftsführer Franz Medwenitsch betonte denn auch in einer anschließenden Fragerunde, dass zum Beispiel der Österreichische Musikfonds mit regulären Fördergeldern von 1,2 Millionen Euro im Vergleich zu anderen Bereichen wie dem Film "eher bescheiden" ausgestattet sei: "Fünf Millionen Euro, das ist ein Ziel, das wir uns gesetzt haben, auch wenn man seine Wünsche nie nach oben limitieren sollte", postulierte Medwenitsch.

Und wie sieht es mit der Prognose für 2022 und die kommenden fünf Jahre aus? Hier sagte Dietmar Lienbacher auf Nachftrage von MusikWoche, dass man in Österreich erneut mit einem Umsatzplus von neun bis zehn Prozent rechnen könne. Wenn heimische Acts, die eigentlich bereits zuvor geplante Alben im Zuge der Pandemie geschoben hätten, diese nun veröffentlichen würden, könnte das zudem "einen Push auch für den physischen Bereich mit sich bringen.

Mittelfristig sei damit zu rechnen, dass sich die absoluten Wachstumsraten "etwas abschwächen" werden, ergänzte Lienbacher in seinem Ausblick auf die kommenden fünf Jahre. Dennoch sei auch weiterhin "großes Wachstum in Sicht". Das zeige schon der Blick auf die Verbreitung von Musikabos: "Wir stehen in Österreich beim Paid Streaming bei einer Durchdignung der Haushalte von 24 Prozent." Andere Länder seien da deutlich weiter und meist schon über 50 Prozent: "Da sieht man, was noch an Potenzial vorhanden ist."

Text: Knut Schlinger