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Musikverlage gehen bei Neustart Kultur in eine neue Runde

Über das Hilfsprogramm Neustart Kultur stellt die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) frische Mittel zur Unterstützung von unter anderem Musikverlagen bereit. Das Forum Musikwirtschaft begrüßt die Hilfen.

15.02.2022 13:18 • von
Sieht "etwas Licht am Ende des Tunnels für die Musikverlage in Deutschland": DMV-Präsident Götz von Einem (Bild: Alla Sommermeier)

Über das Hilfsprogramm Neustart Kultur stellt die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) frische Mittel zur Unterstützung von unter anderem Musikverlagen bereit. Das Forum Musikwirtschaft begrüßt die Hilfen, die dazu beitragen sollen, coronabedingte Schäden abzumildern. Schließlich würden die pandemiebedingten Ausfälle von Livekonzerten und anderen musikalischen Aufführungen weiterhin auch viele Musikverlage vor schwere Existenzkrisen stellen.

Im Rahmen von Neustart Kultur führt die BKM nun einerseits die sogenannte Billigkeitsrichtlinie für E-Musik- und Sprechtheaterverlage mit einem Volumen von rund fünf Millionen Euro fort. Hier können Betroffene bereits seit dem 1. Februar 2022 Anträge einreichen.

Zudem ergänzen nun "weitere Billigkeitsleistungen für Musikverlage das Hilfsangebot und kommen auch den U-Musikverlagen zugute", wie das Forum Musikwirtschaft zusammenfasst. Hier sollen Hilfsgelder in einer Höhe von rund neun Millionen Euro "einen Teil der weggefallenen Einnahmen aus Ausschüttungen der Verwertungsgesellschaften kompensieren". Musikverlage sollen hier ab dem 15. Februar Anträge stellen können. "Je nach Tätigkeitsfeld können Bühnenverlage bis zu 300.000 Euro, Musikverlage bis zu 400.000 Euro erhalten", heißt es aus Berlin.

"Mit dem Inkrafttreten der beiden Richtlinien gibt es etwas Licht am Ende des Tunnels für die Musikverlage in Deutschland", fasst Götz von Einem als Präsident des Deutschen Musikverleger-Verbands (DMV) die Lage im Bereich Music Publishing zusammen. "Wir sind der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien dankbar, dass die Bedeutung der Arbeit der vielfältigen Musikverlage - vom Ein-Frau-Verlag bis hin zum international agierenden Medienhaus - und ihre Bedeutung für die musikalische Vielfalt und der Förderung von Urheber:innen anerkannt wurde und die Mittel zur Verfügung gestellt wurden."

Als Vorstandsvorsitzende des Verbands unabhängiger Musikunternehmer*innen (VUT) sieht auch Birte Wiemann die Richtlinie des Neustart-Kultur-Programms für Musikverlage "als wichtiges und richtiges Signal": "Während Ausfälle zum Beispiel im Veranstaltungsbereich in ihrer Unmittelbarkeit verhältnismäßig leicht nachzuvollziehen sind, werden die Einnahmenausfälle der Musikverlage aufgrund der zeitversetzten Ausschüttung durch die Verwertungsgesellschaften erst mit einer Verzögerung von einem Jahr sichtbar", erläutert Wiemann. "Mit Corona-Hilfen wie dieser wird deutlich, dass die teils komplexen Wertschöpfungsketten unserer Musikwirtschaft wahr- und ernstgenommen werden."

Das Forum Musikwirtschaft hatte im Laufe der Corona-Krise immer wieder auf die enge Verzahnung in der Musikwirtschaft und daraus resultierende Auswirkungen auf die verschiedenen Sektoren des Geschäfts hingewiesen. So komme die Krisensituation der Absagen, Schließungen oder Kapazitätsgrenzen auch weiterhin bei den Musikverlagen an, die einen Großteil ihrer Einnahmen über Verwertungsgesellschaften erhalten.

Da die Ausschüttungen für die Nutzung von Musik zum Beispiel auch in Fitness-Studios, im Einzelhandel oder im Gastgewerbe zeitversetzt erfolge, "waren die Folgen des ersten Pandemiejahrs 2020 erst im Jahr 2021 mit voller Wucht zu spüren", teilt das Forum Musikwirtschaft mit. "Umsatzverluste von bis zu 80 Prozent waren und sind seither die Folge - und eine Besserung der Lage ist nicht in Sicht." Vor Mitte 2023 könne bei den Musikverlagen "keine Normalisierung der Einnahmen erwartet werden". Wobei diese Prognose voraus setze, "dass ab sofort eine Musiknutzung wieder uneingeschränkt stattfindet".

DMV-Geschäftsführerin Birgit Böcher hatte schon früh vor Millionenverlusten bei den Musikverlegern gewarnt.

Text: Knut Schlinger