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Michow glaubt nicht mehr an "veranstaltungshungriges" Publikum

Obwohl Jens Michow "ein Licht am Ende des Tunnels" sieht, befürchtet der BDKV-Präsident, dass der Glaube, dass die Menschen nach dem Ende der Pandemie die Konzerte ausverkaufen würden, "an sein Ende gekommen" sei.

02.02.2022 10:44 • von Dietmar Schwenger
Sieht nun ein Licht am Ende des Tunnels: BDKV-Präsident Jens Michow (Bild: Klaus Westermann)

Obwohl Jens Michow "ein Licht am Ende des Tunnels" sieht, befürchtet der BDKV-Präsident, dass der Glaube, dass die Menschen nach dem Ende der Pandemie die Konzerte ausverkaufen würden, "an sein Ende gekommen" sei, wie er im Gespräch mit "Pollstar" ausführt. Noch vor zwei Wochen habe er keine Perspektive für die Livebranche gesehen, doch nun sähe es so aus, als ob die Dinge im März 2022 besser werden könnten.

"Das bedeutet aber definitiv nicht, dass die Veranstaltungswirtschaft bald wieder so groß sein wird wie vor der Pandemie. Viele Veranstalter verlegen Tourneen und Konzerte nun bereits zum fünften Mal", so Michow weiter. "Und da ist ein anderes Problem: Die vielen abgesagten Konzerte in den vergangenen beiden Jahren haben das Vertrauen der Kunden zerstört." Die Aussicht, dass die Leute in Scharen wieder auf Konzerte gehen würden, sei nicht Wirklichkeit geworden.

Im Gespräch mit dem US-Magazin führt er aus: "Obwohl die meisten Leute anscheinend zuversichtlich sind, dass selbst Deutschland sich wieder öffnen und zur Normalität zurückkehren würde, beobachten wir, dass die Einstellung der Ticketkäufer etwas anderes sagt. Das ist ziemlich weit entfernt von dem, was wir bis 2019 kannten. Das Publikum scheint sehr pessimistisch zu sein, was die Zuverlässigkeit von angekündigten Terminen angeht. Und viele Leute weigern sich, sich mit anderen im Inneren einer Konzerthalle zu treffen, um Infektionen zu vermeiden. Aber dennoch, es sieht so aus, dass die Lage sich verbessern wird."

Obwohl das Vertrauen zurückkehre, sei jedoch ein anderes Problem, dass die meisten Spielstätten vollständig ausgebucht seien. Es wäre ein großer Vorteil, wenn die Konzerte und Festivals im Sommer und in der zweiten Jahreshälfte stattfinden könnten. "Es wird essentiell, dass es dabei keine Kapazitätsbeschränkungen oder teure Hygieneauflagen geben wird. Und natürlich hoffen wir, dass internationale Acts nach Deutschland einreisen dürfen."

Eine entscheidende Bedingung bei der Planung von Shows während einer Pandemie sei, dass die Politik Sicherheiten gebe, wenn Konzerte doch in letzter Minute abgesagt werden müssten. "Deswegen war der 2,5 Milliarden Euro schwere Kulturfonds essentiell für die Branche. Unglücklicherweise gibt es einige große Fragen und Probleme bei der Anwendung der Hilfsmittel. Kein Veranstalter kann das mitunter enorme finanziele Risiko eingehen ohne eine Absicherung durch so ein Sicherheitsnetzt", betont Michow gegenüber "Pollstar".