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Eurosonic Noorderslag zieht Fazit

Im Rückblick auf das 36. Eurosonic Noorderslag, das bereits zum zweiten Mal vor allem digital stattfand, sprechen die Veranstalter zwar von einer gewissen Bildschirmmüdigkeit der Delegierten, freuen sich aber, die Branche zumindest virtuell wieder zusammengebracht zu haben.

24.01.2022 14:55 • von Dietmar Schwenger
Trat bei Eurosonic Noorderslag auf: Bente (Bild: Jorrit van de Kolk)

Im Rückblick auf das 36. Eurosonic Noorderslag (ESNS), das bereits zum zweiten Mal vor allem digital stattfand, sprechen die Veranstalter zwar von einer gewissen Bildschirmmüdigkeit der Delegierten, freuen sich aber, die Branche zumindest virtuell wieder zusammengebracht zu haben. Man habe vom 19. bis 22. Januar 2022 eine "hoffnungsvolle, aber ermüdete Musikbranche" über eine digitale Plattform vereinigt, heißt es aus Groningen.

Auf Nachfrage von MusikWoche nennen die ESNS-Veranstalter eine Zahl von gut 2800 Online-Teilnehmern an der Konferenz, im Vorjahr waren es noch knapp 4000 - ein Rückgang von 30 Prozent. Zu den Sessions mit den höchsten Zugriffsraten gehörte der traditionelle "Festival Season"-Panel, für den sich über 150 Zuschauer interessierten. Es gab jedoch auch Panels mit lediglich fünf Online-Aufrufen. Allerdings stehen alle Panels noch bis zum 1. März auf der ESNS-Plattform für Delegierte zur Verfügung.

"Nun, die Situation war dieses Mal ganz anders als im Vorjahr", sagt Robert Meijerink, Head of Programme Eurosonic Noorderslag, auf Nachfrage von MusikWoche. "Denn die Niederlanden sind in einem Lockdown, während viele andere europäische Länder geöffnet oder halb-geöffnet sind. Dennoch war es ein großes Vergnügen, die Leute online miteinander zu verbinden, eine vielfältige Konferenz anzubieten mit vielen großartigen Speakern und Panelisten sowie neue Acts aus allen Ecken Europas kurz vor ihrem Durchbruch zu fördern. Auch bin ich sehr stolz auf die Music Moves Europe Award Show."

Auch Dago Houben, Director ESNS, verweist auf die schwierigen Umstände: "Wir haben die Konferenz und das Showcasefestival auch in diesem Jahr durchgezogen, denn wir wollen und können nicht darauf verzichten, aufstrebende europäische Acts fallen zu lassen und der Branche eine Möglichkeit zu geben, sich zu treffen. Aber dennoch, ohne Publikum und physische Netzwerkmöglichkeiten wäre das künftig unverantwortlich."

Für 2022 zieht Hoben ein letztlich positives Fazit: "Trotz der Tatsache, dass es definitiv eine Bildschirmmüdigkeit gibt, konnten wir unsere Funktion als Plattform für die nationale und internationale Musikindustrie aufrecht halten. Europa ist offen und die Niederlande sind bereit, dem zu folgen."

Auch wenn die meisten Panels online über die Bühne gingen, gab es auch hybride Elemente, da einige niederländische Sprecher doch nach Gronigen gekommen waren, wo die digital zugeschalteten Panelisten zusammengeführt wurden. "Die Tatsache, dass so viele Delegierte an der digitalen Konferenz teilgenommen haben, sagt etwas über das Engagement, die Loyalität und die Notwendigkei der Professionals zu netzwerken und sich über die Plattform zu verbinden, so die Veranstalter.

Das Haupttehma der Konferenz lautete in diesem Jahr "Building Back Better, Together", mit einem Fokus darauf, die Branche nach zwei Jahren Pandemie wieder auf die Beine zu bringen. Zu den Highlights gehörten die Keynotes von Marjan Minnesma (Director Urgenda) und die Eröfnungsrede von Frans Timmermans (Executive Vice-President European Commission, verantwortlich für den Green Deal). Weitere Keynotes hielten Merck Mercuriadis (Hipgnosis Songs Fund), Jeremy Sirota (Merlin) und der Marktforscher Mark Mulligan (Midia).

Die Pandemie blieb das bestimmende Thema bei der dreitägigen Konferenz. So kritisierten die niederländischen Branchenverbände, dass auch in Holland eine Vision für die Wiederöffnung des Kultursektors fehle. Insgesamt fanden 76 Panels mit 228 Speakern statt, die sich auch mit Themen wie Diversität, Cancel Culture, NFTs, dem Metaverse und Mental Health beschäftigten. Ein weiterer Höhepunkt sei der Start der Analysewerkzeuge ESNS Radar & ESNS Analytics, die den registrierten Fachbesuchern ganzjährig die Möglichkeit gibt, die Erfolge von Acts hinsichtlich Radioeinsätze, Streamingzahlen und Festivalbookings europaweit zu verfolgen.

Beim Livebereich wurden die Auftritte der 214 Bands aus 24 Ländern zum Teil binnen kürzester Zeit vorab aufgezeichnet, da die ESNS-Veranstalter zunächst mit einer rein physischen Ausgabe geplant hatten, bevor die Restriktionen der niederländischen Regierung dies unmöglich machten. Einige Shows gingen dennoch vor Ort in Groningen über die Bühne. "ESNS hat wieder einmal bewiesen, dass dies sicher realisiert werden kann und dass das Showcasefestival wie auch die gesamte Branche bereit sind für eine vollständige und sichere Öffnung", betonen die Veranstalter von der Stiftung Eurosonic Noorderslag, die bei der Organisation des Events mit der Kulturabteilung der niederländischen Verwertungsgesellschaft, Buma Cultuur, der EU, Euroradio und Spot Groningen zusammenarbeitet.

Trotz der digitalen Ausgabe bot Eurosonic Noorderslag auch in diesem Jahr mehreren Preisverleihungen ein Forum. Dazu gehören der Dutch Popprijs, der an die Rockband Di-rect ging, die Music Moves Europe Awards, der European Union Prize For Popular And Contemporary Music, die ESNS Kickstart Awards für niederländische Newcomer, und das vom Prins Bernhard Cultuurfonds ausgelobte Popstipendium.

Der Termin für 2023 steht bereits fest. Vom 18. bis 21. Januar 2023 wollen Showcasefestival und Konferenz wieder physisch in Groningen steigen.