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Semmelmann und Kokemüller fordern Perspektive

Kurzfristig brauche die Livebranche "spätestens ab Februar unbedingt eine Perspektive", sagt Dieter Semmelmann (Semmel Concerts). Und sein Kollege Ralf Kokemüller (Mehr-BB Entertainment) klagt, dass trotz der Ausfallhilfen unter dem Strich zehn Prozent als Verlust bei den Veranstaltern selbst hängen bleiben.

13.01.2022 11:14 • von Dietmar Schwenger
Fordert "eine klare und planbare Zukunft": Dieter Semmelmann (Bild: Semmel Concerts)

Kurzfristig brauche die Livebranche "spätestens ab Februar unbedingt eine Perspektive", sagt Dieter Semmelmann, Geschäftsführer Semmel Concerts, im Gespräch mit der Münchner "Abendzeitung" ("AZ"). "Die politischen Aussagen von heute sind morgen schon Makulatur. Eine schlimmere Negativwerbung wie aktuell können wir nicht bekommen. Das ist frustrierend und macht mürbe. Geld zu verdienen, ist seit zwei Jahren fast nicht mehr möglich."

Dem pflichtet sein Kollege Ralf Kokemüller, Geschäftsführer Mehr-BB Entertainment im selben Interview bei: "Auch die jüngste Bund-Länder-Konferenz hat wieder keine Klarheit gegeben, weil die Beschlüsse nur auf 14 Tage gefasst worden sind und man weiterhin auf Sicht fährt." Bei Veranstaltungsabsagen übernehme der Bund zwar einen Großteil der ausgefallenen Kosten, "doch unter dem Strich bleiben zehn Prozent als Verlust bei uns selbst hängen", so Kokemüller weiter.

Der Musical-Produzent klagt auch, dass es bis 2020 noch möglich gewesen sei, Musical-Produktionen gegen pandemiebedingte Absagen zu versichern - was Mehr-BB Entertainment etwa bei "Bodyguard" vor Schäden in Millionen-Höhe bewahrt habe. Inzwischen biete jedoch kein Versicherer mehr solche Policen an.

Mehr-BB Enertainment hat zwar im Herbst 2021 den Livebetrieb teils wieder aufgenommen, aber ob der "mutige 'Restart' auch belohnt wird, muss sich in der Summe noch zeigen", räumt Kokemüller ein. So habe man in Frankfurt das fünftägige Gastspiel des Musicals "Berlin Berlin" wegen positiver Corona-Tests im Ensemble absagen müssen. Zudem sei das Weihnachtsgeschäft um rund ein Drittel eingebrochen. "Unsere besondere Herausforderung ist nun einmal, dass die großen Tourneen und Produktionen Vorlaufzeiten von ein bis zwei Jahren haben", weiß Kokemüller.

Auch würden die notwendigen Hygiene- und Infektionsschutzmaßnahmen höhere Ausgaben mit sich. die samt der "ohnehin gestiegenen Material- und Personalkosten" die Gesamtkosten bis zu 30 Prozent in die Höhe getrieben haben", so Kokemüller. Das habe zur Folge, dass mittelfristig die Ticketpreise werden steigen müssten.

Semmelmann fordert in der "AZ": "Es kann nicht sein, dass wir nach zwei Jahren Pandemie nach wie vor Tourneen absagen müssen und keiner unserer angebotenen Lösungsvorschläge angenommen wird. Kultur ist systemrelevant und braucht eine klare und planbare Zukunft!"

Und Kokemüller fügt an: "Denn selbst wenn sich im Laufe dieses Jahres das Thema Corona erledigt haben sollte, wird es noch mindestens zwei bis drei Jahre dauern, bis wir wieder ein Vor-Corona-Niveau erreicht haben."