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Werbefinanzierte Streams fließen ab 2022 in die Singlescharts ein

Für die Ermittlung der Offiziellen Deutschen Charts berücksichtigt GfK Entertainment bei den Single-Auswertungen neben physischen Verkäufen, Downloads, Premium-Musik-Streams und Radio-Plays nun auch Streams aus den "werbefinanzierten, kostenfrei zugänglichen Musik-Angeboten von Audio- und Video-Streaming-Services".

04.01.2022 11:30 • von Jonas Kiß
Haben die Auswertung der Singlescharts aktualisiert: Florian Drücke (links) und Mathias Giloth (Bild: SINISSEY)

Für die Ermittlung der Offiziellen Deutschen Charts gibt es ab 2022 eine Neuerung bei den Top 100 Singles, wie der Bundesverband Musikindustrie (BVMI) als Auftraggeber und GfK Entertainment als Ermittler des wöchentlichen Branchenbarometers am 4. Januar bekanntgegeben haben.

So berücksichtigt GfK Entertainment nun zusätzlich Streams aus den "werbefinanzierten, kostenfrei zugänglichen Musik-Angeboten von Audio- und Video-Streaming-Services". Neu ist 2022 außerdem, dass nun auch YouTube Daten zur Ermittlung der Single-Charts beisteuert, und zwar"sowohl Free- als auch Premium-Streams".

Bisher flossen bereits physische Verkäufe, Downloads, Premium-Musik-Streams und Radio-Plays bei der Ermittlung der Singleshitliste mit ein. Im Dezember 2020 wurden die Airplay-Charts wieder mit in die Single-Auswertungen integriert.

In Kraft treten die neuen Regularien erstmals für den Verkaufszeitraum vom 30. Dezember 2021 bis 6. Januar 2022. Die neue Singleshitliste erscheint am 7. Januar. Dabei will der BVMI den nun bei der Ermittlung der Singlescharts angewendeten durchschnittlichen Wert eines Free-Streams "treuhänderisch anhand von Daten der BVMI-Mitgliedsfirmen" ermitteln und regelmäßig überprüfen.

"Musik wird über alle verfügbaren Medien und auf allen Kanälen gehört, dabei spielen auch werbefinanzierte und damit für die Fans kostenlose Angebote eine Rolle", erklärt BVMI-Vorstandsvorsitzender Florian Drücke. Das Ziel der Offiziellen Deutschen Charts sei laut Drücke "die möglichst umfassende Darstellung der Musiknutzung in ihrer ganzen Vielfalt". Die Integration "möglichst aller Nutzungswege inklusive Free-Streams" sei insofern "ein logischer Schritt", ebenso, "dass jetzt auch YouTube im Kreis der Chartmelder dabei ist."

Laut Mathias Giloth, Geschäftsführer GfK Entertainment, bilden die Offiziellen Deutschen Charts "ein breites Spektrum vom physischen Produkt zum Streaming, Download und Airplay ab", und seien "mit einer Abdeckung von über 90 Prozent die zentrale Orientierungshilfe für Konsumenten, die Industrie und die Medien. Wir freuen uns nun, mit der Integration von YouTube-Daten und insgesamt werbefinanzierten Streams einen für Millionen von Menschen unverzichtbaren Bestandteil des täglichen Musikerlebnisses einbeziehen zu dürfen. Dies macht die Charts noch vielseitiger und umfassender."

Gudrun Schweppe, Head of Music YouTube Deutschland, spricht von einem wichtigen Meilenstein, der "dank der jahrelangen, sehr guten Zusammenarbeit mit der IFPI und lokal mit dem BVMI" erreicht werden konnte.

"Charts sind nach wie vor wichtig für die Musikindustrie und spiegeln nun noch ein Stück weit genauer wider, was Deutschland musikalisch bewegt und welche Relevanz YouTube bei Hörer:Innen hat. Außerdem freut es mich, dass Künstler:Innen, die sich besonders auf YouTube engagieren, durch den Aufbau ihres Kanals und das Erstellen kreativer Musikvideos nun auch die entsprechende Visibilität in den Charts erlangen", so Schweppe.