Unternehmen

Das Jahr im Rückspiegel der Branche: »2021 war eine ­enorme Herausforderung«

Die Pandemie drückt dem Musikgeschäft noch immer den Stempel auf. Doch die ­Entwicklungen sind so vielfältig wie der gesamte Markt. Zuwächse bei Recorded ­Music hier, Ausfälle im Livebereich da, und dazwischen die existenziellen Nöte der Kreativschaffenden. MusikWoche will einen Überblick geben und fragte ausgewählte Akteure, wie ihr Unternehmen durchs zweite Corona-Jahr gekommen ist.

22.12.2021 12:30 • von
Stürmische Angelegenheit: auch 2021 hielt die eine oder andere Welle die Musikwirtschaft auf Trab (Bild: BlueGreen Pictures, Imago)

Die Pandemie drückt dem Musikgeschäft noch immer den Stempel auf. Doch die ­Entwicklungen sind so vielfältig wie der gesamte Markt. Zuwächse bei Recorded ­Music hier, Ausfälle im Livebereich da, und dazwischen die existenziellen Nöte der Kreativschaffenden. MusikWoche will einen Überblick geben und fragte ausgewählte Akteure, wie ihr Unternehmen durchs zweite Corona-Jahr gekommen ist.

Birgit Böcher, Geschäftsführerin Deutscher Musikverleger-Verband (DMV): Für den DMV und seine Mitglieder war es ein weiteres nervenzehrendes Jahr. Die Hoffnungen auf ein Ende der Pandemie haben sich mit Einsetzen der vierten Welle im Winter erneut zerstreut. Ich glaube, ein »wie vor Corona« wird es nicht mehr geben, zu hart sind die Einschnitte, die die Musikbranche erfahren musste.

Dank des Förderprogramms für E-Musikverlage der BKM konnten diese ihre Verluste im Bereich des Aufführungsmaterials etwas abmildern. Dennoch mussten wir immer wieder feststellen, dass Musikverlage durch die Raster vieler Corona-Hilfsprogramme fallen, aber sich bisher mit eigener Kraft und harten Sparkursen durch die Krise manövriert haben.

Vor allem der wegbrechende Livemarkt wirkt sich negativ auf die Einnahmen der Musikverlage und die mit ihnen verbundenen Urheber:innen aus. Und das wird, aufgrund der zeitversetzten Ausschüttungen der Verwertungsgesellschaften, auch noch im nächsten und übernächsten Jahr sehr deutlich spürbar sein.

Und obwohl die Umsetzung der EU-Urheberrechtsrichtlinie in deutsches Recht insgesamt als positiv zu bewerten ist, hätten wir uns mehr erhofft, zum Beispiel die Festschreibung der Verlegerbeteiligung. Ich war allerdings sehr erstaunt, wie die Politik in diesem Zusammenhang mit dem Appell von 1323 Bands und Künstler*innen umgegangen ist - oder eben nicht umgegangen ist, sondern ihn geradezu ignoriert hat. Hier hat sich entgegen vieler Sonntagsreden gezeigt, wie leicht die Rechte der Kreativschaffenden aus lauter Angst vor einem Shitstorm der Netzgemeinde unter den Tisch fallen können.

Doch trotz allem zeigte sich unter den DMV-Mitgliedern eine starke Solidarität. Wir haben dies in vielen Online-Veranstaltungen des Verbands festgestellt; zum Beispiel zu GEMA-Themen, Social-Media-Trends in der Pandemie oder in Informationsrunden zu den Programmen im Rahmen von Neustart Kultur. Aber gerade die Musikbranche lebt vom persönlichen Austausch, dem Netzwerken vor Ort. Und so trafen sich zur DMV-Jahrestagung Anfang November in Berlin über 200 Mitglieder - die Hälfte per Bildschirm und die andere Hälfte live vor Ort (unter 2Gplus-Bedingungen). Dieses wichtige Zusammenkommen und den Austausch haben viele Mitglieder vermisst.

Positiv war auch der Zusammenhalt der Branche. Das Forum Musikwirtschaft hat sich als wichtige Plattform und Ansprechpartner für Politik und Öffentlichkeit etabliert. Hinzugekommen ist mit k3d eine schlagkräftige Allianz der Kultur- und Kreativwirtschaft in Deutschland, von der Musikwirtschaft über Mode, Architektur, Games, Film und Design. Die ersten »Duftmarken« sind gesetzt. Jetzt gilt es, sich mit den neuen Ansprechpartner:innen im Parlament und der Regierungsbank auseinander- und zusammenzusetzen. Denn der Koalitionsvertrag birgt neben positiven Aspekten durchaus auch einige Fragezeichen.

Frank Brandmaier, Head Of Corporate Communications CTS Eventim: CTS Eventim hat wie angekündigt Chancen genutzt, um unsere internationale Expansionsstrategie und unser anorganisches Wachstum voranzutreiben. In Nordamerika sind wir in den Ticketing-Markt eingestiegen, zudem bauen wir derzeit unser Live-Entertainment-Team in Asien auf; kombiniert mit unseren Live Entertainment-Aktivitäten in Nordamerika werden wir dann in der Lage sein, weltumspannend Tourneen anzubieten. Daneben nimmt in Mailand unser Arena-Projekt Fahrt auf, im Bereich Digitalisierung haben wir uns mit der mehrheitlichen Übernahme von simply-X gestärkt, einem Soft- und Hardwareentwickler für innovativen Lösungen zur Einlasskontrolle. Mit der Übernahme von Kölnticket und Bonnticket haben wir überdies unser regionales Ticketing-Angebot ergänzt. Auch in unserem wichtigen Software-Bereich ging es voran: Dort haben wir eine leistungsstarke Lösung zum Check von digitalen Gesundheitszertifikaten entwickelt. Für die Europa-Tournee von Ed Sheeran haben wir erstmals das ei­genentwickelte, digitale Ticket Eventim.Pass eingesetzt, um gegen den unautorisierten Zweitmarkt vorzugehen. Neben einem strikten Kostenmanagement und unserer ohnehin soliden Finanzlage waren sicherlich die staatlichen Corona-Hilfen im In- und Ausland sowie die Kurzarbeit eine sehr gute Unterstützung, um die Folgen der Krise zu dämpfen.

Frank Briegmann, Chairman & CEO Universal Music Central Europe und Deutsche Grammophon: Wir haben das so gut hinbekommen wie irgend möglich. Die Ergebnisse sind sehr gut, aber die Situation ist trotzdem für viele Künstler:innen als auch für Kolleg:innen schwierig. Der intensive persönliche Austausch, wie wir ihn bei uns kannten, fehlt allen, auch mir. Für den tollen Einsatz trotz der Widrigkeiten möchte ich meinem Team auch an dieser Stelle ein großes Lob aussprechen.

Michael Brill, Geschäftsführer D.Live: 2021 war ein herausforderndes Jahr, das uns gezeigt hat, dass der Weg aus der Pandemie von Höhen und Tiefen geprägt ist und uns allen Durchhaltevermögen und Flexibilität abverlangt. Die massiven Einschränkungen durch die Verordnungen haben einen »geordneten« Betrieb völlig unmöglich gemacht. Im Vordergrund standen für uns:

Alternative Geschäftsmodelle: Durch den Betrieb von Impfzentren und Teststellen (mobil und stationär) werden wir in diesem Jahr den EBITDA der Gesellschaft mit einem positiven Ergebnis abschließen und konnten vollständig auf Kurzarbeit verzichten.

Substanzielle Umbau- und Erweiterungsmaßnahmen an den Venues: Wir haben das vergangene Jahr auch für Modernisierungs- und Umbaumaßnahmen in unseren Venues genutzt. Der PSD Bank Dome hat in vielen Teilen ein »Facelift« erhalten, ein Beispiel dafür ist die vollständige Neugestaltung der Besucher-Foyers mit neuen Lichtkonzepten und die Umgestaltung der Gastronomie-Kioske. Die Mitsubishi Electric Halle erhält neue Produktionsräume und Garderoben, alleine hierfür wurden über 1,5 Millionen Euro investiert. Auch die Belüftungs- und Beleuchtungsanlage wurden vollständig ersetzt. Die Merkur Spiel-Arena wird durch einen Anbau (»The Box«) mit einem Volumen von acht Millionen Euro ergänzt, und es erfolgen umfangreiche Modernisierungen. Mit dem »Re-Start« werden wir somit optimierte Produktionsbedingungen anbieten können.

Fokus auf Outdoor-Events: Ein besonderes und auch wichtiges Highlight war die Open-Air-Kino-Saison im alltours Kino direkt am Rhein. Nach einem recht holprigen und verzögerten Start durch die drohende Überflutung für Teile des Venues war die Saison 2021 in der Rückschau ein Erfolg. In sechs Wochen Spielzeit haben im Open Air Kino und dem dazugehörigen Kino Beach 53 Filme, DJ-Sets, Konzerte und Events stattgefunden. Ein ganz besonderer Höhepunkt war das exklusive Überraschungskonzert der Toten Hosen. Ein absoluter Gänsehaut-Abend, der gezeigt hat, wie sehr den Menschen diese besonderen Live-Momente fehlen.

Ein großer Erfolg und ein wichtiges Zeichen für den PSD Bank Dome und uns als Venue-Betreiber ist das neue Naming Right für die 15.000er Indoor-Arena. Dass gerade in diesen Zeiten ein so umfassendes und intensives Engagement von Seiten der PSD Bank erfolgt, ist ein starkes Zeichen für die Attraktivität des ­Dome. Zu Ehren des 50. Geburtstags der Mitsubishi Electric Halle haben wir als D.Live eine Kampagne unter dem Titel »We Are Culture« gelauncht. Verschiedene Kampagnenmotive in Düsseldorf sowie eine eigene Rheinbahn mit Poster-Highlights haben die 50 Jahre Kultur der Halle sichtbar gemacht.

Thomas Chabin, Country Manager Germany Deezer: Wir haben uns 2021 als Audio-Streamingdienst auf das fokussiert, was wir am besten können: unseren Nutzer*innen relevante Inhalte und Angebote zu bieten und Künstler*innen einen digitalen Zugang zu ihren Fans zu ermöglichen. Zusammen haben wir wieder eine Menge auf die Beine gestellt, aller Pandemie-Widrigkeiten zum Trotz. So haben wir in Deutschland zum Beispiel das »Deezer Stammtisch« Format gestartet - ein virtuelles Meet & Greet, in dem Fans ihre Künstler*innen in kleiner Runde treffen können. Zu Gast waren bereits Silbermond, No Angels und Revolverheld. Auch unsere Musik-O-Mat Initiative zur Bundestagswahl, um junge Wähler*innen zum Wählen zu motivieren, ist sehr gut angekommen. Bei unseren Originals-Produktionen gab es ebenfalls einige Highlights wie unser neuer »Gang Stories«-Podcast mit Kontra K oder der gerade erschienene Fußball-Doku-Podcast »Underground of Berlin«, basierend auf der gleichnamigen Video-Doku von DAZN. Zudem haben wir, nach dem erfolgreichen Launch unserer eigenständigen Deezer Hörbuch-App im vergangenen Jahr, unser Engagement in diesem Bereich weiter ausgebaut und in den letzten zwölf Monaten die täglich aktiven Nutzer*innen der Hörbuch-App mehr als verdoppeln können.

Udo Dahmen, Geschäftsführer & Künstlerischer Direktor, und Hubert Wandjo, Geschäftsführer & Business Direktor Popakademie Baden-Württemberg:Der Studienbetrieb fand Anfang des Jahres komplett digital statt, im Laufe des Sommers konnten wir dann in den Präsenzbetrieb wechseln. Unsere Studierenden konnten das Studium in diesem Jahr im vollen Umfang absolvieren. Es war sehr erfreulich, dass wir unseren Studierenden bereits im Sommer und dann verstärkt im Herbst wieder in Präsenz begegnen und Veranstaltungen wieder vor Ort angeboten werden konnten. Viele Events fanden auch weiterhin erfolgreich hybrid oder digital statt, wie das Future Music Camp im Frühjahr, unsere Songwriting Camps und die Konferenz Zukunft Pop im Dezember.

Bernd Dicks, Geschäftsführer Parookaville: Nachdem wir 2020 wie viele Kollegen auch noch davon ausgegangen sind, dass es »nur« einen Sommer zu überbrücken gilt, und dafür eine aufwendige Hy­brid-Sonderedition von Parookaville umgesetzt haben, stand 2021 nach Hoffnungen im Frühjahr relativ schnell im Zeichen der Substanzsicherung und langfristigen Planung. Unsere Fans haben auch nach der zweiten Pause dieses Jahr fast alle ihre Tickets auf 2022 überschrieben, sodass wir aktuell mit einer Auslastung von 70 Prozent wieder in den Vorverkauf starten. Auch unser Team ist dank Kurzarbeit und großer Flexibilität weiterhin komplett am Start, was uns sehr freut, weil viele das rasante Wachstum von Parookaville mit gestaltet haben. Außerdem ist es besonders wichtig, weil wir mit dem San Hejmo Festival am 20. August 2022 unser zweites Festival in Weeze starten und Livemusik aus Pop, HipHop, Elektro und Party zusammen mit Kunst und Lifestyle an den Airport bringen werden.

Christian Doll, Geschäftsführer C² Concerts: Jahr zwei war gefühlt deutlich »härter« für uns und die Mitarbeiter, als langsam klar wurde, dass es, als es im Herbst/Winter »endlich« wieder losgehen sollte, dann doch wieder alles erneut verschoben oder abgesagt werden musste. Wir haben aktuell zum Glück gut zu tun, da wir Formate im Programm haben, die auch in der aktuellen Situation und Verordnungslage sehr gut funktionieren, aber natürlich haben auch wir im Jahr 2021 fast nichts gespielt, also erneut mehrere hundert Termine verschoben oder abgesagt. Es war ein sehr anstrengendes und ermüdendes Jahr, die ständigen Aufs- und Abs und neuen Verordnungen haben für ein enormes Arbeitsaufkommen gesorgt, allein durch die endlosen Verschiebungen sowie die Termin- und Venue-Suche. Auch sind Fördertöpfe und Sonderfonds ja auch gänzlich neue Themen für uns Veranstalter gewesen. Unter dem Strich sind wir gut durchgekommen, haben unser Team zusammengehalten und hoffen auf den Re-Start im Jahr 2022.

Florian Drücke, Vorstandsvorsitzender Bundesverband Musikindustrie (BVMI): Schaut man auf die gesamte Musikwirtschaft, war auch das zweite Pandemie-Jahr vorsichtig formuliert eine enorme Herausforderung. Vor allem Festivals und Clubs sind in einer teilweise desaströsen Situation, hier sind wir über das Forum Musikwirtschaft als Branche weiterhin eng miteinander im Austausch, um gemeinsame Impulse gegenüber den politischen Stakeholdern zu geben. Fokussieren wir uns auf den Recorded-Bereich, war 2021 nach Umsätzen ein weiteres gutes Jahr - dank der auch weiterhin kontinuierlich zunehmenden Stärke des Musikstreamings, die sich im ersten Halbjahr 2021 wieder gezeigt hat und dies voraussichtlich auch mit Blick auf das Gesamtjahr tun wird. Und nicht zu vergessen natürlich das immer wieder besondere Thema Vinyl - wer hätte vor zehn Jahren gedacht, dass die LP im Jahr 2021 wieder eines der zentralen - das drittgrößte! - Segmente des Markts sein würde!

Götz von Einem, Managing Director Peermusic GSA: Auf das Jahr 2021 blicken wir mit gemischten Gefühlen zurück. Positiv hervorzuheben ist, dass unser Betrieb weiter reibungslos funktioniert hat - unabhängig davon, ob die Kolleginnen und Kollegen im Home Office oder in unserem schönen neuen Büro gearbeitet haben. Von Creative über Synch, Copyright und Royalties bis Finance waren alle sehr flexibel und haben sich den jeweiligen Umständen angepasst; dafür bin ich froh und dankbar. Selbiges gilt für unsere Autorinnen und Autoren, die weiter unglaublich kreativ waren. Wirtschaftlich wussten wir, dass sich aufgrund der zeitverzögerten Abrechnung der GEMA die Auswirkungen des ersten Pandemie-Jahres erst dieses Jahr zeigen würden; das konnten wir durch unsere Repertoire-Breite gut auffangen. Unser Hauptaugenmerk richtet sich daher weiterhin auf unsere Autorinnen und Autoren, insbesondere diejenigen, die vorrangig auf das Livegeschäft angewiesen sind. Sie mussten dieses Jahr einmal mehr erkennen, dass Online-Erlöse allein in der Regel kein ausreichendes Aufkommen sichern. Insofern ist die Umsetzung der Urheberrechtsrichtlinie insgesamt als eine weitere positive Entwicklung des Jahres zu verzeichnen.

Christoph Enzinger, Chief Operating Officer Rebeat Digital: Als Unternehmen, das vornehmlich im digitalen Geschäft tätig ist, können wir uns glücklich schätzen, dass Rebeat auch erfolgreich durch das zweite Corona-Jahr gekommen ist. Wie auch schon im ersten Corona-Jahr konnten wir eine erhöhte Musiknutzung auf den verschiedenen Plattformen verzeichnen. Des Weiteren sahen wir in manchen Monaten einen Anstieg an Content, der von den Künstlern produziert wurde. Ich denke speziell in diesem zweiten Jahr war den Musikern die Lage bewusst, und sie konnten ihre Zeit sinnvoll in neue Projekte investieren - neue Songs, Fanbase weiter aufbauen, neue Plattformen erforschen - und wussten auch schon, welche Alternativen es zu dem Live-Geschäft gibt.

Was sich bei Rebeat etwas reduzierte, war der Networking-Prozess und das Aufbauen neuer Partnerschaften. Natürlich gab es eine Menge digitaler Alternativen zu den weltweiten Veranstaltungen, doch aus unserer Sicht ist es mit einem Face-To-Face-Meeting einfach nicht vergleichbar.

Timo Feuerbach, Geschäftsführer EVVC: Es war ein Jahr mit Höhen und positiven Erlebnissen, aber auch leider mit harten Rückschlägen. Viele Veranstaltungshäuser starteten 2021 als Impfzentren mit der großen Hoffnung, dass mit dem Impfangebot für alle Bürger im September das Schlimmste überstanden ist. Danach sah es auch zunächst aus, als mit Einführung der 2G-Regelungen wieder Veranstaltungen ohne Kapazitätsbeschränkungen möglich wurden. Unsere MFT EVVC Fachtagung im September in Chemnitz hat gezeigt, wie wichtig der persönliche Austausch auch im EVVC ist, und wie sehr unsere Mitglieder und Partner das schätzen. Leider hat sich mit den Entwicklungen ab November die Lage völlig umgekehrt, die Veranstaltungswirtschaft befindet sich de facto wieder in einem Lockdown. Als Verband sind wir in der glücklichen Lage, dass wir insgesamt ein leichtes Mitgliederwachstum verzeichnen und in der Vergangenheit gut gewirtschaftet haben. Aber für die Veranstaltungshäuser wird das zweite Corona-Jahr auch mittelfristig zu großen Herausforderungen führen. Personal ist aus der Branche abgewandert und wird in Zukunft fehlen. Es gibt leider immer weniger Auszubildende. Extrem angespannt ist die Lage auch bei unseren Partnerunternehmen und den vielen Dienstleistern und Selbstständigen, die trotz der Überbrückungshilfen mit dem Rückschlag durch die vierte Welle wieder in Existenznot geraten. Das heißt für uns weiter mit den politischen Entscheidungsträgern zu sprechen, auf die Lage der Branche aufmerksam zu machen und Lösungen zu erarbeiten. Das tun wir gemeinsam mit unseren starken Partnern im Forum Veranstaltungswirtschaft. Wir haben aber trotz Corona auch inhaltlich Einiges bewegt. Der EVVC ist beteiligt am Forschungsprojekt Future Meeting Space, die vierte Phase zur »Post-Corona Veranstaltungswelt« endet im Dezember 2021, und wir planen den Transfer der Ergebnisse. Mit »azubi:web« haben wir ein digitales Lern-Tool für Veranstaltungskaufleute erarbeitet - das startet im Dezember 2021. Und natürlich sind wir weiter im Bereich der Nachhaltigkeit aktiv. Nur ein Beispiel: Wir haben unseren Nachhaltigkeitskodex »fairpflichtet« inhaltlich überarbeitet und bringen die dazugehörige neue Webseite im Januar 2022 an den Start.

Thorsten Freese, Managing Director Believe Germany: Bei allem Stress und Ärger rund um Corona - Umstände, die unsere Teams, Labels sowie Künstlerinnen und Künstler übrigens sehr engagiert und professionell gemeistert haben - blicken wir sehr positiv auf das abgelaufene Jahr. Gerade digital haben die Menschen viel Musik konsumiert, und so war 2021 für uns wirtschaftlich erfolgreich. Ein Highlight für Believe war zudem der erfolgreiche IPO im Sommer. Durch den Börsengang sind wir noch nachhaltiger aufgestellt. Davon werden auch unsere Künstler und Labels in Deutschland profitieren, denn wir werden unsere Mission konsequent weiter verfolgen, durch verbesserte Tools und noch mehr Expertise in unseren Teams, allen unseren Künstlern und Labels unabhängig ihrer Größe den bestmöglichen Service zu bieten.

Tilo Gerlach und Guido Evers, Geschäftsführer Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten (GVL): Wir sind sehr froh, dass die GVL auch das zweite Pandemie-Jahr wirtschaftlich gut überstanden hat - das ist für unsere berechtigten Künstler*innen und Labels sicher die wichtigste Nachricht. Unser oberstes Ziel ist es, ein vertrauenswürdiger und ­verlässlicher Partner für unsere Berechtigten zu sein. Das gilt insbesondere in dieser für viele Kreative wirtschaftlich unsicheren Zeit. Wir freuen uns daher sehr, dass wir in den vergangenen zwölf Monaten mehr Verteilungen mit mehr Auszahlungen denn je auf den Weg gebracht haben - und das schon im zweiten Jahr in Folge. Entsprechend positiv ist das Feedback, das wir von unseren Künstler*innen und Labels erhalten. Das zeigt uns, dass wir insgesamt auf einem sehr guten Weg sind.

Neben unseren Verteilungen haben wir 2021 mit dem Stipendienprogramm der GVL im Rahmen von Neustart Kultur über 5000 Künstler*innen noch zusätzlich zu einer Förderung ihrer kreativen Vorhaben verholfen.

Wir freuen uns über das Vertrauen, das die vormalige Kulturstaatsministerin Monika Grütters der GVL und den anderen beteiligten Verwertungsgesellschaften entgegenbrachte, und wir sind dankbar, dass wir diese Aufgabe übernehmen durften. Für die GVL-Belegschaft hat auch das zweite Corona-Jahr in erster Linie aus dem Home Office stattgefunden. Das virtuelle Arbeiten hat der Produktivität keinen Abbruch getan - obwohl wir feststellen müssen, dass uns die persönlichen Begegnungen und der kreative Austausch zunehmend fehlen.

Jillian Gerngross, Direktorin von Amazon Music Europa, Australien und Neuseeland: 2021 war ein weiteres Jahr voller Herausforderungen für die gesamte Musikindustrie, aber wir freuen uns, dass wir in Deutschland über das Jahr hinweg weiter wachsen konnten. Bei Amazon Music haben wir unser kontinuierliches Engagement bekräftigt, Musikfans das beste Audioerlebnis zu bieten. Dazu gehörte auch die Bereitstellung von 3D-Audio für alle Abonnent:innen von Amazon Music Unlimited ohne zusätzliche Kosten. Unser Live­streaming-Team lieferte fantastische Shows für Zuschauer:innen auf der ganzen Welt, mit globalen Künstlern wie Coldplay und Ed Sheeran sowie lokalen Künstlern wie Wincent Weiss, Mike Singer oder Alvaro Soler, die Musikfans die Möglichkeit boten, Auftritte der Künstler, die sie lieben, bequem von zu Hause aus zu erleben.

Jonas Haentjes, CEO Edel: Wir hatten das Glück, dass das Jahr 2021 aufgrund der Erfahrungen aus dem ersten Pandemie-Jahr deutlich planbarer war. Die Hauptauswirkungen auf unser Geschäft durch Corona waren nun bekannt. Seit dem zweiten Halbjahr stellte für uns die Rohstoffknappheit eine besondere Herausforderung dar.

Giwar Hajabi, Geschäftsführer Goldmann Entertainment: Ohne das Livegeschäft war es sehr schwierig für das Label Goldmann, insbesondere für unsere Künstler war es sehr hart. Andererseits waren wir durch diese besondere Lage gezwungen, andere Wege zu finden, damit die Künstler im Gespräch bleiben. Neue Social-Media-Plattformen wie TikTok boomen wie nie zuvor, und wir konnten sie für diverse Marketingstrategien nutzen. Aber auch die Künstler haben neue Wege gefunden, um über Social Media und Podcasts weiterhin mit ihren Fans in Berührung zu bleiben. Wir haben noch nie so viele Ressourcen in Artists, Tech, Music und Support der Entwicklung unserer Artists zu Unternehmern investiert. Auch diese Wege sind entstanden.

Harald Heker, Vorstandsvorsitzender der GEMA: Für die GEMA war es ein Jahr zwischen Bangen und Hoffen. Kaum eine andere Branche wurde von den Auswirkungen der Pandemie so hart getroffen wie die der Kulturschaffenden. Ich bin froh, dass die GEMA in diesen schweren Zeiten ihre Kraft und den besonderen Wert der Solidargemeinschaft beweisen konnte, und wir mit unseren verschiedenen Hilfsprogrammen wieder vielen unserer Mitglieder, die in wirtschaftliche Nöte geraten sind, finanziell unter die Arme greifen konnten.

Deshalb freuen wir uns auch besonders über die Auszeichnung mit dem Kulturförderpreis, einem Sonderpreis für außerordentliches Engagement für Kunst und Kultur im Kontext der COVID-19-Pandemie. Der Kulturkreis der deutschen Wirtschaft im BDI würdigte damit unser »Corona-Nothilfeprogramm für GEMA-Mitglieder« und den starken Gemeinschaftssinn, den wir mit diesem Programm bewiesen haben. In der Jurybegründung heißt es, dass wir schnell, beherzt und unbürokratisch reagiert haben, um unsere existenzgefährdeten Mitglieder zu unterstützen. Das sehen wir als wichtige Anerkennung unserer Maßnahmen auch über die Branche hinaus.

Natürlich haben die in Zusammenhang mit der Pandemie verordneten Maßnahmen auch erhebliche Auswirkungen auf unsere Erträge, vor allem im Aufführungsbereich. Doch mit dem Fortschritt der Impfkampagne scheint der Markt für Livemusik sich zaghaft wiederzubeleben, was wir an einem leichten Plus bei den Lizenzmeldungen ablesen können. Das gibt uns Anlass zu verhaltenem Optimismus.

Birgit Heuzeroth, General Manager Beggars Germany: Umsatztechnisch sind wir mehr als befriedigend durchs zweite Corona-Jahr gekommen, dank starker Streaming-Erlöse und weiter anhaltendem Vinyl-Boom. Insgesamt sind wir aber doch leicht frustriert, da unsere Künstler immer noch nicht international touren konnten, was die Kampagnen gerade für Newcomer doch eher schwierig machte.

Adrian Hillekamp, A&R Manager Concord Music Publishing: Für das A&R-Team bei Concord gab es 2021 international und auch in Deutschland Erfolge zu feiern. Nichtsdestotrotz war die ständige Ungewissheit eine Herausforderung. Diese konnten wir meistern und uns immer wieder motivieren, da wir das Privileg haben, mit einem großartigen Katalog zu arbeiten: Unsere Songwriter:innen sind trotz aller Umstände weiter kreativ geblieben. Das spiegelt sich auch in den Erfolgen von Pulse oder in vielen Grammy-Nominierungen wider.

Walter Holzbaur, Inhaber Wintrup Musikverlag: Corona hatte für uns zwei Seiten: Die »weniger negative« war, dass wir mehr Zeit in die bereits 2020 eingeleitete Umstellung »back to the roots« investieren konnten. Das heißt Konzentration auf nationales Produkt und, damit verbunden, der lange vorbereitete Abschied von der Vertretung zahlreicher ausländischer Kataloge. Die »richtig negative« war die fortgesetzte Einschränkung der Livesituation. Für einen Verlag wie Wintrup, dessen Schwerpunkt auf live auftretenden Urhebern liegt, war das durchaus eine Herausforderung, die wir jedoch durch die Breite des Katalogs und eine intensive Backkatalogpflege kompensieren konnten.

Holger Hübner, Geschäftsführer WOA Festival Gesellschaft: Das Jahr 2021 war zum einen wieder von herben Rückschlägen geprägt. In erster Linie wären da natürlich die notwendigen Absagen zunächst beim W:O:A, dann bei Bullhead City zu nennen. Auch in unseren anderen Geschäftsbereichen, etwa den Tourneen, mussten wir feststellen, wie unberechenbar diese Pandemie auch im zweiten Jahr ist. Andererseits: Wir sind froh und dankbar, weiterhin auf eine starke Crew und ein tolles Netzwerk setzen zu können, um diese für alle in der Branche gravierende Situation zu bewältigen. Die Streaming-Events, die wir unter der »Wacken World Wide«-Flagge - wie etwa unser W:O:A BBQ im Sommer, die Rückkehr von Hämatom ins Zombie­land und Powerwolfs monumentale Metal-Messe - präsentieren konnten, waren da beispielsweise kleine, aber wichtige Trostpflaster.

Maik Klokow, CEO Mehr-BB Entertainment: Die Auswirkungen der Pandemie sind für uns immer noch extrem spürbar: Wir hatten Umsatzausfälle von bis zu 98 Prozent in 2020, und auch zu Beginn dieses Jahres waren wir immer noch in der Situation, dass wir Premieren und ausverkaufte Shows teilweise drei bis vier Mal verlegen mussten. Wir blicken nun aber auch auf intensive Monate zurück, in denen wir nach einer langen Zwangspause unser Geschäft endlich Schritt für Schritt wieder hochfahren konnten. Im Oktober fand bereits unsere Wiederaufnahme vom «Starlight Express« in Bochum statt, und vor wenigen Tagen haben wir die große Deutschlandpremiere von «Harry Potter und das verwunschene Kind« in Hamburg gefeiert. Auch unsere Tourneeproduktionen laufen in ganz Deutschland langsam wieder an, wie zum Beispiel mit «Berlin Berlin« im Admiralspalast oder Disneys «Die Schöne und das Biest« im Musical Dome Köln. Es werden noch Monate vergehen, bis das Gesamtgeschäft wieder auf normalem Niveau läuft, aber ein erster Anfang ist gemacht.

Maximilian Kolb, Executive Vice President Repertoire & Marketing Continental Europe BMG: Ich bin extrem stolz auf das Team, das es nicht scheut, für unsere Künstler:innen und Autor:innen die Extrameile zu gehen, und im vergangenen Jahr nicht nur herausragende Resultate erzielt, sondern auch innovative Kampagnen umgesetzt hat. Darüber hinaus konnten wir signifikante Investitionen tätigen und freuen uns daher auf ein starkes 2022.

Michael Krause, General Manager Europe Spotify: Hinter vielen von uns liegt ein herausforderndes Jahr, in dem zahlreiche Künstler*innen und die Veranstaltungsbranche weiterhin mit Einschränkungen und Unsicherheiten zu kämpfen haben. Musik und Podcasts haben viele Menschen durch diese Zeit begleitet, das sehen wir zum Beispiel daran, dass die weltweiten Nutzungsstunden unserer mittlerweile 381 Millionen monatlich aktiven Hörer*innen im zweiten Quartal 2021 im Vorjahresvergleich weiter angestiegen sind. Einen spannenden Trend sehen wir bei unseren jungen Nutzer*innen: Sie hören Musik vor allem, um damit ein bestimmtes Gefühl zu erzeugen. Deshalb bieten wir vermehrt genreübergreifende Playlists wie zum Beispiel Me Right Now oder ganz neu: Not Just A Phase. Ein wichtiger Teil unserer Arbeit ist die Kooperation mit Künstler*innen. Mit Loredana und Mozzik haben wir zum Beispiel das erste »Enhanced Album« in der DACH-Region umgesetzt. Zoe Wees hat als erste deutsche Künstlerin eine »Spotify Single« veröffentlicht. Wir haben unser Nachwuchsförderprogramm RADAR ausgebaut und mit Fresh Finds ein Marketingprogramm für unabhängige Künstler*innen gestartet. Ein Thema, das wir auch im kommenden Jahr weiter unterstützen möchten, und wo wir auf weitere Fortschritte und Austausch hoffen, ist Diversität. Dazu haben wir unter anderem unser EQUAL-Programm ins Leben gerufen, das die Gleichberechtigung von Frauen in der Musikbranche fördern soll. EQUAL-Künstlerinnen aus der DACH-Region waren in diesem Jahr unter anderem Madeline Juno, Mogli, Novaa, Rua und Kuoko. Und natürlich haben auch wir den großen Wunsch für 2022, viele großartige Künstler*innen endlich wieder live auf der Bühne und bei Konzerten erleben zu können.

Katja Lucker, Geschäftsführerin Musicboard Berlin: Wir haben mehr gearbeitet denn je, denn als Fürsprecherin der popkulturellen Musik­szenen Berlins wurden wir in dieser Krisenzeit besonders gebraucht. Wir konnten glücklicherweise auch in diesem Jahr mit zusätzlicher Förderung unterstützen, haben zum Beispiel mit rund 100 Stipendien doppelt so viele Musiker:innen und Bands direkt gefördert wie noch vor der Pandemie. Es war großartig, 2021 das Pop-Kultur Festival wieder live auf dem Gelände der Kulturbrauerei zu veranstalten, zwar mit begrenzten Kapazitäten und vielen zusätzlichen Outdoor Bühnen, aber einem vollen, diversen und inklusiven Programm. Klar ist aber auch: Planen und Veranstalten in ­Pandemiezeiten geht an die Substanz, das kann kein Dauerzustand sein.

Ralf Lülsdorf, Head of International Music Marketing Deutsche Telekom: Wir sind gut durch das zweite Corona-Jahr gekommen. ­Videokonferenzen und das rein digitale Arbeiten wurden schnell antizipiert. Gleichzeitig sind wir dankbar für jedes persönliche Treffen. Auch wenn aktuell die Infektionszahlen erneut in die Höhe schnellen, bleiben wir optimistisch und hoffen auf eine echte »Post-Covid«-Perspektive und ein Neues Jahr, in dem Konzerte, Festivals und Clubs wieder uneingeschränkt betrieben werden können. 2021 haben wir neben unserem 20-Jahre-Jubiläumsbuch intensiv genutzt, um uns als Team fort­zubil­den, agiler zu werden und frische Ideen zu entwickeln. Wir struktu­rieren gerade unsere digitalen Outlets neu. Mit dem immersiven und schon jetzt preisgekrönten »The Cube«-Space konnten wir zum Beispiel das erste »anfassbare« digitale Erlebnis kreieren.

Lutz Mastmeyer, Labelchef Glitterhouse Records: 2021 stand wieder voll im Zeichen der Pandemie und war erneut eine große Herausforderung für uns als Label wie für unsere Künstler. Auch die sich unsäglich entwickelnde Situation in Sachen Vinylherstellung hat nicht gerade zum Wohlbefinden beigetragen. Nichtsdestotrotz konnten wir einige schöne Erfolge verbuchen, wie der Charts-Entry von Steiner & Madlaina (Album »Wünsch mir Glück«) auf Platz zwei der Schweizer Album-Charts (Deutschland: Platz 32), oder die Zuerkennung des Jahrespreises der Deutschen Schallplattenkritik für unsere Produktion von Chris Eckmans aktuellem Album »Where The Spirit Rests«.

Jens Michow, Präsident & Geschäftsführer BDKV: Sicher besser als die meisten Veranstalter:innen. Aber in meiner nunmehr 37-jährigen Tätigkeit als geschäftsführender Präsident des IDKV, bdv und nunmehr BDKV habe ich noch nie eine derartige Arbeitsbelastung gehabt, wie ich sie nicht nur in diesem sondern ja bereits schon im Jahr 2020 hatte. Kurz gesagt bedeutet das: Arbeitszeit 7/10. Dabei hatte ich allerdings - wie wir wohl alle - im vergangenen Jahr noch gehofft, dass sich 2021 der Corona-Wahnsinn verflüchtigen werde, und wir alle wieder zur Normalität zurückkehren könnten. Stattdessen hat sich in diesem Jahr die wirtschaftliche Situation der Branche noch verschlechtert. Daher habe ich nicht nur auf Urlaub, sondern auch nahezu auf jegliche Freizeitaktivität verzichten müssen. Also um die Frage zu beantworten: ich bin nicht durch das Jahr »gekommen«, sondern durch die Corona-Pandemie »getrieben« worden. Das einzig Gute war vielleicht, dass die Infektionsgefahr gering ist, wenn man von morgens bis abends nur in seinem Büro vor dem Rechner sitzt.

Patrick Mushatsi-Kareba, CEO Sony Music GSA: Das Jahr 2021 war ein sehr ereignisreiches und herausforderndes Jahr, in dem wir es dennoch geschafft haben, sehr gute Ergebnisse für unser Kreativgeschäft in Berlin, in GSA und auf internationalem Podium zu erzielen. Wir haben mit unseren Künstler:innen in 2021 viele neue Highlights setzen können, konnten mehrere große strategische Partnerschaften zum Abschluss bringen, sei es mit Tiger Media, oder mit Ragucci & Boldt beziehungsweise Ibrahim & Boldt. Auf Labelseite durften wir mit unseren Künstler:innen viele Erfolge, Nummer-1-Platzierungen und Awards feiern, vielen von ihnen zu lokalem und internationalem Erfolg verhelfen, Künstler:innen wie Purple Disco Machine, RIN, Måneskin, Lost Frequencies, Majestic, Tokio Hotel, Kool Savas, Clueso, Pajel, Roland Kaiser, Lea, Avaion, Shindy, Apache 207, Vanessa Mai, Luna und nicht zuletzt Adele. Eines der größten Highlights in diesem Jahr bestand auch in der Eröffnung der Circle Studios, die sich sehr schnell zu einem kreativen Hub für unsere Künstler:innen und Kreativen verdichtet haben.

Im vergangenen Jahr haben wir nicht zuletzt mehr als 240 Arbeitsplätze in Berlin geschaffen, neue Künstler:innen unter Vertrag genommen und lokale A&R-Talente gefördert. Wir gehören schon jetzt zu den größten Arbeitgebern Schönebergs und arbeiten mit lokalen Communities, nehmen so unsere soziale Verantwortung aktiv wahr. Im Rahmen dieser Initiativen konnten zum Beispiel 20 Jugendliche aus Kreuzberg, Schöneberg oder Lichtenberg in den Circle Studios 40 ihrer eigens geschriebenen Songs aufnehmen.

Ken Otremba, Geschäftsführer Telamo Musik & Unterhaltung: 2021 war für Telamo wieder ein sehr erfolgreiches Jahr - wir konnten unseren Albumchart-Marktanteil steigern, haben mit Daniela Alfinito, Giovanni Zarrella und den Amigos drei Nummer-1-Alben landen können und haben unseren Marktanteil im Schlagerbereich weiter gesteigert. Der Launch unserer neuen Labels Energie und Energie-Kultur mit spannenden starken neuen Themen wie dem Rilke Projekt unter Mitwirkung von Stars wie Reinhard Mey, Dietmar Bär, Casandra Steen oder Frida Gold verlief ebenfalls sehr erfreulich. Wir konnten dank der ARD-»Schlagerchallenge« mit Eric Philippi und Romy Kirsch zwei sehr hoffnungsvolle Newcomer etablieren, und unser Künstler Giovanni Zarrella hat die ersten beiden Ausgaben seiner eigenen Prime-Time-Shows im ZDF mit Bravour und sensationellen Quoten absolviert. Auch konnten wir über unsere Social-Media-Marken »Schlager für alle« enorme Wachstumsraten verbuchen - wir haben mittlerweile über 1,3 Millionen Follower und konnten unsere Reichweite auf über 30 Millionen Kontakte pro Monat steigern. Telamo hat sich im neunten Jahr seines Bestehens als feste Größe im lokalen Musikgeschäft etabliert, wächst physisch wie digital sehr stark, und dank der tollen Zusammenarbeit mit unseren Partnern - allen voran Warner Music und Starwatch - konnten wir die Herausforderungen des zweiten Corona-Jahres sehr gut meistern.

Petr Pandula, Geschäftsführer Magnetic Music: Das erste Halbjahr war tote Hose. Nichts fand statt und daher auch keine Einnahmen. Wir lebten von Rücklagen und warten bis heute noch auf Überbrückungshilfe 3. Ab Mitte Sommer gab es dann die ersten Veranstaltungen open air, die aber alle von der Kapazität reduziert waren. Es baute uns auf, zu sehen, wie sehr sich die Künstler, Veranstalter und Zuschauer gefreut haben, wieder zusammenzukommen. Ab Anfang Oktober fuhren wir dann zweigleisig. Alle großen Tourneen mit Künstlern aus dem Ausland wie Irish Folk Festival, Latin Devils, American Cajun, Blues & Zydeco Festival oder die Danceperados Of Ireland wurden verlegt beziehungsweise abgesagt. Aber Clubtourneen mit Mànran aus Schottland und The Fitzgeralds aus Kanada fanden statt. Im Dezember ist jetzt die Frauenband The Outside Track mit einem Weihnachtsprogramm auf Tournee und stottert sich vielleicht noch ins Ziel. Einige ihrer Veranstaltungen wurden auch schon behördlich untersagt. Gott sei Dank vertreten wir auch einige in Deutschland ansässige Produktionen wie zum Beispiel die Moving Shadows. Wenn ein Termin abgesagt oder verlegt wird, ist es dann nicht so ein Drama wie bei einer ausländischen Produktion. Also haben wir unseren örtlichen Veranstaltern immer die Wahl gegeben, zu spielen oder zu verlegen. Die freien Veranstalter haben mehrheitlich verlegt, und die Kulturämter haben lieber gespielt. Ich habe den Eindruck, wir konnten in diesem »Stotter-Modus« unsere Fixkosten im zweiten Halbjahr erwirtschaften, aber auch nur deswegen, weil einige unserer Mitarbeiter die Firma verlassen haben, um sich nach sichereren Berufen umzusehen.

Marit Posch, General Manager IDOL Germany: Für IDOL gab es aus geschäftlicher Sicht keinen Unterschied zwischen dem ersten und dem zweiten Corona-Jahr. Da unser Hauptgeschäftszweig der digitale Vertrieb von Musik und dieser wohl der von der Pandemie am wenigsten betroffene Teil der Musikindustrie ist, konnten wir glücklicherweise unser stetiges Wachstum aufrechterhalten. Es gab einige kleinere Einbußen bezüglich neuer Releases, da der Livesektor ja in großen Teilen stillgelegt war und ist und daher als Treiber organischer Streams wegfiel. Und wir haben auch nicht von dem exponentiellen Wachstum der audio-visuellen Streamingplattformen profitiert. Aber alles in allem haben wir unsere gute Dynamik beibehalten können und haben sowohl neue Künstler*innen und Labels in den letzten zwei Jahren unter Vertrag genommen als auch weltweit neue Mitarbeiter*innen eingestellt.

Was aber, auf persönlicher Seite, schwierig für uns war - wie sicherlich auch für sehr viele andere Menschen innerhalb, aber auch außerhalb der Musikbranche - war der Wegfall persönlicher Interaktionen innerhalb des Teams (Home Office) und mit unseren Geschäftspartnern, vor allem aber auch die fehlenden Besuche von Konzerten und Festivals. Wir alle arbeiten ja in dieser Branche aus Liebe zur Musik - um unsere Lieblingskünstler*innen live zu sehen, mit Freunden in Clubs zu gehen, uns zum Musikhören zu treffen ... Videokonferenzen und Livestreams waren in der Tat sehr hilfreich, können aber das reale Erlebnis nicht wirklich ersetzen.

Andrea Rothaug, Geschäftsführerin RockCity Hamburg: RockCity Hamburg ist durch ein Jahr mit sehr viel kulturpolitischer Aktivität, maßgeschneiderten Support-Programmen, neuen Streamingreihen, digitalem Hamburg Music Award, aber auch Seelsorge, Spendenaktionen, Stipendienvergabe, Corona-Kollaborationen und einem wunderbar positiven Feedback der Hamburger Musikszene gegangen. Spannend war der neue digitale Beratungspool, der Musiker_innen, DJs und Young Professionals Hilfe von Musikprofis zukommen lässt, ebenso wie die ­vielen unfassbar guten neuen Produktionen aus Hamburg. Aber wir haben natürlich auch sehr viel abgesagt, neu geplant, wieder umgeworfen und neu installiert. Doch das größte Problem war die Skepsis des Musiknachwuchses: Musik als Beruf - macht das überhaupt noch Sinn? Das werden wir in Zukunft merken!

Rudi Schedler, Geschäftsführer Schedler Music: Die Auswirkungen aus dem ersten. Corona-Jahr trafen für uns Musikverleger sowie Urheber wie erwartet zum großen Teil erst im zweiten Corona-Jahr ein. Die Ausfälle im Live- und anderen Bereichen waren bekannt und es wurde mit den entsprechenden Rückgängen in 2021 auch gerechnet.

Alexander Schulz, CEO Reeperbahn Festival, und Detlef Schwarte, Director Conference Reeperbahn Festival: Gemessen an der Entwicklung der pandemischen Lage, insbesondere in den letzten Wochen, sind wir froh, dass wir auf ein zwar beschwerliches aber einigermaßen stabiles Jahr zurückblicken können. Wir freuen uns daher, dass wir den Kolleg:innen der Kultur- und Musikwirtschaft, den Künstler:innen und unserem Publikum auch im zweiten Pandemie-Jahr ein zwar immer noch sehr eingeschränktes, aber, verglichen mit dem Vorjahr gerade in Bezug auf das Präsenz-Angebot, deutlich umfangreicheres Reeperbahn Festival 2021 präsentieren konnten. Unsere veranstaltungsbegleitenden und unterjährigen Programm-Angebote, zum Beispiel unsere digitalen Fokus Sessions, die wir 2020 etabliert haben, konnten wir in diesem Jahr weiter optimieren. Dies gilt auch für unsere Reeperbahn-Festival-International-Spin-Off-Veranstaltungen in den USA, China und Afrika, die pandemiebedingt vorwiegend in hybriden Formaten stattgefunden haben.

Peter Schwenkow, CEO ­DEAG: Gut - mit ­Kreativität, Sparsamkeit und etwas Glück!

Gudrun Schweppe, Head of Music YouTube Germany: Es war für uns ein Jahr mit gemischten Gefühlen. 2021 haben wir erstmals den Fokus auf die Zusammenarbeit mit deutschen Künstler:innen gelegt. Durch Programme wie Artist On The Rise oder Foundry konnten wir Nachwuchstalente wie Zoe Wees, die ihr erstes Livekonzert auf YouTube spielte, oder Rote Mütze Raphi und Majan unterstützen. Außerdem wuchsen unsere Abo-Zahlen so schnell wie bei keinem anderen Anbieter in dem Bereich, wir haben weltweit mittlerweile mehr als 50 Millionen Subscriber. Dadurch konnten wir auch erstmals mehr als vier Milliarden Euro an die Musikindustrie auszahlen, was uns unglaublich freut. Außerdem haben wir 2021 mit Shorts ein neues Produkt gelauncht, bei dem zum Beispiel Ed Sheeran sein Album als Sneakpeak exklusiv auf YouTube Shorts vorgestellt hat. Im März feierten wir zusammen mit Google Arts & Culture die Geschichte der elektronischen Musik mit »Music, Makers, Machines«, einem Projekt, das mehr als 250 Online-Ausstellungen, ein umfangreiches Archiv mit Fotos, Videos, 360-Grad-Touren und vieles mehr umfasst. Wir haben auch wieder tolle Partnerschaftsprojekte gehabt wie die Popakademie Sessions oder den Preis für Popkultur - die Preisverleihung war einer der wenigen Momente, wo man mal wieder zusammenkommen und bekannte Gesichter sehen konnte.

Bei all den für uns positiven Entwicklungen war das vergangene Jahr aber definitiv auch wieder sehr herausfordernd für jeden einzelnen Menschen, aber auch für die Musikbranche, besonders für den Livemusikbereich. Darüber sind wir uns bewusst und haben daher im ersten Quartal das Programm Re:Boot Live zusammen mit der Google Zukunftswerkstatt und in Kooperation mit der Initiative Musik ins Leben gerufen. Angefangen als kostenloses digitales Weiterbildungsprogramm mit kostenlosen Beratungsstunden hat sich Re:Boot Live über das Jahr immer weiter entwickelt. Wir konnten in dem Rahmen tolle Liveperformances möglich machen wie unter anderem das Releasekonzert von Clueso mit Freunden im Oktober, aber auch Auftritte von Casper, Rote Mütze Raphi, Madeline Juno oder Fero47.

Marc Seemann, Director Strategy & Business Development DreamHaus: Für DreamHaus als neue Agentur gab es ja nur ein Corona-Jahr. Diese Zeit haben wir optimal genutzt, um uns bestmöglich strategisch und organisatorisch aufzustellen. Der Fokus unserer Arbeit lag sowieso auf 2022 und 2023, wodurch unsere bisherigen Planungen nicht durch Corona gestört wurden.

Frank »Steini« Steinert, Geschäftsführer Supersteini: Auch das Jahr 2021 hatte je nach Infektionsgeschehen gute und schlechte Phasen. Dank ausreichend vorhandener Liquidität und rechtzeitigen Umstrukturierungen konnte uns die teilweise noch immer nicht vorhandene Planungssicherheit in den schlechten Phasen aber nicht mehr aus der Ruhe bringen. In den guten Phasen waren wir voll ausgelastet mit Kampagnen für Veranstaltungen im Rahmen von Neustart Kultur und sehr vielen Albumveröffentlichungen, Events und Tourneen für das Jahr 2022 oder auch der begleitenden Plakatierung zum Musical »Ku'damm 56«. Dazu kommt das wesentlich weniger pandemiebeeinflusste Produkt-, Sport- und Lifestyle Segment, wo zudem im Vergleich zu Musik-Kampagnen wesentlich mehr Budget vorhanden ist. Wir haben außerdem viele wichtige Kooperationen weiter ausbauen können und gemeinsam mit unseren Geschäftspartnern auch das zweite Corona-Jahr gut gemeistert. Wir sind also bestens aufgestellt, um weiter bundesweit Plakatierungen zu sehr attraktiven Konditionen anbieten zu können.

Patrick Strauch, Managing Director Sony Music Publishing: Aufgrund der zeitversetzten GEMA-Abrechnungen haben uns die fehlenden Konzerte aus dem Jahr 2020 dieses Jahr natürlich hart getroffen. Trotzdem war das Jahr 2021 für uns überaus erfolgreich. Viele von uns vertretene Autoren konnten international und national große Erfolge feiern, unter anderem Topic, Leony, Samra, twocolors, Loredana & Mozzik, Zoe Wees, Heaven Shall Burn, Dardan, Sido, Kool Savas und Helene Fischer. Die Bandbreite zeigt auf, dass wir mit unserer Strategie, uns über alle Genres breit aufzustellen, weiterhin richtig liegen. Das zeigen insbesondere die Platzierungen in den Airplay-Charts: Im ersten Halbjahr hatten wir Anteile an über 70 Prozent aller Werke, die in den deutschen Top 50 Airplay-Charts platziert waren, und aktuell in den Wochen vor Weihnachten haben wir Anteile an über 75 Prozent der Werke in den Top 25. Wir freuen uns auch über Neuabschlüsse und Verlängerungen mit Sido, Dardan, Nico Rebscher, Kitschkrieg, Zoe Wees and Nils Bodenstedt, Takt 32 und Monkeytown/Modeselektor. Auch das Synch- und Lizenzgeschäft verlief extrem erfolgreich mit über 900 Lizenzverträgen und weltweiten Kampagnen mit VW, Omega, BMW und Sunrise. Das Livegeschäft hatten wir Anfangs 2021 mit viel Optimismus betrachtet: Dass die 4. Welle den Livebetrieb und somit viele Künstler nochmals hart trifft, ist tragisch. Als wirtschaftlich gut aufgestelltes globales Unternehmen nehmen wir unsere Verantwortung wahr und unterstützen unsere Vertragspartner, so gut es geh, sowohl auf lokaler als auch auf internationaler Ebene.

Christof Strimitzer, Leitung Marketing und Kommunikation Messe Congress Graz (MCG): Auch das Jahr 2021 war wohl wieder ein sehr herausforderndes und außergewöhnliches für unsere gesamte Branche. Doch: Außerordentliche Zeiten erfordern außerordentliche Maßnahmen. Und so war und ist es uns ein großes Anliegen, das Beste aus auch schwierigen Situationen zu machen. Wir blieben gemeinsam mit Veranstaltern dran und konnten aufgrund des unermüdlichen Einsatzes unserer Partner:innen sowie Mitarbeiter:innen großartige Veranstaltungen, Messen und Kongresse durchführen. Das waren tolle Lichtblicke für uns und die weiteren Zusammenarbeiten. Die Ideen gehen uns bestimmt nicht aus - somit freuen wir uns auf das kommende Jahr.

Stefan Strüver, General Manager PIAS Germany: Ein passables Jahr, wenn man sich die Umsätze ansieht. Ansonsten ein Jahr, das man wohl eher vergessen möchte aufgrund des Up and Downs bezüglich Corona; und wir vermissen, unsere Künstler für Promo und Shows im Markt zu haben, sodass sich zum Beispiel das ein oder andere tolle Newcomer-Thema leider nicht so entwickeln konnte, wie man es sich gewünscht und vorgestellt hätte. Die sich immer weiter in die Länge ziehenden Vinylproduktionszeiten lassen auch keine rechte Freude aufkommen. Eigentlich möchten wir nur unser altes Leben zurück.

Maurice Summen, Geschäftsführer Staatsakt: Zum wachsenden Streamingmarkt hat uns vor allem der Vinyl-Boom gute Umsätze beschert, aber mit mittlerweile un­glaublichen Vorläufen auch immer wieder sehr viel Geduld abverlangt. Dass die DSPs am liebsten im Wo­chen­­takt befeuert werden wollen, und Radiosender oder TV-Redakteure oft ein paar Monate brauchen, um ein Thema zu verstehen, verlangt mittlerweile eine enorme Ausdauer und kalendarische Übersicht in den Kampagnen. Die Frage, die man sich 2021 darum nach so etwas ähnli­chem wie Feierabend oft genug stel­­len durfte: Wann war eigentlich nochmal jetzt?!

Stephan Thanscheidt, Geschäftsführer FKP Scorpio Konzertproduktionen: Der Ausnahmezustand seit März 2020 bestimmte unsere Arbeit noch immer. Sicherlich hat es im letzten Quartal ein paar Schritte in Richtung Normalität gegeben, die aufgrund der aktuellen pandemischen Entwicklung um die hohen Infektionszahlen im Herbst sowie die Omikron-Variante aber wieder weitestgehend zurückgenommen werden mussten. Wir sind sehr froh, unter anderem mit Plage Noire, Rolling Stone Beach und Metal Hammer Paradise erfolgreiche und sichere Veranstaltungen organisiert zu haben, die für unser Team, die Artists und die Gäste einen hohen Stellenwert hatten. Letztlich war auch 2021 wirtschaftlich herausfordernd, aber wir blicken voraus auf ein sehr erfolgreiches Jahr 2022, das für uns viele große und spannende Shows und Konzepte bereithält.

Patrick Thomas, Geschäftsführer ALV Digital: Kaufmännisch sind wir stabil durchs zweite Corona-Jahr gekommen und haben als Team viel erreicht: Nach über zwei Jahren Entwicklung haben wir ALV3 mit integrierter digitaler Distribution und internationalem Copyright-Management an den Start gebracht.

Jörg Timp, Geschäftsführer Starkult Promotion: Es war ein ständiges Auf und Ab, wir mussten einige Stellschrauben justieren, aber dank der Tatsache, dass wir diverse Kunden haben, mit denen wir langfristig zusammenarbeiten, und wir zudem über ein breites Netzwerk und eine langjährige Expertise verfügen, haben wir es gut geschafft, den Kopf über Wasser zu halten. Letztlich war das aber auch nur möglich, weil wir als Team hier schon sehr lange zusammenarbeiten, und jeder bereit war, diesen anstrengenden Weg mitzugehen.

Thomas Vidovic, Managing Director Germany & Senior Vice President Austria & Switzerland Universal Music Publishing: Während uns das erste Corona-Jahr vor viele nie dagewesene Herausforderungen gestellt hat, wirken sich die gewonnenen Erfahrungen überwiegend positiv auf unseren Arbeitsalltag aus. Das hybride Arbeiten hat uns in allen Bereichen eine neue Flexibilität ermöglicht und unsere Prozesse an vielen Stellen effektiver gestaltet. Gleichzeitig ist das Erschöpfungsrisiko für alle Mitarbeiter:innen weiter gestiegen, da die Arbeit jederzeit zuhause am Küchentisch präsent ist. Für uns ergibt sich dadurch eine ganz neue Verantwortung gegenüber unseren Mitarbeiter:innen. Auf der Business-Seite blicken wir trotz der fehlenden Einnahmen aus dem Live- und Veranstaltungsbereich auf ein überaus erfolgreiches Jahr mit vielen bedeutenden Signings, wachsenden Charterfolgen und erfolgreichen Platzierungen unserer Autor:innen in allen Genres. Auch in Film-, Serien- und Werbeproduktionen konnten wir mit unserer Inhouse-Agentur UMPG Music Solutions neue Maßstäbe setzen, obwohl der Synch-Markt sich gerade zu Beginn des Jahres noch sehr verhalten zeigte.

Stefan Vogelmann & Holger Fleder, Geschäftsführer Broken Silence: Unser Unternehmen ist gut durchs zweite Corona-Jahr gekommen, trotz des gravierenden Umbruchs im Fachhandel - so eine Zäsur gab es in den letzten drei Dekaden wirklich noch nicht. Wir haben dabei unsere weltweiten digitalen und physischen Vertriebsaktivitäten 2021 dynamisiert. Die CD-Umsätze sind übrigens viel stabiler, als es manche Brancheninsider zu glauben wissen, und hinzu kommt, dass die Nachfrage nach schönem und gut gemachtem Nischen-Repertoire unverändert zu spüren ist. Ernüchternd für uns war die Rückzahlungsforderung der erst gewährten Corona-Soforthilfe in Höhe von 25.000 Euro - das hätte der Staat zum Jahresende über die Gewinnversteuerung teilweise wieder einfahren können. Eigentlich kaum zu glauben.

Wolfgang Weyand, 1. Vorsitzender Interessenverband Musikmanager & Consultants (IMUC): Das Jahr war von Hoffnungen und Rückschlägen gezeichnet. Wer hätte es für möglich gehalten, dass wir uns so lange mit dem Virus und allem, was dazugehört, auseinanderzusetzen haben. Alles in allem ein Desaster für die Kultur- und Kreativwirtschaft im Allgemeinen und für viele Geschäftspartner und befreundete Firmen im Entertainment-Business im Speziellen.

Birte Wiemann, Vorstandsvorsitzende des Verbands unabhängiger Musikunternehmer*innen (VUT): Der VUT ist inzwischen auf allen Kanälen zu Hause: Unsere Indie Days fanden auf der c/o pop virtuell, auf dem Reeperbahn Festival in Präsenz und unsere VIA Awards als Hybridveranstaltung digital und vor Ort statt. Nebenbei haben wir das kleine Zeitfenster der Corona-Atempause genutzt und einen neuen, beinahe paritätisch besetzten Vorstand gekürt, der sich bereits in den ersten paar Monaten hochmotiviert an die Gestaltung der Indie-Belange zwischen Streaming, Urheberrecht, Diversity und Neustart Kultur macht. Die Geschäftsstelle hat das Operieren aus dem Home Office perfektioniert und ist weiterhin Stütze unserer Mitglieder - deren stabile Anzahl Grund zur Hoffnung für die Zukunft der Independents in Deutschland gibt. Als k3d haben wir hier just eine Allianz geschmiedet, die erstmalig der gesamten Kultur- und Kreativbranche von Recorded über Games bis Architektur und Design eine politische Stimme verleiht. »Act United, Stay Independent« ist und bleibt hier die Devise, das unterstreicht die Pandemie mehr denn je.

Timotheus Wiesmann, Geschäftsführer Interessengemeinschaft Hamburger Musikwirtschaft (IHM): Wie für die allermeisten Musikunternehmen war es auch für uns als regionaler Musikwirtschaftsverband mit zum Teil auch nationalen und internationalen Aufgaben ein anspruchsvolles Jahr. Vor allem die Abwicklung unseres großen Förderprogramms Hamburg Music Business Support, die Interessenvertretung, allgemeine Beratungen und das Bereitstellen von Informationen sowie unsere zahlreichen Weiterbildungsangebote haben die größte Bedeutung eingenommen. Auffällig ist mehr denn je die gegenseitige Unterstützung und das gute Miteinander im Hamburger Musiksektor, wofür wir uns bei allen Akteur*innen in der Branche und in der Stadt Hamburg bedanken möchten.

Jorin Zschiesche, Geschäftsführer recordJet: Trotz der weiterhin anhaltenden Pandemielage konnten wir unseren Erfolg 2021 im Vergleich zum Vorjahr nochmals steigern. Unsere Künstler:innen haben den Herausforderungen getrotzt, und wir haben sie mit all unserer Expertise darin unterstützt, ihre Fans ­kontinuierlich mit neuer Musik zu versorgen.

Zusammenstellung: Dietmar Schwenger, Frank Medwedeff, Jonas Kiss, Knut Schlinger