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Höweler und Franck heben biddz aus der Taufe

Vor wenigen Wochen erst gaben Michael Höweler und Alexander Franck jeweils ihren Abschied vom deutschen Team von Amazon Music bekannt. Nun sind die beiden Manager mit einem Start-up unter dem Namen biddz zurück im Musikgeschäft und stellen im Gespräch mit MusikWoche ihre Ziele vor.

20.12.2021 11:45 • von
Stemmen den Start von biddz mit Unterstützung privater Investoren: Michael Höweler und Alexander Franck (Bild: biddz)

Vor wenigen Wochen erst gaben Michael Höweler und Alexander Franck jeweils ihren Abschied vom deutschen Team von Amazon Music bekannt. Nun sind die beiden Manager mit einem Start-up unter dem Namen biddz zurück im Musikgeschäft und stellen im Gespräch mit MusikWoche ihre Ziele vor.

»Wir wollen einen Raum kreieren, der Künstlerinnen und Künstler in die Lage versetzt, mit all denen zu interagieren, die sie benötigen, um erfolgreich zu sein - vor allem mit Fans«, gibt Michael Höweler als Mission Statement des neu ins Leben gerufenen Unternehmens aus. Mit biddz wolle man »Funding, Marketing und Monetarisierung von Musik ganz neu denken«. Der Austausch über die biddz-Plattform oder App soll unter anderem über finanzielle Unterstützung dazu führen, »eigene Projekte zu ermöglichen« und »den Erfolg von Künstler*innen zu fördern«, erläutert Höweler.

Die beiden Firmengründer arbeiteten bereits seit einiger Zeit bei Amazon zusammen, wo Franck vor gut sechs Jahren zum erweiterten Team von Höweler stieß, der zuletzt als Head of Amazon Music Germany fungierte. »Wir haben uns immer wieder über Beobachtungen in der Musikindustrie unterhalten können, dabei hat das eine das andere ergeben«, sagt Höweler. Der Weg raus aus den Strukturen eines international agierenden Konzerns und rein in die Selbstständigkeit sei dabei durchaus ein Sprung ins kalte Wasser: »Natürlich kommt viel Neues auf uns zu«, bestätigt Höweler. Das aber mache auch Spaß: »Dabei muss man zudem bedenken, dass wir auch bei Amazon immer wieder Situationen vorgefunden haben, in denen wir zunächst mit kleinen Teams relativ am Anfang standen, und dann erst im Laufe der Zeit hochskalierten. Dieses Unternehmertum, das Denken in größeren und langfristigen Dimensionen, haben wir dabei von Beginn an mitgenommen.«

Noch im Dezember wollen die biddz-Gründer nun die Onlinepräsenz des Unternehmens ans Netz bringen, die eigentliche Geschäftstätigkeit soll dann im ersten Quartal 2022 starten: »Über die Homepage www.biddz.io können Künstler*innen, die schon beim Launch dabei sein wollen, ab sofort mit biddz in Kontakt treten«, sagt Franck. Schon heute verspricht Höweler, dass man zum Start »auch Künstler*innen auf der Plattform« haben werde, »die man kennt«, ohne allerdings bereits Namen nennen zu wollen. Darüber hinaus verfüge man aber noch über Kapazitäten, um zum Start der Plattform weitere Acts persönlich zu betreuen.

_____biddz will alle »Audio Creators« ansprechen

Zielgruppe seien dabei in erster Linie Musik-Acts, darüber hinaus aber gehe es bei biddz »langfristig um alles, was man hören kann«, wie Höweler formuliert. Die Plattform spreche »Audio Creators« jeglicher Coleur an, also neben Musiker*innen zum Beispiel auch Podcaster*innen oder Hörspiel- und Hörbuch-Macher*innen. Dabei fange man zunächst in der deutschsprachigen Region an, wolle aber »so schnell wie möglich« auch das internationale Potenzial erschließen.

»Unsere Vision ist es, die Musikindustrie ein Stück weit zu demokratisieren«, ergänzt Franck. Dabei gehe es unter anderem darum, dass Risiko und das benötigte Kapital für kreative Prozesse auf mehrere Schultern zu verteilen: »Möglichst auf ganz viele Schultern.« Deshalb stehen zunächst auch Fragen der Finanzierung künstlerischer Projekte und der dazu nötigen Fan-Aktivierung im Fokus von biddz. »Bei Amazon Music haben wir wöchentlich neue Kampagnen lanciert, unterm Strich aber vielleicht gerade einmal ein Zehntel aller angefragten Kooperationen umsetzen können«, sagt Franck. Genau hier soll biddz ansetzen. »Wir wollen es Künstler*innen ermöglichen, einerseits neue Musik möglichst kostengünstig an Plattformen und Social-Media-Anbieter zu liefern, zugleich aber auch ihre bestehenden und künftigen Fans von Beginn an mit einzubinden - sowohl finanziell als auch emotional.«

Von großer Bedeutung sei dabei das Gefühl, »von Anfang an dabei gewesen zu sein und ein musikalisches Projekt - egal, ob es nun um ein Album, einen Song, ein Video oder ein NFT geht - überhaupt erst ermöglicht zu haben«, streicht Franck heraus. Um das gemeinsam Erreichte zum Beispiel am VÖ-Tag entsprechend groß herauszustellen, arbeite man unter anderem an Tools für die Social-Media-Aktivierung, die »es so bislang noch nicht gibt«. biddz soll also als ein Marktplatz fungieren, der Künstler*innen einerseits dazu animiert, mit Ihren Fans auf der Plattform zu interagieren, andererseits aber eben auch passenden Werkzeuge bereithält, um auf anderen Plattformen virale Erfolge anschieben zu können.

Die Fan-Funding-Idee sei dabei nur ein Aspekt hinter biddz, betont Höweler. Gleiches gelte für den Vertriebsbereich: »Wir sind nicht angetreten, ein neuer Digitalvertrieb zu werden. Uns ist es vielmehr wichtig, eine Plattform zu bauen, die zunächst für Künstler sehr fair und sehr transparent ist.« Ob sich Investoren mit dieser noch vagen Aussicht zufriedenstellen lassen? »Nun, wir sind ein Music-Tech-Start-up«, unterstreicht Franck. Und in diesem Bereich gehe es zunächst darum, groß zu werden und Reichweiten aufzubauen. »Wenn es uns dann gelingt zu zeigen, dass wir einen Mehrwert erzielen und den Umsatz für die Künstler*innen mehren können, dann wollen wir gern darüber reden, welchen Teil wir davon für biddz abschneiden können.«

_____München und Berlin als Standorte

Den Start von biddz und die Finanzierung für die ersten 18 Monate stemmen Höweler und Franck mit Unterstützung privater Investoren: »Wir konnten Kapitalgeber aus unserem Netzwerk von unserer Idee überzeugen, ohne auf eine große Roadshow zu gehen«, sagt Franck. »Das hat uns geholfen, ein Entwicklerteam auf die Beine zu stellen.« So sei man derzeit bereits zu sechst und arbeite von den Standorten München und Berlin aus: Während sich Höweler bei biddz in technischer Hinsicht um das Produkt und ums Marketing kümmert, liegen die Kontakte zur künstlerischen Seite und finanzielle Fragen bei Franck. Neben den beiden gleichberechtigten Geschäftsführern sind derzeit drei Mitarbeiter*innen im technischen Bereich und in der Entwicklung aktiv, eine weitere Kraft kümmert sich um den Support auf künstlerischer Seite. Möglichst noch vor dem Jahreswechsel wollen Höweler und Franck zudem eine Senior-Position im Artist Relations-Bereich und noch eine weitere Position besetzen.

Text: Knut Schlinger