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LiveKomm fragt sich: "Jeden Winter zu?"

Auf der Berliner Konferenz Stadt-nach-Acht trafen sich jüngst Musikclubs und Festivals aus ganz Deutschland und auch aus dem Ausland, um sich über die aktuelle Corona-Lage auszutauschen. Dabei entstanden konkrete Forderungen an die Politik.

30.11.2021 16:33 • von Dietmar Schwenger
Richtet sich mit Forderungen an die Politik: der LiveKomm-Vorsitzende Axel Ballreich (Bild: LiveKomm)

Auf der Berliner Konferenz Stadt-nach-Acht trafen sich jüngst Musikclubs und Festivals aus ganz Deutschland und auch aus dem Ausland, um sich über die aktuelle Corona-Lage auszutauschen. Dabei entstanden konkrete Forderungen an die Politik.

Unter der Fragestellung "Jeden Winter zu?" heißt es in einem zusammenfassenden Statement der LiveKomm: "Die Reise der Kultur durch die Pandemie war schon schwierig, für Livemusik und die Clubkultur ist sie ein Horrortrip. Und ein Ende nicht in Sicht. Die Lage zur Zeit? Nichts ist gut und wir alle wissen oder ahnen es. Symptomatisch steht hierfür die vermasselte Impfkampagne."

Spürbare Folgen davon seien die echten und Pseudo-Lockdowns. Neben der wirtschaftlichen Belastung des Hin- und Her bei Schließungen und Wiedereröffnungen verstreue sich nun erneut das Personal. "Viele Punkte wären zu nennen, aber alle führen zur Zusammenfassung: die Lage ist düster, und die Perspektive ist es auch."

Auch sei die Club- und Festivallandschaft solidarisch den Weg von Schließungen, strengen Kontrollen an der Tür, 2G oder 3G-Regelungen mit oder ohne plus und vielem mehr mitgegangen. "Die Hilfen kommen an, auch wenn es noch immer schmerzende Lücken gibt (Soloselbstständige mit Lebenshaltungskosten und Mini-Jobber*innen steht erneut vor dem Nichts). Aber die Resilienz schmilzt dahin. Vor allem weil es scheinbar nicht einmal nach der Impfung eine wirkliche Perspektive gibt."

So beklagt die LiveKomm auch: "Nach bald zwei Jahren bewegen wir uns noch immer im Nebel und stehen wir vor denselben Fragen: Wann und unter welchen Bedingungen ist ein Clubbetrieb (ohne Masken und Abstand) wieder möglich? Wie wirken sich Clubschließungen auf die Pandemie aus und gibt es negative Effekte (zum Beispiel Begegnungen im privaten unkontrollierten Raum, Auswirkungen auf Akzeptanz von Maßnahmen und Motivation für die Impfkampagne), die die positiven doch wieder aufheben?"

Diese Überlegungen münden in die These: "Sind wir gern genommene Sündenböcke für ein Infektionsgeschehen, das niemand mehr wirklich durchschaut? Welches Risiko sind wir als Gesellschaft bereit einzugehen, um wieder ein (halbwegs) normales Leben zu leben?" Zur Klärung dieser Fragen drängten sich nun zwingende Handlungsschritte auf.

Eine Forderung lautet dabei: "Beendet die Pandemie! Das mag banal klingen. Dennoch die Aufforderung an die Politik, die Pandemie mit allen erdenklichen Mitteln zu beenden. Wir sind skeptisch, dass es genügt, Clubs zu schließen und Veranstaltungen einzuschränken."

Eine weitere Forderung an die Politik formuliert die LiveKomm wie folgt: "Helft Überleben und führt raus aus der Krise! Die Hilfen müssen weitergeführt, angepasst, entbürokratisiert und verbessert werden. Dazu gehört im Anschluss der akuten Maßnahmen der Krisenbekämpfung ein Marshall-Plan für die Kultur- und Veranstaltungswirtschaft. Dieser ermöglicht den Restart und den Schutz einer einzigartigen Clubkulturlandschaft."

Wichtig sei es auch, einen Fahrplan zu setzen. "Musikclubs und Festivals brauchen Perspektiven mit einer festen Matrix, sobald die vierte Welle gebrochen wurde. Nötig sind Orientierungswerte und abgestufte Maßnahmen ohne Maskenpflicht und Abstand. Das Schaffen von sicheren Räumen mittels PCR- oder Antigentests sowie Checks und Warnungen mittels Corona-Warn-App muss ermöglicht werden. Aber Clubkultur mit Maske und Distanz ist wie Fußballsport ohne Ball und Tor."