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Future Of Festivals zählte 2000 Besucher

Am 26. und 27. November fand unter 2Gplus-Bedingungen die Branchenkonferenz Future Of Festivals in der Arena Berlin statt. 2000 Besucher hörten sich Panels an und informierten sich an den 201 Ausstellerständen. Der FOF Innovation Award 2021 ging an Event Token.

30.11.2021 12:44 • von Dietmar Schwenger
Fand erstmals physisch vor Ort statt: die Konferenz Future Of Festivals in der Arena Berlin (Bild: Yvonne Hartmann)

Am 26. und 27. November 2021 fand unter 2Gplus-Bedingungen die Branchenkonferenz Future Of Festivals in der Arena Berlin statt. 2000 Besucher hörten sich Panels an und informierten sich an 201 Ausstellerständen. Erstmals verliehen wurde der FOF Innovation Award. Er ging an ein Schweizer Unternehmen für Event Token, eine App, die als Kommunikations- und Community-Werkzeug, Bezahl- und Ticketingsystem sowie als Analysesystem fungiert. Nach der Verleihung spielte die Band Bodi Bill ein Konzert im Glashaus der Arena Berlin.

Future Of Festivals ist ein Projekt der Future Of Festivals GmbH, hinter der wiederum die Agentur Fuchs & Hirsch steht. Hervorgegangen aus einem Netzwerktreffen der Festivalbranche, konnte die Premiere von Future Of Festivals im November 2020 nur digital veranstaltet werden.

Ein wichtiges Thema des zweitägigen Kongresses war in diesem Jahr der akute Personalmangel in der Veranstaltungsbranche, verursacht durch die Pandemie-Einschränkungen. "Ich weiß von vielen Leuten, dass sie nicht zurückkommen möchten", sagte Katha Santa, Veranstaltungstechnikerin bei LautundHell, im Panel "Stagecrew". "Feste Arbeitszeiten, Wochenende frei und Zeit für Kinder zu haben, ist für viele ein gutes Argument, nicht zurückzukommen. Auch in puncto Gehalt."

Dass sich Arbeitszeiten, Bezahlung und das Beschäftigungsverhältnis verbessern müssen, sieht auch Steven Kruijff, Director Event Production bei Goodlive. "Ich glaube, dass viel Personal zurückkommen wird, allerdings nicht zu den Konditionen und den Rahmenbedingungen, wie sie bislang galten. Wir müssen den Spagat hinkriegen, auch innerhalb Europas weiter wettbewerbsfähig zu bleiben, Planungssicherheit zu schaffen und gleichzeitig flexibel zu sein."

Ein weiterer Fokus von Future Of Festivals lag auf dem Thema Nachhaltigkeit. Im Panel "Sustainfestival" forderte Fine Stammnitz vom Greentouring Network mehr Kooperation und strukturelle Förderung für ökologischere Festivals: "Die Veranstaltungs- und Kulturbranche ist extrem gebeutelt. Wenn man über Nachhaltigkeit diskutiert, spielt auch ganz viel Privileg mit rein. Es gibt viele Maßnahmen, die sich Große leisten können und Kleine vielleicht nicht. Wenn die ganze Branche mit dem Finger aufeinander zeigt, ist das kontraproduktiv. Wichtig wäre, dass Leute ihre Konzepte miteinander teilen."

Die internationale Sicht lieferte etwa Steven Raspa aus San Francisco, Associate Director of Community Events beim amerikanischen Burning Man Festival. Er sieht auch die Festivalbesucher in der Pflicht. "Unser Prinzip, keine Spuren zu hinterlassen beziehungsweise eine positive Spur zu hinterlassen, wo immer es möglich ist, ist die Grundvoraussetzung, unsere jährliche Genehmigung zu bekommen. Da dürfen keine Sägespäne oder der kleinste Metallabfall übrigbleiben. Das wäre ohne die Mithilfe der ganzen Gemeinschaft gar nicht möglich. Und sie ist stolz darauf. Wir alle achten viel mehr auf unsere Abfallströme, verschwenden kein Wasser und kümmern uns um die Umwelt."

Wenn auf deutschen Festivalgeländen Müll in Form von Zelten zurückgelassen wird, haucht die Firma tentation ihnen neues Leben ein, indem sie das Material zu Kleidung und Accessoires weiterverarbeitet. Mit dieser Idee waren die Hamburger auch Nominierte beim FOF Innovation Award und Teil eines großen Spektrums an Ausstellern, die sich für Nachhaltigkeit einsetzen.

Unter anderem präsentierten sich auf der Messe auch 2bdifferent, ein auf Nachhaltigkeitsberatung für die Veranstaltungswirtschaft spezialisierte Agentur, das Heidelberger Start-up Spoontainable mit essbarem Besteck, das Unternehmen Finizio - Future Sanitation mit Komposttoiletten für Großveranstaltungen und das Angebot Travel & Tree, über das für jedes gekaufte Festivalticket ein Baum gepflanzt werden kann.

Beim Kongress gab es in verschiedenen Diskussionsrunden auch immer wieder Forderungen an die Politik. So wünschte sich Fusion-Macher Martin "Eule" Eulenhaupt im Panel "Festivallobbyismus" mehr Planungssicherheit und weniger kurzfristige Entscheidungen trotz Pandemie. "Wir hatten dieses Jahr drei Veranstaltungen, für die wir jeweils am Mittwoch oder Donnerstag der Woche, in der die Veranstaltung war, die Genehmigung bekommen haben. Uns war klar, das bläst jetzt keiner mehr ab, aber es muss auch geklärt werden, was passiert, wenn am Schluss tatsächlich eine Behörde kurzfristig sagt: is nicht. Was machen wir dann? Dafür müssen Regelungen getroffen werden."

Einer, der sich für die Interessen von Festivals politisch einsetzen könnte, ist Deichbrand-Festival-Mitbegründer Daniel Schneider (SPD, MdB - Cuxhaven). Er sitzt seit Kurzem im Bundestag und weiß, dass die Festivalbranche Erwartungen an ihn hat. "Ich rechne fest damit, dass ich kurz davor bin, Kulturpolitik zu machen. Da freue ich mich sehr drauf."

Die Panels können bis zum 31. Dezember kostenpflichtig online aufgerufen werden. Die nächste Ausgabe von Future Of Festivals findet am 25. und 26. November 2022 wieder in der Arena Berlin statt.