Unternehmen

Deep Purple sind unter die Verbrecher gegangen

Erstmals in ihrer Karriere haben Deep Purple ein Coveralbum aufgenommen, Im Gespräch mit MusikWoche erklärt Keyboarder Don Airey, wie es dazu kam, und warum die Band so gern mit earMusic-Chef Max Vaccaro zusammenarbeitet.

26.11.2021 15:27 • von Dietmar Schwenger
Haben bei den Aufnahmen nicht persönlich miteinander gearbeitet: Deep Purple (Bild: earMusic)

Erstmals in ihrer Karriere haben Deep Purple mit "Turning To Crime" (earMusic/Edel, VÖ: 26. November 2021) ein Coveralbum aufgenommen, Im Gespräch mit MusikWoche erklärt Keyboarder Don Airey, wie es dazu kam, und warum die Band so gern mit earMusic-Chef Max Vaccaro zusammenarbeitet.

"Die Lage sah nicht gut aus: Wir mussten unsere für 2021 geplante Tournee komplett absagen und überlegten uns, was wir stattdessen tun könnten", erinnert sich Don Airey an eine Telefonkonferenz mit dem Produzenten Bob Ezrin und dem Deep-Purple-Manager Matt Clark. "Ich denke, es war Bob, der ein Coveralbum vorschlug, das wir dann alle in unseren eigenen Studios aufnehmen sollten. Ich war jedoch zunächst etwas skeptisch, denn ich hatte kurz zuvor mein eigenes Studio aufgelöst und hatte nur noch etwas Equipment wie ein kleines Mischpult behalten." Dennoch gab es am Ende keine Probleme. "Für mich war das auch eine Übung in Disziplin, denn ich habe mich nie zuvor selber aufgenommen. Nun musste ich den roten Aufnahmeknopf ¬drücken und dann in das andere Ende des Raums sprinten, um dort am Klavier meine Parts ¬einzuspielen."

Don Airey selber, der schon mit Bands wie Colosseum II, Rainbow oder Whitesnake gearbeitet und unzählige Sessions gespielt hat, aber auch Gitarrist Steve Morse und Bassist Roger Glover haben auf diese Weise jeweils vier Demos aufgenommen, auf der die anderen Bandmitglieder dann ihre Spuren aufnehmen mussten, da gemeinsame Studiosessions wegen der Pandemie nicht möglich waren. "Ian Paice hatte einen wirklich schwierigen Job, weil er sich nur vorstellen konnte, was die anderen Instrumente wohl danach spielen würden. Aber weil er ein fantastischer Drummer ist, ist es ihm auch gelungen, wundervolle Drumtracks einzuspielen."

Der 73-jährige, klassisch ausgebildete Keyboarder ist auch des Lobes voll für den langjährigen Deep-¬Purple-Produzenten: "Bob Ezrin hat einen großartigen Job bei der Produktion gemacht. Und es war wirklich nicht leicht, diese Aufnahmen so klingen zu lassen, als ob es eine reguläre Session gewesen wäre. Ich hatte mir Sorgen gemacht, dass alles etwas steril klingen könnte, denn viele File-Sharing-Alben klingen leblos, weil ihnen einfach jener gewisse Funke fehlt. Das war bei uns anders."

Auf diese Weise entstanden zwölf Songs und ein Medley. Obwohl Deep Purple auf ihren ersten Alben Songs unter anderem von den Beatles, Jimi Hendrix, Ike & Tina Turner oder Neil Diamond aufgenommen und für das "Infinite"-Album von 2017 den "Roadhouse Blues" der Doors neu interpretiert hatten, ist "Turning To Crime" das erste Coveralbum der Band. Es war Bob Ezrin, der vorgeschlagen hatte, nicht das Naheliegende zu tun, sondern eher Stücke auszusuchen, die die Musiker einst inspiriert hätten. So fanden Songs wie die frühe Rock'n'Roll-Nummer "Rockin' Pneumonia And The Boogie Woogie Flu", das von Airey eingebrachte "Jenny Take A Ride" oder "Lucifer" von Bob Seger den Weg auf das Album - letzterer "ein Song, den außer Steve keiner von uns kannte. Aber wir klingen immer wie Deep Purple, nicht nach Cream, Ray Charles, Little Feat, Love oder Fleetwood Mac, von denen wir nun Stücke aufgenommen haben", betont Airey.

Eine wichtige Rolle bei dem gesamten Prozess spielte auch wieder Max Vaccaro, General Manager earMusic. "Er ist das, was man in der Branche einen Record Man nennt. Er kennt sich zwar gut in der Musik aus, aber er weiß noch mehr über Marketing und was man braucht, um Musik erfolgreich zu machen. Es reicht nicht, einfach nur eine gute Platte zu machen. Und Max kennt immer einen Weg, wie man sie dem Publikum auch näherbringt und verkauft." Denn es gebe einen Unterschied zwischen einem großartigen Song und einer großartigen Platte, weiß der erfahrene Musiker. "Letztere braucht das gewisse Etwas, und Max bringt uns immer dazu, genau das abzuliefern. Er sieht Möglichkeiten, die in uns stecken, und die wir manchmal selber noch nicht kennen. Es ist wirklich aufregend, mit ihm zu arbeiten, denn man weiß nie, was er als nächstes vorhat."

So stamme auch die "Verbrecher"-Idee und sogar der Albumtitel von Vaccaro, "jenes spielerische Konzept, dass wir aufgegeben hätten, eigene Musik zu machen und nun die Songs anderer Leute stehlen. Und all das hat großartig funktioniert, wie man nun auch im Video zu >Oh Well< sieht. Meine Enkel sind von dem Clip total begeistert und wollen ihn wieder und wieder sehen."