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EVVC befürchtet "nicht nur das Aus für Veranstaltungen"

In einer besorgten Mitteilung schreibt der EVVC, dass die Folgen der jüngst beschlossenen Corona-Maßnahmen weit über die Veranstaltungswirtschaft hinausreichen und drohen, massiv zu werden. Sichere Veranstaltungen würden unmöglich gemacht, klagt der Verband.

25.11.2021 14:35 • von Dietmar Schwenger
Warnt vor Verschärfungen: EVVC-Geschäftsführer Timo Feuerbach (Bild: EVVC)

In einer besorgten Mitteilung schreibt der EVVC, dass die Folgen der jüngst beschlossenen Corona-Maßnahmen weit über die Veranstaltungswirtschaft hinausreichen und drohen, massiv zu werden. "Was buchstäblich über Nacht in einigen Bundesländern im Zuge neuer Verordnungen am 24. November 2021 über die Veranstaltungswirtschaft hereingebrochen ist, macht selbst die leidgeprüften Vertreter der Veranstaltungsstätten fassungslos", schreibt der EVVC.

So seien in einigen Bundesländern Veranstaltungen trotz 2G Plus UND negativ getestet plus Maske nur noch unter Einhaltung der Mindestabstände möglich, klagt der Verband. "Das bedeutet für den Großteil zuletzt immer wieder verlegter und umgeplanter Veranstaltungen das Aus - ohne jeglichen zeitlichen Vorlauf.". Der Verband spricht von "kurzfristigem Aktionismus und unverhältnismäßigen Einschränkungen".

"Noch vor wenigen Tagen hat der bayerische Ministerpräsident Markus Söder in einer Pressekonferenz die 2G-Plus-Regel in Verbindung mit Maske und 25 Prozent Auslastung für Veranstaltungen verkündet", sagt Jürgen Fottner, Geschäftsführer Arena Nürnberg Betriebsgesellschaft. "Darauf haben wir uns trotz der massiven Einschränkungen eingestellt. Dass nun ohne Vorlauf zusätzlich noch der Mindestabstand eingefordert wird, gefährdet die wenigen noch verbliebenen Veranstaltungen. Wir haben großes Verständnis für erforderliche Corona-Maßnahmen, der Abstand für Geimpfte mit Schnelltest und Maske ist aber in keiner Weise nachvollziehbar."

Dass trotz der Mahnung aus der Branche sichere Veranstaltungen unmöglich gemacht würden, löste Unverständnis und teilweise Verzweiflung aus. Denn professionell geplante Veranstaltungen wie Konzerte, aber auch wirtschaftsbezogene Veranstaltungen wie Ausstellungen oder Kongresse könnten sicher umgesetzt werden und seien kein Treiber der Pandemie.

"Mit 2G Plus könnten viele Häuser übergangsweise zumindest den Betrieb am Laufen halten, auch wenn das bei weitem nicht wirtschaftlich ist und somit keine Dauerlösung sein darf", betont Timo Feuerbach, Geschäftsführer EVVC. "Mitarbeiter könnten in Arbeit bleiben und Besucher hätten die Möglichkeit, sich in sehr sicherem Umfeld zu begegnen. Für viele Menschen ist das auch ein Anreiz, sich impfen oder zusätzlich testen zu lassen. All das wird mit dem zusätzlichen Abstandsgebot verschenkt, Vertrauen verspielt und die Veranstaltungswirtschaft aufs Neue ins Abseits gestellt."

Immer wieder habe die Veranstaltungsbranche bundeseinheitliche und verhältnismäßige Vorgaben für Veranstaltungen eingefordert für den Fall, dass sich die Pandemie verschärfe. Die am 18. November 2021 vom Bundesrat beschlossene Änderung des Infektionsschutzgesetzes und die Umsetzung der Maßnahmen durch die Bundesländer führe nun aber zu noch größerer Unsicherheit. "Der Flickenteppich an Regelungen ist größer denn je, die Lage für die Veranstaltungswirtschaft mehr als angespannt", heißt es in der Mitteilung.

"Durch die kurzfristig verschärfte Verordnung wurde die Durchführung bestimmter größerer Veranstaltungen in Niedersachsen de facto unmöglich gemacht", erläutert Jan Jansen, Geschäftsführer Marketing Osnabrück GmbH, die die Osnabrückhalle betreibt. "Am heutigen Donnerstag sollte bei uns eine Veranstaltung stattfinden, für die seit Montag aufgebaut wird. Bisher durften wir aufgrund der Entwürfe der Verordnung und einer lokal vorliegenden Genehmigung davon ausgehen, dass dies unter 2G Plus umsetzbar ist. Die neue Verordnung hat dann den Veranstalter und über 100 Personen mitten im Aufbau überrascht. Dies trägt weiter dazu bei, dass noch mehr Menschen unserer Branche den Rücken kehren."

"Dabei passen wir uns seit über 18 Monaten pflichtbewusst den wechselnden Vorgaben an. Niemand bestreitet, dass die Corona-Lage Maßnahmen erfordert, aber anstatt Veranstaltungen konsequent zu verbieten und Hilfsprogramme aufzusetzen, wird die Verantwortung wieder auf die Veranstaltenden abgewälzt. Denen bleibt oft keine andere Wahl als eine Absage, da die Regelungen nicht verantwortungsvoll umsetzbar sind. Die Situation erreicht langsam ein Maß, das nicht mehr ertragbar ist", so Jansen weiter.

Die Folgen gingen weit über die Veranstaltungsstätten und die reine Absage von Veranstaltungen hinaus, schreibt der EVVC. Betroffen seien ganze Wertschöpfungsketten vom Auftraggeber über Veranstalter, Selbstständige und Dienstleister bis hin zu Künstlern. Die Branche habe bereits massiv Arbeitskräfte verloren, die Zahlen der Auszubildenden in der Branche sänken coronabedingt massiv, die Umsätze seien teils um mehr als 80 Prozent zurückgegangen.

"Diese beängstigende Entwicklung droht sich nach hoffnungsvollen Monaten im Spätsommer nun dramatisch zu verschärfen", mahnt der Verband an. Die Veranstaltungswirtschaft war vor der Krise mit über 1,1 Millionen Beschäftigten und einem Jahresumsatz von 81 Milliarden Euro der sechstgrößte Wirtschaftszweig in Deutschland. Gastronomie, Hotellerie, Städte und Gemeinden profitierten in großem Maße von Veranstaltungen. Darüber hinaus stünden Veranstaltungen für Lebensqualität in der Stadt und auf dem Land und seien für eine lebendige Gesellschaft unerlässlich. "Dies alles steht nun auf dem Spiel."

Die aktuellen Regelungen der Bundesländer führten dazu, dass Veranstaltungen nicht untersagt, aber de facto unmöglich würden. Das wiederum mache die Nutzung der Ausfallabsicherungen gemäß des Sonderfonds für Kulturveranstaltungen beziehungsweise für Messen und Ausstellungen nahezu unmöglich. "Wenn es jedoch politischer Wille ist, dass Veranstaltungen selbst mit einem sehr hohen Maß an Sicherheit nicht mehr stattfinden sollen, müssen die Hilfsmaßnahmen angepasst werden", mahnt der Verband an..

Gemeinsam mit weiteren maßgeblichen Verbänden kämpfe der EVVC daher im Forum Veranstaltungswirtschaft für die Interessen der Branche und appelliere eindringlich an die Politik: "Es braucht klare, bundeseinheitliche Regelungen für Veranstaltungen mit ausreichend zeitlichem Vorlauf und damit eine Perspektive über die nächsten Wochen hinaus.

Konkret fordert der EVVC: Veranstaltungen mit 2G und Schnelltest (2G Plus) müssen ohne Abstand und Kapazitätsbeschränkung möglich sein. Die Verlängerung aller Hilfsprogramme und der vereinfachten Kurzarbeitsregelungen bis Juli 2022 sei zwingend erforderlich. Es bedürfe weiter der Unterstützung der betroffenen öffentlichen Unternehmen und Kommunen durch den Bund. Die neue Bundesregierung müsse die Gespräche mit den Branchenvertretern intensivieren - ein Beauftragter für die Veranstaltungswirtschaft müsse schnellstmöglich eingesetzt werden.