Livebiz

Clubcommission kritisiert Auswertung der Luca App

Basierend auf Zahlen der Luca App zu Warnmeldungen des Gesundheitsamts in verschiedenen Branchen, würden 2G-Veranstaltungen etwa in Clubs als Corona-Hotspots dargestellt. Gegen diese Annahme wehrt sich nun die Clubcommission.

18.11.2021 11:45 • von Dietmar Schwenger
Sorgt für Diskussionen: die Lucca App (Bild: Jascha Müller-Guthof)

Basierend auf Zahlen der Luca App zu Warnmeldungen des Gesundheitsamts in verschiedenen Branchen, würden 2G-Veranstaltungen etwa in Clubs als Corona-Hotspots dargestellt. Gegen diese Annahme wehrt sich nun die Clubcommission Berlin. Dieser Ruf gebühre "ganz klar" anderen Bereichen, heißt es aus Berlin

Die Clubcommission kritisiert, dass die Zahlen fälschlicherweise einen der wenigen Bereiche des öffentlichen Lebens in ein falsches Licht rücken, der seit Pandemiebeginn für einen besonders verantwortungsbewussten Umgang mit dem Infektionsgeschehen stehe.

Am 15. November 2021 veröffentlichte die neXenio GmbH, Betreiberfirma der Luca App, eine Pressemitteilung, laut der Clubs für 49 Prozent der im Oktober von den Gesundheitsämtern über die App verschickten Warnmeldungen verantwortlich seien. Daraufhin hätten zahlreiche Medien die Ursache für die steigenden Inzidenzen im Nachtleben gesehen.

So versah die ARD-"Tagesschau" einen Artikel mit der Überschrift "Bars und Clubs sind Corona-Hotspots". In der Berichterstattung seien Zusammenhänge zwischen Infektionen und Nachtleben, ebenso wie zwischen Warnungen des Gesundheitsamts und tatsächlichen Ansteckungen konstruiert, die nicht existierten, streicht die Clubcommission heraus.

Der Verband räumt ein, dass die Wiedereröffnung der Clubs nach anderthalb Jahren Schließung mit viel Skepsis betrachtet werde. "Natürlich achten auch die Gesundheitsämter besonders darauf, Infektionen nachzuverfolgen, in denen viele Menschen ohne Maske und Abstand aufeinandertreffen. Wird eine Person nach einem Clubbesuch positiv getestet, verschickt das Gesundheitsamt mitunter 20000 Warnungen an alle Besucher:innen."

Doch das Publikum sei vollständig geimpft oder genesen, nur so sei der Zutritt zu 2G-Clubnächten überhaupt möglich. "Auch wenn Impfdurchbrüche zu verzeichnen sind, lässt sich unter 2G keine massenhafte Ansteckung beobachten."

Dem Verband ist klar: "Corona-Hotspots, also Orte, an den sich massenhaft und unkontrolliert Personen mit Corona infizieren, sind bittere Realität. Diese sind derzeit fast ausschließlich in ländlichen Regionen mit geringen Impfquoten zu finden." Ein Blick auf die aktuellen Hochinzidenzgebiete und auf die enormen Unterschiede der Inzidenzen zwischen geimpften und ungeimpften Personen beweise: "Die Infektionen, die uns aktuell Sorge bereiten sollten, finden nicht in Clubs statt. Dass eine Pressemitteilung der Luca App so leicht von der fehlenden Impfbereitschaft in Teilen der Bevölkerung ablenken kann, ist enttäuschend."

Konkret kritisiert die Clubcommission: "Bei genauerer Betrachtung, wirkt der Vorwurf grotesk, es handele sich bei Clubs um Corona-Hotspots. Diesen Herbst konnte die Clubkultur nur unter Einhaltung aller Hygienestandards wiedereröffnen, die die pandemische Lage zu bieten hat. Keine anderen Orte erfüllen ihre Pflicht der Anwesenheitsdokumentation so gewissenhaft wie die des Nachtlebens."

Während der Einzelhandel laut Luca App vermeintlich sicher erscheine, nur ein Prozent der vom Gesundheitsamt verschickten Warnungen stammt von hier, werde in dem Bereich mit wenigen Ausnahmen gar keine Möglichkeit des Check-Ins gegeben.

"Auch in anderen Bereichen des öffentlichen Lebens sind Check-Ins keine Voraussetzung oder werden gar nicht beziehungsweise nur zu unzureichend kontrolliert. Es entsteht eine Scheinkorrelation, in der die Realität von Infektionen auf Orte zurückgeführt wird, weil diese eine konsequente und überwiegend digitale Anwesenheitsdokumentation ermöglichen."

Für die Clubcommission formuliert Pressesprecher Lutz Leichsenring:"Clubbesucher:innen erfahren nachträglich, ob eine am Abend ihres Besuchs anwesende Person positiv auf Corona getestet wurde. In fast allen anderen Bereichen des öffentlichen und privaten Lebens ist diese Gewissheit nicht gegeben. Auch wenn wir als Betreiber:innen mit Sorge auf die kommenden Monate blicken, können wir von uns behaupten, dass wir die Hygieneregeln und Kontaktnachverfolgung sehr ernst nehmen."