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Forum Veranstaltungswirtschaft appelliert an Politik

Das Forum Veranstaltungswirtschaft sieht viele Existenzen in der Livebranche gefährdet und fordert die geschäftsführende Regierung und die neuen Koalitionäre auf, "sich unverzüglich mit den Vertretern des Wirtschaftszweiges zu treffen, um schnelle und konkrete verhältnismäßige Maßnahmen zu erörtern".

16.11.2021 14:38 • von Frank Medwedeff
Mahnt Anstrengungen an, um den Fachkräfteverlust aufzuhalten: EVVC-Geschäftsführer Timo Feuerbach (Bild: EVVC)

Das Forum Veranstaltungswirtschaft sieht die Livebranche angesichts der dramatisch steigenden Coronazahlen "vor demselben Dilemma wie vor zwölf Monaten". Dabei werde ein erneuter Lockdown von allen Politikern als "unnötig und vermeidbar" betrachtet. Doch die meisten Präventivmaßnahmen wie zum Beispiel etwa kostenlose Tests sowie Impfkampagnen und "nachdrücklichere Aufklärung von Impfverweigerern" seien eingestellt worden.

"Einzig bei Veranstaltungen" scheine man sich seitens der Politik "schnell einig zu sein", denn wieder sollen "pauschal alle Veranstaltungen untersagt" werden oder nur mit Kapazitätsbegrenzungen stattfinden, wie die Vertreter der "sechs maßgeblichen Verbände" des Wirtschaftsbereichs beklagen, die sich im Forum Veranstaltungswirtschaft zusammengeschlossen haben (BDKV, EVVC, LiveKomm, isdv, VPLT und FAMA).

Die Veranstaltungsbranche unterstütze seit Beginn der Pandemie "alle verhältnismäßigen Maßnahmen" zum Infektionsschutz. Ein erneuter Lockdown für den sechstgrößten Wirtschaftszweig der Republik wäre, wie das Forum bekräftigt, "allerdings unverhältnismäßig und angesichts der vorhandenen Maßnahmen nicht zu rechtfertigen".

Das Forum Veranstaltungswirtschaft fordert daher die geschäftsführende Regierung und die an den Koalitionsverhandlungen Beteiligten auf, "sich unverzüglich mit den Vertretern des Wirtschaftszweiges zu treffen, um schnelle und konkrete verhältnismäßige Maßnahmen zu erörtern".

Die Forderungen sind im Einzelnen:

1. Ausweitung von flächendeckenden kostenlosen Schnelltests.

2. Veranstaltungen mit 2G und Schnelltest ohne Kapazitätsbeschränkung und ohne Masken.

3. Veranstaltungen mit 3G und PCR-Test für Ungeimpfte ohne Kapazitätsbeschränkung und ohne Masken.

4. Verlängerung aller Hilfsprogramme der ÜH3-Plus inklusive Neustarthilfe plus und 100 Prozent Kurzarbeitergeld bis Juli 2022.

5. Einführung der "Restartmatrix" des Forums Veranstaltungswirtschaft, um gleiche Regeln für Veranstaltungen in allen Kommunen und Gemeinden sicherzustellen.

6. Intensivierung der Gespräche mit den Branchenvertretern und sofortiges Handeln der Bundesregierung.

Timo Feuerbach, Geschäftsführer des EVVC, erläutert: "Durch unverhältnismäßige Einschränkungen droht nicht nur enormer wirtschaftlicher Schaden. Über eine Million Erwerbstätige verlieren wieder jegliche Perspektive. Der Branche gehen mehr und mehr gut ausgebildete Arbeitskräfte verloren. Davor darf die Politik nicht die Augen verschließen."

Michael Kynast, Vorstandsmitglied im FAMA e.V., merkt an: "Eine Auswertung der Kontakt-App 'Luca' aus dem vergangenen Oktober hat gerade ergeben, dass der Anteil aller Veranstaltungsformate an den von Gesundheitsämtern ausgelösten Kontakt-Warnmeldungen (insgesamt rund 130.000) nur bei 7,8 Prozent liegt. Das deutet klar darauf hin, dass Messen und Veranstaltungen keine Infektionstreiber und zudem sehr sichere Formate sind. Daher brauchen wir jetzt umsichtige Kommunikation und beherztes politisches Handeln, sonst ist der zarte Neuanfang der Messe- und Veranstaltungsbranche schon wieder gefährdet."

Jens Michow, geschäftsführender Präsident des BDKV, mahnt an: "Gemäß der letzten GfK-Marktstudie des Bundesverbands der Veranstaltungswirtschaft erwirtschaftete allein die Live-Veranstaltungsbranche bereits im Jahr 2017 rund fünf Milliarden Euro mit dem Verkauf von über 113 Millionen Tickets. In den zwanzig Monaten faktischem Lockdown beträgt der Umsatzverlust allein für die Konzert-, Tournee- und Festival-Veranstalter bis Ende des vergangenen Jahres bereits rund 3,5 Milliarden Euro."

"Bis Ende 2021 wird sich der Umsatzverlust auf mindestens 8,5 Milliarden Euro addieren. Hinzu kommen die erheblichen Ausstrahlungseffekte zum Beispiel auf Städte und Gemeinden durch den Musiktourismus und die Einnahmeverluste der großen Zahl von Solo-Selbstständigen, die vom Veranstaltungsgeschäft abhängig sind. Die Umsatzverluste der Wirtschaftsveranstaltungen wie zum Beispiel der Messen, Konferenzen und Business-Events betragen sogar rund 81 Milliarden Euro. In dem Gesamtwirtschaftsbereich würden 1,1 Millionen Menschen ein weiteres Mal jegliche Perspektive verlieren", so Michow weiter.

Marcus Pohl, Vorsitzender der isdv, gibt folgendes Statement ab: "Für die selbstständigen Dienstleister*innen in der Veranstaltungswirtschaft bricht das zweite Jahr mit nahezu leeren Auftragsbüchern an. Alle Veranstaltungen im ersten Quartal 2022 wackeln bereits wieder deutlich. Wir brauchen endlich langfristige einheitliche Lösungen und keine jährlich wiederkehrenden spontanen Einschränkungen."

Linda Residovic, Geschäftsführerin des VPLT, ergänzt: "Die Branche schwebt ständig zwischen Hoffen und Bangen. Wir könnten einer der Motoren für Wirtschaftswachstum sein. Wir brauchen aber jetzt bundeseinheitliche und verhältnismäßige Regeln."