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Medientage München diskutierten Spannungsverhältnis von Streaming und Radio

Um den deutschen Audio- und Radiomarkt ging es am 27. Oktober bei den Medientagen in München. Michael Krause von Spotify bezeichnete dabei den Streamingdienst als "Browser für Audio". Jona Teichmann vom Deutschlandradio sieht Spotify dagegen mehr als Konkurrent denn als Partner.

27.10.2021 16:49 • von Jonas Kiß
Im Isarforum München (von links): Richard Goerlich (Klassik Radio), Jona Teichmann (Deutschlandradio), Nina Gerhardt (RTL Radio), Michael Krause (Spotify) und Moderator Andreas Horchler (Bild: MusikWoche)

Um den Einfluss der großen Streamingdienste auf den deutschen Audio- und Radiomarkt ging es am 27. Oktober 2021 bei den 35. Medientagen in München.

Unter dem Motto "Relevante Inhalte, Vermarktung, Technologie - Was sind die Gamechanger im Audiomarkt?" diskutierten Michael Krause (General Manager Europa Spotify), Nina Gerhardt (Geschäftsführerin RTL Radio Deutschland), Richard Goerlich (Geschäftsführer und Chief Content Officer Klassik Radio) und Jona Teichmann (Programmdirektorin Deutschlandradio) in einer von Andreas Horchler (Gründer & CEO podcon.de) moderierten Runde im Isarforum.

So sieht Jona Teichmann Spotify derzeit als einen Partner für den Rundfunk, aber auch als Konkurrenten. "Möglicherweise werden wir irgendwann nur noch Konkurrenten sein."

Zuvor hatte Michael Krause bereits erzählt, wie Spotify in den vergangenen Jahren massiv in den Podcast-Bereich investiert hat, und diesen Teil des Streamingdiensts mit vielen Inhalten, aber auch personell ausgebaut hat.

"Wir haben uns gewandelt von einer Musikplattform, als die wir gestartet sind, zu einer Audioplattform", erklärte Krause: "Die Zusammenführung der beiden Welten Musik und Podcast ist eine logische Konsequenz." Laut Moderator Andreas Horchler habe sich die Zahl der Personen, die bei Spotify für Podcasts zuständig sind, inklusive der Akquisitionen von Podcast-Firmen durch den Streamingdienst, in den letzten Jahren von 30 auf 1000 Mitarbeiter erhöht.

Spotify hat zudem laut Michael Krause die meisten Podcasts der öffentlich-rechtlichen Radiosender in Deutschland mit im Programm. "Wir sehen uns als Browser für Audio. Das heißt: wir sind offen für Inhalte. Außerdem haben wir mit Spotify Open Access eine neue Schnittstelle gestartet, über die man selber einfach Inhalte live stellen kann. So kann man selber ein eigenes Geschäft und eine eigene Kundenbindung betreiben und Spotify einfach als Abspielplattform nutzen." Da gebe es noch viele Möglichkeiten für öffentlich-rechtliches und privates Radio, das auch zu nutzen.

Laut Krause wandelt sich Spotify derzeit von einer "Plattform, wo man einfach alle Musik der Welt zu einem Fixpreis kaufen oder werbefinaziert hören kann, hin zu einer wirklich offenen und großen Audioplattform".

Jona Teichmann betonte hingegen, dass ein Audioprodukt durch den Inhalt und die Machart erfolgreich sei, und nicht wegen der Plattform. "Vielleicht gibt es irgendwann auch nochmal einen ganz anderen Zugangsweg", so Teichmann.

Über die Vermarktung und Monetarisierung von Podcasts sprachen derweil Katharina Frömsdorf ( Geschäftsführerin Seven) und Steffen Hopf  ( Geschäftsführer Julep Media). 

"Wir haben von Anfang an sehr stark auf native Vermarktung gesetzt, also den sogenannten 'Host read Ad'", erklärte Frömsdorf. "Nun haben wir eine Studie durchgeführt, die gezeigt hat, dass Werbekunden derzeit am meisten an dieser nativen Werbung interessiert sind. Auf der anderen Seite haben wir auch bei unseren eigenen Podcasts gesehen, dass die Kernzielgruppe zwischen 25 und 35 Jahren liegt." Die von "einem populären und bekannten Moderator gesprochene oder erzählte Werbebotschaft" habe laut Frömsdorf eben eine andere "Werbewirkung" als eine "klassische Audiowerbung".

ProSiebenSat1 stellte zum Herbst seine Audio-Plattform FYEO (For Your Ears Only) und die dazugehörige App ein. FYEO bleibt aber als Marke bestehen und findet sich weiter bei den produzierten Podcasts und Hör-Formaten wieder. Allerdings werden diese jetzt direkt auf allen großen Streamingdiensten veröffentlicht und nicht mehr zuerst hinter einer Paywall als Exclusive versteckt. Stattdessen rückte die Podcast-Vermarktung und die Reichweite in den Vordergrund.

Mit der Einführung eines AdServers will die zuständige Unternehmenseinheit Seven.One Audio Native-Advertising-Kampagnen der Kunden nun gezielt auf allen Streamingdiensten ausspielen und damit noch höhere Reichweiten und genaueres Targeting erzielen.