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listen to berlin: Awards vergeben

Zum Auftakt der Konferenz Most Wanted: Music fand im Kesselhaus der Kulturbrauerei in Berlin am 26. Oktober zum sechsten Mal die Verleihung der listen to berlin: Awards statt. Die Berlin Music Commission zeichnete unter anderem das Kollektiv Freak de l'Afrique, die Initiative Music Declares Emergency sowie die mit dem Ehrenpreis bedachte Anja Schneider aus.

27.10.2021 13:20 • von Frank Medwedeff
Freuten sich über den Preis für Förderung und Entwicklung der Berliner Musikszene: Ukai Ndame aka Katia und Aziz Sarr von Freak de l'Afrique (Bild: Stefan Wieland)

Zum sechsten Mal und "endlich wieder vor echtem Publikum" wurden am 27. Oktober die listen to berlin: Awards im Kesselhaus der Kulturbrauerei im Rahmen von Most Wanted: Music verliehen. Nach den vorausgegangenen pandemiegeprägten Monaten hat die Berlin Music Commission damit wieder knapp 250 geladene Gäste aus der Berliner Musikbranche zusammenbringen können. Bei der Awardshow, die im letzten Jahr kurzfristig als reine Online-Veranstaltung stattfinden musste, standen demnach "die Freude über reale Begegnung und lange vermisste Livemusik", aber auch "der Appell für einen kulturellen und politischen Wandel der Branche" im Mittelpunkt".

Olaf "Gemse" Kretschmar, Vorstandsvorsitzender der Berlin Music Commission, sagte zum Auftakt der Veranstaltung: "Wir leben noch. Es war eine herausfordernde Zeit. Unternehmen haben 15, 16 manchmal 17 Monate keinen Umsatz gemacht - niemand hätte erwartet, dass das überhaupt möglich ist. Aber Viele haben sich sehr engagiert - deshalb lebt die Branche noch. Die Vergangenheit haben wir überlebt, jetzt müssen wir die Weichen stellen, dass wir auch die Zukunft überleben!"

Erneut führten Musikerin und Aktivistin Achan Malonda und rbb-Fritz-"Unsigned"-Moderator Christoph Schrag durch den Abend und ließen es sich nicht nehmen, selbst eine musikalische Einlage zum Besten zu geben.

Verliehen wurden die Musikpreise in acht Kategorien. Den Preis für Nachhaltigkeit erhielt die Initiative Music Declares Emergency: Über 6000 Musiker:innen und Akteur:innen der Musikbranche hatten im Rahmen der Kampagne "No Music On A Dead Planet" den Klimanotstand ausgerufen und fordern nun Politik und Medien zu konsequentem Handeln auf. Auch ihre Dankesrede nutzten sie für eine Aufforderung an die Branche, mit gutem Beispiel voran zu gehen und sich aktiv für mehr Nachhaltigkeit einzusetzen.

Das Kollektiv Freak de L'Afrique, das seit Jahren beharrlich Dancefloors, Bühnen und Freiräume für BIPoC in Berlin erkämpft, wurde mit dem Preis für Förderung und Entwicklung der Berliner Musikszene geehrt. Neben Freak de L'Afrique waren auch das feministische Kollektiv GRRL-Noisy sowie der Agenturen-Zusammenschluss Booking United nominiert gewesen. In ihrer Laudatio honorierte die DJ und Podcasterin Gizem Adiyaman die Nominierten, die "nicht nur den Sound unserer Stadt prägen, sondern auch unseren Spirit. Denn Community steht bei allen drei an erster Stelle - und das ist ein Zeichen für Berlin." Freak de l'Afrique widmete den Preis allen Frauen und schwarzen Künstler:innen in der Stadt.

In der Kategorie "kreativstes Musikvideo" setzte sich mit Kritikerliebling Danger Dans "Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt" der "wohl meistdiskutierte Song des Jahres 2021" durch, wie die Berlin Music Commission bekräftigt.

Für ihr langjähriges Engagement im Zeichen von Diversität und Queerfeminismus wurde Musik- und Filmkuratorin Melissa Perales mit dem Rolf Budde Preis für Haltung honoriert.

Die seit einem Jahr bestehende Fachgruppe der Berliner Veranstaltungswirtschaft konnte sich im Rennen um den Wirtschaftspreis durchsetzen; und der Preis für Musikjournalismus ging an den Kulturjournalisten und radioeins-Moderator Torsten Groß.

DJ, Produzentin, Radiomacherin, Labelinhaberin und "Gesicht der Berliner Techno-Kultur" Anja Schneider erhielt - nach einer feierlichen Rede von Techno-Urgestein Dr. Motte - den Ehrenpreis.

Als "besonderes Highlight" resümiert die Berlin Music Commission die Kategorie "Jurypreis", welche mit Maury111, Caxxianne und ÄYA gleich drei Gewinner:innen hervorbrachte. Dank Unterstützung durch MusicHub, das Kesselhaus und Native Instruments konnten allen drei Musiker:innern Preise überreicht werden. Maury111 gehörte auch neben Rusnam zu den Live-Acts der diesjährigen listen to berlin Compilation, die die Preisverleihung musikalisch begleiteten. Zum krönenden Abschluss habe die Punk-Band Skin On Flesh das Kesselhaus noch einmal aufgeheizt.

Die listen to berlin: Awards eröffnen traditionell Most Wanted: Music, "Berlins größte Konferenz für die professionelle Musikbranche", die noch bis zum 28. Oktober ebenfalls in der Kulturbrauerei und online stattfindet.