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CISAC meldet Milliardenloch in den Kassen der Kreativschaffenden

Die Corona-Pandemie sorgte für massive Einbußen bei den weltweiten Einnahmen der Verwertungsgesellschaften und ihrer Mitglieder. Laut dem "Global Collections Report" der CISAC sanken die Tantiemen der Kreativschaffenden im Jahr 2020 um eine Milliarde Euro.

27.10.2021 08:09 • von
Dicke Delle: die weltweiten Einnahmen der Verwertungsgesellschaften und ihrer Mitglieder aus den Reihen der Kreativschaffenden brachen im Zuge der Conona-Pandemie im Jahr 2020 um 9,9 Prozent ein (Bild: Daten und Grafik CISAC)

Die Corona-Pandemie sorgte 2020 für massive Einbußen bei den weltweiten Einnahmen der Verwertungsgesellschaften und ihrer Mitglieder. Laut dem "Global Collections Report" des CISAC-Dachverbands fielen die Tantiemen der Kreativschaffenden im vergangenen Jahr um eine Milliarde Euro schmaler aus als noch 2019. Demnach beliefen sich die globalen Gesamteinnahmen der Urheber*innen aus den Bereichen Musik und audiovisuelle Werke sowie aus Kunst, Theater und Literatur auf 9,32 Milliarden Euro, ein Minus von fast zehn Prozent zum Vorjahreswert in Höhe von 10,35 Milliarden Euro.

Damit bleiben die Folgen der Pandemie allerdings deutlich hinter den ersten Befürchtungen aus dem Vorjahr zurück: Vor Jahresfrist hatte die CISAC bei der Präsentation ihres damaligen Berichts noch mit Umsatzeinbrüchen in Höhe von bis zu 35 Prozent oder gut 3,5 Milliarden Euro gerechnet.

Hauptursache für den nun bestätigten Rückgang in etwas knapperer Milliardenhöhe seien pandemiebedingte Einbußen bei den Vergütungen für Livekonzerte und öffentliche Aufführungen, die sich laut CISAC-Angaben nahezu halbiert hätten: Die mit Konzerten und öffentlichen Aufführungen eingespielten Tantiemen sanken demnach um 45 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro, die Einnahmen aus Konzerten allein seien dabei um geschätzte 55 Prozent eingebrochen.

Das konnte auch ein Anstieg der Lizenzeinnahmen aus dem Digitalgeschäft nicht auffangen. Hier sorgte die weiter wachsende Nutzung von Streamingdiensten für Musik und Videos für ein Plus in Höhe von 16,6 Prozent auf Erlöse von nunmehr 2,4 Milliarden Euro.

Damit hätten die Vergütungen aus der digitale Musiknutzung erstmals die Live- und Hintergrundmusik als weltweit zweitgrößte Einnahmequelle der Verwertungsgesellschaften und ihrer Mitglieder überholt, teilt die CISAC mit: "In vielen Märkten, vor allem in Asien, ist der digitale Bereich bereits die wichtigste Einnahmequelle."

Auf globaler Basis aber sorgten Radio und Fernsehen weiterhin für den größten Anteil an den Erlösen für Musikurheber, obwohl die Einnahmen aus dem Rundfunksektor um 4,4 Prozent auf 3,2 Milliarden Euro zurückgingen. Der Umsatzanteil des Rundfunks am gesamten Tantiemenaufkommen stieg jedoch von gut 37 Prozent im Vorjahr auf nunmehr 39,7 Prozent.

Im Musikbiz in Europa seien die pandemiebedingten Einbußen am höchsten ausgefallen, rechnet die CISAC in ihrem Bericht vor: Mit Einnahmen in Höhe von 3,96 Milliarden Euro hätten die europäischen Verwerter von Musikrechten 2020 einen Rückgang um 16,9 Prozent hinnehmen müssen. Allerdings hätten sie damit immer noch 48,8 Prozent der weltweiten Tantiemenerlöse gestanden.

Bei der CISAC nimmt man die Auswirkungen der Pandemie auf die Einnahmen der Kreativschaffenden zum Anlass, die Vergütungspraxis der Streamingplattformen zu kritisieren: "Urheber arbeiten heute in einem ungerechten Ökosystem", konstatiert CISAC-Präsident Björn Ulvaeus in seiner Einleitung zum "Global Collections Report" unter dem Motto "Credit To The Creators": "Wenn wir akzeptieren, dass der Song - oder das kreative Werk eines beliebigen Repertoires - die Grundlage unserer Kreativwirtschaft ist, warum akzeptieren wir dann die weitgehende Unsichtbarkeit des Urhebers in der kommerziellen Wertschöpfungskette?" Die COVID-19-Pandemie habe laut Ulvaeus zwei Dinge deutlich gemacht: "Erstens, dass Streaming sich schnell zur künftig wichtigsten Einnahmequelle der Urheber entwickeln wird. Und zweitens, dass die Streamingeinnahmen, so schnell sie auch wachsen mögen, derzeit einfach keine faire Vergütung bieten, wenn sie auf Millionen von einzelnen Empfängern verteilt werden."

_____"Das Streaming der Zukunft muss besser auf die Bedürfnisse der Kreativen zugeschnitten sein und ihnen ein wirtschaftliches Auskommen ermöglichen." Harald Heker, GEMA.

Auch bei der GEMA als Mitglied der CISAC stellt der Vorstandsvorsitzende Harald Heker fest, dass die Corona-Pandemie "weltweit tiefe Spuren in den Bilanzen der Autorengesellschaften hinterlassen", zugleich aber auch "den Übergang zu digitalen Nutzungen weiter beschleunigt" habe: "Diese können die Ausfälle in anderen Bereichen jedoch in keiner Weise kompensieren", kommentiert Heker. "Vor allem im immer wichtiger werdenden Streamingmarkt fehlt es an Fairness und Transparenz, aber auch an der Sichtbarkeit von Urheberinnen und Urhebern." Der GEMA-Vorstandschef fordert: "Das Streaming der Zukunft muss besser auf die Bedürfnisse der Kreativen zugeschnitten sein und ihnen ein wirtschaftliches Auskommen ermöglichen. Dafür setzen wir uns als GEMA ein."

Text: Knut Schlinger